Direkt zum Hauptbereich

Garzón erklärt sich und Berlin wird es als erstes erfahren

Der umstrittene, aber auch mutige und oft angefeindete spanische Untersuchungsrichter Baltasar Garzón steht im Mittelpunkt eines Dokumentarfilms der katalanischen Regisseurin Isabel Coixet. Im Film antwortet Garzón auf die Fragen des Schriftstellers Manuel Rivas. Der Film dauert 84 Minuten. Er wird im Rahmen der Berlinale in Berlin in der Abteilung "Spezielle Ereignisse" gezeigt werden.

Baltasar Garzón geht in dem Film auf seine ersten Schritte als Richter ein. Nächste Woche kann er auf sein 30-jähriges Jubiläum als Richter zurückblicken. Er erinnert sich an seine Freund, die bereits gestorben sind wie der Richter Giovanni Falcone, an dessen Beerdigung er 1993 teilgenommen hatten und dessen Unbestechlichkeit und Hartnäckigkeit seine weitere berufliche Tätigkeit beeinflussten. Er legte sich dabei in Spanien mit mächtigen Gruppen an und arbeitete viele Skandale juristisch auf. Hohen Bekanntsheitsgrad erlangte er weltweit, nachdem er in London die Festnahme des chilenischen Ex-Diktators Augusto Pinochet durchsetzte.

Inzwischen ist er zum Hassobjekt der spanischen Rechten geworden, weil er es wagte, ein Untersuchungsverfahren gegen die Mörder des spanischen Bürgerkriegs einzuleiten und gleichzeitig mit Nachdruck auch das Verfahren im Skandal "Gürtel", in den die Aznar-Regierung und die spanische Oppositionspartei Partido Popular zutiefst verwickelt waren, engergisch betrieb. Im Film erklärt er dazu folgendes:
Zur Jagd auf ihn im Fall "Gürtel": "Der Zeitpunkt, an dem der sogenannte Fall "Gürtel" ans Tageslicht kam, war für mich ein entscheidender Wendepunkt. Von diesem Zeitpunkt an begann die Hetzjagd in gewissen Medien gegen mich. Es begann eine Hetze und gnadenlose Verfolgung sowohl in meinem Privatleben wie auch in meinem Beruf. Ich wurde mit Anzeigen und ständigen Klagen überzogen, nur weil ich schwerwiegende Verbrechen der Geldwäsche untersuchte. Das war schließlich meine Pflicht als Richter."
Zu den Verbrechen des Franco-Regimes: "Was mich sehr aufmerksam machte, war, dass es 70 Jahre nach dem Bürgerkrieg keine Organisation gab, die ein Verzeichnis oder Dokument hatte, wo die Opfer, deren Zahl und die Orte verzeichnet waren. In einigen Autonomien gab es das, auch einige Nichtregierungsorganisation haben es getan, aber auf Staatsebene existierte nichts dergleichen."

Während des Gesprächs hatte Garzón emotionale Momente. So fragte er sich: "Wo zum Teufel soll eine Zahlung der Banco de Santander an mich hergekommen sein (ein entsprechender Versuch einer Unterstellung, dass er Geld von dieser Bank bekommen haben soll, wurde gemacht)? Bei Gott, was soll das? Warum? Warum heisse ich Garzón?". Es war ein Moment des Zorns und des Schmerzes, der ihn auch überkam als er von seiner Familie sprach, von seinen Kindern, denen er sein Buch "Un mundo sin miedo" (Eine Welt ohne Angst) widmete.

Garzón ist zur Zeit mit einem befristeten Auftrag am Internationalen Gerichtshof von Den Haag beschäftigt. Abgeschoben hatten den Unbequemen seine Richterkollegen, die mit windigen Gründen versuchten, ihn mit einem Disziplinarverfahren zum Schweigen zu bringen. Ein beschämendes Kapitel spanischer Justizgeschichte.


Siehe auch:
Der Fall "Gürtel" - Spaniens Rechte zittert
Die spanische Justiz unfähig vor den Scherben der Vergangenheit
Justiz bringt spanische Faschisten in Hochstimmung

Informationsquelle:
La película de Baltasar Garzón · ELPAÍS.com

Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

7 Gründe warum man nicht nach Rumänien auswandern oder fliehen sollte

Journalistin Laura Stefanut von der Webseite “Romania Curata” hat 7 Gründe dafür gefunden, dass man nicht nach Rumänien auswandern oder fliehen sollte. Sie spricht zwar von Einwanderern, aber tatsächlich geht es um Flüchtlinge. Die Situation sieht für diese so aus: Rumänien ist ein Land, aus dem Millionen Auswanderer nach Westeuropa und Nordamerika ausgewandert sind. Es ist aber kein Land, in das man auswandert. Gegenwärtig gibt es etwa 60.000 Einwanderer von außerhalb der EU im Land. Forscher der Sozialwissenschaften warnen, dass Rumänien auf eine schnelle demographischen Überalterung zusteuert, das viele Vorteile aus der Integration von Einwanderern ziehen könnte. Aber trotz aller Warnungen und Forschungen hat der Staat wenig sinnvolles in diese Richtung getan. Vor kurzem gab es Nachrichten über 2 Flüchtlinge, die aus Versehen in Rumänien gelandet waren und anfingen zu weinen als sie merkten, wo sie waren. Leider, das bestätigen die Forschungen, ist Rumänien kein gut

In Treue fest zum Atom

Der spanische Industrieminister macht es sich leicht. Ein paar Tage vor dem Unglück von Fukushima erklärte er: "Sich vor der Nuklearenergie fürchten ist wie vor der Sonnenfinsternis Angst haben". María Teresa Domínguez, Sprecherin der Forums der spanischen Atomernergie erzählt 2009 in einem Interview: "Spanien hat 8 Atomkraftwerke, die auf höchstem Weltniveau bezüglich Verfügbarkeit und Betriebsbedingungen operieren." Keine Rede davon, dass die AKW Vandellos und Ascó schon Störfälle auf höchstem Niveau hatten. Frau Domínguez bedauert, dass die Nuklearenergie nur zu 8% zur Energieversorgung Spaniens beiträgt. Deshalb will sie daraufhin arbeiten, dass der spanische Strommix für die Zukunft einen Anteil von 30% an der Landesversorgung bekommt. Keine Angst wegen den Risiken? "Nein, die Risiken sind kontrollierbar. Ich sage das, weil ich Technikerin bin und auf dem Gebiet der Sicherheit der Atomkraftwerke arbeite. Aber das sage nicht nur ich, sondern das ist

Noch nie wurden soviel Homosexuelle in Brasilien ermordet wie 2017

Victor Ribeiro von der Radioagência Nacional berichtet über einen traurigen Rekord in Brasilien: Brasilien schaffte im vergangenen Jahr einen traurigen Rekord. Alle 19 Stunden wurde eine Person getötet nur weil sie der LGBT -Gemeinschaft angehörte, egal ob sie lesbisch, schwul, bisexuell, Travestit oder transsexuell war. Insgesamt gab es 445 Tote nach einer kürzlich veröffentlichten  Zusammenstellung der Grupo Gay von Bahia . 2017 war das Jahr, in dem die meisten LGBT-Menschen in Brasilien im Erhebungszeitraum von 38 Jahren ermordet wurden. Die Zahl der Opfer durch Lesbophobie, Homophobie und Transphobie erhöhte sich um 30% gegenüber dem vergangenen Jahr. Im Vergleich zu 2007, vor 10 Jahren, verdreifachte sich die Zahl der Getöteten. In mehr als der Hälfte der Fälle passierten die Verbrechen im öffentlichen Raum. Die Zusammenstellung, die von der Grupo Gay da Bahia durchgeführt wurde, basiert hauptsächlich auf Veröffentlichung in den Kommunikationsmedien. Die Gruppe vermutet,