Lieber heute als morgen raus aus Brasilien
Noch schlimmer ist, dass vor allem die Jugend das Land verlassen will. Nach einer Erhebung des sozialpolitischen Instituts Getulio Vargas haben 47% der zwischen 15 und 29 Jahre alten BrasilianerInnen erklärt, das Land bei nächster Möglichkeit verlassen zu wollen.
Erstaunlich für ein Land, das bisher als Einwanderungsland galt. Aber es gibt genügend Gründe für dieses Phänomen. Es ist die wirtschaftliche und politische Entwicklung, die seit dem Impeachment der damaligen Präsidentin Dilma Rousseff eingesetzt hat. Der Soziologe Baptistini Mendes erklärt es so: "Zur Zeit ist der Horizont sehr düster, mit der Erfahrung der derzeitigen strukturellen Arbeitslosigkeit, verbunden mit den ererbten Übeln: Die Ungleichheit und der Ausschluss der Vergangenheit". In den letzten Jahren sind in Brasilien viele Arbeitsplätze in Schlüsselindustrien verloren gegangen, zudem erlebt das Land eine hohe Inflation. Nach Mendes muss man vom wirtschaftlichen Gesichtspunkt aus das moderne Brasilien, mit einem starken Binnenmarkt im industriellen Sektor, der in der Lage ist qualitativ gute Arbeitsplätze den Bürgern zu bieten, zu Grabe tragen. "Aber das Hauptproblem ist, dass die Gruppierungen an der Macht einen Bruch mit der eigenen Vergangenheit haben wollen, aber genauso wie das Volk kein Angebot für ein alternatives Projekt in der Zukunft haben. Das wird den hier Lebenden wie ein Lagerplatz von Fremden vorgestellt und nicht wie eine politische Gesellschaft. Das was so geredet wird kommt von den Teilnehmer des Marktes, Regierenden und religiösen Führern der neuapostolischen Bewegung, die zu einer Logik des "rette sich wer kann" führt oder schärfer ausgedrückt, die Welt gehört den Gewählten. Das erklärt die Flucht aus dem Desaster", fügt Mendes dazu.
Brasil vive o maior êxodo de sua história
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