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Ist das Gold von Rosia Montana der Beginn einer Bürgerbewegung in Rumänien?

Das Projekt des Goldabbaus in Rosia Montana ist jetzt endlich dort angelangt, wo es hingehört: In dem Mittelpunkt der politischen Auseinandersetzungen der rumänischen Gesellschaft. Lange Zeit wurden die Nachteile des Projektes, Goldabbau unter erheblicher Verwüstung einer schönen Landschaft und unter Nutzung des giftigen Cyanids, von Politik und Medien in Rumänien totgeschwiegen. Eine kleine Gruppe von Umweltschützern hat sich jedoch nicht einschüchtern lassen, heute wächst ihre Bewegung und sie ist zu einer ernsthaften Bedrohung der politischen Klasse geworden.

Diese Klasse führt wie andere zuvor vor, wie unfähig sie ist die zentralen Probleme Rumäniens zu lösen. So räumte der derzeitige Ministerpräsident Ponta ein, jahrelang selbst ein Gegner des Goldprojekts gewesen zu sein – schon deshalb, weil der Staatschef dafür war. Die Allgemeine Deutsche Zeitung in Rumänien (ADZ) berichtet weiter: “Als Regierungschef habe er das Fördervorhaben dann unter die Lupe genommen und festgestellt, dass es durchaus auch Vorteile berge. Ponta erläuterte, dass die Roşia Montană Gold Corporation laut geltenden Regelungen die noch ausstehende Umweltgenehmigung erhalten und mit dem Goldabbau beginnen müsste – die vereinbarten Umweltschutzmaßnahmen entsprächen den EU-Kriterien voll und ganz. Zudem werde in Rumänien bereits an vier Standorten Gold im Zyanid-Verfahren abgebaut, ohne dass sich jemand daran stoße.”

Also, der Premierminister war dagegen, weil der Staatspräsident dafür war. Und jetzt ist er plötzlich dafür, weil er auch ein paar Vorteile aus dem Projekt erkennen kann. Welch ein politisches Armutszeugnis stellt er sich da aus. Seine Umweltministerin Rovana Plumb erklärte am 10. September, dass der derzeitige Goldabbau in Rosia Montana “eine echte ökologische Zeitbombe" bedeute. Sie führte weiter aus: “Es gibt eine starke Umweltverschmutzung, die aus den 18 Abraumhalden herrührt, die nicht umwelttechnisch behandelt wurden. Aus dem zweiten Stollen, in dem sich ständig Gase ansammeln, gibt es eine starke Konzentration von hochgiftigen Substanzen. Es gibt auf einer Länge von 4 km im Grundwasser eine hohen Anteil von saurem Wasser, das den erlaubten Wert um das 100-fache überschreitet. Zudem gibt es eine Oberfläche von 235 Hektar, auf der die Vegetation durch die bisherigen Explorationsarbeiten völlig zerstört wurde”. Die Umweltministerin verlangt nach sofortigen Maßnahmen, um die Verschmutzung zu stoppen. Man muss also schon viel Verdrängungsvermögen haben, wenn man als Ministerpräsident plötzlich die gravierenden Gefahren für Landschaft und Menschen nicht mehr sehen will. Oder es steckt viel Geld dahinter, mit dem man die Bedenkenträger umstimmen kann.

Seit Tagen gibt es jetzt in Bukarest und Cluj / Klausenburg Proteste gegen eine Genehmigung für den Goldabbau in den Rosia Montana. Die Medien, die bisher die Proteste mit tatkräftiger finanzieller Unterstützung des Betreibers von Rosia Montana verniedlicht oder totgeschwiegen haben, können die Proteste nicht mehr ignorieren. Eine schlagkräftige Bürgerbewegung ausgehend vom “FanFest”, entwickelt und verbreitert seine Basis immer schneller. Die Veranstalter des FanFest beschreiben ihr Festival so: “FanFest ist ein spezieller Raum für kulturelle Angebote im Umwelt- und Sozialbereich sowie  der einer nachhaltigen Entwicklung von Rosia Montana und ist damit in den letzten 10 Jahren die Speerspitze der Umweltbewegungen und Bewegungen im sozialen Bereich in Rumänien geworden.” In Deutschland ist aus den Umwelt- und Bürgerbewegungen der 80er Jahre eine neue politische Macht entstanden und die Hoffnung besteht, dass auch in Rumänien der Kampf um die Rettung von Rosia Montana ein neues Denken und ein Start in eine gelebte Demokratie beginnt. Zu wünschen wäre es.

Siehe auch:
Roşia Montană: UNESCO-Weltkulturerbe statt das Gift des Goldes
Bürgerinitiative gegen Goldgräber
Nach Chemieunfall in Ungarn Zähneklappern in Rumänien
Informationsquelle:
Ministrul Mediului: La Roşia Montană este "o adevărată bombă ecologică" – Antena3
Ponta: Investitionsmäßig darf Rumänien nicht blockiert bleiben - Premier räumt ausländischen Druck gegen Energieprojekte ein – ADZ

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