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Den Cariocas die Leviten lesen

Es reicht nicht, dass Rio de Janeiro in den letzten Tagen vom Schicksal heftig gebeutelt wurde. Die Selbstkritik, die jetzt einsetzt, kann sehr ätzend werden, manche, wie der Journalist Marcelo Migliaccio halten sich da nicht zurück.

In seinem Blog "rio acima" legt er die Finger auf die offenen Wunden. Der Umgang mit der Umwelt lässt seiner Ansicht nach sehr zu wünschen übrig. "Wir misshandeln die Erde und nicht nur sie, sondern auch uns selbst. Wir sehen nur auf den Profit, vernachlässigen die Erziehung und unseren Geist. Das Resultat ist, dass die Natur jedesmal ein Stück feindlicher wird und aus dem Gleichgewicht gerät und uns menschliche Wesen bestraft wegen des Fehlens an Klugheit und wegen unseres Egoismus".

12 Stunden heftige Regenfälle mit dem Resultat von mehr als 200 Toten in Rio zeigen seiner Ansicht nach, dass die Unwetter heutzutage völlig aus dem Ruder laufen. Er weiss, wer Schuld ist, die globale Erwärmung, die wegschmelzenden Eisdecken in den Polarmeeren, die Entwaldung und Verschmutzung der Flüsse und des Meeres. Niemand wisse, welches die nächste Überraschung sein werde, die vom Himmel fallen oder aus dem Meer oder dem Untergrund auftauchen werde.

Aber abgesehen von der Natur-Komponente, die sich in einem nie erlebten Regensturm zeigte, muss er mit dem Finger auf den menschlichen Faktor zeigen, der dazu beigetragen hat, dass sich ein Unwetter in eine Katastrophe verwandelt habe.

Er begründet dies wie folgt: "Ohne Einkommen sind Tausende von Personen gezwungen, in den Favelas der Hügel von Rio zu wohnen, denn sich brauchen einen Ort, wo sie schlafen können. Anstelle des atlantischen Waldes entstanden Favelas mit gesundheitsschädliche Baracken und das Resultat war, dass dieser seine wichtige Umweltschutzfunktion - das Regenwasser zu absorbieren - verlor. Auf den baumleeren Steilhängen hat das Wasser die Häuser oft mitsamt ihren Bewohnern mit sich gerissen. Aber das war nicht der einzige Grund."

Und dann holt Migliaccio zum grossen Rundumschlag gegen das miserable soziale Bewusstsein der Bewohner Rio's aus: "Es geht auf die Rechnung unseres leidenden und unzureichenden Erziehungssystems, in dem die Lehrberufe, die zu den am höchsten bewerteten im Sozialbereich gehören sollten, eine lächerliche Bezahlung erhalten. Unser Volk ist ein Prachtexemplar fehlender Erziehung. Was soll man auch von Leuten erwarten, die mehr Zeit ihres Lebens vor dem Fernseher verbringen als in einem Schulraum? Da ist es doch ganz klar, dass wir von ihnen erwarten müssen, dass sie den Müll auf die Strasse, ins Meer und in die Flüsse schmeissen. Egoisten wie sie sind, glauben diese Leute auch noch, dass die Welt eine Film-Szenario ist, in welchem jeder von ihnen den Hauptdarsteller spielt. Und das Kerlchen in einer solchen Geschichte ist viel zu wichtig als sich um Müll zu kümmern. Die Wasserfluten, die die Cidade Maravilhosa (wunderbare Stadt) überschwemmten, führten von allem etwas mit sich: Plastiktüten, Pet-Flaschen, Papier, Schuhe, Matratzen, Hemden, Waschmaschinen und all das was die Cariocas entschieden haben, an die nächste Ecke zu werfen oder in den nächsten Fluss. .... Und das schlimmste ist die Gewissheit, dass ein Volk zu erziehen Zeit braucht, Jahre, Jahrzehnte und damit haben wir hier Brasilien kaum angefangen. Es sieht so aus, dass die Natur uns nicht mehr genügend Zeit gibt, um die vielen Fehler, die wir selbst gemacht haben, zu korrigieren."

Unter dem Druck der Ereignisse geschrieben, ist die Meinung von Migliaccio zwar sehr hart und bitter, aber sie beruht auf den bisher gemachten Erfahrungen mit der Einstellung seiner Landsleute zu den grossen Umweltproblemen. Und Brasilien ist wahrhaftig erst am Anfang, was Bewahrung der Umwelt und der eigenen lebensnotwendigen Ressourcen betrifft.

Sie auch Blogbeiträge:
Angra dos Reis: Umweltsünden und Aberglaube rächen sich
Der Carioca ist ein Schwein und liebt es, den Müll auf die Strasse zu werfen
Rio fürchtet sich vor dem Sommerregen

Informationsquelle: Blog Rio Acima, Jornal do Brasil, A Terra está de saco cheio das pulgas

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