Der Dammbruch von Brumadinho oder die organisierte Verantwortungslosigkeit

Die Tagesschau berichtet am 26. Januar: "Eine Schlammlawine in Brasiliens Bergbauregion Minas Gerais hat das Umland unter sich begraben. Hunderte Menschen werden vermisst. Der gebrochene Staudamm war erst kürzlich überprüft worden." Es ist nicht die erste Katastrophe dieser Art. Vom letzten größeren Desaster, in derselben Region und mit denselben Akteuren habe ich unter dem Titel "Der Schlamm-Tsunami von Bento Rodrigues und das miserabelste Bergbauunternehmen der Welt" berichtet. Es sind gerade einmal 3 Jahre seit der letzten Katastrophe vergangen und scheinbar hat man oder wollte man nichts aus diesen Vorgängen lernen.

Es lohnt sich dieser Frage nachzugehen. Ana Flavia Quintão, Biologin und Beraterin des Nationalforums der Sozialgesellschaften für die Quellgebiete der Flüße (Fonasc) hat dazu einen aufschlussreichen Brief auf der Webseite "Brasil de Fato" veröffentlicht, den ich hier in Auszügen wiedergebe:

Ich habe diesen Text einige Tage nach dem Treffen des Copam (staatlicher Rat für Umweltpolitik) am 11. Dezember 2018 niedergeschrieben. Eigentlich wollte ich nur meine Empfindungen, die durch diese Show des Schreckens ausgelöst wurden, niederschreiben. Eigentlich hatte ich nicht die Absicht, diese zu veröffentlichen, aber jetzt meine ich, dass ich das tun muss:


Ich schreibe diese Zeilen, um meine Erregung und Empörung, die ich bei einer Sitzung von Copam, dem Staatsrat für Umweltpolitik in Minas Gerais bezüglich der Lizenz für die 3. Etappe des Projekts Minas-Rio, des Unternehmens Anglo American Minério de Ferro Brasil S.A., in Conceição do Mato Dentro und Alvorada von Minas/MG, zudem über die Erweiterungsprojekt und Fortführung bis 2032 der Minen von Jangada (Minerações Brasileiras Reunidas S.A.) und des  Córrego do Feijão (Vale S.A.) erlebt habe, weiterzugeben.

Auf Grund meiner bisherigen Beobachtungen der ausbeuterische Bergwerksaktivitäten in Minas Gerais, habe ich mich nicht gewundert, dass einige Arbeiterinnen und Arbeiter des Unternehmens Vale in Uniformen während des Treffens anwesend waren, während ihrer Arbeitszeit und sicherlich anwesend für eine Tätigkeit, für die sie  das Unternehmens eingestellt hat. Auf diese Art schicken die Bergwerk-Unternehmen ihre Angestellten zu Konferenzen und öffentlichen Anhörungen, die mit der Vergabe der Lizenzen verbunden sind.


Die Konferenz war mehrheitlich geprägt durch die Argumente zur Verteidigung der Erweiterung der zerstörerischen Vorhaben, bei der es während langer Zeit nur eine Aktivistin (die Teca (Unternehmen zur Wiederaufforstung)) gab, die für die Verteidigung des Lebens und der Landschaft eintrat. In der Versammlung waren überwiegend die Repräsentanten der Interessenten für eine Genehmigung der Erweiterung zerstörerischer Bergbau-Projekte, die mit dem Wirtschaftlichkeitsargument gefordert wurden, gegenüber denjenigen, die den Schutz dessen, was vom Wasser und den Hügeln der bereits gravierend ausgebeuteten Region geblieben ist, vertreten.

Als Teca, die Fonasc und Vertreter der betroffenen Bevölkerung, die Rücknahme der Erweiterungsprojekte beantragten, begann die Horror-Show. Die jeweiligen Anhänger formierten sich, betroffene Gemeinden und Umweltschützer auf der einen Seite und Beschäftigte der Unternehmen sowie Regierungsbehörden, die für die Erteilung der Lizenzen zuständig waren, auf der anderen Seite. Wir als betroffene Gemeinschaften und Umweltschützer protestierten einige Male laut schreiend über die irreführenden Informationen, die während der Konferenz präsentiert wurden und über die absolute Dominanz der Verhandlung durch die an der Genehmigung interessierten Unternehmen. Die Emotionen, Angst, Beklommenheit in den Augen der anwesenden Repräsentanten der Gemeinschaften waren offensichtlich. Von Zeit zu Zeit waren verzweifelte Rufe zu hören, während dem Drohungen durch einige Repräsentanten gemacht wurden, die nur als Unterdrückung und Einschüchterung ausgelegt werden konnten. Dann kam die Polizei in den Versammlungsraum. Ein Kampf der Argumente und Gegenargumente begann gegen Teca, den einzigen Repräsentanten für die Argumente der Gesundheit in jener Horror-Show.

Ich sage Argumente für die Gesundheit, weil einige gefühlsbetonte Reden wie die eines Arbeiters der Semad (Staatssekretariat für Umweltschutz und nachhaltige Entwicklung) in die Richtung gingen, dass all diejenigen, die die Erweiterung der Unternehmen ablehnten, leichtsinnig handelten, indem sie die Gutachten und "Umweltschutz-"Berichte in Frage stellten. Er betonte mit Nachdruck die Bedeutung seiner Arbeit und der seiner Mannschaft bei den Verfahren zur Erteilung der Umwelt-Lizenzen und der Unsicherheit für die Arbeit der Staatsbediensteten, die das Gefühl hätten bestraft zu werden, obwohl sie eine wunderbare Arbeit zur "Unterstützung der Entwicklung" des Staates erbringen würden. Eine Rede die komplett selbstbezogen war und völlig unabhängig vom Gemeinschaftsinteresse, das er, als Staatsdiener, eigentlich repräsentieren müsste. Er sprach zu uns wie wenn wir geistesgestört wären, weil wie für die Erhaltung der Hügel-Landschaft und Gewässer in Minas eintraten, für die Wassersicherheit und -versorgung von tausenden von Personen in unserm Staat. Diejenigen, die das wenige was von unsern Hügeln und Wasser nach Jahrhunderten unersättlicher und weiterlaufendem Bergbau und Ausbeutung geblieben ist verteidigten, wurden wieder einmal als Hindernis für den Fortschritt hingestellt. Eine Methode nach der bisher Unternehmen und Regierungen gehandelt haben, um die Umweltschutzbewegungen und den lokale Widerstand, der sich seit den 70er Jahren begann zu organisieren zu desavouieren. Seither war es eine übliche Strategie Umweltschützer, die traditionellen Völker, Forscher gegen den Mainstream und jede Person, die in der Diskussion auf die Bedeutung des Umweltschutzes hinweist mit den Argumenten der Wissenschaft im Dienst der Industrie und der ausbeuterischen Entwicklung lächerlich zu machen. Die sogenannte "normale Wissenschaft", die mit ihren rein technischen Argumenten diese ausbeuterische Art der Wirtschaft rechtfertigte.


Ich glaube nicht einmal, dass es die Bösartigkeit jener Menschen war, es war eher wie wenn sie mit Blindheit beschlagen wären. Sie meinen, dass ihr persönliches Leben wichtiger wäre als die einer großen Gemeinschaft, die dem Risiko ausgesetzt ist. Sie kapieren nicht, dass die lokalen Zerstörungen zusammengerechnet globale Auswirkungen hat. Letztendlich werden wir alle unter der Zerstörung leiden, die mitten in unserem Leben stattfindet, auf unserm Planeten, in unserem gemeinsamen Haus. Die Haltung dieser Menschen scheint nur die Erhaltung der Arbeitsplätze von einigen wenigen zu rechtfertigen gegenüber Tausenden vom Bergbau betroffenen hier und in der Welt.

Um 12:30 Uhr war noch nicht die Liste der Redner für die Eingeschriebenen eröffnet, so dass es mir nicht gelungen ist, zu sprechen, was mich bei diesem tragischen Szenario am meisten beängstigte. Deshalb erstelle ich diesen Text mit den Kommentaren, die ich gerne dort abgegeben hätte. 

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Große Bergbauunternehmen und Produzenten sollten jetzt beginnen, das Metall, das bereits gefördert wurde, wieder zu verwenden genauso wie Rückstände aufzuarbeiten, die gravierende Ursache für die Vergiftung der Böden und Quellen, im Grundwasser und sogar schon in den Ozeanen, sind. Das Argument, dass die Wiederaufarbeitung nicht wirtschaftlich ist, funktioniert nur, weil die entsprechenden Bergbauunternehmen nicht für das ganze zerstörte Leben bezahlen müssen,  für die Verschlechterung der Biomasse, die Flüsse, Habitate, Verschlechterung der Gesundheit der Menschen und des Ökosystems, der Landschaft und ihrer Völker, seiner Geschichte und Kultur. Sie zahlen nicht für Erkrankung der direkt betroffenen Gemeinschaften, Vergiftung der Wasserleitungen, der Verbreitung von Krankheiten über das Wasser. Die Gesellschaft, das Gesundheitssystem bezahlt dies mit dem Verlust unserer Lebensqualität. Unternehmen, Regierung, korrupte Personen kassieren die exorbitanten Gewinne einer grenzenlosen Zerstörung, die sie für ewig verursachen. Uns bleiben Zeitarbeitsverträge, ein nicht mehr mögliches Leben auf dem Land, Erkrankungen, Armut und das Fehlen von Wasser.

Darüber hinaus ist ein großer Anteil der mit großer Zerstörung geschürften Metalle in unserer Region für den Export bestimmt. Sie fördern die Zerstörung hier, um noch mehr Zerstörung in anderen Regionen der Welt zu schaffen, indem sie Kriegswaffen möglich machen.

Sie bauen unsichere Stauseen für ihre Rückstände wie wenn die für ewig halten würden, aber sie wurden gebaut ohne Verantwortung für die Umwelt zu übernehmen, ohne effektive Überwachung und tatsächliche Investitionen in Sicherheitsmaßnahmen.

Regierungen und Unternehmen können die Sicherheit dieser Stauseen im Hinblick auf den Zusammenhang mit der Intensivierung von Extremwettersituationen nicht garantieren. Sie können die Sicherheit der Wasserversorgung für tausende Menschen nicht garantieren im Zusammenhang mit dem Ausbleiben der Niederschläge und dem Ansteigen der Temperaturen im brasilianischen Südosten entsprechend den Klimavorhersagen des Nationalinstituts für Weltraumforschung INPE. Werden sie die globale Erwärmung leugnen?  Das wäre eine sehr logische Strategie für die Bergbau-Unternehmen, aber sie ist nicht gangbar, da wir ja bereits den Kollaps des Klimas des Planeten erleben. Sie können die Bilder der NASA über unseren Planeten in Schutt und Asche in einigen Teilen der Welt nicht leugnen. Sie können die historischen Rekorde der Intensität und Häufigkeit von Extremklima-Ereignissen wie Hurrikane, Orkane, Stürme, Dürre in den letzten Jahren nicht leugnen.

Zu guter Letzt wurde ich informiert, dass bei der Konferenz allem zugestimmt wurde. Kein Argument war ausreichend , um die Gier und den menschlichen Wahnsinn zu stoppen.

Unsere Mutter Erde ist die Verliererin, wir sind die Verlierer... Aber noch geben wir uns nicht besiegt, andere Strategien, die den lokalen Gemeinschaft etwas bringen sind möglich, indem die Landschaft und seine Völker mit einer agrarökologischen, waldpflegenden Politik versorgt wird, die CO2 reduziert und einen nachhaltigen Tourismus, Kunst, Handwerk und Kultur unterstützt.


Wir sind keine Sklaven des Bergbaus, wir können die mittelalterliche Ausbeutung durch Recycling, neue Technologien, neue Materialien ersetzen. Das Ende des Bergbau-Exports können wir durch Beendigung von Bürgschaften und reale Investitionen in Nachhaltigkeit stoppen. Wasser ist mehr wert als Mineralien!

Droht Bolsonaro kaum im Amt ein Impeachment-Verfahren?

Der bekannte brasilianische Journalist Luis Nassif ist der Ansicht, dass ein Impeachment-Verfahren gegen den neuen Präsidenten Bolsonaro kaum zu umgehen sein wird. Dafür nennt er folgende Gründe:

Punkt 1: Die Dynamik der politischen Skandale.

Kaum gewählt hat Bolsonaro über seinen Sohn Flavio, der ebenfalls in den Senat gewählt worden war, einen Skandal am Hals, der ihn mit Korruption und Verbindungen zum organisierten Verbrechen in Rio in Verbindung bringt. Im Mittelpunkt steht der Ex-Chauffeur von Flavio Bolsonaro. Der ist in undurchsichtige Immobiliengeschäfte verwickelt und ein Teil der erzielten Gewinne floss dabei auf das Konto der Familie Bolsonaro. Damit er vor den Strafverfolgungsbehörden nicht aussagen muss, setzte die Familie alle Hebel in Bewegung, um ihn der Justiz zu entziehen. So wurde er unter dem Vorwand krank zu sein in eine der teuersten Kliniken verfrachtet, um vor der Justiz in Rio nicht aussagen zu müssen.
Für Nassif ist ganz klar, dass jetzt eine Jagd der Medien auf die Einkommensverhältnisse des Präsidenten beginnen wird. "In den nächsten Wochen wird es eine unerbittliche Jagd bezüglich der Geschäfte der Bolsonaros geben. Die Entdeckung einer finanziellen Operation von 1 Million R$ (ca. 250.000 Euro), von denen man noch nicht weiß, wer der Begünstigte ist, erhöht aufs Stärkste die Verdachtsmomente. ...... Es handelt sich nicht nur um irgendwelche Gebühren, die in der Logik des niederen Volkes halt gezahlt werden. Die Untersuchungen werden sich unerbittlich mit den Verbindungen der Bolsonaros mit undurchsichtigen Geschäften beschäftigen und dahinter steckt mit großer Wahrscheinlichkeit eine Verbindung zu den Milizen von Rio de Janeiro."

Punkt 2: Die Operation "Quarto Elemento" (Viertes Element).

Sie wurde am 25. April 2018 gestartet und hatte das Ziel die Miliz, die in der westlichen Zone von Rio ihr Unwesen treibt, zu enttarnen. Es wurden damals 43 Personen unter anderem Zivilpolizisten, Militärpolizisten, Feuerwehrmänner und ein Angestellter des Strafvollzugdienstes verhaftet. Der Chef der Bande, ein gewisser "Zinho" wird als Mörder der Abgeordneten Marielle Franco, deren Ermordung viel Aufsehen erregte, gesucht. Verhaftet wurden ebenfalls 2 Militärpolizisten, die zeitweise zum Sicherheitspersonal für Flavio Bolsonaro gehörten. Bolsonaro versuchte sich herauszureden, dass es sich nur um Randfiguren handelte. Twitter-Fotos zeigten aber, dass diese sehr vertraut sowohl mit ihm als auch seinem Vater waren. Einige beteiligte Militärpolizisten wurden von Bolsonaro öffentlich geehrt.

Punkt 3: Die traditionelle Verbindung der Bolsonaros zu den Milizen.

Seit er 2003 Abgeordneter im Bundesparlament wurde, hat Bolsonaro ständig das Auftreten der Milizen in Rio verteidigt. In seinen Reden verteidigte er die Todeskommandos der Milizen und bedauerte, dass es keine Todesstrafe gibt. Auch fand er es berechtigt, dass die Milizen Schutzgelder von Betroffenen erpressten.

Punkt 4: Solange Bolsonaro von Nutzen ist.

Nassif schreibt zu diesem Punkt wörtlich folgendes:
"Die Operation "Quarto Elemento" spielte sich während der Wahlkampagne ab. Es gab einiges Aufsehen, aber die Informationen wurden heruntergespielt, um die Wahlen nicht zu beeinflussen und die Kandidatur von Fernando Haddad.
Zu jener Zeit versuchten die Medien, die Märkte, Militärkreise und der General Villas Boas die Diffamierungswelle gegen die PT zu fördern. Als Bolsonaro den Anschein machte, die Wahlen zu gewinnen, wurde er im Namen der höheren Sache geschont: Er war nützlich. Diesen Nutzen hat er jetzt nicht mehr. Im Gegenteil, jeden Tag mehr wird er zu einer außerordentlichen Belastung, um von seinem größten Teilhaber, dem militärischen Establishment noch unterstützt werden zu können.
Sein Schicksal wird jetzt bei der Staatsanwaltschaft von Rio liegen, die seine Verwicklung in die Geschäfte der Milizen von Rio untersuchen wird."

Hier noch laut Nassif die Handelnden im Bezug auf Bolsonaro und was von ihnen demnächst zu erwarten sein wird.
"Die Medien: Mit den Fakten, die jetzt auf dem Tisch liegen durchbrechen sie endgültig und vorzeitig den Verteidigungsring, der um Bolsonaro gelegt worden war.
Die Streitkräfte: Sie werden wohl kaum ihren Schutzschirm über eine Regierung halten, die mit den Milizen verbandelt ist und die sich als ein unregierbares Vehikel zeigt, unfähig sich wenigstens ansatzweise zu artikulieren.
Die Staatsanwaltschaft: Mit der Unterstützung der Medien und den Enthüllungen über die Beziehungen von Flavio, wird sie ihre Untersuchungen fortfahren und sie wird noch mehr Informationen über die Familie aus ihrer Schublade ziehen.

Das Oberste Gericht (supremo tribunal): Mit der Änderung der Meinung der Militärs wird es wieder Mut fassen und  die Akten der Staatsanwalt übernehmen."

Der Schweizer EU-Krampf

Die Schweiz nimmt am EU-Binnenmarkt teil, versucht aber möglichst nur die angenehmen Seiten zu übernehmen. Die Meinungsbildung beherrschen jene Kreise, die möglichst das kleine Paradies unter einer Käseglocke halten möchten, aber dafür nicht zu viele Nachteile in Kauf nehmen wollen. Das funktioniert aber nicht, weil die Schweiz eine Insel innerhalb der EU und wirtschaftlich völlig abhängig vom Wohlwollen der Nachbarn ist. Die EU hat die ständigen Verhandlungen um jedes der Detail der sogenannten bilateralen Verträge lange mitgemacht, meint aber, dass es jetzt genug ist. Sie wünscht den Abschluss eines Rahmenabkommens, bei dem die Schweiz sich verpflichtet Änderungen in der EU-Gesetzgebung laufend und ohne weitere Verhandlungen zu übernehmen. Rechtsgerichtete Kreise in der Schweiz laufen dagegen Sturm.

Worum es genau geht und wo die Knackpunkte liegen, schildert der "Schweizer Beobachter" in einer Zusammenstellung, zu der er folgenden Vergleich voranstellt:

"Stellen Sie sich eine Bergtour vor. Um sicherer durch das steile Gelände zu kommen, beschliessen einige Wanderer, sich zusammenzutun. Herr Schweizer, der auch findet, dass man besser gemeinsam läuft, schliesst sich an, stellt aber Bedingungen. So möchte er bei jeder Weggabelung mit seiner Frau telefonieren und sich mit ihr beraten. Dabei besteht jeweils das Risiko, den Anschluss zu verlieren. Lange Zeit duldete man das. Bis man ihn vor die Wahl stellt: entweder trägt er die Entscheidungen der Gruppe automatisch mit oder er ist raus."

Hier der Link zum Bericht:

Darum streitet die Schweiz mit der EU

Brexit-Schlamassel

Heute entscheidet sich in Großbritannien, ob die Premierministerin ihren Brexit-Deal durchs Parlament bekommt. Die Chancen stehen schlecht, ihre Partei ist zu diesem Thema völlig zerrissen und in der Opposition, bei der Labour-Partei, sieht es auch nicht viel besser aus. 

Zu Corbyn, dem Partei-Leader von Labour, schreibt die Süddeutsche Zeitung: "Neben der Inkompetenz und Verantwortungslosigkeit der regierenden Tories ist es die Labour Party, die den Zerfall der politischen Kultur in Großbritannien verkörpert". Die britische Online-Zeitung "The New European" schreibt: "Bezüglich Europa ist Corbyn genauso weit von seinen jungen Anhängern und vielen Labour-Mitgliedern entfernt wie zum Beispiel Nigel Farage oder Iain Duncan Smith". Erschreckend ist auch, dass Corbyn genauso wie seine Tory-Gegenspieler wenig Ahnung von der Europäischen Union hat, obwohl das Vereinigte Königreich nun seit ein paar Jahrzehnten deren Mitglied ist. So behauptet er kürzlich in einer Fernsehsendung, dass der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) eine Institution der EU sei. Dass das nicht stimmt und der EGMR zum Europarat gehört und von der EU unabhängig ist, zeugt von einer grotesken Ignoranz.

Von daher besteht also auch nicht viel Hoffnung, dass eine Lösung für das bisherige Brexit-Chaos kommen könnte.  Von den Konservativen ist ohnehin keine konstruktive Perspektive zu erwarten. Bei den schlimmsten Rechtsaußen herrscht die Meinung vor, dass man erst mal alle Bindungen zu Europa kappen muss, um dann einer glorreichen Rückkehr des Empire entgegen sehen zu können. Ex-Außenminister Boris Johnson heute in der Parlamentsdebatte: "Wenn der derzeitige "Deal" vom Parlament abgelehnt worden ist, dann sollten wir aufhören dieses tote Pferd weiter zu satteln. Stattdessen sollten wir den Brexit richtig durchziehen und die Chancen, die vor uns liegen beim Schopfe packen". Wobei Herr Johnson immer noch meint, er könnte die EU mit seinem Gebrüll einschüchtern und auf diesem Weg seinen besseren "Deal" bekommen. 

Eigentlich wäre die Unverschämtheit mit der die Brexit-Kreise über die EU herziehen und vor keiner Beschimpfung und Lüge zurückschrecken, ein Grund für die EU tatsächlich einen Schlussstrich zu weiteren Verhandlungen zu ziehen. Wenn da nicht eine großer Teil der Briten - und vielleicht inzwischen auch die Mehrheit - diesem Nationalchauvinismus nichts abgewinnen können und unvermindert für einen weiteren Verbleib ihres Landes in der EU kämpfen. 

Der Labour-Abgeordnete David Lammy, ein engagierter Kämpfer für den Verbleib Großbritanniens in der EU, erklärte heute stellvertretend für diesen Kreis der Bevölkerung folgendes im Parlament: "Gebt uns die Schuld. Gebt Westminster die Schuld. Schiebt die Schuld nicht auf Brüssel, für die Fehler, die unser eigenes Land gemacht hat und seid nicht sauer auf uns, weil wir euch die Wahrheit sagen. Seid sauer auf die Spielertypen, die euch angelogen haben. Im Klartext: "Das ist es, warum ich heute gegen den Brexit stimmen werden und für ein neues Votum des Volkes aufrufe".

Nichts Neues in Ungarn

Der Pester LLoyd hat sich in einem Jahresrückblick der Situation in Ungarn angenommen, eine Situation von der man im westlichen Europa hoffte, dass sie endlich mal dem Quasi-Diktator Viktor Orban seine Grenzen aufzeigen würde. 

Was passierte zum Jahresende?

Zwei Wochen demonstrierten an mehreren Tagen einige tausend Menschen lagerüberfreifend: Gegen das von der deutschen Autoindustrie bei Orbán bestellte "Sklavengesetz", gegen ein neues Sondergericht mit dem Auftrag Orbáns Verwaltung die Absolution zu erteilen und gegen das Quasi-Medienmonopol des Fidesz-Appartes, der gerade über einhundert zuvor mit dubiosen Praktiken augekaufte oder gefügig gemachte Medien in eine Stiftung überführte, um sie so dauerhaft dienlich zu machen.

Protestgruppen übernahmen kurz die Straßen der Hauptstadt, ließen sich vor dem Parlament mit Pfefferspray einnebeln, belagerten die Zentrale des Staatsfernsehens und schrien sich vor dem Präsidentenpalast heiser. Abgeordnete mischten das Parlament auf und ließen sich medienwirksam von Wachleuten aus der TV-Zentrale schubsen. Ein paar Deklarationen und Rauchbömbchen später kam es, wie es seit 2010 immer kam: Stille Nacht.


Wie ist der Protest aufgestellt und warum wird er keinen Erfolg haben?

Die Protestgruppen und oppositionellen Parteien, die eigentlich nur mehr Alibis für die Behauptung einer Demokratie in Ungarn sind - jetzt wieder getrennt und jeder auf seine Weise -, versuchen, das Protest-Fünkchen über die Feiertage am Leben zu erhalten, um es nach den Feiertagen wieder zu entzünden. Doch die Proteste wurden nie und konnten nie eine Massenbewegung werden. Es war der alle paar Jahre übliche Aufschrei der noch nicht ganz politisch abgestorbenen Reste des Landes, mit ein paar den Premier lächerlich machenden Pointen und einem Manifest.
Eine stringente Strategie und auch die Mittel diese umzusetzen oder gar ein das gemeine Volk beeindruckende Personalie haben die Protestierer aber nicht. Die hat nur die Regierung: Kriminalisierung jedes Andersdenkenden, den Rest des Volkes belügen und die zum Machterhalt nötigen 30% mit ein paar Kuchenkrümeln abspeisen.


Kein Wunder, dass junge Ungarn weitgehend die Hoffnung aufgegeben haben, dass sich etwas ändert in ihrem Land. Sie haben die Möglichkeit sich dem miefigen Orban-Regime zu entziehen und ins Ausland auszuwandern und das tun sie auch zu Hauf.