Café-Klatsch, raus aus dem nationalen Ghetto rein in die Region

Die Musikgruppe MANNIJO stammt aus dem Dreiländereck Frankreich, Deutschland, Luxemburg. Jo Nousse, Mitglied der Gruppe, erklärt in einem Interview mit den engagierten Bloggern aus Lothringen (BLE) seine Musikgruppe folgendermaßen: “MANNIJO ist eine französisch-deutsche Musikgruppe, die es verstanden hat, alle Ingredienzen zu finden, um einem größeren Publikum ein herzliches Europa des Chansons zu präsentieren. Die Gruppe wurde 1997 vom Rheinländer Manfred “Manni” Pohlmann und mir gegründet. MANNIJO zeigt musikalisch unsere Leidenschaft für Interkulturaliät und unsere gemeinsame Muttersprache: Das Fränkische (die alte Sprache von Karl dem Großen!). MANNIJO hat sich bald zum Leuchtturm der grenzüberschreitenden Musikszene entwickelt, indem es in seinem Repertoire die Sprachen gemischt und gemeinsam genutzt hat: Französisch, deutsch, moselfränkisch, luxemburgisch, italienisch, korsisch, bretonisch, englisch, okzitanisch, katalanisch und jiddisch.”

Jo Nousse meint weiter: “17 Jahre sind wir jetzt alt und haben noch keine Runzeln! Fast 500 Konzerte in ganz Europa, von Berlin bis zu einem kleinen korsischen Dorf in Calacuccia und dabei sind wir natürlich auch in Lothringen vorbeigekommen! Unser “grenzüberschreitendes Projekt” ist vielsprachig und von fränkischer Herkunft und hält den Kurs als musikalischer Botschafter des fränkischen grenzüberschreitenden Raumes. Nach dem kürzlichen Erscheinen unseres 5. Albums, Café-Klatsch, sind wir bereits dabei ein neues Programm zu erstellen, das sich “Tour de France” nennen wird! Eine überraschende Reise in Chansons quer durch Frankreich! Dort wird man ein vielsprachiges Frankreich, das reich an verschiedenen Kulturen ist, entdecken.”

Gefragt, ob die Musik eine wichtige Rolle im Erhalt und der Förderung des Lothringer Platts spielen wird, antwortet Nousse: “Auf Grund der Tatsache seiner leichten und allgemeinen Verbreitung spielt die Musik eine besonders wichtige Rolle bei der Förderung von Minderheitensprachen. Die Tatsache, dass Musikgruppen sich in “Platt” ausdrücken hat eine doppelte Wirkung: Es verstärkt die Bemühungen um die Förderung und zur gleichen Zeit ist dies ein Indikator unter soziokulturellem Gesichtspunkt, der zeigt, das etwas passiert für diese “Sprooch” auf seinem grenzüberschreitenden Gebiet im Herzen Europas. MANNIJO bezeichnet sich gerne als “Sproochepartisan” (Anhänger der Sprachen). Auf dieselbe Art, in der wir das “Platt” lieben, sind wir der Überzeugung, dass alle Sprachen, unabhängig davon wie sie dastehen, denselben Respekt verdienen.”

Wie hört sich denn Lothringer Platt an? BLE gibt ein Beispiel:
Ich hann e lotrénger Meedche kannt
Met hölze Scho,
Datt met dräi Kapitän’ bekannt woar
Soten et wär e Baurentrampel
Kee fäi Meedche
Met säin hölze Scho.

Informationsquelle
Groupe BLE Lorraine » Jo Nousse de MANNIJO : « Toutes les langues ont droit au même respect »
Lidder iwer d’Grenzen

Was machen, wenn ein Lutheraner als Staatspräsident den Segen der Orthodoxen braucht?

In Artikel 9 der rumänischen Verfassung steht: “In Rumänien gibt es keine Staatsreligion; der Staat verhält sich gegenüber jeder Religion oder atheistischer Ideologie neutral” und “alle Religionen sind vor den Behörden gleich. Der Staat wird keiner Religion Privilegien erteilen oder irgendeine Religion diskriminieren”. So steht es auf dem Papier, aber in der Wirklichkeit drängt sich die Orthodoxe Kirche Rumäniens als Staatsreligion auf und die Politiker haben recht wenig dagegen getan. Zumal für Viele Rumäne = Orthodox kirchengläubig bedeutet.

Am 21. Dezember wird der neue Staatspräsident Klaus Johannis in sein Amt eingeführt werden. Im Rahmen der Feierlichkeiten wird entsprechend dem Protokoll, kurz nachdem der Oberste Verfassungsrichter die verfassungsgemäße Wahl festgestellt und Johannis auf die Verfassung geschworen hat, der orthodoxe Patriarch ein Willkommenswort sprechen. Dem parteiunabhängigen Abgeordneten Remus Cernea geht das gegen den Strich, er erklärt in einem Schreiben an die Parlamentsverwaltung: “Eine solche Sache ist geeignet, den säkularen Charakter des rumänischen Staates schwer zu beschädigen und sie unterwirft auf symbolische Art zwei laizistische Institutionen, das Parlament und den Präsidenten, unter die religiöse Autorität einer Religion”. Zum Teilnahme des Patriarchen an der Investitur des Präsidenten meint er: “Es ist offensichtlich, dass die Einladung des Führers einer Glaubensrichtung und die Erlaubnis, dass er bei dieser Zeremonie ein Grußwort spricht, eine Verletzung der Neutralitätspflicht des Staates und die Schaffung eines Privilegs gegenüber einer Glaubensgemeinschaft bedeutet.

Johannis ist evangelischer Christ. Die Teilnahme des Patriarchen an der Zeremonie muss er wohl oder über schlucken, weil sonst die geifernde Rechtsfront der rumänischen Patrioten das sofort mit einem Propagandakrieg nach dem Motto “wir haben schon immer gesagt, dass ein evangelischer Siebenbürger Sachse kein richtiger Rumäne sein kann” kontern wird.

Der Metropolit Laurențiu Streza hat auf die Forderung von Cernea so reagiert: “Wir fragen uns wie lange und mit wie viel Ausdauer er uns auf die Nerven gehen wird? Aber, wenn er glaubt, dass er mit uns kämpft, mit der Kirche, das wird leicht sein, aber mit dem lieben Gott wird es sehr schwer werden für jemanden, der das versucht”. Dafür setzt Cernea zu Recht noch eins drauf: “Die religiöse Intoleranz hat schon viele Opfer gefordert und stellt eine riesige Quelle des Übels dar.” Und für die Orthodoxe Kirche wünscht er sich: “Ich wünsche mir und hoffe es noch zu erleben, auch für meine rumänischen Mitbürger, dass die Kirche sich einer klaren Sprache bedient und offen ist für einen Dialog mit den verschiedenen Gruppen der Gesellschaft und dort, wo es eine Vielfalt der Meinungen gibt”.

Das ist etwas, was die vermeintliche rumänische Staatskirche in der Tat noch nicht begriffen hat. Den Politikern in Rumänien ist der Mut zu einer Distanz zu ihr im Sinne der Verfassung sehr zu wünschen.

Siehe auch
Wie die Popen in Rumäniens Politik mitmischen
Rumänen fallen immer mehr vom Glauben ab
Kirchen-Posse um einen verdienten toten Kulturschaffenden in Bukarest
Kirchenfürsten nehmen Beispiel an des Diktators Größenwahn

Informationsquelle
Îi întorc și celălalt obraz Mitropolitului Laurențiu Streza care mă amenință pentru că am ‘îndrăznit’ să afirm că învestitura președintelui Klaus Iohannis trebuie făcută după legea unui stat laic « voxpublica | Platforma de comentarii, bloguri si opinii REALITATEA.NET

Aus brasilianischer Sicht ist klar: PEGIDA ist eine von Neonazis geführte Bewegung

“Rede Brasil Atual” ist eine Webseite, die von einer gewerkschaftsnahen Stiftung in São Paulo, die auch eine Radiostation mit dem Namen "Radio Brasil Atual" unterhält, geführt wird. Auf ihr sind mehrere Blogs gelistet unter anderem auch der Blog von Flávio Aguilar  “Blogue do Velho Mundo”, dem Blog aus der “alten Welt”, womit Europa gemeint ist. Aguilar hat sich in seinem neuesten Beitrag mit dem Jahresende 2014 beschäftigt und er stellt fest, dass dieses Jahr in den letzten Tagen durch die Intoleranz gekennzeichnet war. Neben den Terroranschlägen von Sydney und dem Massaker von Peschawar rückte die Protestbewegung PEGIDA in Deutschland in den Mittelpunkt seines Interesses. Dazu schreibt er:

“Hier in Deutschland veranstaltet die Bewegung PEGIDA jeweils montags Demonstrationen gegen Unterkünfte für ausländische Flüchtlinge. Die Anführer der Gruppe – deren Abkürzung ausgeschrieben “Patriotische Europäer gegen Islamisierung des Abendlandes” lautet - “Patriotas europeus contra a islamização do Ocidente” – sind ganz klar Neonazis.
In ihnen vereinigt sich das Schlechteste, was es in Deutschland gibt: Vorurteile gegen Ausländer, Homophobie, Verwandlung des “Ausländers” und des Islam in Prügelknaben der permanenten Wirtschaftskrise. Aber: Die Heuchelei manifestiert sich in der Idee des “europäischen Patriotismus”. Es ist hässlich “deutscher Patriotismus” zu sagen, das ist ein Erbe des Nationalsozialismus. Deshalb benutzt man die kontinentale Version des “Patriotismus”.
Die Sorge der hiesigen Analysten und Politiker ist, dass hier zum ersten mal eine neonazistische Bewegung (behauptend, dass sie die jüdisch(!)-christliche Tradition Europas gegen die gewalttätige Ideologie des Islam beschützen wolle) tausende von Personen anzieht, die nicht Neonazis sind. Bei der letzten Demonstration in Dresden waren es 15.000 Personen. Man hört Behauptungen wie die, dass die Ausländer mehr bekämen wie die Deutschen selbst. Es gleicht dem, was man in den 30er Jahren von den Juden sagte: Sie seien alle reich, was eine Lüge war, und dass die Deutschen in ihrer Mehrheit arm waren, was wahr war. Nur dass jetzt die Deutschen nicht arm sind, wenn man einmal davon absieht,  dass die Situation etwas schlechter ist wie in den beschönigenden Kommentaren der Regierung und dem überwiegenden Teil der Medien dargestellt. Diesmal sind nicht die Juden das Ziel, sondern die Flüchtlinge aus der dritten Welt und die Islamisten.”

Informationsquelle
Ano de 2014 chega ao fim marcado pela intolerância

Die englische Frage und die Probleme sie zu beantworten

Eigentlich sollte, wenn es nach althergebrachten Grundsätzen des britischen Parlaments gegangen wäre, die englische Frage nie gestellt werden. Jetzt hat sie nicht zuletzt durch das schottische Unabhängigkeitsreferendum und die damit verbundenen Versprechen an die Schotten zu noch mehr eigenen Kompetenzen, wenn sie im Vereinigten Königreich bleiben würden, einen neuen Schub erhalten. Bei der englischen Frage geht es um die Tatsache, dass schottische Abgeordnete in Westminster über englische Angelegenheiten abstimmen dürfen, aber umgekehrt englische Abgeordnete nicht in schottischen Angelegenheiten, die dem schottischen Parlament vorbehalten sind, mitreden dürfen. Das kann auf Dauer nicht gut gehen und so wachsen die Spannungen zwischen den britischen Völkern. Es muss etwas getan werden, wenn in Zukunft die gegenseitige Abneigung zwischen Engländern, Walisern, Nordiren und Schotten nicht noch mehr zunehmen soll.

Dieser Tage hat nun William Hague, Parlamentspräsident (Leader of Commons) und Fraktionsführer der Tories einen Plan für die Lösung der Forderung “Englische Stimmen für englische Gesetze” vorgelegt. Der Vorschlag hat die nette Abkürzung EVEL (English votes for English Laws) erhalten. Danach soll es vier Optionen geben:
  • Schottische und nordirische Parlamentsmitgliedern (MP) werden von allen Gesetzesvorhaben für England und Wales ausgeschlossen und das Abstimmungsrecht gibt es hier nur für englische Abgeordnete.
  • Nur englische MPs oder englische und walisische MPs dürfen an den Beratungen von Gesetzesvorhaben in den Ausschüssen und bei der Berichterstattung teilnehmen. Über das endgültige Gesetz stimmen alle Abgeordneten ab.
  • Allein Englische MPs oder englische und walisische MPs beraten entsprechende Gesetze in den Ausschüssen und sie erhalten ein Veto in einer getrennten Abstimmung vor der dritten Lesung.
  • Ein getrennter Vorschlag der LibDems, der liberalen Partei, lautet, dass ein großer Ausschuss der englischen MPs gebildet wird, der das Recht bekommt, ein Veto gegen Gesetzesvorhaben, die nur England betreffen, einzulegen.

Klingt für unsere Ohren reichlich komisch-kompliziert. Warum nicht gleich ein englisches Parlament, das sich nur um England kümmert? Dieses Ausschließen von Abgeordneten bei bestimmten Gesetzesvorhaben stiftet doch nur Ärger zumal erst einmal entschieden werden muss, was eigentlich ein englisches Gesetz ist. Dem Vereinigten Königreich steht seine glorreiche Geschichte im Weg. Unvorstellbar, dass das Land sich endlich eine Verfassung geben sollte, wo doch das Jahrhunderte auch ohne gelaufen ist. Bei der Schaffung einer Verfassung kämen vermutlich zu viele alte Zöpfe auf den Tisch, die abgeschnitten werden müssten. Ein Grauen für konservative Engländer, dem dominierenden Volk auf der britischen Insel. Und so wird man vermutlich lieber hinnehmen, dass die schottischen Abgeordneten weiterhin in englischen Angelegenheiten mitreden werden. Die Labour-Party hat bereits klar gemacht, dass sie von EVEL nichts hält.

Informationsquelle:
William Hague's plans could be highly contentious, but it's time to address the English question
'English votes for English laws' plans unveiled

Labour hält gar nichts von den Vorschlägen und die Tories drohen, dass sie es notfalls auch allein machen. Die Rechtsaußen-Partei UKIP rührt genüsslich die englische Suppe an und treibt die Konservativen damit vor sich her. Es wird noch spannend werden, wie dieser Konflikt gelöst werden wird.

Ein Kommunist wird in Brasilien Gouverneur

Maranhão ist einer der ärmsten brasilianischen Bundesstaaten. Gelegen im hohen Nordosten Brasiliens machte er vor allem durch Justiz- und Gefängnisskandale von sich reden. Der Bundesstaat war bisher fest im Griff der reichen Familien Sarney und Lobão, die in dem Bundesstaat eine Medienmonopol besitzen. Ihr Kandidat aus der Lobão-Familie, Lobão Filho, landete abgeschlagen auf dem 2. Platz, während Flávio Dino von der PCdoB (Partido Comunista do Brasil, Kommunistische Partei Brasiliens) bereits im ersten Wahlgang mit über 63% der Stimmen zum Gouverneur gewählt wurde. Am 1. Januar wird er dieses Amt übernehmen.

Damit gewinnt zum ersten Mal ein Kandidat, der nicht die offizielle Unterstützung seines Vorgängers aus dem Löwenpalast, dem Regierungssitz des Gouverneurs von Maranhão in der Hauptstadt São Luís (Palácio dos Leões), hatte. Nur einmal, 2006, wurde die Macht der Sarney’s und Lobão in Frage gestellt als Jackson Lago von der PDT die Wahlen gewann, aber es der lokalen Mafia gelang über den obersten Wahlgerichtshof (TSE) eine Annullierung der Wahl und Einsetzung der Sarney-Tochter Roseana Sarney zu erreichen.

Flávio Dino hatte die stillschweigende Unterstützung der brasilianischen Staatspräsidenten Dilma Rousseff von der Arbeiterpartei (PT) bei seiner Kandidatur. Dino begann 1980 politisch aktiv zu werden. Er war Rechtsanwalt der Gewerkschaft der Bankangestellten im Nachbarstaat Piaui. 1994 wurde er Bundesrichter, ein Amt, das er 12 Jahre inne hatte. 2006 schloss er sich der PCdoB, der kommunistischen Partei Brasiliens an und wurde für sie in das brasilianische Parlament gewählt.

Die Webseite “BrasilAtual” hat ihn gefragt, wie es sich denn anfühle als Kommunist, der von einer antikommunistischen Minderheit aufs heftigste und mit großem Lärm bekämpft werde, in ein hohes politisches Amt zu kommen. Seine Antwort lautete:
Das haben wir schon sehr deutlich während dieses Wahlkampfes erlebt, weil wir es mit 2 Urgesteinen der brasilianischen Rechten zu tun hatten, auf der einen Seite mit dem Senator José Sarney und auf der anderen Seite dem Minister Edison Lobão, die beide ihre Wurzeln in der Militärdiktatur haben. In dem Moment, in dem sie sich in ihrer Macht bedroht sahen, verzichteten sich auf den demokratischen Lack und machten gegen uns eine Kampagne, die in den schlimmsten Momenten an das Kommando zur Jagd auf die Kommunisten erinnerte. Es ist sehr herausfordernd seine Identität gegen die Mächtigen beizubehalten, während man im gleichen Moment versucht, politische Allianzen für ein Programm, das die Unterstützung der Mehrheit der Gesellschaft haben soll zu bekommen, aber ohne sein eigenes Profil oder seine Identität zu verstecken. Wir haben eine breite Allianz hinbekommen, vor allem im Hinblick darauf, dass der Sinn dieser Allianz eine Modernisierung der Politik und eine Veränderung der Lebensqualität des Volkes ist, was ich die Souveränität der Armen genannt habe.
Auf die Frage, wie denn ein Staat, der immer von denselben politischen Kräften regiert wurde, so zurückgeblieben im Bereich der menschlichen Entwicklung sein könne, antwortet Dino:
Die tiefe Ungleichheit sorgte dafür, dass einem Staat mit soviel natürlichem, kulturellem und wirtschaftlichen Potential es nicht gelungen ist, dem Volk eine vernünftige Lebensqualität zu bieten. Das ist die Herausforderung Nummer eins: Wie kann man eine Wende garantieren, die nicht nur eine Wende bei den Politikern ist, sondern eine Wende für das Volk, für die Lebensbedingungen. Für unser Parteienbündnis wurden 16 Abgeordnete in unser Landesparlament gewählt gegen 42 der gegnerischen Parteien. Wir werden eine parlamentarische Mehrheit suchen. Der wichtigste Punkt ist, die Hindernisse für öffentliche und private Investitionen, die ein Wachstum einhergehend mit einer sozialen Politik garantieren und zur Sicherung öffentlicher grundlegender Dienstleistungen beitragen sollen, zu beseitigen. Damit wollen wir die Stellung von Maranhão im IDH (Index der menschlichen Entwicklung), wo wir bisher immer unter den letzten drei der brasilianischen Bundesstaaten lagen,  verbessern.

Siehe auch:
Roseana Sarney entmachtet Jackson Lago und geht auf Krankenurlaub
Stadt gegen Land, eine blutige Bilanz in Brasilien
50 Gefangene suchen das Weite
Strafvollzug in Brasilien: Geisteskranker wird im Gefängnis vergessen

Informationsquelle
G1 - Flávio Dino, do PCdoB, é eleito governador do Maranhão - notícias em Eleições 2014 no Maranhão
Flávio Dino, na margem esquerda do rio da vida

Was Rumänien mit den Juncker-Milliarden machen will

Die EU-Kommission unter Führung seines Präsidenten, Jean Claude Juncker, hat eine Investitionsoffensive beschlossen und will  dafür ein 315 Milliarden Euro-Paket auflegen, um die derzeitige Investitionsschwäche im Euroraum zu bekämpfen. Nach Junckers Plänen soll allein die Europäische Investitionsbank (EIB) gut 60 Milliarden Euro an Krediten vergeben. Weitere 250 Milliarden sollen von privaten Unternehmen und Anlagegesellschaften kommen. Sie will Juncker damit ködern, dass ihnen die EU gegen eine Gebühr einen Teil des Verlustrisikos abnimmt.

Rumänien will die Gunst der Stunde nutzen und hat der EU-Kommission eine Liste mit über 200 Projekten im Wert von 62,5 Milliarden Euro zukommen lassen. Das größte Projekt übersteigt 7 Milliarden Euro und soll in den Ausbau einer Autobahn gehen. Hier sind sie, die Projekte in Rumänien:

Ausbau der Autobahn IașiBorș mit geplanten Kosten von 7,5 Mrd Euro. Bisher sind von der Autobahn, die von der nordwestlichen ungarischen Grenze quer durch Rumänien nach Iași an der Grenze zur Moldau Republik führen soll, 52 km fertiggestellt und 37 km im Bau. Erstellt ist eine Machbarkeitsstudie für weitere 495 km. Die Autobahn wird die rumänischen Städte Oradea (Großwardein), Zalau, Cluj-Napoca (Klausenburg), Targu Mures (Neumarkt) mit Iași verbinden. Da das Personal der rumänischen Strassenverwaltungsbehörde für die Umsetzung der Planung nicht ausreichen würde, sollen über öffentliche Ausschreibungen Experten angeheuert werden.

An zweiter Stelle steht die Autobahn von der Schwarzmeerstadt Konstanza nach Nadlac an der südwestlichen Grenze zu Ungarn. Dafür sind 6,2 Mrd Euro vorgesehen. Hier sind bereits 286 km fertiggestellt. Für weitere 310 km gibt es eine Machbarkeitsstudie.

Eine Eisenbahnlinie von Viscani (Kreis Suceava) im Nordosten Rumäniens nach Giurgiu zur Grenze nach Bulgarien steht ebenfalls auf der Wunschliste. Dafür werden 2,8 Mrd Euro veranschlagt. Und dann soll auch Bukarest eine weitere U-Bahn-Linie erhalten, die Linie 7 mit einer Länge von 25 km mit 30 Stationen. Sie soll 3,1 Mrd Euro kosten.

Informationsquelle
Romania a transmis sute de proiecte la CE, pentru mecanismul lui Juncker: Cerem bani si pentru o linie de metrou Voluntari-Bragadiru​

Eine kleine Stadt im brasilianischen Hinterland und die Probleme der Umweltzerstörung

Triunfo ist eine kleine Stadt im brasilianischen Bundesstaat Pernambuco, etwa 400 km westlich von der Hauptstadt Recife gelegen. Der Ort liegt auf 1.000 m Höhe und ist beliebt bei den Küstenbewohnern als Sommerfrische. Die Region gehört zur Halbwüste der Sertão und bildet darin eine grüne Insel. Die Einwohner Triunfos nennen ihr Städtchen auch “grüne Oase der Sertão ”. Fast zu idyllisch und trotzdem hat auch dieses kleinen Paradies seine menschengemachten Probleme. Ein Blogger aus Triunfo beschreibt die Situation nachstehend so:

Wenn einige Landsleute aus Triunfo zusammensitzen und die lokalen Probleme besprechen, die dringend gelöst werden müssten, dann geht es zumeist um den Schutz der Umwelt, eine Sache, die jetzt sehr in Mode gekommen ist. Dabei gelangen sie zumeist zur Ansicht, dass es im Gegensatz zu einigen scheinrepräsentativen Aktionen zum Erhalt der Grünflächen, dringend erforderlich wäre, der Verwüstung, die durch die neu angebauten Kaffee- und Zuckerrohrplantagen verursacht wurden und die fast den ganzen Obstanbau dezimiert haben, Einhalt zu gebieten.

Man erinnere sich daran, dass bis vor kurzem als die Entwaldung in den verschiedenen Landwirtschaftszonen begann, man diese Aktionen für eine normale Tatsache ansah und man sich der bedingungslosen Unterstützung der Regierenden versichern konnte, die nicht wagten, sich in die intensiven Rodungen geschlossener Wälder einzumischen, eine Rodung die zum Ziel hatte Kaffee und Zuckkerrohr anzubauen. Einige wenige warnten vor zukünftigen  Problemen, die dadurch geschaffen würden wie Treibhausgase, Verlust der Biodiversität, Erhöhung der Luftverschmutzung. Sie wurden ausgelacht, ohne dass man über ihre weitblickenden Ideen überhaupt diskutierte.

In der Zwischenzeit, mit dem Ablauf der Zeit, werden die schädlichen Konsequenzen im ganzen Territorium der “Oase der Sertão" in besorgniserregender Form sichtbar. Der unwiderlegbare Beweis liegt in der größten Dürre der letzten 3 Jahre, die den niedrigsten Stand in den Wasserreservoiren der Stadt und des Distrikts brachten. Hinzu kam als Konsequenz dieser Rodungen ein Absinken der Luftfeuchtigkeit und das trockenere Klima führt direkt zu weniger Regenfällen in der Region und brachte in ihrem Gefolge Probleme mit sich, die wir nicht so schnell vergessen werden.

Angesichts dieser grundlegenden Abhängigkeit von den Bäumen für unser Klima, kann man die Schlussfolgerung ziehen, dass die Verwüstung besser kontrolliert werden und man folgende Idee fördern muss: Die natürliche Vegetation ist zu wertvoll, um sie zu zerstören. Diese Initiative muss von privaten und öffentlichen Instititutionen unterstützt werden und dabei helfen, Bäume in eine wertvolle Quelle des Gewinns und der sozialen Entwicklung zu verwandeln. Gewinn, weil man dann die Möglichkeit hat, wie früher schon Früchte zu ernten und sie zu verkaufen und damit wieder Arbeitsplätze zu schaffen.

Umweltsünden machen sich überall bemerkbar. Brasilien beginnt langsam, aber sicher den sorglosen Umgang mit seiner Umwelt als Problem zu begreifen. Die Bürgerinnen und Bürger sind oft schon wesentlich weiter als die interessengetriebene Landwirtschaftsindustrie und in deren Gefolge die verantwortlichen Politiker.

Informationsquelle
OPINIÃO TRIUNFO: DEVEM MANTER PRESERVADAS NOSSAS ÁRVORES

Bigotter Innenminister entdeckt plötzlich den laizistischen Staat, wenn es um Flüchtlinge geht

Jorge Fernández Díaz ist spanischer Innenminister. Als solcher auch zuständig für Fragen des Asyls und Behandlung der Flüchtlingswellen an Spaniens südlicher Grenze. Fernández Díaz hat auch den kürzlichen Beschluss der spanischen Regierung zu vertreten, dass die Flüchtlinge, denen es gelingt die Zäune zu den spanischen Exklaven in Afrika, Melilla und Ceuta, zu übersteigen, umgehend wieder nach Marokko abgeschoben werden, ohne zu prüfen, ob sie einen Asylgrund haben. Die spanische Bischofskonferenz – das Handeln des neuen Papstes zeigt Wirkung – hat seine energische Zurückweisung gegenüber diesem Beschluss erklärt und versichert, dass es dafür Alternativen gibt. Sie verlangt einen Dialog, um nach Wegen für einen rechtmäßigen Zugang für diejenigen zu suchen, die sich gezwungen sehen in ihrer Verzweiflung über die Zäune zu springen. Der Regierungsbeschluss verletze die Menschenrechte.

Ein starkes Wort einer Kirche, die bisher nicht durch fortschrittliches Handeln in Menschenrechtsfragen aufgefallen und von der die spanische Regierung ziemlich abhängig ist. Das ist der Grund weshalb Fernández Díaz vermutlich erschrocken und doch zufrieden entdeckt, dass der spanische Staat ein laizistischer Staat ist, in dem Kirche und Staat getrennt sind. “Jede dieser Institutionen hat seine eigene Zuständigkeit”, meint er. Damit ist er fein aus dem Schneider, aber diese Erkenntnis widerspricht eklatant seinem bisherigen Verhalten. Die Webseite von “eldiario.es” hat zusammengestellt, wie eng die Beziehungen und Förderung der katholischen Kirche durch Fernández Díaz bisher war.

Im April gewährte er einer Ausfertigung der Muttergottes, unserer allerheiligsten Mutter Maria von der Liebe (Nuestra Señora María Santísima del Amor) auf Vorschlag der Polizeidirektion Málaga den Ehrenorden der Polizei für besondere Verdienste. Im Verleihungsschreiben hob er die Werte, die sie mit der Polizei verbindet hervor: “Die Hingabe, die Fürsorge, die Solidarität und die Opferbereitschaft”. Bei dieser Marienausgabe handelt es sich um eine Statue, die in Málaga steht. Die infolge der Ehrung ihr zustehende Pension wurde ihr sicherheitshalber aberkannt, weil die Ehrung ehrenhalber erfolgt sei. Solche religiöse Akte haben in einem laizistischen Staat wirklich nichts zu suchen und Spanien machte sich damit bis in die amerikanischen Medien lächerlich.

Im Oktober 2012 machte Fernández Díaz noch zu Benedikt XVI Zeiten einen Besuch im Vatikan und assistierte der Heiligsprechung einer spanischen Nonne. Dabei gebärdete er sich als glühender Katholik und bat den Papst, für Spanien in diesen schweren Zeiten zu beten. Wenn schon Flüchtlinge im Land sind, dann sollen sie auch katholisch indoktriniert werden. In diesem Sinne unterschrieb er im Juni ein Abkommen mit der spanischen Bischofskonferenz, mit dem die “religiöse Unterstützung” für Ausländer in den Internierungslager garantiert wurde. Der Staat hat nach dieser Vereinbarung die Kosten für die religiöse Betreuung der Flüchtlinge zu übernehmen und dafür zu sorgen, dass diese an Gottesdiensten teilnehmen können. Gemäß der Vereinbarung werden in den Lagern am Sonntag und an christlichen Feiertagen Messen gelesen. Nichtkatholiken dürfen aber daran nicht teilnehmen. Es ging hierbei ausdrücklich nur um religiöse Angelegenheiten, Erleichterungen für das Leben in den Internierungslagern waren in der Vereinbarung nicht vorgesehen.

Im Juni 2013 erklärte Fernández Díaz in einem Interview, dass er von der Anwesenheit Gottes im Abgeordnetenhaus überzeugt sei. “Ich bin der festen Überzeugung, dass Gott überall ist, auch im Kongress und er ist nicht zufällig dort. Alles, was passiert hat irgendeinen Sinn, aber ich bin kein Fundamentalist und auch nichts ähnliches”, gab er zum Besten. Er reitet aber trotzdem in dem Interview auf seinem Glauben und religiösen Überzeugung herum.

Wenn es ernst wird mit der christlichen Lehre von der Nächstenliebe, dann plötzlich entdeckt man, dass das Aufgabe von Priestern und Bischöfen ist. Das schöne Geschwätz über die Bedeutung Gottes und der Kirche stellt sich als hohl heraus. Christliche Nächstenliebe kann eben sehr anstrengend sein.

Siehe auch
Der lange Arm der katholischen Kirche und die spanische Bildungspolitik
Unbefleckte Empfängnis wird zur ewigen Bürgermeisterin ernannt

Informationsquelle
"Dios está en el Congreso" y otras frases 'aconfesionales' de Fernández Díaz

Paris will Elsass, Lothringen und Champagne in ein Boot zwingen und wie soll das Ding dann heißen?

Frankreich will starke Regionen und hält sich mit mickrigen historischen Regionen nicht auf. So wurde nun das Elsass trotz heftiger Proteste zusammen mit Lothringen und der Champagne zu einer in der Augen der Pariser Bürokratie nur so überlebensfähigen Großregion zusammengefasst. Es gibt noch Widersprüche zwischen dem, was das Abgeordnetenhaus und dem, was der Senat beschlossen hat, aber als Zückerchen hat man den Elsässern in Aussicht gestellt, dass Straßburg Hauptstadt der neuen Region wird. Ganz darauf verlassen kann man sich darauf eigentlich nicht, denn die Bürgermeister von Nancy und Metz haben auf jeden Fall bereits ihren Protest eingelegt, dass das kleine Elsass hier den Vorrang bekommen solle.

Alsace-Lorraine-Champagne-Ardenne heißt nun die neue Region, aber dieser lange Name ist nun doch etwas zu umständlich und lässt keine Heimatgefühle aufkommen. Die Zeitung “L’Alsace” hat deshalb seine Leser aufgerufen, Namensvorschläge zu machen, warnt aber davor den Begriff “ACHLOR” vorzuschlagen, da es noch einige des elsässischen Dialekts mächtige Mitbürger gäbe, für die die Region dann “Arschloch” heißen würde. Es herrscht eine gewisse Ratlosigkeit, soll die neue Region Alca, Alsace- Lorraine –Champagne-Ardenne, Grand Est, Est France, Allocha… genannt werden? Die Leserreaktionen sind zahlreich und oft mit Wut auf diese Zwangsheirat. So fasst es jemand zusammen: “WIR SIN ELSASSER UN BLIEBEN'S !!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!”

Auch die Zeitung “Estrepublicain” aus Lothringen ruft seine Leser zur Namensgebung auf. Vage werden auch hier Bezeichnungen wie ALCA, Grand Est, aber auch “Quatre frontières” (Viergrenzland) vorgeschlagen. Ein Leser, der wohl auch Deutschkenntnisse hat, votiert für das ominöse “ARCHLOR” mit der Begründung: “Dieser Zusammenschluss respektiert keine unserer drei schönen Regionen und da das Ganze von der Zentralregierung verfügt worden ist, kommt mir nur dieses Wort in den Sinn”.

Die Zeitung “Le Figaro” schreibt, dass die Zwangsheirat zwischen Elsass-Lothringen-Champagne die heftigsten Reaktionen bei der Schaffung neuer Regionen hervorgerufen hat. Und besonders empört sind die Elsässer. Ob die “Wurst”, Hauptstadt der Region für Straßburg, die Elsässer besänftigt?

Siehe auch
Aus lothringischer Sicht: Elsass, nein danke, nicht mit euch!

Informationsquelle
A la Une | Comment nommer votre future région ?
Réforme territoriale. Ils ne veulent pas de Strasbourg comme capitale

Wie der kleine Nikolaus spanischen Politikern das Denkvermögen verschleimte

Es war einmal in Spanien ein Jugendlicher mit Namen Francisco Nicolás Gómez Iglesias, mit Kurznamen wurde er “Nicolás” gerufen und er erwarb sich in seiner jungen Karriere den Übernamen “El pequeño Nicolás”, "der kleine Nikolaus". Seine Karriere startete er gezielt mit 15 Jahren, er wusste wie man sich bei Politikern einschleimt und er wusste auch, dass, wenn man Karriere machen wollte, man gleich bei den Mächtigen des Staates anfangen sollte.

Politiker freut es natürlich, wenn Jugendliche dienstbar und eifrig sich anbieten, Notizen zu schreiben, ihnen Zigaretten kaufen zu gehen oder zu Politveranstaltungen Jubelchöre zu organisieren. Nicolás fing bereits mit 15 Jahren an, sich in solchen Dienstleistungen zu üben. Ziel seiner Bemühungen für einen schnellen Aufstieg war die konservative Regierungspartei Partido Popular (PP) und die ihr nahestehende Stiftung FAES. Nicolás merkte bald, dass man in der Politik mit ethisch einwandfreiem Handeln nicht weit kam. Da liefen Bauunternehmer rum, die ganz offensichtlich den Regierenden Geld in die Tasche steckten. Warum soll ich da nichts daran verdienen, dachte er und schleimte sich unter Bezugnahme auf seine “Beziehungen” auch beim Geldadel ein. Er verkaufte oder vermittelte plötzlich Baugenehmigungen, Baubewilligungen und Auftragserteilungen. Bald war er auch Besitzer eines luxuriösen Hauses in Madrid, das ihm ein Bauunternehmer mit 5.000 Euro pro Monat finanzierte. Er betrog Autovermieter, die ihm Autos überließen und denen er dafür Dienstleistungen versprach, die er nie erbrachte. Er kassierte wenigstens 65.000 Euros von zwei Unternehmern, denen er Zugangsvermittlung zu Präsidenten von multinationalen Konzernen versprach. Nicolás ist jetzt 20 Jahre alt und seine Karriere nahm ein abruptes Ende, nachdem die Polizei ihm auf die Schliche gekommen war.

Dieser strebsame Jugendliche ist auf vielen Bildern mit Politikern zu sehen. Er scheute sich nicht mit Köpenickiaden sich selbst zu Empfängen und Konferenzen einzuladen und er hatte durchaus Erfolg. Die Zeitung El Pais schreibt: “Er war immer sehr gut angezogen, sah sehr kindlich aus und bewegte sich in PP-Kreisen wie ein Fisch im Wasser. Es war leicht zu sehen, dass er an Treffen von Unternehmern und Politikern teilnahm, weil er auf vielen Fotos mit abgebildet wurde. Die Bilder benutzte er später, um damit anderen begreiflich zu machen, welch großen Einfluss er habe. Aber er war schließlich nur ein Kind und der große Betrug seines Lebens hat ihn schließlich überfordert. Die Polizei nahm ihn Mitte Oktober fest, weil er sich als Berater der Vize-Premierministerin Soraya Sáenz de Santamaria und als Agent des spanischen Geheimdienstes CNI ausgegeben hatte, um 25.000 Euro Vermittlungsgebühr für seine Tätigkeit bei der Zuteilung eines Grundstücks in Toledo verlangen zu können.”

Der schlaue Nicolas hatte noch viel mehr auf Lager: Er fälschte Zugangsbescheinigungen für das Königshaus, beschaffte sich eine Polizeisirene, um schneller durch den Verkehr zu kommen, benutzte Luxusautos mit Chauffeur und verwendete ein Autokennzeichen der Guardia Civil und ein weiteres der Polizei. Er behauptete, dass Polizisten ihm diese geschenkt hätten. Er hatte auch die Unverfrorenheit, den damaligen König Juan Carlos anzurufen. Juan Carlos bestätigte das Gespräch, konnte sich aber an den Inhalt nicht mehr erinnern. Auch bei der Krönung seines Sohne Felipe VI. war Nicolás wieder in vorderster Front dabei und keiner wusste wie er das geschafft hatte.

Was kann man daraus schließen? Die Internetseite der Zeitung “El Confidencial” versuchte am 24. November eine Schlussfolgerung zu ziehen:

“Der kleine Nicolas hat das Elend des politischen Systems und selbst der spanischen Gesellschaft ans Tageslicht gebracht, indem er begierig den Schmeichler für große Leute spielte, um sie einzuwickeln  und dann von einer angemessenen Höhe aus vom Sockel zu stoßen. Und da der Junge jetzt nicht einmal ins Gefängnis musste, sondern in einen von seinen Anwälten durchgesetzten Hausarrest, hat er sich entschieden dieses Wochenende bei einigen Medien vorbeizuschauen, um erneut Geld für sein Bankkonto zu sammeln und um die bisherige Farce aufrecht zu halten. Die Betrügereien des kleinen Nicolás sind eigentlich viel einfacher und natürlicher als es scheint. Persönliche Beziehungen sind entscheidend in der spanischen Politik und es ist oft der einzige Grund, um etwas zu werden. Ana Botella wurde nicht Oberbürgermeisterin von Madrid, weil sie einen Master in Harvard gemacht hatte. Und Andrea Fabra ist nicht Abgeordnete der PP von Castellón wegen eines mystischen Traums. In anderen Fällen braucht man nicht einmal einen Verwandten. Es reicht eine gute Freundschaft. Zapatero verwandelte Führer der PSOE in Minister, weil sie ihm symphatisch waren. Und Rajoy machte dasselbe als er in die Moncloa gewählt wurde. Dasselbe Phänomen sehen wir in den Unternehmen, den Gewerkschaften und auch auf der Direktorenebene der Fußballclubs. Wenigstens in diesem Sinne gibt es wenig Unterschiede zwischen unserem Modell und der Mafia. Der kleine Nicolás entdeckte mit 15 Jahren, dass, wenn man es in der Politik es zu etwas bringen will, man sich nur an die richtigen Personen hängen und sie fleißig hofieren muss. Und er hat sich sofort an die Arbeit gemacht. Wenn er nicht zuviele rote Linien überschritten hätte, wäre er vermutlich als Kommissar der Europäischen Union geendet.”

Informationsquelle
La gran estafa del pequeño Nicolás
La última gran farsa del pequeño Nicolás - Noticias de España

So funktioniert die Graswurzel-EU: Service für die Portugiesen und Geld für die Rumänen

Das Reporterteam von “Romania dela0” (Plattform junger rumänischer Journalisten) war neugierig und wollte gerne wissen, warum und auf welche Art ihre Landsleute in den fernen Westen der EU gehen, um ihr tägliches Brot zu verdienen. Sie begleiteten 2 Rumänen bei ihrem Kampf ums tägliche Überleben in der Grenzregion zwischen Spanien und Portugal. Lassen wir sie erzählen:

“Um 9 Uhr morgens bei den Hügeln von Castro Marim, im Süden Portugals. Ein zerbeulter Opel bringt uns auf der Nebenstraße Richtung Altura, einem kleinen Städtchen, das wir als Treffpunkt ausgemacht hatten. Gheorghe sitzt am Steuer. Dorin hat keinen Führerschein, aber genießt den Ruf das “Hirn” der geplanten Operationen zu sein. Für 300 Euro hat der Unglückliche diesen Opel einem anderen Rumänen, der hier arbeitete, abgekauft. Gut, er fährt noch, und: Er hat einen großen Kofferraum, in den mehr als 400 kg Orangen rein gehen. Dorin, 47 Jahre alt aus Braila stammend, fährt schon fast 8 Jahre nach Portugal und Gigi, 43 Jahre, kommt aus einem Dorf bei Bukarest. Gigi ist im Mai an die Algarve gekommen als die Touristensaison begann.

Die Gemeinde Castro Marim liegt an der Grenze zu Spanien. Ungefähr 3.500 km vom rumänsichen zu Hause entfernt. Der Grenzfluss Guadiana wird über eine Brücke bei Ayamonte überquert. Dort mache ich meine ersten Notizen. In Ayamonte, gibt es eine Orangenplantaget, in der man das Kilogramm Orangen zu 15 Cent kaufen kann. In den Kofferraum des Opels, auf dessen Rückbank ich mich in den nächsten Tagen vergnügen werde, gehen 400 Kilo der Orangen rein. Mit denen fahren wir nach Portugal nach Castro Marim und den umgebenden Dörfer, wo die Bars uns die Orangen für 50 Cent abkaufen. Man kauft legal in Spanien, damit es bei Polizeikontrollen keinen Ärger gibt. In Portugal wird schwarz verkauft und die Differenz von 35 Cent das Kilo haben sich unsere beiden Erntehelfer verdient. “An  guten Tagen können wir so mehr als 100 Euro pro Tag verdienen”, erklärt Dorin. Und so fahren sie hin- und her, solange die britischen und deutschen Touristen die Algarve bevölkern. Im Herbst fährt Dorin nach Hause, nach Braila. zusammen mit dem verdienten Geld und einem Gebrauchtwagen für seinen Sohn, der bald volljährig wird. Gigi ist wortkarger, er fährt mehr und packt die Ware in Plastiksäcke.

Dorin hat zuvor im portugiesischen Baugewerbe gearbeitet. Zu einer Zeit, in der die Wirtschaftskrise noch nicht zugeschlagen hatte. An der Algarve gab es einen richtigen Bauboom und die Arbeiter stammten überwiegend aus Osteuropa. Nach 8 Jahre Arbeit mit einem Vertrag war Dorin von einem auf den andern Tag arbeitslos. Für 1 1/2 Jahre bekam er ein Arbeitslosengeld von 400 Euro monatlich. So kam er schließlich auf die Idee mit dem Orangenhandel. Die Bars an der Algarve brauchten diese, um frischen Orangensaft für die Touristen zu pressen. Das Geschäft befriedigt alle: Dorin und Gigi verdienen in 3-4 Monaten soviel wie sie im ganzen Jahr in Rumänien verdienen würden und das Kleingewerbe in Portugal kann die Touristen mit preisgünstigem Orangensaft versorgen.

Der Instinkt für Profit und die Notwendigkeit des Überlebens – beides sind europäische Realitäten, wenn auch verschieden verteilt auf den beiden Enden des Kontinents – ergänzen sich gegenseitig viel effizienter als jede Rede in Brüssel über die Freizügigkeit, den gemeinsamen Markt und die Mobilität der Arbeitskräfte. Irgendwie war es komisch, die letzte Bar, die wir an diesem Samstag in Monte Gordo belieferten, gehörte einem Deutschen, der zum Geschäfte machen in den Süden Portugals gekommen ist.”

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De ce-au plecat, de ce-ar mai fi ramas | Romania de la ZerO

So schlimm steht es um die Schweiz

Die Sozialausgaben explodieren, der Verkehr kollabiert, die Schweiz wird zubetoniert. Spätestens in 20 Jahren, wenn alles verbaut ist, wird die Schweiz dann auf den Standard von Rumänien oder Bulgarien zurückversetzt. Für die Alten hat man weder Zeit noch Geld, der Mittelstand verschwindet und die Reichen ziehen weg. Seit die Schweiz die Personenfreizügigkeit hat, ist das BIP pro Kopf in dieser Zeit kaum gewachsen, die Leute haben immer weniger Geld im Portemonnaie. Dafür mehr Lohndumping, Schwarzarbeit, Kriminalität, überteuerte Miet- und Bodenpreise, Wohnungsnot,  Dichtestress, Einwanderung in den Sozialstaat, höhere Staatsquote, Verkehrschaos, Umweltprobleme und Betonlandschaften.

Die Direkte Demokratie zählt immer weniger in der Schweiz. Die Classe Politique stellt sich über den Souverän. Es ist die traurige und bittere Realität, dass in der Schweiz Antidemokraten antidemokratisch Demokraten unterjochen, während Demokraten demokratisch Antidemokraten bekämpfen. Die unkontrollierte Masseneinwanderung gehört nun einmal unverzüglich beendet. Die Masseneinwanderung ist Gift für den Kulturland- und Umweltschutz. Nicht zu letzt für den sozialen Frieden in diesem Land.

Die Schweiz leistet sich einen immer aufgeblähteren Sozialstaat, der sich für nahezu alle Lebensaufgaben der Bürger zuständig fühlt. Auf Kosten der Eigenverantwortung werden immer mehr Aspekte der persönlichen Lebensführung mittels Zwang an den anonymen Staat abdelegiert. Der Staat schreibt uns heute vor, wie wir für das Alter zu sparen haben, wie wir uns gegen Krankheiten versichern sollen, wie wir unsere Kinder ausbilden müssen, welche Kinderkrippen legitim sind und welche nicht, wie viel wir mindestens fürs Radio und Fernsehen bezahlen müssen.

Der in der Bundesverfassung garantierte Schutz des Eigentums verkommt immer mehr zur Lachnummer. Das Privateigentum (Kernelement einer freien Gesellschaft) weicht immer stärker dem Gemeineigentum (Kernelement des Sozialismus). Lange kann das nicht mehr gutgehen. Machen wir so weiter, wird auch der Semi-Sozialismus in der Schweiz an seinem kollektivistischen Gift zugrunde gehen und ein gesellschaftliches Desaster hinterlassen, weil immer mehr Leute von diesem dahinserbelnden Staat abhängig geworden sind.

Die afrikanischen Asylanten reisen wohl nicht ohne Grund so rasch als möglich von Italien in unser schönes Alpenland Schweiz weiter, besonders solche mit vielen Kindern. Das kürzlich ergangene Urteil des Gerichtes in Strassburg (Fremde Richter!) lässt grüssen. Abgesehen von den Asylbewerbern reisen auch viele Stellensuchende aus der EU ein, lassen sich hier nieder und alle haben ein Auto und brauchen eine Wohnung. Keiner von denen will auf einer abgelegenen Alp wohnen und dementsprechend geht es im Schweizerischen Mittelland zu und her, man braucht nur die täglichen Verkehrsmeldungen von der A1 im Radio zu hören. Fährt man zwischen Zürich und Bern auf der Autobahn, hat man mittlerweile das Gefühl, sich in einer durchgehenden Gewerbezone zu befinden.

Liebe Leser, sicher werden sie auch den Eindruck nicht los, dass die Schweiz für viele ihrer Bewohner/innen kurz vor dem Untergang steht. Das Vorstehende ist ein kleiner Auszug von dem, was man in den Schweizer Medien und den Diskussionsforen lesen kann. Die aggressive Wehleidigkeit ist kaum zu überbieten. Schuld sind natürlich, wenn man aus der Alpenfestung mit dem Fernglas in die Ferne guckt nur die bösen Restbewohner auf dieser Weltkugel.
 
Am Sonntag wird die Schweiz wieder einmal über das Dauergejammere vom bösen Ausländer in einer in Sorge über die natürlichen Ressourcen der Erde verschleierten Form abstimmen. Ecopop, heißt jetzt die neueste Abstimmvorlage ans Volk. Die schweizerische Regierung beschreibt die Initiative folgendermaßen:
Der schweizerische Umweltverein ECOPOP setzt sich gemäss eigenen Aussagen mit den Themen Weltbevölkerung, Natur, Umwelt und Wirtschaftswachstum auseinander und betrachtet diese offensichtlich in einem grösseren Zusammenhang. Kritisch sieht die Ecopop insbesondere die zunehmende Überbevölkerung vor dem Hintergrund, dass die natürlichen Ressourcen der Erde begrenzt sind.
Der Verein Ecopop erklärt diesen Bevölkerungsdruck zu einer zentralen Ursache für die aktuellen weltweiten Umweltprobleme. Auch der exzessive Konsum der einzelnen Menschen wird als Problem angesehen. Erklärtes Ziel der Organisation ist es, dabei mitzuhelfen, dass die natürlichen Lebensgrundlagen für die lebende und die kommenden Generationen erhalten bleiben.
Was hier so ökologisch verbrämt angeboten wird, ist kein Aufruf zur Selbstbeschränkung. Er zielt nur gegen Menschen, die Nicht-Schweizer sind. Die Schweiz soll die Zuwanderung beschränken, also die Hungerleider von ihrem Paradies fernhalten,  und ihre Entwicklungshilfe darauf abstellen, dass die Afrikaner oder Inder und andere  weniger werden. Es geht nicht darum, dass man ihnen zu einem besseren Leben verhilft. Das würde zu viel Geld kosten, was der an ihrem Geld klebenden Schweiz weh tun würde. Vielleicht sollten sich die Befürworter den frömmelnden Schweizerpsalm, ihre Nationalhymne, zu Gemüte führen:
Trittst im Morgenrot daher,
Seh' ich dich im Strahlenmeer,
Dich, du Hocherhabener, Herrlicher!
Wenn der Alpen Firn sich rötet,
Betet, freie Schweizer, betet,
Eure fromme Seele ahnt,
Eure fromme Seele ahnt,
Gott im hehren Vaterland!
Gott, den Herrn, im hehren Vaterland!
 
Aber der Hocherhabene hat ja die Schweiz auch verlassen, seit der Papst ein Herz für Flüchtlinge hat.
 
Und das meint der WWF Schweiz dazu: Wenn alle so leben würden wie wir hier in der Schweiz, bräuchten wir auf die Dauer 3 Planeten. Eine Person in der Schweiz verbraucht durchschnittlich 8-mal so viel Energie, Lebensmittel und andere Ressourcen wie Menschen in Bangladesch und fast doppelt so viel wie der Weltdurchschnitt. Für den WWF steht die Schweiz ganz besonders in der Verantwortung, denn sie hätte die Mittel und das Know-how, um mit massiv weniger Ressourcen und Umweltbelastung auszukommen und damit gleichzeitig die Lebensqualität weiter zu steigern. Die drei Schlüssel dazu sind energieeffiziente Gebäude, sparsame Fahrzeuge und öffentlicher Verkehr sowie eine Ernährung mit moderatem Konsum von Fleisch und Milchprodukten.
 
Aber Schweizer wollen ja auf nichts verzichten. Die Stimmbürger/innen haben am Sonntag die Möglichkeit zu beweisen, dass es diesen hässlichen Schweizer nicht gibt.

Wo Frauen pfeifend den Gewalttätern Beine machen

Die häusliche Gewalt und insbesondere die Gewalt gegen Frauen ist in Brasilien, wenn es nach der Statistik geht, nicht im Schwinden, sondern im Gegenteil sie ist gewachsen. Zwischen 2003 und 2014 hat die Zahl der Anrufe bei den für die Hilfe für Opfern von Gewalt spezialisierten Organisationen um 306% zugenommen. Allein in diesem Jahr verzeichnete die Notrufnummer 180 einen Zuwachs von 8.000 Anrufen. Die Steigerung kann aber auch darauf zurückzuführen sein, dass die Gewalt gegen Frauen durch das Gesetz “Maria da Penha” als Verbrechen eingestuft wurde und inzwischen 98% der Bevölkerung dieses Gesetz und dessen Auswirkungen kennen. Eine Basis, auf der sich Betroffene wehren können.

Die Frauen in Recife / Pernambuco haben ein anderes Mittel um sich zu wehren. Im Stadtteil Córrego do Euclides hat eine Gruppe, die sich “Frauengruppe feminine Bürgerschaft (Cidadania Feminina)” nennt, das Pfeifen als Möglichkeit der Verteidigung gegen Gewalt entdeckt. Sie hat an alle Frauen des Viertels Pfeifen verteilt und wenn eine von ihnen sich einem Gewaltangriff ausgesetzt sieht oder Gewalt an anderen beobachten, dann wird gepfiffen und alle Frauen des Viertels fangen ebenfalls an zu pfeifen. Abgesehen davon, dass sie damit Alarm geben, verunsichern sie den Angreifer, eilen dem Opfer zu Hilfe und gewinnen so wertvolle Zeit, um die Polizei zu alarmieren. “Wenn ich das Gefühl habe mich in einer Situation der Gewalt zu befinden, beginne ich Lärm zu machen. Der Lärm gibt den Anstoß, dass andere Frauen auch anfangen Lärm zu machen, damit der Aggressor sofort das Weite sucht”, erklärt die Leiterin der “Cidadania Feminina” Rejane Pereira und macht darauf aufmerksam, dass es das Ziel ihrer Organisation sei, für die ganze Gesellschaft klar zu machen, dass es eine Organisation von Frauen gibt, die in der Lage ist, in Situationen eines gewalttätigen Angriffs zu handeln.

Die Initiative war bereits so erfolgreich, dass sie von der UNO zur Kenntnis genommen und für den Kampf gegen die Gewalt gegen Frauen empfohlen wurde. Die Gruppe wurde 2001 von Frauen schwarzer Rasse gegründet. Sie haben ihre Aktivitäten inzwischen auf den ganzen brasilianischen Nordosten ausgeweitet und nennen diesen Zusammenschluss der Frauen das “Pfeif-Netzwerk”.

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'Mídia tem responsabilidade', diz Secretaria de Políticas para Mulheres — Rede Brasil Atual
Dia de Luta pelo Fim da Violência Contra a Mulher

Barcelona will Hauptstadt werden und Madrid fürchtet sich

Nachdem das vom Zentralstaat nicht erlaubte Referendum in Katalonien trotzdem abgehalten wurde und eine überwältigende Zustimmung für die Unabhängigkeit ergab, steckt Spanien in einer Sackgasse, die Gedankenspielen Tür und Tor öffnet. Die Situation ist verfahren, die Zentralregierung in Madrid klammert sich nach außen eisern an die Einheit der spanische Nation und die Katalanen tun alles, damit ihr Votum für die Unabhängigkeit voran kommt. Damit beginnt die Suche nach dem Mittelweg und der kann eigentlich nur heißen ein “föderales Spanien”.

Einen ersten Zucker soll Ministerpräsident Rajoy bereits ausgelegt haben, indem er insgeheim prüfen gelassen haben soll, ob man nicht staatliche Institutionen nach Barcelona verlegen könnte, um der Stadt damit ein Bedeutungsgewinn zu verschaffen und so die Unabhängigkeitsanhänger zu besänftigen. Der Kandidat der katalanischen Sozialisten für den Posten des Oberbürgermeisters von Barcelona, Jaume Collboni, hat diese vorsichtigen Ansätze für eine Neuausrichtung Spaniens weiter gesponnen und verlangt, dass die 2. Kammer des Parlaments, der spanische Senat, nach Barcelona verlegt werden soll. Damit solle Barcelona den Status eine Ko-Hauptstadt bekommen. Generell tritt er für eine Dezentralisierung der staatlichen Institutionen ein, denn Spanien sei ein plurinationaler Staat.

Solche Gedankenspiele sollte man, wenn es nach dem zentralistischen Moloch Madrid geht, noch im Keime erstickt werden. Der Parteifreund von Collboni, der Generalsekretär der Sozialisten in Madrid Tomás Gomez erklärte seine Pläne für absurd. Er ruft zum Dialog auf, ohne zu sagen, wohin der Dialog führen soll. Spanien steht erst am Beginn eines neuen Weges, der noch viele Überraschungen auf Lager haben wird.

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Collboni pide la cocapitalidad de Barcelona y que el Senado se traslade allí

Eine befriedete Favela, in der der Krieg weiter geht

Die Favela Rocinha in Rio de Janeiro ist vor 3 Jahren “pazifiziert” worden. Damals wurde eine Einheit der UPP (Befriedungspolizei) in der Favela stationiert. Entgegen den Erwartungen fiel kein Schuss als Rocinha von der Polizei eingenommen wurde. Die Bewohner glaubten damals, dass jetzt alles besser werde und sie mit Recht auf Investitionen des Staates in das Bildungswesen, Gesundheit und die Verbesserung der Grundbedürfnisse rechnen könnten. Nach 2 Jahren – das berichtet die Webseite “diarioliberdade” habe sich nur wenig geändert. “Wenn man durch die Straßen geht, begegnet man den alten Problemen, mit den die Bewohner zu kämpfen haben”, berichtet diarioliberdade. Für die staatlichen Organe war die Angelegenheit mit der Installation der UPP erledigt, obwohl auch in Rio de Janeiro klar ist, dass die Befriedigung einer Favela ohne begleitende Maßnahmen nicht funktionieren wird.

Wie sieht es heute in Rocinha aus? Das schildert im “Jornal do Brasil” Davison Coutinho, 24 Jahre alt, wohnhaft seit seiner Geburt in der Favela Rocinha:
Die Bewohner von Rocinha sind wieder einmal geängstigt durch die Schiesserei, die am Freitagmorgen in der Favela zu hören war. Die Gemeinde ist Ziel intensiver Schiessereien, die in den letzten Wochen zugenommen haben. Rocinha kann seit vergangener Woche auf 3 Jahre Pazifizierung zurückblicken und trotzdem sind die Kämpfe, denen die Bewohner ausgesetzt sind, ein tägliches Problem.
Die Bewohner sind zunehmend mehr verängstigt durch die Gewalt vor Ort und sie sagen sich, dass es immer schwieriger wird In Rocinha zu bleiben. Es gibt mehrere Häuser, an denen Einschusslöcher zu sehen sind und die Gefahr von einem Querschläger getötet zu werden sind sehr groß. Wenn es wieder einen Kampf gibt, dann werden neben der Gefährdung der Bewohner die Schulen und Kindergärten geschlossen, die Arbeiter können nicht zur Arbeit gehen und die Fehlzeiten werden ihnen vom Lohn abgezogen und oft werden sie entlassen.
Nur Gott kann noch das Leben unserer Bewohner, Arbeiter und Kinder schützen!
Rocinha will Frieden!

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Novo tiroteio e a rotina de medo dos moradores da Rocinha

Ihre verstorbene Hoheit von Alba und das von ihr geknechtete Volk

Unser Volks-BILD-ungsblatt schreibt in der Rubrik “Unterhaltung” anlässlich des Todes der Herzogin von Alba: Mit 63 Adelstiteln war Maria del Rosario Cayetana Fitz-James Stuart, die 18. Herzogin von Alba, offiziell Rekordhalterin. Zuletzt sorgte sie im Jahr 2011 für Aufsehen, als die zweifache Witwe einen 25 Jahre jüngeren Beamten heiratete. Die Herzogin von Alba galt als eine der reichsten Frauen Spaniens. Ihr Vermögen wird auf bis zu 3,5 Milliarden Euro geschätzt, zu dem mehrere Paläste, Ländereien und wertvolle Kunstwerke gehören. Mit ihrer Vorliebe für extravagante Kleider und weiße Pudellocken war die 88-Jährige seit Jahren ein Liebling der spanischen Boulevardpresse.

Klatsch und Tratsch lenkt von den Hintergründen ab. Cayetana Fitz-James Stuart war Großgrundbesitzerin und besaß besonders viele Ländereien in Andalusien. Die spanischen Adelsclans lebten Jahrhunderte mit ererbten Vermögen auf Kosten vieler Spanier, die um den täglichen Lebensunterhalt kämpfen mussten. Die Franco-Diktatur ließ im vergangenen Jahrhundert diesen Leuten seinen besonderen Schutz angedeihen, so dass das Vermögen der Herzogin im wahrsten Sinne des Wortes auf der Not und dem Leiden der einfachen Menschen beruhte. Besonders schlimm ging es den vielen andalusischen Tagelöhnern, die auf den ausgedehnten Ländereien der Herzogin geheuert und gefeuert wurden, wie man es gerade brauchte. Nicht umsonst gab es in Andalusien die “ruta del hambre” (Straße des Hungers), die man im Volksmund für die touristische “Straße der weißen Dörfer” (ruta de los pueblos blancos) verwandte.

Der andalusische Gewerkschaftsführer Diego Cañamero hat aus Anlass des Todes der Herzogin von Albas einen sehr interessanten Beitrag geschrieben, den ich hiermit übersetzt wiedergebe:
Cayetana Fitz-James, Herzogin von Alba, ist gestorben. Eine Frau, die als Mensch unseren Respekt wie jedes andere menschliche Wesen verdient, aber sie war auch die bekannteste Repräsentantin dieser Klasse von andalusischen Herrensöhnchen (Señoritos), die dafür gesorgt haben, dass unsere Region im Elend und chronischer Unterentwicklung verblieben ist. Eine soziale Elite, die direkt verantwortlich für das massive Drama der massiven und bereits Jahrhunderte andauernden Arbeitslosigkeit im ländlichen Raum ist. Eine Klasse, die es sich bequem gemacht hat und normalerweise in Madrid lebt, die über die Hälfte der kultivierbaren Erde in Andalusien verfügt und europäische Subventionen dafür erhält, die aber ihren Leuten keine Arbeit gibt. Sie ist Schuld an der Auswanderung und Entvölkerung des andalusischen ländlichen Raumes.

Die peinlichste Szene, die wir erlebt haben, war ohne Zweifel die Verleihung des Titels “Lieblingstochter Andalusiens” durch die andalusische PSOE-Regierung. “Lieblingstochter Andalusiens”, das trieb das Ganze auf die Spitze. Cayetana stand für die Fortführung der feudalen Gesellschaft in Andalusien bis in unsere Tage und für die größtmögliche Erniedrigung des Volkes, während unsere Regierung sie und ihre Blutsauger ehrte.

An dem Tag als man ihr diese Ehre verlieh waren wir auf den Plätzen, auf der Straße und haben klargestellt, dass, wenn jemand diese Ehrung verdiente, dass es dann die tausenden von Tagelöhnerinnen und Tagelöhner wären, die während ihres ganzen Lebens unter der heißen Sonne schuften mussten und die die Felder Stück für Stück mit ihrem Schweiß bewässert haben. Während Cayetana und ihr Clan sich der verliehenen und noch zu verleihenden Privilegien erfreuten, musste unser Volk vor den Toren der Herrschaftshäuser um seinen Tageslohn betteln, um nicht Hunger zu leiden zu müssen.

Ruhm und Ehre für die Reichen, für die Adligen mit blauem Blut. Verachtung und Verfolgung für die Armen, die genug von einer solchen Ungerechtigkeit hatten und auf die Straße gingen, um dagegen zu kämpfen. Wir haben Bankfilialen besetzt, um auf die Diebe mit den weißen Handschuhen hinzuweisen, wir haben unproduktives Land besetzt, um darauf aufmerksam zu machen, dass, während die Herzogin von Alba 3 Millionen Euro jährlich kassiert, nur weil sie Ländereien im Umfang von 34.000 Hektar besitzt, die Tagelöhner 213 Euro monatliche Unterstützung aus dem Landwirtschaftsfonds erhalten, eine Beleidigung durch die bequeme vermögende Klasse Andalusiens und derjenigen von außerhalb.

Die Herzogin hat ihr Vermögen gehalten und auf Kosten der Tagelöhner und der Einwanderer ohne Papiere ausgeweitet und das mit Hilfe von Gesetzen, die sie und ihresgleichen belohnen und uns verfolgen. Für uns, für die Tagelöhner und die andalusische Gewerkschaft der Arbeiter bedeutet das Verhaftungen und Unterdrückung: Etwa eine Million Euro an Strafen, die geforderten Gefängnisstrafen summieren sich bereits auf 140 Jahre, gegen 654 Gewerkschafter wird prozessiert und es ist noch kein Ende in Sicht. Zu Beginn des 21. Jahrhunderts bewundert Andalusien seine Ausbeuter, wenigstens tun dies seine Regierungen, seine Gesetze und die Mehrheit der Kommunikationsmedien und der Beweis dafür ist die Trauerkapelle der Herzogin, eingerichtet im nobelsten Raum der Stadt von Sevilla.

Ich hoffe, dass Cayetana die letzte Chefin der Casa de Alba war und hoffe, dass diese Familie, seine Unternehmen und alle großen Vermögen in den Dienst des Volkes gestellt werden und nicht mehr der Verschwendung und dem Vergnügen einiger weniger Privilegierter dienen.

Im 21. Jahrhundert sind Herzoginnen, die Marquise und die Grafen eine Beleidung für die Bürger und noch viel mehr für Menschen, die sich genau am anderen Ende der sozialen Skala befinden wie die Tagelöhner von Andalusien.

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Esa aristocracia insultante – Publico.es

Der Baobá steht im Mittelpunkt des schwarzen Bewusstseins

Am 22. November feiert Brasilien seine afrikanischen Wurzeln mit dem “Nationaltag des schwarzen Bewusstseins” (Dia Nacional da Consciência Negra). In Recife wird aus diesem Anlass der Touristenbus eine besondere Route abfahren, in dessen Mittelpunkt der Baum “Baobá” steht. Der Baobá ist ein Baum der aus Afrika stammt, er wird auch Baum des Lebens genannt. Er kann einen Umfang von bis zu 30 Meter Durchmesser erreichen. In Recife hat er sowohl vom Klima wie von der Beschaffenheit des Bodens her günstige Wachstumsbedingungen. Man zählt in der ganzen Stadt 13 Bäume dieser Art.

Das schwarze Bewusstsein kann man in Recife auch auf dem Fahrrad strampelnd kennenlernen. Am Sonntag ab 9 Uhr geht es los. Unterwegs werden die Radler von Maracatu- und Sambakapellen unterhalten. Es geht zur Kirche von “Unserer lieben Frau vom Rosenkranz der schwarzen Menschen” (Nossa Senhora do Rosário dos Homens Pretos) von Recife, die von versklavten Afrikanern gebaut worden war. Besucht wird auch der “Patio do Carmo”, wo mit einer Skulptur des Bildhauers Abelardo da Hora “Zumbi von Palmares” geehrt wird. Zumbi von Palmares war ein Führer der brasilianischen aus Afrika stammenden Sklavenbevölkerung. Er kämpfte gegen die Sklaverei und starb im Kampf für die Rechte seines Volkes am 20. November 1695.

Eine weitere Möglichkeit wäre, mit einem Boot auf dem Wasser die Altstadt von Recife zu umrunden, vorbei an Denkmälern, dem Lagerhäusern am Hafen, dem neuen Hafen zur Mündung des Flusses Capibaribe. Sogar eine Wanderung zu Fuß wird angeboten. Sie geht vom Stadtzentrum aus in den Süden der Stadt.

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Duas modalidades do Olha!Recife homenagearão a cultura afro

Pilzparadies Spanien bedroht von Rumänen?

Das könnte man fast denken, wenn man die Schlagzeile der spanischen Zeitung ABC liest: “Rumänische Banden grasen die Berge auf der Suche nach Pilzen ab, um sie danach zu verkaufen”. Hier wird wieder einmal leichtfertig mit Verallgemeinerungen gearbeitet, um zu kaschieren, dass die eigenen Leute eigentlich die Schuldigen sind. Denn kurz darauf wird geschildert, dass die Rumänen von spanischen Vermittlern engagiert und in die Berge geschickt werden. Und da sie natürlich unter Druck gesetzt werden, möglichst viel und schnell Pilze zu sammeln, machen sie das auch noch “aggressiv” und ohne Rücksicht auf die Natur.

Spanien ist nach diesem Bericht ein Pilzparadies.  Man schätzt die verschiedenen Pilzarten auf mehr als 10.000. Für die Pilze kann ein guter Preis erzielt werden, für ein Kilo Butterpilze (oronjos) werden bis zu 100 Euro bezahlt. Für den Trüffelpilz bis zu 450 Euro. Der Lehrstuhl für Mykologie der Universität Valladolid hat errechnet, dass im Jahr 2012 fast 50.000 Tonnen Edel-Reizker (niscalo) und Steinpilze (boletus) geerntet wurden.

Die nun beschuldigten Rumänen sollen seit neuestem im spanischen Pilzparadies aufgetaucht sein: “Sie kommen organisiert und massiv, in Gruppen bis zu 30 Personen, die in den Bergen kampieren, solange es Pilze gibt”, erklärt ein Verantwortlicher der Guardia Civil. “Wir denken, dass sie von Unternehmern aus dem Bereich der Pilzverwertung engagiert wurden”, führt er weiter aus. Der Generalsekretär des spanischen Unternehmerverbandes für Pilze und Trüffel präzisiert die Geschichte: “Die Invasion dieser Banden, die die lokalen Sammler einschüchtern, begann vor ein paar Jahren. Sie kommen in Autobussen, die von Vermittlungsagenten angemietet werden, die ihnen 20 Euro bezahlen, damit sie den Wald durchkämmen. Die Pilze werden dann auf dem Markt von Madrid oder Barcelona verkauft oder auch in Frankreich, Deutschland, Schweiz, Italien.”

Dann wird beklagt, dass der Pilzsektor in Spanien völlig unreguliert sei. Zudem würden die Pilze nicht immer von Kennern gesammelt. Pro Jahr gebe es im Durchschnitt 500 Pilzvergiftungen, 200 Fälle mit Krankenhauseinlieferung und 10 Tote. In Spanien soll es 890 Betriebe geben, die sich mit der Pilzverarbeitung befassen, aber nur 140 sollen sachkundig geregelte Tätigkeit ausüben.  Deswegen möchte der Generalsekretär des Pilzbundes erreichen, dass die Tätigkeit des Pilzsammler vertraglich geregelt wird und dass diese über einen Vertrag identifiziert werden können.

Es ist richtig, dass Pilzsammler durch radikale Sammlermethoden das Ökosystem des Waldes schädigen. Im Südschwarzwald sind es nicht die Rumänen, die in den Ruf aggressiven Sammelns stehen, sondern die Schweizer, denen ihre eigenen Erntegründe zu mickrig sind. Des Öfteren berichtet die Lokalpresse über Zollbeschlagnahmungen von zu viel geernteten Pilzen. Dass “ABC” nun suggeriert, dass die Rumänenbanden am Raubbau im Pilzbestand des Landes schuld sind, ist wieder einmal eine dieser billigen Kampagnen, die auf Fremdenhass angelegt sind. In Wahrheit sind es die eigenen Landsleute, die alles dafür tun, dass die Umwelt zerstört wird. Die Spanier sind bisher mit ihrer Umwelt selbst nicht zimperlich umgegangen.

Nun, “ABC” ist ein reaktionär-monarchistisches Blatt, das seine Hoch-Zeit in der Epoche der Franco-Diktatur hatte. Das lässt ahnen, weshalb nun die Rumänen am Untergang des spanischen Pilzes schuld sein sollen.

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Bandas de rumanos arrasan el monte en busca de setas – ABC

Rumänische Präsidentschaftswahlen: Außenminister sorgt für Ordnung in München und die Erklärung von Cluj

Die erste Runde der rumänischen Präsidentschaftswahlen hat dafür gesorgt, dass der rumänische Außenminister Titus Corlatean zurücktreten musste. Ihm wurde angelastet, dass die Rumänen im Ausland wegen einer chaotischen Wahlorganisation größtenteils ihr Wahlrecht nicht ausüben konnten. Dies hat zu heftigen Protesten und Demonstrationen auch in Rumänien selbst geführt. Vor ein paar Tage wurde deshalb ein neuer Kurzzeit-Außenminister ernannt. Es ist Teodor Melescanu, ein ehemaliger Diplomat und bis September 2014 Chef des Auslandsgeheimdienstes SIE.

In seiner neuen Funktion ist Meleșcanu heute nach Deutschland gereist. Er konferierte hier mit dem rumänischen Botschafter in Berlin und dem Generalkonsul des Münchner Generalkonsulats und verdonnerte sie dazu, für eine anstandslose Durchführung der 2. Runde der Präsidentschaftswahlen am morgigen Sonntag zu sorgen. Mit in seine Gespräche einbezogen hatte er den Bundestagsabgeordneten Bernd Fabritius, neuer Präsident des Bundes der Vertriebenen und ehemaligen Siebenbürger Sachse. Die Besprechung hat in München stattgefunden, wo sich Melescanu vor Ort über das Vorhandensein der Wahlurnen, – kabinen und bürokratischer Utensilien vergewissert hat. Er erklärte ergänzend, man verlasse sich auf eine solide Partnerschaft mit der bayrischen Polizei, die für den sicheren Ablauf sorgen werde.

Inzwischen sorgt in Rumänien die “Erklärung von Cluj (Klausenburg)” für Furore. Sie ist festgehalten in einem Dokumentarfilm mit dem Titel “This is Cluj!”. Innerhalb kürzester Zeit wurde der Film im Internet von über 55.000 Personen abgerufen. Die “Erklärung von Cluj” besteht aus 7 Punkten, die gestern Abend auf dem Hauptplatz von Cluj vor 10.000 Menschen verlesen wurden. Die Zeitung “Adevarul” schreibt, dass es sich bei der Erklärung um das sinnvollste Projekt für Rumänien seit der Revolution handle. Sie enthält Erklärungen zu den Bürgerrechten, politischer Reform, Justiz, Bildung, Gesundheit, natürlichen Ressourcen und dem Sozialleben.


Bahnt sich da eine neue, friedliche Revolution am Vorabend des 2. Wahlgangs zu den rumänischen Präsidentschaftswahlen an? Viele Rumänen sind sich der bisherigen Politik und ihrer Eliten überdrüssig. Sie wollen mitmachen, mitgestalten. Ein gutes Zeichen. Ein Jugendlicher beschreibt auf Facebook das neue Gefühl: "Cluj beweist, dass es großen Mut hat, dass es Stil hat, wenn es realisiert, dass dieses Land von korrupten und verlogenen Politikern unterwandert ist, aber es für alle  Hoffnung gibt, die Hoffnung sind wir, die wir einen Sinn für Bürgerrechte haben. Die Hoffnung sind die jungen Menschen, die es aufgegeben haben still zu stehen und aus der Lethargie erwacht sind. Glückwünsche an alle, die für den zivilen Geist dort in Cluj gesorgt haben, an jene, die ein Alarmsignal an die korrupten Politiker gesandt haben, dass Lüge und Demagogie nicht mehr akzeptiert werden. Wenigsten nicht hier in Siebenbürgen.“

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VIDEO „This is Cluj!“, un film devenit viral, promovează cel mai coerent proiect de ţară: Declaraţia de la Cluj | adevarul.ro
Teodor Meleşcanu verifică la Munchen măsurile pentru fluidizarea votului în turul II - Mediafax

Madame Le Pen denkt, dass das funktioniert

Flüchtlinge berennen Europas Grenzen im Osten, Südosten, Süden und Südwesten. Im Mittelmeer patrouillieren Militärschiffe, die inzwischen zwar nicht mehr nur Flüchtlinge ertrinken lassen, sondern sie aus dem Wasser ziehen, um sie danach wieder größtenteils abzuschieben. Griechenland und Italien verhalten sich in ihrer Flüchtlingspolitik so, dass die Flüchtlinge verschreckt das Weite suchen müssten. Das tun sie aber nicht. Das Elend, aus dem sie kommen ist noch viel größer als das Elend, in das sie Europa kommen. In Calais stehen seit bald 2 Jahrzehnten Flüchtlinge, sogenannte Illegale, die unbedingt nach Großbritannien wollen. Ihr Elend ist grenzenlos. Ein einmal errichtetes Flüchtlingslager wurde 2002 geschlossen. Seither leben die Flüchtlinge buchstäblich im Dreck, in Calais nennt man das auch den “Dschungel”. Syrische Flüchtlinge meinen aber, dass es immer noch besser als in Aleppo sei.

Frau Le Pen, die berufsmäßige Fremdenhasserin von der Front National, eilte im Oktober nach Calais, um Empörung für die armen Bewohner von Calais zu heucheln und den Illegalen mit Rausschmiss zu drohen. Frankreich müsse auch wieder die volle Kontrolle über seine Grenzen, sprich Kündigung des Schengen-Abkommens bekommen und dann werde wieder alles gut, meint sie. In welcher Welt lebt die Frau? Glaubt sie wirklich, dass Ihre Politik des Einigelns funktionieren wird? Glaubt sie wirklich, dass angesichts der blutigen Kriege und des zum Teil unglaublichen Elends, in dem ein Teil der Menschheit lebt, sich die Flüchtlingsströme aufhalten lassen werden? Haben die Römer vor bald 2000 Jahren den Franken noch etwas entgegen zu setzen gehabt? Was wird der Papst den ach so katholischen Super-Franzosen zu sagen haben?

Im Programm des Front National ist ansatzweise aufgeführt, was diese Partei mit den Illegalen machen wird: “Die heimliche Einwanderung muss auf Null zurückgeführt werden. Systematische Ausweisung jeder Person, die illegal einreist oder sich illegal im nationalen Territorium aufhält. Schließung der Attraktionen für die heimliche Einwanderung, wie die Medizinische Hilfe des Staates, soweit sie für die illegalen Einwanderer bestimmt sind. Demonstrationen von Illegalen und ihren Unterstützern müssen verboten werden. Der Anti-Frankreich-Rassismus als Motiv für ein Verbrechen oder Delikt muss als besonders erschwerend gewertet werden und die Strafe verlängern. Straffällig gewordene Illegale werden dank bilateraler Abkommen in ihren Heimatländern in die Gefängnisse gesteckt. In jedem Fall Abschiebung von straffällig gewordenen Ausländern in ihre Herkunftsländer.”

Besonders erhellend sind die bilateralen Abkommen. Frau Le Pen wird also, falls sie an die Macht kommen sollte, Abkommen mit dem Schlächter Asad schließen, um ihm die illegal eingereisten Syrer zu überstellen. Manch ein Diktator wird sich über die neuen Handlanger in Europa freuen. Ach ja, Entwicklungshilfe an die besonders gebeutelten afrikanischen Länder soll es auch noch geben, aber nur wenn diese “eng” mit den französischen Behörden zusammen und alle illegal Ausgewanderten wieder zurück nehmen. Die werden sich freuen, wenn die alte Kolonialmacht plötzlich wieder so selbstbewusst auftritt.

So sieht sie aus die schöne neue Le-Pen-Welt. Sie wird nur kein einziges Problem auf der Welt und in Europa lösen, sondern nur neue schaffen.

Informationsquelle
Stopper l’immigration, renforcer l’identité française – Front National
A Calais, Marine Le Pen dénonce le «fléau» de «l'immigration clandestine»
Migrants à Calais : Cazeneuve donne finalement son aval au centre d'accueil
Out of sight, out of mind: refugees in purgatory -- New Internationalist

Wie die Popen in Rumäniens Politik mitmischen

Die rumänische orthodoxe Kirche (BOR) hat keine Berührungsängste, wenn es darum geht in der rumänischen Politik mitzumischen. Auch die Präsidentschaftswahlen sind eine willkommene Gelegenheit, die Gunst an die alten Kader zu verteilen. Selbstverständlich lässt man sich da gerne auch mit Spenden bestechen. Auch mit Diktator Ceausescu hatte sich die Kirche bestens arrangiert. Inzwischen ist der Diktator längst tot und die BOR hat sich im Gefolge der Wirren der Revolution versucht als Rettungsanker für die Gläubigen ins Spiel zu bringen. Dabei hat sie keinen Versuch der Vergangenheitsbewältigung unternommen und ihre religiöse Praxis ist meilenweit von unseren modernen Zeiten entfernt. Dagegen ist sogar die katholische Kirche eine fortschrittliche Organisation.

Einem rumänischer Jugendlichen ist das Gehabe der rumänischen Staatskirche im Zusammenhang mit den Präsidentschaftswahlen auf die Nerven gegangen und er fragt in einem offenen Brief “Schämt ihr euch nicht, dass ihr den Gott für Brosamen verkauft habt?”. Daniel Nica heißt der junge Mann, er ist Absolvent der Akademie für Wirtschaftsstudien in Bukarest. Er erklärte gegenüber der Zeitung “Adevarul”, dass es ihm nicht normal erscheine, wenn im Jahre 2014 eine Religion, welche auch immer, sich direkt in die Politik einmische und vor allem bei dem Teil der Bevölkerung ihren Einfluss geltend mache, der von einer ordentlichen Informationsversorgung abgeschnitten sei. “Die sagen dann, der Pope hat es gesagt, dann muss es gut sein”, erklärt Daniel.

Die orthodoxe Kirche ist alles andere als neutral in diesem Präsidentschaftswahlkampf: “Politische Predigten, Flugblätter mit politischen Botschaften in den Höfen der Klöster, Gottesdienste, die zu Pilgerfahrten bestimmter Politiker umfunktioniert werden und die Verleihung von Ehrentiteln an Mitglieder der Regierung”, das ist zur Zeit Alltag vor und in rumänischen Kirchen. Den Nutzen haben davon haben die Mächtigen in der Regierung Ponta und der Partei PSD, die den besonderen Schutz der Popen genießen, weil sie genügend Geld an die BOR verteilen. Die Frömmler von der PSD verteilen an die Gläubigen Heiligenbildchen des hochverehrten verstorbenen Mönchs Arsenie Boca, einem ehemaligen Verfolgten der Securitate, bei denen auf der Rückseite Wahlpropaganda mit dem Slogan “Ponta, Präsident” steht. Den Vizepremier der Konkurrenzpartei PDL, Cătălin Predoiu, geht diese Kungelei zu weit. Er verlangt von den Führer der orthodoxen Kirche, dass sie sich von Aktionen der Ponta-PSD distanziert.

Das Schreiben von Nica, gerichtet an den Metropoliten von Bukarest endet so: “In meiner Situation als Gottes Kind frage ich sie, hochverehrter Allerseeligster so wie ich es einmal vom Pfarrer gehört habe als er fragte: Schämt ihr euch nicht? Schämt ihr euch nicht, dass ihr Gott für ein paar Brosamen verkauft habt? Ich bitte euch, betet nicht für mich, ich werde euch dafür nicht bezahlen. Der Gott, an den ich zu glauben gelehrt wurde, kostet nichts und macht keine Politik”. Die Leserkommentare zeigen, dass Nica damit ein weitverbreitetes Unbehagen an der orthodoxen Kirche artikuliert hat.

Siehe auch
Soweit das Auge reicht: Rumänen fallen immer mehr vom Glauben ab
Informationsquelle
Scrisoare deschisa a unui tanar catre Patriarhul Romaniei: Incercati sa imi manipulati bunicii si strabunicii. Nu va e rusine ca l-ati vandut pe Dumnezeu cu bucatica ? - Politic - HotNews.ro

Gamonal, Burgos hat nichts dazu gelernt

Über die plötzlich entstandene Bürgerbewegung in Gamonal, einem Stadtteil der nordspanischen Stadt Burgos, habe ich in meinem Bericht“"Bürgerzorn entlädt sich in der kastilischen Provinz” berichtet. Berichtet habe ich auch, dass ein vorbestrafter Bauunternehmer, der in der Stadt nur “el jefe” genannt wird, die Stadtverwaltung und die lokalen Politiker bestens im Griff und zudem über eine Tageszeitung ein Medienmonopol hat. Die Bürger haben damals ihre Wut über die Baupläne der Stadt und die damit verbundene Korruption in Demonstrationen und der Bildung einer Bürgerbewegung Ausdruck gegeben.

Scheinbar hat die Stadt Burgos nichts dazu gelernt oder es ist die so beliebte Arroganz der spanischen “Kaste”, die die Stimme des Volkes eigentlich nie interessiert hat. Die Bürger sind nämlich jetzt wieder auf der Barrikade. Die Stadt hatte dem korrupten Bauunternehmer Méndez Pozo und seiner Immobiliengesellschaft die Durchführung der Renovierung der lokalen Stierkampf-Arena zugesprochen. Es geht um ein Auftragsvolumen von 6 Millionen Euro. Nach Bekanntwerden des Auftrags hat sich eine Bürgerplattform “Versammlung gegen die Spekulation” (Asamblea contra la Especulación) gebildet mit dem Ziel der Verhinderung des Neubaus der Stierkampf-Arena.

Die Bürgerbewegung baut auf dem auf, was sich nach den Protesten von Anfang des Jahres bereits an ziviler Kampfbereitschaft für Bürgerrechte entwickelt hat. Ihr Kampf geht gegen Geldverschwendung, Immobilienspekulation und dagegen, dass hier wieder einmal einem korrupten Kriminellen unter völlig irregulären Umständen öffentliche Gelder zugeschanzt werden. Das Angebot der Immobiliengesellschaft des Pozo soll das zweitteuerste von 6 gewesen sein und trotzdem wurde ihm der Bauauftrag zugesprochen. Die Stadtverantwortlichen reagieren mit dem üblichen Machtgehabe: Starke Polizeikräfte gehen gegen Demonstranten vor und viele Aktivisten/ Aktivistinnen werden verprügelt und verhaftet.

Die Bürgerbewegung will auf keinen Fall aufgeben. Sie ist inzwischen sehr gut organisiert und den Herrschenden aus der Clique der Partido Popular, der auch der Bürgermeister angehört, steht das Wasser bis zum Hals. Mit “Podemos” entwickelt sich inzwischen eine neue Partei aus den Protestformen der letzten Jahre, die auf umfassende Bürgerbeteiligung setzt und nach neuesten Umfragen in den nächsten Wahlen stärkste Partei in Spanien werden könnte. Trotzdem lernen die Konservativen nichts daraus und sie werden vermutlich das Gorbatschow-Motto “wer zu spät kommt, den bestraft das Leben” schmerzhaft erfahren müssen.

Informationsquelle
Gamonal vuelve a movilizarse por una nueva adjudicación a Méndez Pozo | Periódico Diagonal

Ein Riss geht durch Rumänien: Transsilvanien gegen Walachei

Die oltenische Stadt Craiova liegt mitten im Herzland der Walachei. Letzteres ist ein historischer Begriff für die südrumänischen Regionen Oltenien und Muntenien. Auch die rumänische Hauptstadt Bukarest liegt in der Walachei. In Craiova hat sich nun die Bürgermeisterin Olguţa Vasilescu, Mitglied der Regierungspartei PSD, veranlasst gesehen, die Genossen in Transsilvanien wegen ihres schlechten Wahlergebnisses verglichen mit denen in der Walachei abzubürsten. Während die Partei des PSD-Kandidaten Ponta bei den Präsidentschaftswahlen im Süden und Osten Rumäniens sehr gut abgeschnitten, hat im Westen des Karpatengürtels, in Transsilvanien (Siebenbürgen) und dem Banat der Herausforderer Johannis die meisten Stimmen bekommen.

Das bereits lange schwelende Misstrauen zwischen dem sich als zivilisierter verstehenden Westrumänien und die gleichzeitige Abneigung gegen die zentralistische Krake Bukarest hat damit Konturen bekommen. Frau Vasilescu hat auf ihre Vorwürfe gegenüber den Parteifreunden eine geharnischte Antwort bekommen und vermutlich eine Diskussion losgetreten, die nicht gewollt war. Der Senator für die PSD von Maramuresch, Sorin Bota, gibt dem Ärger der PSD-Transsilvanier Ausdruck: “Im Moment brauchen wir keine Ratschläge und Muskelspiele aus Oltenien, denn für eine Stimme in Transsilvanien benötigen wir den zweifachen Aufwand wie in Oltenien. Wenn wir die gleichen Investitionen in den Wahlkampf wie im Süden und in der Moldau gemacht hätten, dann könnten wir auf gleicher Höhe unsere Stimmenanteile messen. Frau Vasilescu sollte besser mal den Mund halten und vor einer sehr wichtigen Wahl für unsere Partei nicht solche Erklärungen machen! Wenn man in Oltenien und Muntenien die Wahlen allein gewinnen will, dann wünschen wir viel Erfolg, aber wir erlauben keine Ratschläge wie wir bei uns in Transsilvanien beim Wahlkampf arbeiten sollen.”

Die steigende Unzufriedenheit zwischen dem Westen und dem Süden und Osten Rumäniens beruht auch, aber nicht nur auf den Unterschieden in der geschichtlichen Entwicklung. Die Walachei und Moldau bildeten das rumänische Altreich, während Banat und Siebenbürgen von den Habsburgern dominiert wurden. Die Rumänen im diesen Regionen haben bisher die Zähne zusammengebissen und eisern zu Bukarest gehalten, weil sie vermuteten mussten, dass sie sonst gegen die in Westrumänien lebenden Minderheiten der Deutschen und Ungarn untergehen würden. Die Deutschen sind inzwischen keine Gefahr mehr, da sie inzwischen eine sehr kleine Minderheit sind, aber die Ungarn (Szekler) spielen immer noch ein wichtige Rolle. Also hat man lange die Dominanz Bukarests und der Walachei als gottgegeben hingenommen. Bukarest und die dortige rumänische Elite sorgen dafür, dass die Finanzmittel und Investitionen vor allem nach Bukarest und Umgebung fließen. So berichtet die Zeitung “Ziua de Cluj” am 30. September, dass 2/3 aller ausländischen Direktinvestitionen nach Bukarest geflossen sind und nur 1/3 in den Rest des Landes.

Also kein Wunder, dass es bei diesen Wahlen leichte Andeutungen gibt, wohin der Zug abgehen könnte. Die territoriale Neuordnung Rumäniens steht noch auf der Tagesordnung und das könnte eine steigende Herausforderung für das Land werden. Anfang des Jahres stellten Siebenbürger, das rumänisch “Ardeal” genannt wird, eine viel beachtete Online-Petition ins Internet mit folgender Forderung: “Unsere Region war immer Teil des zivilisierten Europa. Hier wurde zum ersten Mal 1568 die Religionsfreiheit verkündet. Transsilvanien hat am Friedensvertrag von Westfalen 1648 teilgenommen.  Transsilvanien hat Herrscher gehabt, die großen Wert auf die Kultur und Toleranz gelegt haben. Im 17. bis 19. Jahrhundert hatte Transsilvanien weitgehende Unabhängigkeit. Auf der Versammlung von 1918 in Alba Iulia stellte sich Transsilvanien als die am meisten entwickelte Region Rumäniens vor. Aber die Zentralregierung hat uns zu einer Kolonie degradiert. Die griechisch-katholische Kirche, deren Gläubige es nur in Transsilvanien gab, wurde eliminiert, ihre Güter konfisziert. Die in Transsilvanien eingesammelten Steuern gehen zu Unrecht in die Moldau oder nach Oltenien. Transsilvanien ist die Schatzkammer unseres Landes. ohne dass es mitbestimmen darf. Sie haben mehr von uns, wie wir von ihnen haben. Unsere Region kann sich selbst unterhalten. Wir haben Wälder, Mineralwasser, ein sehr großes touristisches Potential, mittelalterliche Städte, die einzigartig in Rumänien sind, hunderte von Burgen, Schlösser, eine Universität, die für Multikulturalität steht und an der Spitze unseres Landes steht. Wir wollen nichts anderes, als dass sie das, was uns gehört, uns lassen.”
 
 
Informationsquelle
Război în PSD: Nu avem nevoie în Transilvania de muşchi arătaţi din Oltenia - Stiri pe surse - Cele mai noi stiri
» Ardelenii s-au saturat sa ia ordine de la Bucuresti: vor autonomia Transilvaniei si guvern la Cluj!