Die brasilianische Gesellschaft befindet sich auf einem abschüssigen Gelände

Ein Präsident namens Temer, bei dem es keine Zweifel gibt, dass er in Korruptionsfälle verwickelt ist, der aber von einem größtenteils genauso korrupten Parlament in seiner amtlichen Immunität geschützt wird, fördert mit seinem Tun die Intoleranz in der brasilianischen Gesellschaft und die kriminellen Machenschaften gewalttätiger faschistischer Kreise.

Der Blogger Sakamoto beschreibt das derzeitige Klima in Brasilien, wo inzwischen ein Vakuum geschaffen werde, in dem Straflosigkeit herrsche:

  • Eine Professorin der Bundersuniversität Rio de Janeiro wurde anlässlich eines Vortrages über die Jahrhundertfeier der russischen Revolution feindlich angegriffen. Ein Jugendlicher erhob sich und begann sie schreiend zu bleidigen und er behauptete, dass es in Brasilien nie eine Diktatur gab. Die Forderungen anderer Teilnehmer, dass er und seine Anhänger sich beruhigen und anständig diskutieren sollten, hatten keine Wirkung und die Sicherheitsleute wurden gerufen. Die Störer behaupteten, dass sie das Ganze gefilmt hätten und an das Militär senden würden.

  • Illegale Goldschürfer zündeten die Büros der Ibama und der ICMBio in Humaitä, im Süden des Amazonas, an als Vergeltung für eine Aktion gegen die illegale Goldschürferei am Rio Madeira. Ungefähr 500 Personen nahmen an der Attacke teil. Neun von den Behörden erworbene Fahrzeuge wurden dabei zerstört. Prozess-, Archivakten und Dokumente wurden in Asche verwandelt und die Beamten mussten sich auf die Basen der Armee und Marine retten, um nicht umgebracht zu werden.

  • Ein Candomblé-Priester in São João do Meriti,  Baixada Fluminense, musste die Uhrzeit für seine Feiern vorziehen und seinen Besuchern das Tragen der typischen Kleider außerhalb des Lokals untersagen, um keine gewalttätigen Ausschreitungen zu provozieren. Religionen afrikanischer Herkunft sind des öfteren Ziel von Attacken von intoleranten Anhängern christlicher Religionen. In einigen Fällen geben Drogenhändler eine Art religiöse Verordnung heraus mit der sie Umbanda und Candomblé verbieten.

  • Ultrakonservative Gruppen setzen die Sesc Pompeia (Kulturzentrum in São Paulo) unter Druck, damit dieses ein vorgesehenes Seminar unter Teilnahme der nordamerikanischen Philosophin Judith Butler, eine anerkannte Fachfrau für Geschlechterfragen, absage. "Wir können nicht erlauben, dass eine Förderin dieser unheilvollen Ideologie in unserem Land ihre absurden Ideen verbreitet", steht im Text einer entsprechenden Petition. Ankündigung von Angriffen auf die Veranstaltung kursierten ungestraft im Internet.

  • Die Vorführung eines Dokumentarfilms über den ultrakonservativen Aktivisten Olavo de Carvalho endete in einer Schlägerei unter verletzten Studenten an der Bundesuniversität von Pernambuco in Recife. Linke und rechte Gruppen beschuldigten sich gegenseitig mit den Beschimpfungen und Aggressionen begonnen zu haben.

  • Nachdem die Bundesregierung die Befreiung von Sklaven in einer Verwaltungsanordnung erschwert hat, traten Unternehmer aus dem Bekleidungssektor und der Agrarindustrie an die Öffentlichkeit und lobten die Massnahmen der Regierung. Allgemein wurde die Meinung geäussert, das dies mehr "juristische Sicherheit bringe", Ordnung schaffe und verhindere, dass die Arbeiter ihre Arbeitgeber ausbeuteten. Einer von ihnen hat bereits einen Staatsanwalt für Arbeitsrecht attackiert und seine Angestellten zu Protesten gegen die Bundesstaatsanwaltschaft geschickt.

Es war eine schwierige Woche in Brasilien.


Und dies nicht nur auf Grund der Tatsache, dass die Abgeordnetenkammer Michel Temer davor gerettet hat wegen Behinderung der Justiz und der Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung vor Gericht zur Rechenschaft  gezogen zu werden. Die sozialen Veränderungen in der Form bestimmten Gruppen, die historisch immer benachteiligt wurden, Rechte zu geben, führte zu heftigen Attacken derjenigen, die nie kämpfen mussten, um als Bürger oder auch nur Menschen anerkannt zu wereden. Und damit alles so bleibt wie es bisher war für den Rest der Gesellschaft, verbohte man sich in die Idee, dass die Henker Opfer sind und die Opfer Henker. Intolerante bemächtigten sich dieser Legende (und mit der Sicherheit, dass die Institutionen des Staates, schwach und korrumpiert, nicht in der Lage sind Grenze zu setzen),  handeln sie in Selbstjustiz. Sie massen sich Polizeibefugnis an, geben sich als Richter und Vollstrecker im Namen ihre eigenen Überzeugung.

Die Verteidigung der Methode  die Position von Opfern und Henkern je nach Bedarf wechseln zu können, wird täglich von der politischen Führerschaft gemacht, in Schulen, Unternehmen, Clubs, Kirchen. Es reicht nicht die Bälle Tag für Tag zu wechseln, man muss die Verrücktheit auch noch in Gesetze fassen. Währenddessen gibt es eine Minderheit, die nicht versteht ,wie das Leben in einer Gesellschaft funktioniert, die die Angst als Regelinstrument der sozialen Beziehungen befürwortet.

Der Fall von Dilma Rousseff und der Rückzug ihrer Partei von der Macht brachten bestimmte Gruppen und Bewegungen nach vorne, die ihre Identität allein daraus beziehen, dass sie gegen die PT sind, damit sie einen "Feind" haben, um ihren Einfluss auf einen Teil der Öffentlichkeit zu behalten, der ihnen seit dem Impeachment gegen Rousseff hörig ist. Alles deutet daraufhin, dass dies ein zusätzlicher Faktor ist, um die Angst eines Teils der Gesellschaft auszubeuten - etwas, was man auch an den haltlosen Beschuldigungen des Begehens von Sexualstraften sehen kann, die in den letzten Wochen gegen Künstler gerichtet waren. Diese Gruppen sind, im Gegensatz zu den Massen, die sie manipulieren, sich sehr wohl bewusst ihres Tuns, sie verdienen Geld und Macht damit.

Damit konstruieren wir eine Art "McCatrthyismus tupiniquim", der sich nicht darauf beschränkt die Kommunisten zu Feinden zu erklären wie es in den Vereinigten Staaten der 50er Jahre passierte, sondern auch Religionen, Identitäten und Sexualität.

Und da es inzwischen Gewissheit ist, dass die Institutionen der politischen Macht nicht die Aufgabe des möglichen Ausgleichs übernehmen, weil sie selbst vollständiger Teil des Konfliktes sind, öffnet sich Raum für eine Reaktion auf die Reaktion, die, was nicht ungewöhnlich ist, gewalttätig wird. Und so beginnen erste Kämpfe auf dem Land. Was fehlt ist ein Spiegel im Haus. Mit ihm wäre es möglich zu sehen, dass diejenigen, die sich über die Rechte anderer erheben, verstehen, dass die "Monster", die sie suchen, in Wirklichkeit eigentlich sie selbst sind.

Der spanische Staat verteidigt den Zentralismus mit Händen und Füßen

"Barcelona en Comú" (spanisch: Barcelona en común) und für ganz Katalonien "Catalunya en Comú" ist eine Bürgerplattform, die in eine politische Partei umgewandelt wurde, um 2015 an den Kommunalwahlen in Barcelona teilnehmen zu können. Eine ihrer engagiertesten Aktivistinnen ist Ada Colau, frühere Sprecherin der Plattform für die Betroffenen von Hypotheken (Plataforma de Afectados por la Hipoteca (PAH)). Sie wurde zur Oberbürgermeisterin von Barcelona gewählt. "Barcelona en Comú" ist ein Parteienbündnis, dem die Parteien "Iniciativa per Catalunya Verds", "Esquerra Unida i Alternativa", "Equo", "Procés Constituent" und "Podemos" angehören. Es handelt sich um Parteien aus dem linken und grünen Spektrum. Im Unabhängigkeitskonflikt Kataloniens mit der Zentralregierung nimmt dieses Parteienbündnis eine gemässigte Position sein. Es tritt nicht für die Unabhängigkeit ein, aber sehr wohl für eine erweiterte Autonomie Kataloniens.

Xavier Domènech ist der Geschäftsführer der Vereinigung "Catalunya en Comú" und deren Sprecher im spanischen Abgeordnetenhaus. Er hat vor einiger Zeit in einer Gesprächsrunde in Madrid die Vorstellungen seines Parteienbündnisses erläutert. In dieser Runde erklärte Domènech, dass das was rund um das Referendum vom 1. Oktober passierte, einschließlich des Polizeieinsatzes und des anschließenden "Generalstreiks", überzogen gewesen sei und die Diskussion um den katalanischen Prozess verändert habe. "Es wäre ein Fehler, wenn man nur noch über die Unabhängigkeit sprechen würde", meinte er. Nach seiner Ansicht ist die harte Atnwort des Zentralstaates im Gefolge der Rede des Königs Felipe VI  am 3. Oktober dafür verantwortlich. Der anschließende Generalstreik ging über die Frage Unabhängigkeit ja oder nein hinaus.  "Es ist ein Moment maximaler Gewalt und in Reaktion auf die Rede des Staatsoberhauptes provoziert, die die PP (Konservative Regierungspartei) unterstützen und die PSOE (gemäßigte Sozialisten) disziplinieren sollte. Dass die Monarchie ihr Schicksal in die Hände des Mariano Rajoy legte, kündigt das Ende der Monarchie an", ist Domenech überzeugt.

Die Webseite "Eldiario.es" berichtet über das Gespräch:

 Domènech versicherte, dass die Ereignisse vom Referendums-Sonntag eine "Demütigung für den Zentralstaat" waren, der wochenlang behauptete, dass "keine Urnen aufgestellt würden", während es diese dann tatsächlich doch gab. "Sie haben immer so siegessicher gegrinst, dass sie sich danach gedemütigt fühlen mussten. Soraya Sáenz de Santamaría (Vizepräsidentin der Regierung) hat keine ihrer Ziele erfüllt, so dass sie jetzt politisch verbrannt ist, erklärte Domènech.
Der Zentralstaat ist kurzsichtig. Sie dachten, dass das alles nur heiße Luft sei und jetzt reden sie von einer Staatskrise", analysiert Domènech.
Nach seiner Meinung müsse sich dieser kurzsichtige Staat "komplett von unten verändern". Und um das zu erreichen, glaubt er, müsse man die Querschnittbewegung, die in Katalonien entstanden sei, für einen "Verfassungsprozess" nutzen, der die sozialen Rechte garantiert und gleichzeitig den "plurinationalen Charakter" des Staates festlege. 
Domènech ist der Ansicht, dass "Catalunya en Comú" diese breite Übereinstimmung, die zur Zeit in Katalonien herrsche, repräsentiere und dass diese über die Frage "Unabhängigkeit oder keine Unabhängigkeit" hinausgehe. "Wir sind die Bewegung über die Grenzen hinaus, das ist eine Garantie für die Zukunft", verteidigt er seine Meinung. Das Katalonien der Zukunft "gehöre allen Menschen von allen Seiten".
Domènech hat versichert, dass die Lösung darin bestehen "die PP und die PDeCAT zugleich rauszuwerfen" und den Verfassungsprozess in ganz Spanien zu starten.

In einem Interview nimmt die Oberbürgermeisterin von Barcelona, Ada Colau, zu der Frage Stellung wozu eigentlich noch ein Dialog zwischen der Regierung Kataloniens und Spaniens gut sein solle:

Eins ist sicher, der Dialog muss dieses Element enthalten: Die Idee der Gegenseitigkeit. Katalonien ist eine politische Realität, es gibt Millionen Menschen die sich, neben den politischen Parteien und Regierungen, dafür einsetzen, dass man sie als politische Subjekte anerkennt und sie wählen lässt wie es auch anderswo mit absoluter Normalität funktioniert hat wie im Fall von Schottland und Quebec. Diese Forderung, die wir teilen, eine verabredetes und beschlossenes Referendum, ist Konsens unter etwa 80% der Bevölkerung, es ist eine politische Realität, die gehört und respektiert werden muss. Das soll aber nicht sagen, dass man die Unabhängigkeit als eine Lösung verkauft, aber dies ist eine Realität, die das Recht hat gehört zu werden.

Wir bfinden uns in einer Situation, in der die bisherige autonome Ordnung Vergangenheit ist. Nach dem 1. Oktober gibt es ein vorher und nachher, ein defakto Akt von Souveränität aus der Bevölkerung von unten, eine politische Tatsache von höchster Relevanz, die man nicht ignorieren kann. Eine andere Sache ist, dass man das Referendum nicht als eines, das Rechtswirkungen hat, ansehen kann, aber es ist eine Tatsache, auf die man eine politische Frage geben muss. Und es muss eine Antwort mit einer hohen Zustimmung sein, ich insistiere, in der Form eines vereinbarten Referendums. In diesem Sinn muss sich der Dialog im Rahmen der Gegenseitigkeit bewegen. Das schliesst nicht aus, dass eine Reform der Verfassung angestossen wird, was Sinn machen würden, aber das kann nicht eine Entschuldigung sein, kein vereinbartes Referendum abzuhalten.

Die spanische Regierung hat sich stattdessen jetzt entschlossen den Hammer herauszuholen. Durch Entmachtung der katalanischen Regierung und deren Übernahme durch Funktionäre des Zentralstaates, wird auch denjenigen, die für Dialogbereitschaft sind, das Leben schwer gemacht. Spanien steht vor einem gefährlichen Gang, denn Streben nach mehr Selbstständigkeit einzelner Landesteile gibt es nicht nur in Katalonien. Anderswo wird genau registriert werden, wie die Zentralregierung mit aufmüpfigen "Autonomien" umgeht.

Aus der Hölle für Schweine frisch auf den europäischen Tisch

"Die Misshandlung der Tiere ist weit verbreitet im Sektor der spanischen Schweinezucht. Die Tiere werden nicht als Lebewesen, sondern als Ware behandelt", schreibt die Journalistin Esther Vivas. In ihrem Meinungsbeitrag, den ich nachstehend übersetzt wiedergebe, schildert sie in der Zeitung "El Periódico" die Zustände in der spanischen Schweinezucht und -verarbeitung:

Wir leben in einem Land von Schweinen, das ist wörtlich zu verstehen. In Spanien werden jedes Jahr 46 Millionen dieser Tiere geopfert, eines pro Einwohner, die höchste Zahl in ganz Europa. Fleisch, das zum größten Teil für den Export bestimmt ist. Die Schweine wachsen und leben unter miserablen Bedingungen hier, zusammengepfercht auf wenig Raum, auf Gitterböden und umgeben von Fäkalien werden sie nie das Licht das Tages sehen. Danach werden sie geschlachtet und weg sind sie. Was lassen sie zurück? Ein Haufen Scheiße. 

Katalonien ist das Gebiet mit den meisten Schweinen in Spanien. Von den 4 Millionen Tonnen Fleisch, die jährlich im Staat produziert werden, kommen 42% aus den Kommunen des Segrià, Noguera, Osona und Alt Empordà. Tiere, die jedes Jahr den Anwohnern mehr Exkremente hinterlassen als allen Katalanen zusammen nach einem ausführlichen Bericht der Organisation Food & Water Europe. Die Schweine-Gülle ist eines der gravierendsten Probleme der Schweinezucht.

Die katalanischen Grundwässer spüren die Folgen: Etwa 41% sind vergiftet durch einen zu hohen Nitratanteil, der vom Urin her kommt. Das erschwert für 142 Gemeinden den Zugang zu Trinkwasser nach Angaben der katalanischen Agentur für Wasser. Um die Bevölkerung korrekt zu versorgen, muss die Generalitat, obwohl genügend Wasser da ist, jährlich 6 Millionen Euro investieren. Die Schweine und ihre Industrie kommen uns sehr teuer.

Die Probleme wollen nicht enden. Die Entscheidung der Regierung der Partido Popular im Jahre 2014, die Subventionen für Kläranlagen für Purine, die die Exkremente in Energie verwandeln, einzustellen, hat die Situation verschlechtert und führte zur Schließung entsprechender Fabriken und dadurch wurde die illegale Entsorgung der Fäkalien erhöht. Das oberste Gericht hat 2 Jahre später die ministerielle Rechtsverordnung annulliert, damit wurde die Wiedereröffnung einiger Werke wieder möglich. Trotzdem werden durch diese Kläranlagen nach Mitteilungen von Organisationen wie der  "Grup de Defensa del Ter" (Gruppe der Verteidigung des Ter), die seit Jahren die Quellen von Osona überwachen, die Probleme nicht gelöst, sondern noch erhöht, weil sie es erlauben die Zahl der Bauernhöfe zu erhöhen, was noch mehr Schweine bedeutet. Zudem sind sie energetisch nicht nachhaltig und ineffizient.

Die Lösung wäre die Anzahl der Tiere zu reduzieren. Das Problem ist nicht das Schwein, sondern die Art und Weise der Haltung. Dem stimmt der Ombudsmann des katalanischen Parlamentes zu, der angesichts der gravierenden Situation sich der Sache annahm. Die Schlüsse, die er in seinem Bericht über die Verschmutzung durch Purine zog, waren offensichtlich: Die katalanische Regierung sei zu nachgiebig gegenüber diesem Wirtschaftssektor gewesen und eine stärkere Kontrolle über die Verwendung der Exkremente und ein Moratorium über die Installation von neuen Bauernöfen sei notwendig.

Aber wem gehören denn soviele Schweine? Die Industrie ist in den Händen von einigen wenigen, die jeden Abschnitt der Produktion kontrollieren, vom Futtermittel bis zu den Schlachthäusern über die Bauernhöfe. Die Industrie wird ständig größer und die Ziffer der Tiere steigt ständig. Es handelt sich um eine vertikale Integration, die einigen wenigen Unternehmen ein absolute Kontrolle über den Sektor verleiht. Kleine Bauernhöfe müssen verschwinden, obwohl noch einige Widerstand leisten und andere auf eine ökologische Produktion setzen. Die gebietsmäßige Konzentration ist ein weiteres Kennzeichen, was zu einem dramatischen Umweltproblemen in einigen Regionen führt. In Katalonien liegen die Unternehmen in den Kommunen, durch die das Eix Transversal, eine Autobahn im Dienst der Schweine-Industrie, verläuft.

Die Tierquälerei gehört zu "Geschäftsmodell" dieser Industrie. Die Schweine sind keine Lebewesen mehr sondern Waren, die auf engstem Raum gehalten werden; zugestopft mit Futtermitteln und Antibiotika, die vorsorglich vergeben werden, damit die Tiere die gesundheitsschädigende Zusammenpferchung überleben; schlussendlich werden sie mit CO2 vergast, enthauptet und in Teile geschnitten. Die Produktionsweise hat ihre Ursprünge in den Schlachthöfen von Chicago im 20. Jahrhundert als das Förderband es erlaubte in nur 15 Minuten ein Tier zu töten und zu zerlegen. Ein solche "effizientes" System, dass Henry Ford es in seinen Fabriken verwendete.Für den Kapitalismus gibt es kein Unterschied zwischen einem Auto und einem Tier.

Eine Kirche ohne Moral, die nur Macht und Geld schätzt

Die orthodoxe Kirche Rumäniens (BOR abgekürzt) hat sich nach dem Sturz Ceausescus als die Trägerin des Widerstandes gegen das kommunistische System gegeben, obwohl sie eine Nutzniesserin des Diktators war. Trotzdem wurde ihr geglaubt, dass sie gegen die gottlosen Atheisten gekämpft hat und sie hatte bisher Zustimmungsraten bezüglich des Vertrauens bei den Rumänen, die bei 90% lagen. Das hat sich in letzter Zeit geändert. Bei der letzten Umfrage im September sprachen sich nur noch 50 % der Rumänien dafür aus, dass sie das größte Vertrauen in die BOR hätten.

Das stetige Sinken der der Zustimmungsraten kam, nachdem in der Kirche Sexskandale, an denen sogar ein Bischof beteiligt war, ans Tageslicht kamen. Es gibt aber auch noch andere Gründe, die das Ansehen der Kirche immer mehr beeinträchtigen.

Dumitru Borţun, Professor an der Hochschule für Politik und Verwaltung (SNSPA) ist der Ansicht, dass die BOR vor allem ein Imageproblem hat. Die Menschen spürten immer mehr, dass die Kirche nach außen anders rede als sie nach innen handele. Das betreffe sowohl den Inhalt als auch die Form. Gleichzeitig seien die Rumänen in moralischer Hinsicht reifer geworden. Die Leute wollten nicht mehr diese Diskrepanz zwischen Reden und Handeln. Hinzu komme, dass die BOR eine katastrophale Kommunikationspolitik betreibe. Sie mache den Eindruck, dass sie das Übel toleriere, weil sie Angst habe ihren Ruf zu verlieren. Erst unter der Druck sei sie bereit zuzugeben, was nicht mehr zu leugnen sei.

Ein weitere Grund sei der Ablasshandel. Der Verkauf der Heiligen gegen Geld. "Dieser Ablasshandel ist fast systemisch, er beginnt mit der T
aufe, Kommunion, Beerdigung und endet mit dem Geschäft mit den Grabplätzen und der Verkauf der Pfarreien an Priester. Dieses Geschäft lässt die Rumänen immer mehr glauben, dass es der Kirche nur um Geld geht. Es ist eine Krise nicht nur in den Augen der Atheisten und der Freidenker, die die Kirche kritisieren, sondern auch in den Augen der Gläubigen, die kein Vertrauen mehr in die Kirche haben", beschreibt Borţun die Situation.

Der Theologe und Psychotherapeut Bogdan Papacostea sieht noch einen anderen Grund im Glaubwürdigkeitsschwund für die Kirche:

Es gibt noch das Problem der sogenannten Gläubigen, die zwischen religiösen Manifestationen und Straftaten schwanken. Der Glaube der Rumänen scheint einer totalen Schizophrenie zu gleichen, auf der einen Seite haben wir beeindruckende Teilnahme an den großen Feiertagen,  die sehr natürlich wirkt, auf der anderen Seite haben wir im täglichen Leben der Rumänen eine Situation, die nichts mit dem moralischen Kodex zu tun hat. Wir sind Meister bei Vergewaltigungen, Verbrechen in der Familie und auf der Straße, Meister bei den Abtreibungen, Meister bei minderjährigen Müttern, wir sind Meister der Morallosigkeit unter allen Gesichtspunkten. Der Glauben unterstellt eine moralisches Gesetz, aber es scheint, dass die Moral nicht existiert. Das zu ändern wäre eine radikale Herausfordung bei der Erziehung durch die Kirche und die Schulen".

Das rumänische Patriarchat hat das scheinbar nicht begriffen. Es lässt über ihren Pressesprecher  verlautbaren:

Wir betrachten das Resultat dieser Pseudoumfrage als völlig irrelevant, manipulierend und geben dazu keinen auführlichen Kommentar ab.


Informationsquelle
De ce a scăzut la 50% încrederea în Biserică. „Românii au început să perceapă că banul nu-i ochiul dracului, ci banul e ochiul Bisericii“

Brasilien auf der Suche nach einem Diktator

Brasilien ist auf dem Weg nicht nur in das wirtschaftliche,  sondern auch das gesellschaftliche Desaster. Nach dem Parlamentsputsch gegen die gewählte Präsidentin Dilma Rousseff wurde der Sumpf einer inkompetenten und korrupten Politikerclique offenkundig. Statt aber nun wirklich vom Grund auf dieses Staatswesen zu renovieren, sucht inzwischen ein großer Teil der Brasilianer sein Heil in autoritären Sprücheklopfern.

Jair Messias Bolsonaro ist ein Militär der Reserve und Politiker. Er scheint für viele Brasilianer mit seinen chauvinistischen Sprüchen der Heilsbringer im Trumpschen Stil zu sein. Dabei ist er ein typischer Vertreter der unverschämten brasilianischen Abzockerkaste. In seiner politischen Laufbahn gehörte er 9 verschiedenen Parteien an. Zur Zeit gehört er einer Partei an, die sich "Sozialchristlichen Partei" nennt, mit der er zur Zeit aber über Kreuz liegt und weswegen er jetzt zur "Partei der Nationalen Ökologie" (Partido Ecológico Nacional) wechseln will.

Bolsonaro ist bekannt für seine populistischen Sprüche, die auch zu einer Aufforderung zu einem militärischen Staatsstreich nicht zurückschrecken. Er beabsichtigt für die brasilianischen Präsidentschatswahlen 2018 zu kandidieren und seit ein Trump in den USA zum Präsidenten gewählt wurde, scheint auch die Wahl eines Bolsonaro in Brasilien nicht mehr unmöglich zu sein. Entsprechend siegessicher benimmt er sich inzwischen. Dabei macht er keinen Hehl daraus, dass er das Kriminalitätsproblem mit harter Hand durch mehr und stärkere Waffen für die Polizei und die Normalbürger lösen will. Er tritt unverfroren als Lobbyist der Waffenlobby auf.

Die Internetseite "Intercept" beschreibt ein kürzlicher Auftritt Bolsonaros in Belém:
Wie wenn er ein Beatle der 60er Jahre wäre wurde Bolsonaro auf dem Flughafen von Belém von hunderten von ehemaligen Angehörigen der Militärdiktatur am 28. September empfangen. Die Szene wiederhlte sich in der ganzen Stadt, die er im Rahmen seines vorgezogenenen Wahlkampfs besuchte: Eine aufgeputschte Menge holt den Abgeordneten am Flughafen unter Sprechchören "Mythos, Mythos, Mythos" ab. In seiner Rede forderte er die Menge auf, Beifall für den General Mourão zu spenden und er erklärte: "Mit mir gibt es keine politische Korrektheit, ihr werdet Feuerwaffen bekommen."
Der Empfang im Bundesstaat Pará wurde von der dortigen Waffenlobby organisiert.

Bolsonaro hat sich vor ein paar Tagen zu seinen Gesinnungsbrüdern in den USA aufgemacht, von wo er sicher tatkräftige Unterstützung zu erwarten hat bei seinem Versuch, brasilianischer Präsident zu werden. Die Zeitung "Jornal do Brasil" berichtet unter dem Titel "Bolsonaro sucht Spender und Legitimierung in den USA":

Bolsonaro veröffentlichte in den Sozialen Netzwerken an diesem Wochenende eine Videobotschaft, in der er den Verkauf von Pistolen des Kalibers .50 verteidigte. Nach seiner Meinung reicht ein Schuss mit dieser Waffe "die wie ein Sack Zement auf den Banditen wirke".
"Damit könnten wir doch gut vermeiden, dass ein Zivilpolizist, ein Soldat, ein Bundespolizist, wenn er einen Feind niederschiesst, wegen unverhältnismäßiger Gewalt verurteilt wird, weil er zweimals geschossen hat, wer weiß vielleicht können die Leute in Zukunft verlangen, dass diese Waffe auch in Brasilien genutzt werden darf? Da reicht dann nur ein Schuss. Ein Sack Zement auf die Brust des Banditen. Damit hat sich's dann, das ist soch so gar nicht so schlecht. So passiert es in den USA, so möchte ich es auch für mein Brasilien", erklärte der Abgeordnete,  der seine Videobotschaft in den USA in einer Schießanlage aufnehmen liess.
Ebenfalls an diesem Wochenende verteidigte Bolsonaro die Freigabe des Waffentragens für die gesamte Bevölkerung.
In den vergangenen Tagen haben nordamerikanische Behörden und Nichtregierungsorganisationen gerade das Recht auf den Waffenbesitz in diesem Land in Frage gestellt. Kürlich hatte ein Schütze Feuer auf eine Show in Las Vegas eröffnete und 59 Menschen getötet und 500 verletzt, im größten Massaker in den Vereinigten Staaten.

Unter normalen Umständen sollte ein solcher Typ eigentlich keine Chance haben, ein Land verantwortlich zu regieren. Nach der Wahl eines Trump oder eines Duterte auf den Philippinen scheint aber alles möglich. Hauptsache der Kandidat hat einfache Rezepte. Dabei hat Brasilien bisher die Erfahrung gemacht, dass Kriminalität und Gewalt auch nicht in Folge der Militärdiktatur abgenommen hat, sondern dass diese gerade das Fundament für die Verschärfung der Situation gelegt hat. Das eigentliche Problem Brasiliens ist die tiefgehende soziale Kluft, der Egoismus und die Sklavenhaltermentalität der Reichen und Mächtigen.