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Angra dos Reis: Umweltsünden und Aberglaube rächen sich

Nach den verheerenden Erdrutschen in Gefolge von heftigen Regenfällen in der Umgebung der Stadt Angra dos Reis und der vorgelagerten Insel Ilha Grande hat die Staatssekretärin für Umwelt des Bundesstaates Rio de Janeiro, Marilene Ramos, ein Gesetz suspendiert, das eine extensive Bebauung in Angra dos Reis und auf der Ilha Grande erlaubte. Umweltschützer hatten die Regelung, die im vergangenen Jahr vom Gouverneur Sérgio Cabral Filho erlassen worden war, kritisiert, weil dadurch Naturschutzgebiete beeinträchtigt wurden.

Die Staatssekretärin erklärte dazu: "Das Gesetz hat keinen Einfluss auf das Risiko der Bebauung. Es versucht, die Bebauung in Waldschutzzonen zu organisieren und nicht in Naturschutzgebieten, wo die Bebauung des Bodens weiterhin verboten ist. Aber im Hinblick auf die aufkommende Polemik werden die Auswirkungen des Gesetzes bis zur Vorlage der Studie zur Revision des Raumordnungsplanes der Region, der bereits überarbeitet wird, suspendiert." Sie erklärte weiterhin, dass auf lange Sicht circa 3.000 Häuser in der Region von Angra dos Reis und auf der Ilha Grande entfernt werden müssten.

Der Journalist Marcos Sá Corrêa sieht da genauer hin: "Es war nicht schwer die Tragödie vorherzusehen" ist seine Meinung. Und weiter: "Eine seltenes Wetterphänomen leitete die Katastrophe ein. Über Rio de Janeiro bildete sich in der Neujahrsnacht ein Tiefdruckgebiet, das sich zusammen mit starken Winden Richtung Süden bewegte, in Richtung Angra dos Reis. Auf der Ilha Grande verschwand der bezaubernde Strand von Bananal, den die Nachrichten trotz des Desasters weiterhin als "Paradies" bezeichnen, unter einer 20 Meter hohen Schlamm- und Gerölllawine. Eine Neujahrsnacht mit 50 Toten. Die Katastrophe von Angra dos Reis war von allen Seiten angekündigt worden, an einer Küste, die man Grüne Küste (Costa Verde) nannte und die in den letzten 20 Jahren in einem Baufieber, das arm und reich erfasste, den Wald auf den Hügeln gegen Favelas und die unberührten Küsten durch Privatsiedlungen tauschte. Beides war gleicherweise tollkühn wie illegal. Jetzt nachdem das Besiedlungsmodell an der Costa Verde zusammenbrach, fehlt es nicht an Behörden, die zugeben, dass das nicht gut gehen konnte. Geologen wie die Staatssekretärin Marilene Ramos erklären plötzlich den Reportern, dass in jenem Streifen der Küste alle Steilhänge dazu tendierten, irgendwann zum Meer abzurutschen, weil sie auf einem porösen und instabilen Boden stehen. Der Bürgermeister von Angra, Tuca Jordão, erinnerte sich, dass die Erdrutsche bereits zaghaft 3 Tage vor der Neujahrsnacht begonnen hatten. Der Gouverneur von Rio erklärte nach dem Ereignis, dass man mit "dem Boden nicht spielen" kann.

Im Klartext: Man brauchte keine Propheten, um zu erkennen, dass passieren musste, was passierte."

Ins Licht rückte mit der Katastrophe die Tatsache, dass die Stadt Rio sich ihre Wetterprognosen von einer religiösen Stiftung geben lässt. Die Stadtverwaltung von Rio lässt sich von der "Fundação Cacique Cobra Coral" (FCCC) in meteorologischen Angelegenheiten beraten. Massgebende Persönlichkeit der Stiftung ist ein Medium aus Paraná, Adelaide Scritori, die sich als "das Licht, das die Schwachen erleuchtet und die Mächtigen verwirrt" bezeichnet. Die Stiftung behauptet, die Niederschläge kontrollieren zu können. Sie könne damit Tragödien wie Erdrutsche und Überschwemmungen im chaotischen Rio de Janeiro verhindern. Der neue Bürgermeister hat noch im Januar des vergangenen Jahres den Vertrag mit der Stiftung verlängert.

Nicht umsonst regt sich der Umweltschützer Breno Alves Guimarães de Souza darüber auf: "Mit einer spirituellen Einrichtung wird ein Vertrag abgeschlossen, um die Meteorologie zu kontrollieren und ich muss noch bezahlen dafür!". Man brauche sich nur die Webseite der FCCC anzusehen. Sie soll ein Witz sein. Zur Zeit ist sie leider nicht erreichbar. Absicht?

Informationsquelle: O Estadao, 'Não era difícil prever a tragédia'
und Blog Discutindo Ecologia, Mais uma da Fundação Cacique Cobra Coral e a prefeitura do Rio

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