Direkt zum Hauptbereich

Rumänen gehen sich an die Gurgel

"Wir haben keinen Feind, aber wir leben ständig im Gefühl bedroht und attakiert zu werden", dies ist der Meinungskommentar von Petre Barbu, leitender Herausgeber der Zeitung "Adevarul". Er versucht hier dem Phänomen auf den Grund zu gehen, dass die Rumänen keine Geduld haben, ständig gestresst sind und meinen gegen Alles um sich schlagen zu müssen. Seine Ausführungen gebe ich nachstehend wieder.

"Am Fernsehen habe ich gewalttätige Bilder aus dem Strassenverkehr gesehen. Ein Explosion von Fäusten und Fusstritten. Fahrer, die schmerzhaft zuschlagen und Fahrer, die die Schläge stoisch einkassieren. Wir sind mitten im urbanen Krieg. Es fehlen nur noch die Maschinengewehre. Die Kämpfe im Strassenverkehr kann man nicht nur einfach unter "Verschiedenes" bringen, da dabei oft Blut fliesst und es Tote gibt. Verprügelt zu werden, weil man es sich erlaubt hat, die Strasse auf dem Fussgängerstreifen zu überqueren und an den Schlägen auch noch sterben, das ist das dramatische Schicksal des rumänischen Bürgers.

Die Konfliktsituation ist nicht nur typisch für unseren Verkehr. Den Konflikt gibt es in der ganzen rumänischen Gesellschaft. Nicht erst seit gestern oder seit dem vergangenen Monat. Die blutigen Ereignisse des Dezember 1989, die ihren Höhepunkt in der Exekution des Ehepaars Ceauşescu am heiligen Feiertag der Weihnachten hatten, liegt wie ein Fluch nach 20 Jahren über unseren sogenannten Demokratie: Târgu Mureş, Piaţa Universităţii (Universitätsplatz), Mineriaden ... Wir haben keinen Feind, aber wir leben ständig mit dem Gefühl, dass wir bedroht, angegriffen werden, dass die Welt uns ständig tadelt und dass die ausländischen Journalisten nur auf uns und unserem schönen Land rumhacken. Wir reagieren in dieser Frust-Situation, indem wir uns zu Hause gegenseitig das Leben schwer machen. Wir können nicht miteinander umgehen, wir haben keine Diplomatie des Dialogs, sondern wir lamentieren, dass wir unbedeutend sind, dass wir kein Glück haben und ständig im Unrecht sind. Wir leben mit der Streitsucht im Gehirn und der vorbereiteten Beleidigung im Mund. Der Beitritt zu EU und NATO hat uns bisher nicht geholfen, uns zu zivilisieren.

Wir sind von den Konflikten abhängig geworden, von den Streitereien und Prügeleien. Wir fühlen uns nicht gut, wenn wir nicht einen Schlag ins Genick bekommen haben oder wenn wir nicht jemandem eine Beleidigung beim Einstieg in den Autobus zugerufen haben. Uns interessiert nicht, was der Gegenüber sagt, Hauptsache er wird von unserem Wortschwall zugedeckt. Wenn uns dies nicht gelingt, hauen wir ihm noch eine auf die Augen, damit er endlich kapiert! Nur so spüren wir, dass wir leben. Schlägerei in den Schulen, Erniedrigungen in den Krankenhäusern, Beleidigung in der Stadtverwaltung, Streiterei in der Strassenbahn und auf den Märkten, Gewalt auf der Strasse und Brüllerei im Fernsehen. Das primitive Rumänien. "Unser goldenes Zeitalter", zu dem uns Ceauşescu führen wollte, wurde ersetzt durch das "steinerne Zeitalter". Es würde uns nicht überraschen, wenn ein Tyrannosaurus Rex auf der Strasse auftauchen und 4 oder 5 desorientierte Pensionäre von der Strasse wegschlürfen würde.

Wir verurteilen heftig die Gewalt und greifen sofort zu Massnahmen, aber nur dann, wenn wir sie im Fernsehen sehen. In Wirklichkeit nehmen wir die Gewalt, die sich gegen uns kehrt, hin. Die rumänische Gesellschaft braucht eine Therapie mit Diazepam. Aber woher dieses Psychopharmaka nehmen, wenn die Ärzte es uns nicht verschreiben? Diese Frage kommt mir plötzlich in den Sinn. Gebt mir Diazepam, sonst schlage ich sie nieder".

Barbu beschreibt sehr zutreffend den Geisteszustand der urbanen rumänischen Gesellschaft. Es ist ein treffender Beweis, dass Wohlstand und mehr Geld nicht zu mehr Glück führen. Ein Leben in Frieden, das müssen die Rumänen erst wieder einmal lernen.

Informationsquelle: Adevarul, România fără diazepam

Beliebte Beiträge

Es reicht!

Vor kurzem wurde in Sao Paulo Ricardo Silva Nascimento, ein Müllsammler, schwarzer Hautfarbe, kaltblütig durch die Militärpolizei erschossen, mit einem Schuss in den Körper und zwei in den Kopf, nur weil er es wagte in einem Restaurant in einem Stadtviertel der Mittelklasse nach Essen zu betteln. Diesselbe Polizei, die ihn tötete, manipulierte vor aller Öffentlichkeit die Beweise am Tatort, transportierte illegalerweise den Körper ab und löschte auf den Mobiltelefonen von denen, die die Tat filmten, den Beweis des Verbrechens.

Bewohner des Viertels sollen dabei der Militärpolizei zugejubelt haben.

In Brasilien erlebt man zur Zeit einen Rückfall in die alte Tradition der Sklavengesellschaft und der Unterdrückung einer Bevölkerung, die ausgebeutet wird und in tiefer Armut lebt. In der Zeit der Präsidentschaft von Lula da Silva gab es eine Politik für die Armen, ein Programm, das sich "Zero fome" (Kein Hunger) nannte und mit dem man den beschämenden Zustand eines reichen Lande…

Pulverfass Brasilien

Im Juni 2013 wurde Brasilien von heftigen und gewalttätigen Demonstrationen erschüttert. Ausgangspunkt waren Fahrpreiserhöhungen im öffentlichen Nahverkehr. Die Situation verschärfte sich derart, dass die damalige Präsidentin Dilma Rousseff ihr Kabinett zu einer Dringlichkeitssitzung einberufen musste. Der Gewaltausbruch war unerwartet und verbreitete sich in ganz Brasilien in kürzester Zeit. Es wurde versuch,t Amtsgebäude zu stürmen und es gab viele Akte des Vandalismus. Die Polizei wurde nur mühsam Herr der Lage.

 Der Philosoph Vladimir Safatle von der Universität hat jetzt in einem Beitrag zur Zeitung "Folha", dere auch im Blog "Combate Racismo Ambiental" veröffentlicht wurde, seine Befürchtung geäußert, dass diese Ereignisse sich bald in verstärkter Form wiederholen werden und hat die Gründe dafür benannt. Seine Ausführungen gebe ich nachstehend wieder:

Eine der offensichtlichen Züge des oligarchischen Gedankens ist die Form wie das Volk und die Mas…

Die Betontürme von Barcelona: Auch Betonschrott macht anhänglich

Wer von den höheren Positionen der Collserola auf Barcelona hinunterblickt, dessen Blick bleibt bald an 3 Türmen im Nordosten von Barcelona hängen. Diese drei Türme, die an der Mündung des Flusses Besós ins Meer liegen, gehörten zu einem konventionellen thermischen Kraftwerk, das in den 70er Jahren gebaut worden war. Seit 2011 ist dieses Kraftwerk stillgelegt. Es hatte zuvor kräftig zur Luftverschmutzung in Barcelona beigetragen. Es liegt nicht auf der Gemarkung der Stadt Barcelona, sondern der Vorortgemeinde Sant Adrià.

Drei Türme aus Beton dienten als Kamine über die die Abgase des Kraftwerks abgeleitet wurden. Beim Bau waren sie 90m hoch über den bereits 90m hohen Hochöfen gebaut worden, Es stellte sich heraus, dass in dieser Höhe die Abgase das Stadtklima beeinträchtigten und so wurden sie bis auf 200m erhöht. Sie übertrafen damit die Türme der Kathedrale Sagrada Familia, das Wahrzeichen von Barcelona. Man könnte sich vorstellen, dass ein solches hässliches Bauwerk als Verschande…

Die 70 gefährlichsten Straßenkilometer in Spanien lassen die Verantwortlichen kalt

Nach einem Bericht der Zeitung "El Pais" ist die Nationalstraße N-I auf einer Strecke von 70 km zwischen der Stadt Burgos und Miranda die gefährlichste Straße Spaniens. Täglich passieren 10.000 Fahrzeuge, die Hälfte davon Lastwagen, die Straße. Wie kam es dazu? El Pais schreibt:

1974 hat der Staat die Autobahn AP-1 eingeweiht, die von Burgos aus ins Baskenland führt und parallel zur N-I verläuft. Die Nutzung wurde privat geregelt, aber der Staat verpflichtete sich, die Autobahn in 5 Jahren freizugeben. Nach Ablauf dieses Zeitraum und aufgrund der Verzögerung bei den Einnahmen der Maut wurde die private Verwaltung bis 1999 verlängert. Nur 3 Jahre nach dieser Verlängerung wurde diese bis 2003 erweitert. Danach erfolgte eine weitere Verlängerung bis 2017 und jetzt soll sie erst 2018 mautfrei gemacht werden.

Der Autobahnbetreiber ist das Unternehmen Europistas, das eine Maut von 11,85 € für die Strecke von Burgos bis Ameyugo, einem Dorf 20 km vor Miranda del Ebro erhebt. Dies is…

Trump setzt auf die Hilfe Gottes beim Schutz seiner Luxus-Immobilien und findet willige Helfer

Präsident Trump liegt sein heiß geliebtes Luxus-Golf-Resort Mar-a-Lago in Florida sehr am Herzen. Schliesslich hält er sich auch jede freie Minute da auf. Monster-Hurrican Irma bedrohte nun seine Glückseligkeitsinsel und um Schaden abzuwenden griff er auf die Hilfe des Allerhöchsten zurück. Allerdings nicht dahingehend, dass an seinem Resort keine Schäden angerichtet werden, sondern dafür, dass evakuierte Amerikaner nicht seine schöne Anlage stürmen und dort die Einrichtung versauen.

Blogger Allan Ishac beschreibt das Ansinnen von Trump an "God":

Präsident Donald Trump wandte sich am Samstag (9. September) an den spirituellen Berater des Weißen Hauses und bat ihn darum, für Mar-O-Lago, seinen Immobilienbesitz an der Küste in Palm Springs zu beten. Das Resort lag auf dem Weg von Hurrikan Irma.

"Ich fragte Joel (Osteen), ein toller Kerl, für Gottes Hilfe zu beten, um die Bewohner in Florida zurückzuhalten in mein Winter-Weißes-Haus zu marschieren und es zu ihrer persönliche…

Spanien muss sich seiner Geschichte stellen, dann kann auch Katalonien seinen Platz finden

Spanien hatte mal einen blutigen Diktator, der als Sieger aus dem Bürgerkrieg (1936-1939) dank der Hilfe von Nazi-Deutschland und dem faschistischen Italien hervorging. Francisco Franco terrorisierte das Land im Verbund mit seinen Generälen und den spanischen Faschisten mit seiner Herrschaft bis zu seinem Tod im Jahre 1975.

"Ursachen für den Ausbruch des Krieges sind in den extremen sozialpolitischen und kulturellen Verwerfungen in der spanischen Gesellschaft sowie in regionalen Autonomiebestrebungen zu finden, etwa im Baskenland und in Katalonien", ist in Wikipedia zu lesen. Vor seinem Tod setzte Franco den König wieder als Staatsoberhaupt ein. Ein König der in den faschistischen Militärakademien ausgebildet wurde. Das Volk wurde zur Wiedereinführung der Monarchie nicht befragt. Spanien gab sich dann eine Verfassung, die im Rahmen der "Transition" keinen radikalen Schnitt mit der Vergangenheit machte. Die Generäle drohten im Hintergrund, jede ihnen nicht passende…