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In Treue fest zum Atom

Der spanische Industrieminister macht es sich leicht. Ein paar Tage vor dem Unglück von Fukushima erklärte er: "Sich vor der Nuklearenergie fürchten ist wie vor der Sonnenfinsternis Angst haben".

María Teresa Domínguez, Sprecherin der Forums der spanischen Atomernergie erzählt 2009 in einem Interview: "Spanien hat 8 Atomkraftwerke, die auf höchstem Weltniveau bezüglich Verfügbarkeit und Betriebsbedingungen operieren." Keine Rede davon, dass die AKW Vandellos und Ascó schon Störfälle auf höchstem Niveau hatten. Frau Domínguez bedauert, dass die Nuklearenergie nur zu 8% zur Energieversorgung Spaniens beiträgt. Deshalb will sie daraufhin arbeiten, dass der spanische Strommix für die Zukunft einen Anteil von 30% an der Landesversorgung bekommt. Keine Angst wegen den Risiken? "Nein, die Risiken sind kontrollierbar. Ich sage das, weil ich Technikerin bin und auf dem Gebiet der Sicherheit der Atomkraftwerke arbeite. Aber das sage nicht nur ich, sondern das ist auch die Ansicht des CSN (Nationalrat für nukleare Sicherheit), der soeben eine international geforderte Überprüfung durchgeführt hat, um der Gesellschaft das nötige Vertrauen zu geben".

14. April 2011, Mitteilung des Nationalrats für nukleare Sicherheit: "Im Atomkraftwerk Ascó I (Tarragona) kam es zu einem mitteilungspflichtigen Zwischenfall. Es gab einen Brand von ca. 3 Minuten in einer elektrischen Schaltstelle des Nebengebäudes. Das Feuer wurde von der Betriebsfeuerwehr gelöscht. Die Sicherheitssysteme wurden nicht beschädigt und alle Geräte funktionieren". Das AKW Ascó hatte für dieses Jahr bereits 5 meldepflichtige Vorfälle.

Fukushima und das Gedenken an Tschernobyl bringen auch die Spanier zum Nachdenken. Beim Nuklearforum herrscht betretenes Schweigen. Sachliche Berichterstattung über Fukushima, Erklärungen wie ein Atomkraftwerk funktioniert, aber kein Versuch, Rückschlüsse auf die eigenen Risiko-Anlagen zu ziehen.

Der Gedanke, dass wir keinen Atomstrom mehr haben sollten, scheint aber für viele unerträglich. Im Artikel der Zeitung "El Pais" dürfen die Finanzanalysten Arturo Rojas und José A. Herce am 19. März über die Frage "Können wir auf die Atomernergie verzichten?" nachdenken. Das Nachdenken führt zu einem einseitigen Argumentieren Pro-Atomkraft, die ich nachstehend in Kurzfassung wiedergebe:

"Der Fortschritt in der Nukleartechnik ist herausragend, besonders im Bereich der Sicherheit. Deshalb sind unsere Atomkraftwerke geeignet, ihre volle Leistung solange es geht zu erbringen. Wobei fortlaufend die Sicherheit verbessert wird. Die gute Leistung unserer AKW's hat im vergangenen Jahr beigetragen, dass weniger Kohlendioxid ausgestossen wurde. Die Atomkraftwerke sind fundamental wichtig im Kampf gegen die Klimaerwärmung. Bezüglich des Umweltschutzes gibt es keinerlei Probleme bei einer Laufzeitverlängerung, ausser denen die bereits aktuell sind wie die Einlagerung der Atommülls. Im Gegenteil werden durch die Laufzeitverlängerung die relativen Umweltkosten gesenkt. Die AKW's tragen zu einer Verminderung des Strompreises bei. Es wird erinnert, dass, da die AKW nicht einfach an- und abgeschaltet werden können, der Strom sozusagen zum Null-Tarif angeboten wird. Das bringt Vorteile für alle und vor allem für die Industrie, die damit ihre Wetbewerbsfähigkeit stärken kann. Die Atomkraftwerke sind wichtige Arbeitgeber. In einigen Provinzen und Gemeinden sind sie die größten Arbeitgeber. Steuereinnahmen werden fehlen."

Da klappern einem die Zähne! Selbstverständlich muss der einfache Bürger angesichts eines solchen Szenarios sagen, dass er lieber das Rest-Risiko auf sich nimmt als dass sein ganzer Wohlstand mit dem fehlenden Atomstrom baden geht. Derartig einseitig denkende "Finanzanalysten" verfügen über ein sehr deformiertes Denken, mit dem man die Zukunft mit Sicherheit nicht meistern kann. Deren Argumentation liefert uns alternativlos der Atomindustrie aus. Dabei hat gerade Spanien die Chance alles besser zu machen: Wind und Sonne sind in einem Maße vorhanden, der die Atomenergie uninteressant macht. Es bräuchte eben nur Leute, die den Mut haben, die Weichen neu zu stellen.

Siehe auch:
Fukushima zeigt der Atomindustrie ihr fehlendes Verantwortungsgefühl

Informationsquelle:
El Pais: ¿Podemos prescindir de la energía nuclear

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