Montag, 8. Juni 2009

Sevillas Kampf gegen die Gorillas

Vor 5 Monaten hat die Stadt Sevilla einen Gemeindevorschrift erlassen, die auch die "ordenanza antivandalica" (Erlass gegen Vandalismus) genannt wird. Ziel der Vorschrift ist es, der Polizei eine Möglichkeit an die Hand zu geben, gegen die "Gorillas" vorzugehen.

Was macht ein Gorilla in den Strassenschluchten von Sevilla? Der Diario de Sevilla hat dafür eine schöne, wenn auch etwas lange Definition: "Geld verlangen im Austausch für den Hinweis auf einen Platz, an dem man parken kann" (exigir dinero a cambio de indicar un lugar para aparcar). Viele Sevillaner sind es leid und die Touristen können auch ein Lied davon singen, wenn man zwar einen netten Hinweis auf einen Parkplatz bekommt, aber danach mit unmissverständlichen Hinweisen auf die Zahlung dieser Dienstleistung hingewiesen wird. Der Gorilla ist also ein Mensch, der sich zum Herrn eines Parkplatzes macht, der ihm nicht gehört.

Dagegen kämpft die Stadt nun an. Die Polizei kann eine Strafe von 120 Euro verhängen. Nach 5 Monaten kann man sagen: Der Kampf bleibt ohne Erfolg. Die Gorillas sind schwer zu fassen. Und wenn man sie fasst, kommt erst das böse Erwachen. Es sind in der Regel Obdachlose ohne feste Adresse. Wenn die Stadt also ihre Strafbescheide verschickt, dann kommen die nie an.

Die Polizei wird auch nicht von sich aus tätig. Nur wenn ein Bürger anruft, kümmert sie sich um den Gorilla. Festnehmen kann sie diesen nur, wenn er mit der Beschädigung des Autos droht, falls nicht gezahlt wird.

Was sagen die Sevillanos? "sevilla no cambia", Pseudonym eines Lesers, schrieb folgenden Kommentar: "Gestern habe ich einem Gorilla kein Geld gegen. Da fing er an zu erzählen und zu sagen, so geht das mit dem Land bergab, wenn es Leute gibt, die parken und nicht zahlen. Es ist eine Schande, dass man sich das erlaubt. Ich glaube, dass es jetzt mehr Gorillas wie zuvor gibt, sie haben jetzt gemerkt, dass das ein richtiges Geschäft ist. Das passiert nur in Sevilla und die Schuld haben die, die uns regieren und natürlich logischerweise auch die Sevillaner, die sie wählen.

Informationsquelle: Diario de Sevilla, La ordenanza municipal para acabar con los 'gorrillas' pierde todo su efecto