Montag, 22. Juni 2009

Andalusien bestraft Landschaftszerstörung

Sie sind sehr beliebt am Rande der spanischen Grosstädte. Die sogenannten "urbanizaciones", Wohnsiedlungen, die seit Jahrzehnten nach immer demselben Schema von Grundstücksspekulanten ohne Genehmigung oder unter Beteiligung korrupter Gemeindeverwaltungen errichtet werden. Es läuft so, dass ein Gelände parzeliert wird, Strassen gebaut werden und ein paar Strassenlampen aufgestellt werden. Dann zieht der Makler los und verkauft die Parzellen, die Neueigentümer bauen darauf ohne sich gross um die rechtliche Seite zu kümmern und irgendwann werden die Behörden vor vollendete Tatsachen gestellt und müssen alles im Nachhinein genehmigen.

Das Schlimme ist, dass diese Siedlungen nicht für den unmittelbaren Wohnbedarf gebaut werden, sondern gerade in der Nähe der Städte als Zweitwohnungen fürs Wochenende dienen. Alles soll dann billig sein, die Parzellen sind mini und das was darauf gebaut wird sind Häuser - sehr beliebt sind Reihenhäuser (casas adosadas) - in miserabelster Qualität. Manche Häuser stehen unvollendet in der Landschaft und stören jedes ästhetisches Wohlempfinden.

Nördlich von Sevilla gibt es die "Sierra del Norte" unter anderem mit der kleinen Provinzstadt Castilblanco de los Arroyos. Die Sierra ist deswegen beliebt, weil da auf Grund der Höhenlage (ca. 300 bis 500 m) die Luft frischer ist und im Sommer viele Leute aus dem stickig-heissen Sevilla in die Berge flüchten. Es gibt auch sehr schöne Korkeichenwälder, die im Sommer Schutz bieten, nur stehen diese auf mit Mauern und Zäunen abgesperrten Grundstücken von Grossgrundbesitzern. Dies hat dazu geführt, dass jeder Grossgrundbesitzer einen Teil seines Grund und Bodens in eine "urbanización" umgewandelt hat und damit rund um das Städtchen Siedlungen entstanden sind mit mangelhafter Infrastruktur (Müll, Abwasser), die diese schöne Landschaft erheblich belasten und durch die Zersiedelung zerstören.

Jetzt hat die andalusische Landesregierung (Junta de Andalucia) endlich die Schreckschusspistole herausgeholt und den Eigentümer bzw. ehemaligen Eigentümer der illegalen Siedlung von Las Minas de Castilblanco mit einer Strafe von 714.275 Euros bedacht. Las Minas ist eine der grössten illegalen Siedlungen in Andalusien und die Grösste in der Provinz Sevilla. Dem Eigentümer wird vorgeworfen, seine Grundstück parzeliert zu haben und 777 Grundstücksteile an Privatleute verkauft zu haben, obwohl das Gebiet nicht zur Bebauung geeignet (no urbanizable) war. Insgesamt hatte er das Gebiet in 1.200 Parzellen aufgeteilt
Die ersten Verkäufe erfolgten bereits zwischen 1979 und 1983, die letzten 2005 und 2006.

2005 ist dann erstmals die Umweltschutzbehörde (Fiscalía de Medio Ambiente y Urbanismo) aufgewacht und hat die Personen, die Häuser auf den Grundstücken bauten, verklagt. Inzwischen sind die ersten Bauten abgerissen worden, aber es laufen eine vielfache Anzahl von Prozessen. Gegen den Bürgermeister von Castilblanco wird ebenfalls prozessiert, da er nichts gegen die illegalen Bauten unternommen hat, wohl aber Gemeindegebühren von Eigentümern erhoben hat. Er verteidigt sich damit, dass er keine Möglichkeiten gehabt habe die illegalen Bauten zu verhindern und es zu der Zeit, zu der er Bürgermeister wurde, bereits 500 Häuser in der Siedlung gab.

Das Problem ist in ganz Spanien bekannt und alle haben es geduldet. Heute merkt man, was man damit angerichtet hat. Die Aufsichtsbehörden geben zu, dass es sich hier um keine Einzelfälle (hechos puntuales) handelt. Deswegen müsste sich die Höhe der Strafen gegen das Problem der illegalen Bebauungen richten, die durch Parzelierung von nicht bebaubaren Boden, die danach zum Hausbau an Privatleute verkauft werden, erkennbar sind.

Die oben erwähnte Strafe ist die Höchste bisher in solchen Angelegenheiten ergangene Strafe. Es ist nur zu hoffen, dass dem für die Umwelt kriminellen Treiben der Grundstückspekulanten ein Riegel vorgeschoben wird. Und es ist erfreulich, dass man das in Spanien endlich ernst nimmt.

Informationsquelle: Diario de Sevilla, La Junta sanciona con 714.000 euros al mayor vendedor de parcelas ilegales en Las Minas
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