Direkt zum Hauptbereich

Pfarrer verweigert Kind mit Down-Syndrom Erstkommunion

Carla, ein Kind aus Teià (Barcelona) wurde an ihrem Wohnort nicht zur Erstkommunion zugelassen. Der Pfarrer (cura) berief sich darauf, dass das Kind am Down-Syndrom leidet. Es sei deshalb ein "Engel Gottes" ("un ángel de Dios") und deshalb sei es auch keine Sünderin (pecadora), erklärte er der Mutter.

Klingt eigentlich verdammt christlich und spricht für die Abschaffung der Erstkommunion (primera comunión). Schliesslich, welches Kind ist schon ein Sünder im Alter der Erstkommunion? Die Amtskirche würde sagen, jeder von uns ist ein Sünder mit der Geburt. Erbsünde nennt sich so etwas. Also etwas seltsam, dass dies für Carla plötzlich nicht mehr gilt. Und dass die Taufe die Erbsünde tilgt, gilt ja auch für andere katholische Kinder.

Wenn man sich die Geschichte weiter ansieht, merkt man, dass der Pfarrer ganz andere Probleme hat. Vor 3 Jahren war Carla mit ihrem Zwillingsbruder beim Katechismus-Unterricht und der Pfarrer bekam hier schon seine Probleme. Er meinte zu den Eltern, das Kind wäre unreif und würde im Unterricht stören. Die Eltern sahen dies ein und meldeten das Kind ein Jahr später wieder an. Der Pfarrer erklärte sich bereit, dem Kind die Erstkommunion zu erteilen, wenn es bis dann das Vaterunser auswendig könne. Einige Monate später änderte er seine Meinung und kam auf die gloriose Ausrede mit dem "Engel Gottes", der zu seiner Erlösung keine Kommunion mehr brauche. Darauf wollte die Mutter das Kind in einer anderen Pfarrei zur Erstkommunion anmelden, worauf der Pfarrer meinte, das werde er schon zu verhindern wissen.

Darauf wandte sich die Familie an den Erzbischof von Barcelona. Da meint man, dass man gegen die Entscheidung des Pfarrers nichts machen könne. Den Eltern ist es nach langem Suchen gelungen, eine Pfarrei zu finden, die das Kind zur Erstkommunion zulässt. An ihrem zuständigen Pfarrer lassen sie kein gutes Haar mehr. Er habe bewusst ihr Kind wegen dessen Behinderung diskriminiert.

Der Herr Pfarrer wurde von der Presse nochmals auf die Ereignisse angesprochen und er gab folgende Erklärung: "Ich brauchte Carla nicht die erste Kommunion zu geben, weil sie ein "Engel Gottes ist", der alle Sünden mit der Taufe vergeben wurden und seither habe sie nicht mehr gesündigt. Zudem ist ihre Behinderung sehr umfangreich und es könnte sein, dass sie in der Kirche schreit (gritar)".

Na endlich, da ist die Katze aus dem Sack! Also, dafür die scheinheiligen theologischen Erklärungen, um der Diskriminierung ein frommes Mäntelchen umzuhängen! Man fragt sich, was für einen von der christlichen Nächstenliebe geprägten Apparat der Erzbischof von Barcelona hat, dass er nicht einmal in der Lage ist, einen heuchlerischen Pfarrer zu massregeln.

Nachdem der Pfarrer gemerkt hatte, dass die Öffentlichkeit sein Verhalten wenig erfreut zur Kenntnis nahm, hat er der Mutter angeboten in Anwendung der Liebe von Christus ("aplicando la caridad de Cristo"), das Kind doch zur Erstkommunion zuzulassen. Oder ist vielleicht der Erzbischof aufgewacht? Die Mutter hat auf jeden Fall dankend abgelehnt.

Informationsquelle: La Vanguardia, Un cura se niega a dar la primera comunión a una niña con Síndrome de Down



Beliebte Beiträge

Brasilianer erfahren, dass ihnen Gammelfleisch serviert wird

Gestern hat die brasilianische Bundespolizei unter dem  Decknamen “Operation schwaches Fleisch” (Operação Carne Fraca) eine Razzia in mehreren Bundesstaaten gestartet. Ziele waren die Fleischfabriken von JBS (Friboi), BRF (Sadia/Perdigão) und Seara. JBS gehört zu den weltweit größten Lebensmittelkonzernen, BRF wird zu den 50 wertvollsten Unternehmen Brasiliens gezählt und Seara war einer der offiziellen Sponsoren der Fußball-WM 2014.

Nach Mitteilung der Bundespolizei haben lokale Aufsichtsbehörden des Ministeriums für Fischerei und Landwirtschaft die Unternehmen bevorteilt zu Lasten des öffentlichen Interesses. Die beschuldigten Beamten und Politiker hätten ihre Ämter genutzt, um gegen Bestechung falsch deklarierte Lebensmittel mittels der Herausgabe von Unbedenklichkeitszertifikaten zu ermöglichen, ohne dass die Qualität der Produkte tatsächlich überprüft wurde. Mit diesen gefälschten Zertifikaten verkauften laut Bundespolizei die genannten Unternehmen Fleisch, dessen G…

Eine Autobahn durch die Karpaten, das wünschen sich viele

Rumänien hat eine neue Regierung und wieder einmal verspricht diese der Bevölkerung endlich die seit langem gewünschten Autobahnen zu bauen. Unter anderem steht die Karpatenquerung zwischen Kronstadt / Brasov über Comarnic nach Bukarest an oberster Stelle der Prioritätenliste. Comarnic ist eine Kleinstadt am Südrand der Karpaten, während Kronstadt in Siebenbürgen am nördlichen Karpatenrand liegt.

Wer gerne wissen möchte, wie zur Zeit die Situation auf einer der wichtigsten Verkehrsverbindungen zwischen Siebenbürgen und dem südlichen Rumänien aussieht, dem sei der nachstehende Artikel in der Allgemeinen Deutschen Zeitung für Rumänien empfohlen:

Das Programm der Sozialdemokratischen Partei (PSD), die in Allianz mit ALDE die neue Regierung stellt, nachdem sie vom Parlament und Staatspräsident Klaus Johannis eingesetzt wurde, sieht die Gründung eines eigenstaatlichen Fonds für Investitionen und Entwicklung (Fondul Suveran de Investiţii şi Dezvoltare) in Höhe von zehn Milliarden Euro für d…

Rumäniens erfinderische Polit-Gauner

Rumäniens sozialdemokratische Partei (PSD), Wahlsiegerin bei den letzten Wahlen, testet einen neuen Holzweg. Da einige ihre Mitglieder keine saubere Westen haben und in Korruptionsverfahren stecken oder schon verurteilt sind, haben sie darüber nachgedacht wie man den lästigen Korruptionsparagraphen im Strafgesetzbuch die Schärfe nehmen könnte. Der neue Ministerpräsident hat deshalb in einer Notverordnung (!) festgelegt, dass eine Bestechung bis zur Höhe von 45.000 Euro nur noch als Ordnungswidrigkeit behandelt werden soll. Die Notverordnung muss noch im Gesetzblatt veröffentlicht werden.

Das war vielen Rumänen nun doch ein Stück zu dick. Die Straßenproteste, an denen sich Staatspräsident Johannis beteiligte, nehmen zu und es zeichnet sich ab, dass die Notverordnung nicht so einfach durchkommen wird. Inzwischen hat auch die EU aufgemerkt, denn Rumänien steht immer noch in einem Monitoring-Verfahren bezüglich des Kampfes gegen die Korruption. Die Demonstranten haben also …

Kälte und Angst lassen Frankreich zittern

Derzeit herrschen grausame Minus-Temperaturen in Frankreich, die Bevölkerung dreht die beliebten elektrischen Heizungen auf Hochtouren und verursacht damit auch noch die Angst, dass plötzlich das ganze Stromnetz kollabieren könnte. Diese Woche wird das Thermometer in Frankreich nicht über 0 Grad klettern. Das für die Stromnetze verantwortliche Unternehmen RTE gibt bekannt, dass man sich einem historischen Höchststand beim Elektrizitätsverbrauch nähere. Und das zu einer Zeit, in der 5 Atomkraftwerke wegen Sicherheitsmängel abgeschaltet sind. RTE bezeichnet die Situation als fragil, rechnet aber nicht mit Zusammenbrüchen im Stromnetz. Man werde Strom aus den Nachbarländern importieren, vorsorglich die Versorgung von 21 Industrieanlagen mit extrem hohen Stromverbrauch abschalten und die Spannung im Netz verringern.

Ein wichtiger Grund für den Notstand sind die vielen stromfressenden Elektroheizungen in Frankreich. In den glorreichen Zeiten der Atomenergie, in denen man in…

WM 2014 im brasilianischen Hinterland: Der Spaß ist vorbei, der Ärger bleibt

Die FIFA WM 2014 ist Sportgeschichte. Was bleibt sind die Trümmer in finanzieller und tatsächlicher Art. Im Februar 2014 hatte ich einen Beitrag über den WM-Ort Manaus, der Hauptstadt des brasilianischen Bundesstaates Amazonas, geschrieben. Unter anderem habe ich dazu ausgeführt:
Für die 4 Spiele wurde ein neues Stadion gebaut, die Arena Amazonia. Ein bereits existierendes älteres Stadion wurde abgerissen, weil es den Anforderungen der FIFA nicht genügte. Den brasilianischen Staat kostete das 600 Millionen Real (etwa 187 Millionen Euro) und keiner weiß, was man nach den 4 Spielen mit dem Stadion anfangen soll. In diesem Zusammenhang wurde auch der Flughafen ausgebaut, für den eine große unter Naturschutz stehende Fläche entwaldet und ein Fluss unterirdisch verlegt wurde.  Für den Bau des Stadions starben 4 Bauarbeiter. Gegen das ausführende Bauunternehmen läuft seit einiger Zeit ein Schadensersatzprozess. 

Die Sportausgabe der Zeitung “O Estado de São Paulo” (Estadão) hat s…

Wie weit darf Orban in der Flüchtlingspolitik noch gehen?

Der Pester LLoyd berichtet unter dem Titel “Konzentrationslager in der EU: Ungarn will alle Flüchtlinge internieren”:
Orbáns Kabinettschef János Lázár verkündete die automatische Internierung aller Asylsuchenden und "Eindringlinge" in Lager am Donnerstag auf der ersten Regierungspressekonferenz des Jahres. Sein Chef, der Premier, verteidigte zur gleichen Zeit einige Hundert neue "Grenzjäger" und erklärte wiederum sämtliche Flüchtlinge als Gewaltverbrecher und Terroristen. Die KZ´s kehren in die EU ein. Wird diese etwas dagegen unternehmen?

Ungarn ist EU-Mitglied und Mitglied des Europarats. Es hat sich in der Europäischen Menschenrechtscharta verpflichtet, die Menschenrechte zu respektieren. Diese werden von der Rechtsregierung in Ungarn schon länger mit den Füßen getreten, allerdings immer hart an der Linie, bei der die Zauderer in der EU meinen, dass es schon nicht so schlimm kommen werde. Und das obwohl die ungarische Regierung inzwischen schon all…