Freitag, 26. Juni 2009

Salut les boulettes ! - Grüss mir die Bulette !

Der Belgier Pierre-Brice Lebrun hat in einem Buch das hohe Lied der Boulette gesungen. Sein Buch heisst "Petit Traité de la boulette" (kleine Abhandlung über die Boulette). Es war wohl längst überfällig, dass dieses Nahrungsmittel auf diese Weise einmal geehrt wird.

Der Berliner liegt mit seiner "Bulette" dank der eingewanderten Hugenotten der französischen Version am nächsten. Sonst trägt sie im deutschen Sprachraum den Namen Frikadelle. Aber auch die Begriffe "Klops", "Fleischküchle" oder "Fleischpflanzerl" sind in manchen Regionen gebräuchlich.

Aber zurück zu Pierre-Brice Lebrun und seiner Verehrung für die Boulette. Über ihre Herkunft kann er nur Vermutung anstellen, denn Fossilien von Buletten hat man bisher nicht gefunden. Vielleicht war es so: "Ein Mann, eine Frau, vielleicht um etwas zu lachen haben, vielleicht getroffen von einer plötzlichen Inspiration, hat zwischen seinen Fingern das Fleisch gerollt, das Nahrungsmittel oder was man gerade probieren wollte", vermutet Lebrun.

Die Boulette ist einfach in ihrer Zubereitung und bestens für die Resteküche geeignet. Das Entscheidende ist ist ihre Konsistenz und die kann vielfältig sein, je nach Zubereitung. Lebrun: "Die Boulette muss unter den Zähnen dahinschmelzen und beim Kauen einen würzigen Fleichgeschmack abgeben. Für ihre Zubereitung muss man verschiedene Typen von Fleisch mischen: "Fettes mit magerem, weisses mit rotem, um gegen die Austrockung der Bouletten zu kämpfen". Reste des letzten Bratens, der Schweinshaxe oder gegrilltes Hähnchen, ein paar Schalotten dazu und rein in den Fleischmixer, da soll eine gute Boulette geben. Die Boulette dann aber sorgsam rollen, nicht mit roher Gewalt zusammenquetschen, sondern mit Lebrun verfahren: "Lassen sie sie atmen! Geben sie ihr Raum zur Selbstverwirklichung, um alles durchsickern zu lassen, um die Sosse oder den Saft in sich aufnehmen zu können".

Lebrun stammt aus Lüttich. Er verrät uns auch sein Rezept: "600 g Hackfleisch (halb Schwein, halb Rind); 100 g Toastbrot in Milch aufgeweicht und danach trocknen lassen: 2 Schalotten fein gehackt; eine gehackte Knoblauchzehe; ein Ei, Paniermehl, Pfeffer, Salz, eine Prise Vierkräutergewürz (mélange quatre-épices). In einer Salatschüssel das Fleisch mischen mit dem Toastbrot, den Schalotten, dem Knoblauch, dem Ei. Würzen. Vier Bouletten formen. Entweder in die Friteuse bis sie goldgelb sind oder in den Ofen. Im letzteren Fall noch etwas Schmalz und etwas mehr Toastbrot dazu. Die Boulette mit Mehl bestäuben und in Paniermehl wälzen und dann 30 Minuten in einem feuerfesten Gefäss bei 200 Grad backen.

Wenn man es ganz gut machen will, kann man noch eine "Sauce Lapin" dazu machen. Diese Sosse hat nicht mit Kaninchen zu tun wie es der französische Begriff "Lapin" suggeriert, sondern weil die Erfinderin Géraldine Lapin heisst. Eine Sauce für Bierfreunde, denn es kommt 30 cl braunes belgisches Bier dazu.

Bon Appétit! Guten Appetit!

Informationsquelle: Libération, Salut les boulettes !