Mittwoch, 25. September 2013

Bittere Cashew-Nüsse und schwarze Kinderhände

Im Nordosten Brasiliens werden die beliebten Cashew-Nüsse, auf deutsch auch Kaschu genannt, geerntet. “Der Cashewbaum trägt ungewöhnliche Früchte, augenscheinlich sind es sogar zweierlei verschiedene: die bunten Cashew-Äpfel und die an Bohnenkerne erinnernden Cashewnüsse, quasi als Anhängsel.  Nebenbei produziert der Cashewbaum auch noch Latex und ein technisch wertvolles Öl. Sein Holz ist sehr hart und dicht, resistent gegen Termiten und sehr widerstandsfähig gegen Verwitterung.” So beschreibt die Webseite “Biothemen” Cashew und Cashewkerne.

Die Cashew-Nuss ist schwierig zu ernten. Die Schale enthält ein ätzendes Öl. Dieses Öl verletzt die Haut, verursacht Irritationen und chemische Verbrennungen. Zudem ist das Öl leicht entzündlich und klebrig. Beim Aufbrechen der Schalen mit den Händen werden die Hände schwarz und verletzen die Papillarleisten der Finger. Das Öl breitet sich beim Brechen der Nüsse über die Finger bis zu den Spitzen aus. Die Linien auf den Fingerspitzen verschwinden komplett. Der Fingerabdruck ist dann unbrauchbar, ein Nachteil in einem Land, wo viele Rechtsgeschäfte auch mit dem Fingerabdruck getätigt werden.

Im Ort João Câmara, im Hinterland des brasilianischen Bundesstaates Rio Grande do Norte, stehen bei Dunkelheit ein Junge und ein Mädchen bei einem Feuer über dem eine Blechdose mit Cashewfrüchten angebracht ist. Das Mädchen überwacht das Feuer, indem es mit einer Flasche Wasser auf das Feuer spritzt, damit die Flammen nicht zu hoch schlagen. Beide stehen im Qualm. Ihre Arbeit hat um 3 Uhr in der Frühe angefangen. Man muss früh in der Nacht anfangen, weil die Mittagssonne im brasilianischen Nordosten gnadenlos brennt und ein Arbeiten unmöglich macht. Der Junge ist 13 Jahre alt ebenso seine Schwester. Bis zur 4. Klasse besuchte er die Grundschule, aber er hat Schwierigkeiten zu lesen und zu schreiben. So hat er nach der 4. Klasse die Schule verlassen, weil er sonst 1 Stunde mit dem Omnibus bis zur höheren Schule hätte fahren müssen. Er ist inzwischen Spezialist im Brechen von Cashew-Nüssen.

Die Beschäftigung von Kindern beim Brechen der Caju-Nüsse steht auf der Liste der schlimmsten Formen von Kinderarbeit. Ein Arzt, der gezielte Studien zum Thema der Cashew-Produktion gemacht hatte, erklärt, dass die Arbeit als ungesund gelte. Die Cashew-Ernte in den Dörfern des Nordostens, wo die ganze Produktion handwerklich ablaufe und die Familien von dieser Arbeit abhängig seien, um überleben zu können, zeige die Widersprüchlichkeit dieser Situation: “Die Produktion beruht auf Bedingungen der Kinderarbeit. Um zu überleben muss man sich untragbaren Arbeitsbedingungen ausliefern und die Kinder werden dafür geopfert. Das können wir jetzt, im 21. Jahrhundert nicht mehr akzeptieren”, erklärt der Arzt.

Die Behörden sind über die Zustände informiert. Die Staatsanwältin in Arbeitsangelegenheiten Marinalva Cardos Dantas, zuständig für die Ausrottung der Kinderarbeit und den Arbeitsschutz Jugendlicher in Rio Grande do Norte, hat mehrfach Kontrollen veranlasst und den Zustand beschrieben und Lösungen vorgeschlagen. Sie sagt: “Wir können nicht akzeptieren, dass die Kinder in einer solchen Lage bleiben, aber es reicht nicht, die Arbeit zu unterdrücken, wir müssen auch Alternativen aufzeigen”. Ein anderer Staatsanwalt hat ein Verfahren eingeleitet. Dazu der Vertreter einer Bürgervereinigung: “Er hat gesagt, dass er gegen die Familien prozessieren wird, er versuchte den Leuten die Arbeit zu verbieten, alle waren entsetzt. Es war eine schlimme Situation. Der Qualm tut uns nicht gut, das wissen die Leute, aber sie wollen ihre bisherige Produktionsmethoden nicht ändern. Es hat keinen Zweck sie zu zwingen, man muss sie überzeugen es anders zu wollen, Alternativen aufzeigen”.

Brasilien hat sich verpflichtet bis 2015 jede Form von Kinderarbeit abzuschaffen.

Informationsquelle
Vou ali chorar e já volto: as crianças sem identidade – Repórter Brasil