Direkt zum Hauptbereich

Dorf solidarisiert sich mit Vergewaltiger einer 11-Jährigen

Im Juni 2008 wurde bekannt, dass das Mädchen Florina, 11 Jahre alt, wohnhaft in Poieni im nordostrumänischen Kreis Neamţ, von ihrem Onkel Adrian, 19 Jahre, vergewaltigt wurde und schwanger war. Rumänische Ärzte verweigerten auf der Grundlage der geltenden rumänischen Gesetze die Vorname einer Abtreibung. Nach einer Pressekampagne wurde dem Mädchen ein Flug nach London ermöglicht, wo die Abtreibung vorgenommen wurde.

Inzwischen wurde im Februar der Vergewaltiger zu 11 Jahren Gefängnis verurteilt. Und in dem Dorf gibt es viele, die Verständnis für den Vergewaltiger haben, aber nicht für die Strafe.

Die Zeitung "Evenimentul Zilei" berichtet darüber jetzt unter dem Titel "Primitive Mentalität" (MENTALITATE PRIMITIVĂ). Sie schickte noch einmal ihre Reporter in das Dorf, wo sie feindselig empfangen wurden. Und sie sammelten folgende Stimmen:

Ileana Stan, Schwester des Vergewaltigers Adrian Fasolă, verheiratet und Mutter von 4 Kindern: "Das Mädchen ist Schuld. Wie kann man schwanger werden, wenn Du das erstemal mit jemand schläfst? ... Das Mädchen ist in kurzem Rock rumgelaufen, hat sich geschminkt und getrunken. Sie hat sich selbst zu Adrian gelegt."

Pavel Amăriuţei, der Onkel von Adrian: "Der Mann ist wie der Mann" (Bărbatul e ca bărbatul). Wenn sie sich ihm hingibt ..... Wenn er sie ärgern würde oder schlagen, das wäre etwas anderes. Aber wenn sie einverstanden ist, was ist das dann? Das ist Missbrauch einer Minderjährigen, aber keine Vergewaltigung. Ich sage nicht, dass Adrian unschuldig ist, das Mädchen war ja noch klein, aber für Missbrauch gibt es nur 2 oder 3 Jahre, aber nicht 11 Jahre!"

Vasile Socea, ein unbeteiligter Dorfbewohner: "Er war ein ruhiger Junge, machte keine Probleme, wer hat ihm denn eingeflüstert, dass er sich mit einem Kind einlassen soll? Die Tatsachen bleiben und es muss einmal abgerechnet werden. Skandale zwischen den Geschlechtern wird es immer geben. Seine Verwandten regen sich furchtbar auf. Man sollte mehr darauf schauen was passiert ist und nicht so sehr darauf, wer recht hat."

Der Vater von Florina, Florin: "Die Leute sehen uns schräg an, sie beschimpfen mich. Sie sagen, dass meine Tochter hinter ihm her war. Ein Kind von 11 Jahren. Was weiss sie über so etwas...? Ich bin von einem Onkel von ihm geschlagen worden und wurde bedroht".

Die Mutter von Florina, Lăcrămioara, und Schwester des Vergewaltigers: "Er ist mein Bruder und es tut mir im Herzen weh, wenn ich daran denke, dass er im Gefängnis sitzt. Jetzt spricht meine Mutter nicht mehr mit mir und auch die Brüder und Schwager. Die vergessen aber, was ich durchgemacht habe. Die Tage der Unruhe in den Krankenhäusern wie diese sich geweigert haben, die Abtreibung vorzunehmen, die Tage in London, der Prozess? Wir haben grosses Glück gehabt, dass die Frau in London uns geholfen hat."

Das Opfer, Florina, jetzt in der 5. Klasse: "Niemand spielt mehr mit mir. Sie sagen, sie bräuchten mich nicht. Die Krankheit ist vorbei, jetzt habe ich nichts mehr. Ich gehe zur Schule, ich lese gerne, und sehe gerne Tiersendungen im Fernsehen zusammen mit meiner Schwester."

Die Klassenlehrerin von Florina, Valentina Paşcu: "Sie war einige Zeit nicht in der Schule. Sie verhält sich etwas abwesend, es gab aber kein Problem der Wiedereingliederung ins Kollektiv. Sie ist sozial, die andern mögen und akzeptieren sie bedingungslos. Was passiert ist, ist vorbei, aber die Kinder kennen die Einzelheiten nicht. Sie sind in einem Alter der Unschuld".

Eigentlich wollte die rumänische Regierung die alten Bestimmungen zur Abtreibung, die aus dem Jahre 1950 stammen, auf Grund dieses Falles ändern. Der Antrag ist aber im Parlament nicht durchgekommen. Jetzt wird auf das neue Strafgesetzbuch gewartet.

Informationsquelle: Evenminentul Zilei, MENTALITATE PRIMITIVĂ: Satul ţine cu violatorul „fetiţei-mamă”

Beliebte Beiträge

Wale an Menschen: Lasst uns in Ruhe!

Vor allem an der französischen Mittelmeerküste hat der Kommerz ein neues Vermarktungspotential entdeckt. Mit Delfinen oder Walen schwimmen. Das läuft so ab: Ein Flugzeug sucht im Tieflug die Tiere und danach werden entsprechende Interessenten an den Ort gebracht, um mit den Tieren schwimmen zu können. Hört sich schrecklich tierlieb an, ist aber nur wieder einmal eine der schrecklichen Geschmacksverirrungen, zu denen der Mensch in der Lage ist.
Die französische Umweltorganisation "France Nature Environment " beschreibt die Folgen:
Die Meeressäugetiere, insbesondere die Wale, sind es nicht gewöhnt in der Nähe von Menschen zu sein.  Die Tatsache, direkt mit der Anwesenheit des Menschen konfrontiert zu werden führt zu einer nicht widerrufbaren Änderung im Verhalten der Tiere. Die Delfine und Wale werden durch die Anwesenheit von Menschen verwirrt und gestresst.  Wenn Sie mit dem Flugzeug verfolgt werden,  erschöpfen sie sich. Sie werden von ihren normalen Aktivitäten abgehalten …

"Die Faschisten von Soros wollten mich lynchen"

Gabriela Firea ist Oberbürgermeisterin von Bukarest. Sie ist 43 Jahre alt und von Beruf Journalistin. 2012 wechselte sie in die Politik und wurde für die Partidul Social Democrat (PSD) in den rumänischen Senat gewählt. Im Juni 2016 wurde sie zur Oberbürgermeisterin von Bukarest gewählt. Inzwischen hat sie einen sehr hohen Beliebtheitsgrad in Rumänien und nach einer neueren Umfrage würden sie bei Präsidentschaftswahlen meht Stimmen bekommen als der derzeitige Amtsinhaber Iohannis.

Etwas rätselhaft ist diese Intention der Bevölkerung, denn in Bukarest ist Frau Firea nicht unbedingt beliebt. Sie hat bei den Wahlen viel versprochen und bisher wenig gehalten. Ein empörter Bukarester Bürger beschreibt die bisherige Erfolgbilanz von Frau Firea so: "Sie hat bisher nichts getan. Sie soll zurücktreten. Es gibt keine Parkplätze, der öffentliche Nachverkehr ist genauso schlecht wie bisher. Sie hat nichts von dem gehalten, was sie versprochen hat wie zum Beispiel Klimaanlagen in den öffentlic…

Wenn in Spanien ein Ministerpräsident vor Gericht erscheinen muss

Mariano Rajoy, derzeitiger Ministerpräsident Spaniens, musste jetzt im Korruptionsskandal "Gürtel" vor Gericht als Zeuge aussagen. Die Vorwürfe gegen ihn sind umfangreich, aber bisher ist es ihm immer wieder gelungen, den naiven Unschuldigungen zu geben. Seltsam, was alles ohne sein Wissen bei der illegalen Finanzierung seiner Partei, der Partido Popular (PP) so gelaufen ist.

Es war also Zeit, dass er endlich vor einem ernsthaft arbeitenden Gericht mit den harten Fakten konfrontiert wird. Vor der "Audiencia Nacional" (vergleichbar etwa unserem Bundesgerichtshof) genoss er allerdings eine Sonderbehandlung. Der Journalist Ignacio Escolar beschreibt wie das bei Rajoy abgelaufen ist:

Die Zeugen, die vor der Audiencia Nacional aussagen, sitzen normalerweise auf einem Stuhl gegenüber den Richtern und antworten ohne den Beistand von Rechtsanwälten und sind zur Wahrheit verpflichtet. Rajoy war aber kein Zeuge wie sonst. Er sass an einem privilegierten Platz, rechts von der …

So soll Großbritannien vom Joch der EU-Gesetzgebung befreit werden

Die britische Premierministerin Theresa legte vor kurzem dem Parlament das "Great Repeal Bill"  zur Abstimmung vor. Dabei handelt es sich um ein Gesetz, mit dem das EU-Recht im Vereinigten Königreich für ungültig erklärt werden soll. Offiziell nennt sich das Gesetz "European Union (Withdrawal) Bill", also EU-Rücknahme-Gesetz.


Mit dem Gesetz sollen die rechtlichten Wirkungen des Vertrages von 1972 über den Beitritt des UK zu EU aufgehoben werden. Damit würde wieder nur das Recht des Vereinigten Königreichs gelten und die Rechtssprechungsbefugnis des Europäischen Gerichtshofs für Großbritannien beendet. Dazu soll die bisherige in EU-Gesetzgebung in nationales Recht überführt werden, so dass am Tag des erfolgten Austritts aus der EU kein Chaos entsteht.

Alle EU-Regeln sollen in nationales Recht übernommen werden. Anschließend kann das Parlament diese Regeln "ändern, ergänzen oder verbessern". Damit soll die Geschäftswelt und Bürger und Bürgerinnen beruhigt …

Erdogans willige rumänische Helfer

Nalan Oral ist eine türkische Menschenrechtsaktivistin. Sie ist in Belgien seit 2012 als politischer Flüchtling anerkannt. Anfang Juli wollte sie zusammen mit ihrer Familie  über Rumänien nach Bulgarien reisen, um dort Urlaub zu machen. An der rumänisch-ungarischen Grenze wurde sie am 8. Juli auf Grund eines  internationalen Haftbefehls von Interpol festgenommen und ins Gefängnis gesteckt, um sie dann später an die Türkei ausliefern zu können.

Nalan Oral hatte bereits 3 Jahre in der Türkei im Gefängnis gesessen. Ihr wurde Unterstützung des Terrorismus vorgeworfen. Sie ist kurdischer Herkunft und wurde zudem wegen Unterstützung der PKK angeklagt. Sie selbst erklärt, dass sie das Opfer einer Inszenierung war. Während sie im Gefängnis sass, behaupteten die türkischen Behörden in ihrem Haus Waffen gefunden zu haben. Deshalb wurde sie in der Türkei zu weiteren 30 Jahren Gefängnis verurteilt.

Das Berufungsgericht in Timişoara hat jetzt entschieden, dass Nalan Oral aus der Haft entlassen we…

Die Probleme einer jungen Katalanin mit der Unabhängigkeit Kataloniens von Spanien

Katalonien strebt ein Unabhängigkeitsreferendum im Herbst dieses Jahres an. Die Zentralregierung schwört, dass sie alles tun werde, um das Referendum zu verhindern. Den veranstaltenden katalanischen Politikern wird mit dem Verfassungsgericht und strafrechtlichen Konsequenzen gedroht. Die Stimmung zwischen den Befürwortern und Gegnern ist aufgeheizt. Dazwischen gibt es aber auch Personen, die sich nicht so richtig entscheiden können. Unter anderem auch eine junge Katalanin, deren Ausführungen ich hier gekürzt wiedergeben möchte:

Ich bin in Katalonien geboren, aufgewachsen und lebe hier. Wie viele andere Menschen ist mein Vater Katalane, aber meine Mutter kommt nicht aus Katalonien, sondern aus Andalusien. Es ist eine altbekannte Tatsache, dass in den 60er-Jahren viele Murcianer, Andalusier und Menschen aus der Extremadura auf der Suche nach Arbeit nach Katalonien gekommen sind. Denn diese prosperierende Region war auch immer eine gastfreundliche Region, die vielen Menschen die Möglichk…