Freitag, 5. Juni 2009

Dorf solidarisiert sich mit Vergewaltiger einer 11-Jährigen

Im Juni 2008 wurde bekannt, dass das Mädchen Florina, 11 Jahre alt, wohnhaft in Poieni im nordostrumänischen Kreis Neamţ, von ihrem Onkel Adrian, 19 Jahre, vergewaltigt wurde und schwanger war. Rumänische Ärzte verweigerten auf der Grundlage der geltenden rumänischen Gesetze die Vorname einer Abtreibung. Nach einer Pressekampagne wurde dem Mädchen ein Flug nach London ermöglicht, wo die Abtreibung vorgenommen wurde.

Inzwischen wurde im Februar der Vergewaltiger zu 11 Jahren Gefängnis verurteilt. Und in dem Dorf gibt es viele, die Verständnis für den Vergewaltiger haben, aber nicht für die Strafe.

Die Zeitung "Evenimentul Zilei" berichtet darüber jetzt unter dem Titel "Primitive Mentalität" (MENTALITATE PRIMITIVĂ). Sie schickte noch einmal ihre Reporter in das Dorf, wo sie feindselig empfangen wurden. Und sie sammelten folgende Stimmen:

Ileana Stan, Schwester des Vergewaltigers Adrian Fasolă, verheiratet und Mutter von 4 Kindern: "Das Mädchen ist Schuld. Wie kann man schwanger werden, wenn Du das erstemal mit jemand schläfst? ... Das Mädchen ist in kurzem Rock rumgelaufen, hat sich geschminkt und getrunken. Sie hat sich selbst zu Adrian gelegt."

Pavel Amăriuţei, der Onkel von Adrian: "Der Mann ist wie der Mann" (Bărbatul e ca bărbatul). Wenn sie sich ihm hingibt ..... Wenn er sie ärgern würde oder schlagen, das wäre etwas anderes. Aber wenn sie einverstanden ist, was ist das dann? Das ist Missbrauch einer Minderjährigen, aber keine Vergewaltigung. Ich sage nicht, dass Adrian unschuldig ist, das Mädchen war ja noch klein, aber für Missbrauch gibt es nur 2 oder 3 Jahre, aber nicht 11 Jahre!"

Vasile Socea, ein unbeteiligter Dorfbewohner: "Er war ein ruhiger Junge, machte keine Probleme, wer hat ihm denn eingeflüstert, dass er sich mit einem Kind einlassen soll? Die Tatsachen bleiben und es muss einmal abgerechnet werden. Skandale zwischen den Geschlechtern wird es immer geben. Seine Verwandten regen sich furchtbar auf. Man sollte mehr darauf schauen was passiert ist und nicht so sehr darauf, wer recht hat."

Der Vater von Florina, Florin: "Die Leute sehen uns schräg an, sie beschimpfen mich. Sie sagen, dass meine Tochter hinter ihm her war. Ein Kind von 11 Jahren. Was weiss sie über so etwas...? Ich bin von einem Onkel von ihm geschlagen worden und wurde bedroht".

Die Mutter von Florina, Lăcrămioara, und Schwester des Vergewaltigers: "Er ist mein Bruder und es tut mir im Herzen weh, wenn ich daran denke, dass er im Gefängnis sitzt. Jetzt spricht meine Mutter nicht mehr mit mir und auch die Brüder und Schwager. Die vergessen aber, was ich durchgemacht habe. Die Tage der Unruhe in den Krankenhäusern wie diese sich geweigert haben, die Abtreibung vorzunehmen, die Tage in London, der Prozess? Wir haben grosses Glück gehabt, dass die Frau in London uns geholfen hat."

Das Opfer, Florina, jetzt in der 5. Klasse: "Niemand spielt mehr mit mir. Sie sagen, sie bräuchten mich nicht. Die Krankheit ist vorbei, jetzt habe ich nichts mehr. Ich gehe zur Schule, ich lese gerne, und sehe gerne Tiersendungen im Fernsehen zusammen mit meiner Schwester."

Die Klassenlehrerin von Florina, Valentina Paşcu: "Sie war einige Zeit nicht in der Schule. Sie verhält sich etwas abwesend, es gab aber kein Problem der Wiedereingliederung ins Kollektiv. Sie ist sozial, die andern mögen und akzeptieren sie bedingungslos. Was passiert ist, ist vorbei, aber die Kinder kennen die Einzelheiten nicht. Sie sind in einem Alter der Unschuld".

Eigentlich wollte die rumänische Regierung die alten Bestimmungen zur Abtreibung, die aus dem Jahre 1950 stammen, auf Grund dieses Falles ändern. Der Antrag ist aber im Parlament nicht durchgekommen. Jetzt wird auf das neue Strafgesetzbuch gewartet.

Informationsquelle: Evenminentul Zilei, MENTALITATE PRIMITIVĂ: Satul ţine cu violatorul „fetiţei-mamă”