Sonntag, 5. April 2009

Das neue Jerusalem liegt in Brasilien und Nazarenos tummeln in Sevilla

Das neue Jerusalem - Nova Jerusalem - liegt im pernambucanischen Sertao in der Nähe der Stadt Caruaru. Eigentlich ist Nova Jerusalem kein Ort, sondern ein Freilichttheater (cidade-teatro) in der Gemeinde Fazenda Nova. Hier werden die brasilianischen Passionspiele, die "Paixão de Cristo" (das Leiden Christi) zur Karwoche abgehalten.

Das Theater und die Passionspiele finden seit 1968 statt. 1968 baute eine Privatmann einen Teil aus dem Jerusalem der damaligen Zeit nach und fügte die einzelnen Stationen der “Via Sacra“ in die verschiedenen natürlichen Terrain-Formationen ein. Die Theaterstadt liegt mitten in einer kargen Felslandschaft, ähnlich der Judäas, umgeben von einer drei Meter hohen Mauer, die mit sieben Meter hohen Türmen besetzt ist.

Der Höhepunkt der Aufführung ist die Auferstehung von Jesus Christus. Dabei wird der Schauspieler in eine Wolke gehoben. Aus diesem Anlass wird an keinem Effekt gespart, es blitzt und donnert. Nicht zuletzt dadurch, dass den Veranstaltern kein Effekt zu schade ist, ist die Veranstaltung äusserst beliebt in Brasilien. Die Zuschauer ziehen mit den Schauspielern von Station zu Station und stellen damit auch das historische Publikum. Da kann man auch ruhig einmal die Peiniger von Jesus Christus beschimpfen.

Solche Massenansammlungen bergen natürlich auch Gefahren. Blogger Fredson Paiva berichtet aus dem Sertao, dass die Polizei für diese Tage aufgerüstet hat. Ihr stehen an diesen Tagen auch 25 Alkohol-Messgeräte zur Verfügung, da scheinbar einige die "Paixão de Cristo" nur mit viel Alkohol ertragen können.

In Sevilla dagegen wandern diese Woche dunkle Kapuzenbrüder - hier Nazarenos genannt - durch die Strassen. Unter den Kutten verstecken sie allerhand Essbares und Trinkbares für den langen Weg von ihrer Pfarrei bis zur Kathedrale von Sevilla. Besonders wichtig sind die Nazarenos, die die Podeste tragen. Manche schleppen aber auch ein Kreuz und rutschen auf den Knien. Schliesslich sind sie alle "Penitentes", Büsser. Ihren knisternden Höhepunkt erreicht die "Semana Santa" (Karwoche) am "Viernes Santo" (Karfreitag) und "Sábado Santo" (Karsamstag), wenn die tieftraurigen Nazarenos am Tag der Kreuzigung des Herrn im Takt der dumpfen Blasmusik (Banda de Musica) durch Sevillas Strassen ziehen und von den Balkonen die "Saetas" (Bittgebete) erklingen.