Donnerstag, 19. März 2009

Im Namen des Schweizer Kreuzes

Die Wogen schlagen hoch, sehr hoch in der Schweiz. Der deutsche Finanzminister ist der Auslöser. Herr Steinbrück nimmt bei den Steueroasen kein Blatt vor den Mund. Er wird so rüpelhaft wie bisher die nationalkonservativen schweizer Stimmungsmacher. Die haben sich bisher gegenüber der Europäischen Union einen Ton angemasst, der nur so von Selbstüberheblichkeit strotzte. Jetzt sind die Zeiten plötzlich anders, die Finanzkrise hat die Welt aus ihrem Status Quo gerissen. Und nun besinnt man sich anderswo, dass es Länder gibt, die Gesetzesbrechern aus der Finanzwelt hilfreich die Hand gereicht haben und es immer noch tun. Das streiten nicht einmal die Schweizer ab, nein sie sagen, dass sie das "dreckige" Geld brauchen, weil sonst ihr Wohlstand in Gefahr ist.

Da darf man sich nicht wundern. Das "Rosinenfischen" in der europäischen Politik kann auf Dauer sehr einsam machen. Und die Zeiten sind so, dass man plötzlich Sündenböcke braucht. Die Schweiz bietet sich dazu an, sie gibt genügend Argumente dafür.

Der Kommentator der Basler Zeitung, Luciano Ferrari, sieht das ganz nüchtern, wenn er sagt, dass es sich hier um die erste Krise der globalisierten Wirtschaft handelt und "für die Schweiz heisst das, dass die Unterscheidung zwischen Steuerbetrug und Steuerhinterziehung auf internationaler Ebene nicht mehr zu halten war. National kann diese Differenzierung weiterhin gelten. In der Welt jedoch musste sich die Schweiz den supranationalen Gepflogenheiten anpassen, will sie weiterhin von der globalisierten Wirtschaft profitieren." Zu einer solchen realistischen Analyse sind die nationalen Kraftmeier nocht nicht bereit.

"Steinbrück verspottet unsere Politiker" und "Steinbrück freut sich über den gelungenen Trick: «Jetzt ist ordentlich Zug im Kamin.»" damit versucht der Blick die Schweizer Volksseele am Kochen zu halten. Wenn man keine Argumente hat, greift man gerne in die Nazizeit zurück. So meinte ein Nationalrat, er müsste Steinbrück bei der Gestapo ansiedeln.

Wie es weitergeht? Man kann gespannt sein. Nachdem man sich in der Schweiz über den deutschen Finanzminister betrunken geredet haben wird, wird die Ernüchterung kommen. Nach alten griechischen Dramen kann die auch mit der "Katharsis", der inneren Reinigung, verbunden sein. Entstehen daraus einmal ganz neue Ansätz für eine schweizer Politik in einer veränderten Welt?