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Chaos-Krankenhaus am Amazonas

Das Erste-Hilfe-Stadtkrankenhaus in Belém do Pará (Pronto Socorro Municipal - PSM) steht im Brennpunkt der Kritik der lokalen Medien. Jetzt haben sogar Stadtverordnete einen Lokaltermin im Krankenhaus für erforderlich gehalten und sie konnten ein Krankenhaus erleben, für das das Wort "Chaos" noch eine Untertreibung sein soll. Der lokalen Presse wurde von der Krankenhausverwaltung eine Begleitung der Stadtverordneten untersagt.

Die Stadtverordneten gingen durch das Krankenhaus, hörten sich die Reklamationen und Beschwerden der Kranken und des Pflegepersonals an. Gleichzeitig erlebten sie noch eine schockierende Szene als ein Krankenwagen einen Mann anlieferte, in dem ein Krankenpfleger verzweifelt versuchte, diesen durch eine Herzmassage (massagem cardíaca) wieder zu beleben. Niemand aus dem Krankenhaus eilte ihm zu Hilfe. Der Mann, der ein Insektengift namens "chumbinho" geschluckt hatte, starb vor den Augen der Stadtverordneten.

Die Liste der Vorwürfe an das PSM ist lang: Es gibt weder einen funtkionierenden Tomographen, noch ein Negatoskop (ein Gerät, das zur Augenuntersuchung benötigt wird). Ein Teil der Ärzte ist seit letztem September nicht mehr bezahlt worden, Krankenräume - so insbesondere die Kinderabteilung - mit Wassereinbruch und totale Überfüllung der Räume. Die Kranken liegen auf zerschlissenen Matratzen. Das Krankenhausessen soll meistens kalt und oft auch verdorben sein. Nach Auskunft eines Krankenpflegers fehlte letzte Woche sogar Faden um Wunden zu nähen. Die Krankenhausleitung versuchte die schlimmsten Zustände für den Besuch zu vertuschen und liess alle Krankenbahren, auf denen die Kranken im Eingangsbereich lagen in einen anderen Raum bringen, bis keiner mehr reinging.

Der Generaldirektor des Krankenhauses wiegelte auf diese Misstände angesprochen ab. Selbstverständlich würden die Ärzte bis spätestens 15. März ihre ausstehende Bezahlung erhalten. Leider wäre einige Geräte defekt. Das Essen wäre in der Tat meistens kalt, aber es müsse leider von weither ins Krankenhaus gebracht werden und dann sei es natürlich nicht immer frisch.

Eine Ärztin (médica) fleht die Stadtverordneten an: "Leute macht etwas, ihr Politiker, wir sind am sterben zusammen mit unseren Patienten. Wir müssen Hilfe in anderen Krankenhäusern suchen (“Gente, façam alguma coisa, vocês políticos, pois nós estamos morrendo com nossos pacientes. Temos que pedir remédio em outros hospitais”).

Die zuständigen Behörden sind eingeschaltet. An Geld soll es nicht fehlen. Das zuständige "Bundesministerium für Öffentlichkeit" (Ministério Público Federal (MPF)) hat jetzt drastische Aktionen gegen die Misswirtschaft der Leitung des Krankenhauses angedroht. Die Zustände werden morgen Gegenstand einer Dringlichkeitssitzung im Stadtparlament von Belém sein.

Informationsquelle: Diario do Pará, Sem atendimento, homem morre na porta do PSM

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