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Die französische Atombombe und ihre Kosten

Nachdem im November vergangenen Jahres die französische Regierung erstmals die Politik der Leugnung der Schäden im Gefolge der Atomtests in der Sahara (Algerien) und in Polynesien aufgegeben hat, kommt jetzt ein Stein ins Rollen, der nicht so einfach aufzuhalten sein wird. Die Versuche begannen Ende der fünfziger Jahre und dauerten bis 1996 und sie dienten dazu, die eigene Atombombe herzustellen.

Den an den Tests beteiligten Militärs und Zivilisten fehlte damals jedes Gefahrenbewusstsein für die atomare Strahlung. "Selbst an den Orten der unterirdischen Tests (les tirs souterrains) badete man am Tag zwei- oder dreimal in den Wassern der Lagune, man tauchte oder fuhr Wassersschi. Man hatte keinerlei Gefahrenbewusstsein (conscience du danger)", berichtet Florence Bourel, der als junger Sekretär der Atomenergiebehörde 1982 und 1983 in Mururoa war. Der Zeitgeist war auch so, dass man die Gefahren von Atomexplosionen nicht ernst nahm oder herunterspielte.

Nun schätzt der französische Verteidigungsminister Hervé Morin die Zahl der Personen, die an den Tests beteiligt waren auf ungefähr 150.000 Personen. Dabei handelt es sich nur um Militärs und zivile Angestellte der französischen Armee. Die vor Ort lebende Bevölkerung wurde dabei nicht mitgerechnet.

Bisher ging der französische Staat davon aus, dass die Schädigung der Teilnehmer an den Tests auf eigenes Fehlverhalten zurückzuführen war. Hinzu kam, dass Geschädigte nachweisen mussten, dass die atomare Strahlung für ihre Erkrankung ursächlich war. Im neuen Gesetz soll die Beweislast umgedreht werden: Der Staat muss jetzt nachweisen, dass die Schädigung nicht auf die atomare Strahlung zurückzuführen war.

Für die Zahlung von Entschädigungen sollen vorerst 10 Millionen Euro bereitgestellt werden. Wer im Gesetz völlig unter den Tisch fallen soll, ist die kontaminierte Bevölkerung in den Testgebieten. Frankreich meint, die bisherigen Haushaltzuschüsse an Polynesien mit dem Leid der Betroffenen verrechnen zu können und bezüglich Algerien ist man der Ansicht, dass man schon genug getan habe mit der Säuberung und Sicherung der kontaminierten Gebiete.

Angesichts der Fakten kann man feststellen, dass hier ein Stein ins Rollen gerät, der nicht so schnell zu stoppen sein wird. Man kann ein Vergleich zum Fall der in der Zeit des Nationalsozialismus missbrauchten Zwangsarbeiter ziehen, deren Entschädigung auch lange bestritten und dann doch durchgesetzt werden konnte.

Das wird noch zu Recht sehr teuer werden.

Informationsquellen:
AgoraVox, Essais nucléaires : le mea culpa tardif et difficile de l’Etat sur les irradiés
Le Figaro, Les vétérans n'avaient aucune «conscience du danger»
Le Monde, "Gerboise bleue" : un document à charge sur les essais nucléaires français en Algérie, avant et après l'indépendance du pays

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