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Briefumschlag für den Doktor

Bereits in einem früheren Beitrag habe ich über die Korruption im rumänischen Gesundheitswesen geschrieben. Der "plicul pentru doctor" (Briefumschlag für den Doktor), den man ihm diskret mit Geldscheinen gefüllt in die Tasche gesteckt hat, war bisher eine Selbstverständlichkeit, wenn man sich eine anständige ärztliche Behandlung wünschte.

Claudia Marcu von der Online-Zeitschrift "Gândul" hat ihren Lesern deshalb folgende Frage gestellt: "Glauben Sie, dass eine eventuelle Gehaltserhöhung im Gesundheitswesen von 50% das Thema "plicul pentru doctor" erledigen wird?"

Hier einige Reaktionen:
Leser/in 1: "Daaaa!", also jaaaa auf deutsch. Das ist wohl tief ironisch gemeint, denn er/sie verweist darauf, dass genauso wie Lohnerhöhung in der Justiz, bei den staatlichen Selbstverwaltungsorganen und bei der Polizei diese völlig immun gegen die Bestechung (şpagă, ausgesprochen "schpaga") gemacht hat, so wird das auch im Gesundheitswesen nichts bringen...

Leser/in 2: Categoric nu !!! Kategorisches nein!!! Diese Praktiken haben sich so in das Bewusstsein der Geber und Empfänger eingebrannt, dass jede Umfrage zum Thema sinnlos ist.

In dieselbe Kerbe haut ein anderer Leser/in, wobei dieser den Nachdruck darauf legt, dass der Patient der Unverbesserliche ist, denn der ist sich auf Grund jahrzehntelanger Erfahrung im rumänischen Gesundheitswesen bewusst, dass, wenn der Arzt nichts erhält, er keine Chance hat gesund zu werden.

Dieser Punkt kristallisiert sich als das Hauptthema heraus: Nicht der Arzt ist der Hauptschuldige, sondern die Patienten, die dem Arzt ihre Geschenke förmlich aufdrängen. „Cine a fost mai întâi, oul sau găina?” (Wer war zuerst, das Ei oder die Henne?) fragt deshalb ein weiterer Leser und führt weiter aus, dass er leider der "Henne" Patient in erster Linie die Schuld geben muss.

Die Rumänen erkennen also das Problem, sind aber verzweifelt, weil sie nicht wissen wie sie ihr eigenes Verhalten ändern können.

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