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Yebra will den Atommüll

Yebra, ein kleines Dorf mit 600 Einwohnern, nördlich von Madrid und westlich von Guadalajara liegend, macht zur Zeit Schlagzeilen in Spanien. Der Ort hat die Ehre in der Nähe des Atomkraftwerkes von Zorita zu liegen. Das Atomkraftwerk wurde 2006 nach 38 Jahren Produktion stillgelegt. Die Kosten für den Abriss wurden damals auf 170 Millionen Euro geschätzt und die Arbeiten sollten 10 Jahre dauern. Es gab natürlich Versuche von politischer Seite, die Laufzeit zu "strecken", sie stiessen jedoch auch heftigen Widerstand von Bürgerbewegungen und Umweltorganisationen.

Spanien weiss auch noch nicht so recht, wohin mit dem Atommüll. Deshalb sucht der spanische Industrieminister nach einem Standort für das temporäre zentrale Atommüll-Lager, von den Spaniern auch "Nuklearfriedhof" (cementerio nuclear) genannt. Spanische Gemeinden waren aufgefordert sich dafür zu bewerben. Bis Ende Januar sollte die Entscheidung getroffen werden. Heisseste Favoriten waren Yebra und Ascó in der Provinz Tarragona. Aber immer mehr Gemeinden haben inzwischen Interesse gezeigt. Nun hat Yebra zugeschlagen. Am 20. Januar tagte der Gemeinderat in einer ausserordentlichen Sitzung und beschloss eine Kandidatur für das Zentrallager.

Yebra ist politisch fest in der Hand der konservativen Partido Popular (PP). Auch der Bürgermeister gehört dieser Partei an. Diese Partei war aber dagegen, dass Yebra kandidiert. Insbesondere die Häuptlinge in Madrid. Die Generalsekretärin der PP, Dolores de Cospedal, drohte den Dorfpolitikern Parteirausschmiss an. Sie und mit ihr die Parteileitung war der Meinung, dass die Sache mit Zentrallager gut und notwendig für Spanien ist, aber es sollte nicht in Castilla-La Mancha liegen, das sich immer sehr solidarisch bei nuklearen Themen gezeigt habe. Vor allem die PP-Gewaltigen in der Provinz Guadalajara waren gegen ein Zentrallager in Yebra.

Der Bürgermeister blieb ob der Drohungen seiner Generalsekretärin erstaunlich kaltblütig. Er meint die Arbeitsplätze, die das Lager verspricht, sind ihm wichtiger, denn Yebra liege in einer trostlosen Gegend, der Tourismus sei gleich null. Er gab aber zu, dass die Kandidatur auch im Dorf umstritten ist. Sogar Familien wären deswegen zerstritten.

Die Generalsekretärin und der Regionalvorsitzende der PP haben inzwischen den geordneten Rückzug angetreten. Von Parteiausschluss ist keine Rede mehr. Der Oppositionsführer Rajoy
tröstet sich und die Partei, dass damit ja noch keine Entscheidung für Yebra gefallen sei, die müsse schliesslich der Industrieminister noch treffen.

Informationsquelle:
El Mundo, La central de Zorita para su reactor tras 38 años de actividad
El Pais, Primera decisión municipal a favor de una instalación atómica, Yebra, en Guadalajara, primer pueblo aspirante al almacén nuclear, Arenas corrige a Cospedal y niega que el PP vaya a expedientar al alcalde de Yebra

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