Mittwoch, 27. Januar 2010

Nuklearverseuchtes Trinkwasser in Brasilien Preis für billige Atomenergie

Caetité ist eine Gemeinde im brasilianischen Bundesstaat von Bahia. Der Ort hat 48.000 Einwohner und liegt 757 km westlich von der Landeshauptstadt Salvador / Bahia entfernt. Er liegt auf einer Höhe von 825 m in der Sertao und rühmt sich, der geeignetste Ort Brasiliens für Windkraftwerke zu sein. Entsprechende Projekte wurden aber bisher mehr schlecht als recht umgesetzt. Die grössten ökologischen Probleme bestehen in einer wahllosen Entwaldung, um Holzkohle für die grossen Stahlfabriken in Minas Gerais und für einen lokalen Keramikfabrikanten zu produzieren.

Soweit die Beschreibung des Ortes bei Wikipedia (portugiesisch). Greenpeace widmet dem Ort ebenfalls sein Augenmerk. Am 8. Juni 2009 berichtete Greenpeace Brasil erneut über durch Uran verseuchtes Wasser in Caetité. In der Nähe liegt nämlich eines der wichtigsten Uranbergwerke Brasiliens, das von INB Caetité betrieben wird. Die Uranreserven werden auf 100.000 Tonnen geschätzt. Beim Abbau wurde auf die kostengünstigste Möglichkeit gesetzt. Zum Nachteil für die Bevölkerung wie sich jetzt herausstellt.

Inzwischen ist bis in Regierungskreise vorgedrungen, dass die Höhe der Radioaktivität in der Region wesentlich höher ist als erlaubt. Unter anderem ist auch Trinkwasser verseucht. Deswegen will die Internationale Atomenenergiekommission und die nationale brasilianische Kommission für Nuklearenergie (Cnem) in Kürze eine Überprüfung des Wassers in der Region vornehmen. Dabei sollen auch die Installationen der INB (Indústrias Nucleares do Brasil) in der Stadt untersucht werden. Das Institut für Gewässerverwaltung (Inga) ist sich sicher, dass das Wasser bereits verseucht ist. Die Art wie das Uran im Bergwerk und in der Fabrik bearbeitet werde, fördere eine bis zu 100 mal höhere Freistetzung von Radioaktivtät in die Umwelt. Inga hat bereits mehrere Proben aus Trinkwasserbrunnen entnommen und eine um das dreifache den Grenzwert überschreitende Radioaktivität gefunden. Aus einem der Brunnen wurden bisher 15 Familien mit Trinkwasser versorgt. 2 weitere Brunnen stehen auf dem Gelände von INB und weisen eine Radioaktivität auf, die um das 40-fache über dem Grenzwert liegt. Angeblich wird das Wasser nur für industrielle Zwecke benutzt.

Caetité ist einer der Orte mit der höchsten Krebsrate im Bundesstaat Bahia.

Für die Kommission für Nuklearenergie (Cnem) kommt alles von irgendwo anders nur nicht von der Uranindustrie: "Caetité ist eine Uranregion. Dadurch kann es auch an einigen Stellen Wasserläufe mit erhöhter Radioaktivität geben. Das ist total normal", erklärte der Verantwortliche. Da ist aber der für den Gewässerschutz ganz anderer Ansicht: "Nur weil wir natürliches Uran haben, können wir die Bevölkerung nicht diesem Grad von Radioaktivität aussetzen. Es ist nicht gerecht, dass die lokale Bevölkerung an Krebs stirbt. Die Regierung von Bahia muss sich endlich erklären, denn das ist eine Sache der öffentlichen Gesundheit. Sollte der Zusammenhang zwischen Radioaktivität und Sterbefällen bestätigt werden, müssen Vorsichtsmassnahmen getroffen werden. Eine wäre die Umsiedlung der Bevölkerung".

Brasilien will auf die Atomenergie nicht verzichten. Sie soll billig sein, da hat die Gesundheit der Bevölkerung keinen Vorrang. Für alternative Energie hat man schöne Worte, aber wenig Taten.

Informationsquelle: O Globo, Em município da Bahia, análise mostra alto nível de radiação na água