Mittwoch, 20. Januar 2010

Tote Babys im Kühlschrank sorgen für Aufregung

Im brasilianischen Norden, im Bundesstaat Roraima, der an Venezuela und Guyana grenzt, wurden letzte Woche im Kinderkrankenhaus "Nossa Senhora de Nazareth" in der Hauptstadt Boa Vista 6 Körper von Neugeborenen in einem Kühlschrank gefunden. Es handelte sich um einen für den normalen Gebrauch in einem Haushalt bestimmten Kühlschrank. Er stand in einem 2x2 m grossen Raum. Die Körper waren in schwarzem Plastik und in Kleidern eingewickelt. Der Kühlschrank war verrostet und der Dichtungsgummi verbraucht. Das Gerät stand in einem nicht klimatisierten Raum neben der Wäscherei des Krankenhauses. Der Leser einer lokalen Zeitung hatte die Behörden infomiert.

Wie geht man damit um, am Ende der Welt (zumindest der brasilianischen Welt)?

Das Ministerium für öffentliche Angelegenheiten des Bundesstaates Roraima beauftragt die Staatsanwaltschaft mit einer Untersuchung. Das Ergebnis der Untersuchung wird im Internet veröffentlicht und sei hiermit wiedergegeben:

Verantwortlich für die Untersuchung der Angelegenheit waren die Staatsanwältin für gesundheitsrechtliche Angelegenheiten, Jeanne Sampaio, und die zuständige Sozialarbeiterin des Ministeriums, Rute Barbosa.

Entsprechend dem Bericht von Rute Barbosa ging sie zum Krankenhaus, um die Beschuldigung auf ihren Wahrheitsgehalt zu überprüfen. Der Ort diente als "Leichenschauhaus" des Krankenhauses und strömte einen intensiven Geruch aus. Befragt über dien Sinn des Raumes, gab das Personal an, dass es sich um "ein Verfahren, das von der Geburtsklinik angewandt werde" handle. "Die Sozialarbeiterin der Geburtsklinik erklärte mir, dass entsprechend den Gesetzen verfahren werde. Sie arbeite seit 2008 in der Abteilung und seither sei das immer so gehandhabt worden. Sie habe die Schlüssel für den "Leichenraum". Die Körper der Kinder würden in diesem Kühlschrank verwahrt, bis das Verfahren zur Beerdigung abgeschlossen sei", berichtete Rute Barbosa, die weiter feststellte: "Da das ganze Krankenhaus klimatisiert sei, hätte es keinen Grund gegeben, warum der Raum mit den aufbewahrten Körpern nicht klimatisiert wurde. Ausserdem sei unverständlich, warum ein normaler Kühlschrank für die Aufbewahrung benutzt worden wäre und nicht ein spezieller Kühlschrank für die Leichen von Kindern. Sie gaben mir zu verstehen, dass es da ein Desinteresse gebe, weil die Kinder ja tot gewesen seien und man sich um die Körper nicht zu sorgen brauche."

Neben den 6 Körpern fand man auch das linke Bein eines Erwachsenen im Kühlschrank. Rute Barbosa wurde aufgeklärt, dass das Bein aus dem allgemeinen Krankenhaus von Roraima komme, wo man keinen Aufgewahrungsort gehabt habe. Deshalb habe die Geburtsklinik die Aufbewahrung übernommen. Man wisse allerdings nicht, was man mit dem Bein machen solle.

Bei der Untersuchung kam auch heraus, dass eine Kinderleiche bereits seit August im Kühlschrank lag.

Jetzt hat das Krankenhaus eine strenge Überprüfung am Hals. Die Behörden versprechen, dass für die Abwicklung der Todesfälle in Zukunft ein zügiges Verfahren gewährleistet wird. Dabei kam auch heraus, dass der Vertrag des Krankenhauses mit einem Bestattungsunternehmen am 27. November beendet wurde und erst zu Beginn des Monats Januar eine neue Ausschreibung erfolgt ist.

Informationsquelle: Ministerio Público do Estado de Roraima, MPE encontra corpos de bebês em geladeira