Donnerstag, 14. Januar 2010

Ihre Scheinheiligkeit war IM

Die orthodoxe Kirche in Rumänien hat noch einiges zu tun an Vergangenheitsbewältigung. Während des kommunistischen Regimes erfreute sie sich als Nationalkirche durchaus des Wohlwollens der Gottlosen. Und sie hat gegen einige Vorteile kräftig zur Stützung des Regimes beigetragen. Nach der Revolution entdeckte ein Teil der Rumänen plötzlich wieder Gott und seine Kirche. Die Kirche nahm einen ungeahnten Aufschwung als vermeintliche Gegenkraft zum überstandenen Kommunismus. All die Zigarettenschmuggler und Glücksritter der Umbruchzeit, die ehemaligen Helfershelfer des Regimes spendeten jetzt fleissig für die Orthodoxen und meinten damit, sich von ihren Sünden rein waschen zu können. Gewiefte Wendehälse machten jetzt Karriere in der Kirche. Einem Abt in einem Moldaukloster interessiert seine Satellitenschüssel und die Getreidepreise mehr wie das Seelenheil seiner Gläubigen.

Die Gläubigen betäubt man mit einem Übermass an Mystizismus, der nicht hinterfragt werden kann. Ein Wunder, dass bei all dem Brimborium die Leute noch in die Kirche laufen. Der Hochmut dieser Kirche drückt sich darin aus, dass sie meint, dass die Kirche nicht hinter den Gläubigen herlaufen soll, sondern dass die zu ihr kommen müssen.

Inzwischen hat die Vergangenheit aber die Kirchenfürsten Rumäniens eingeholt. Der Metropolit
von Cluj / Klausenburg, Bartolomeu Anania, geboren 1921, ist nach neuesten Enthüllungen des Nationalrats für Archivstudien der Securitate (CNSAS; die rumänische "Gauck-Behörde") als Mitarbeiter unter dem Decknamen "Apostol" der Securitate zu Diensten gewesen. Ehemalige politische Gefangene werfen ihm vor, in den Gefängnissen des Kreises Aiud an Umerziehungsmassnahmen von politischen Gefangenen teilgenommen zu haben. Anania war selbst Häftling, war aber gleichzeitig der Gewährsmann der Gefängnisleitung. Dafür soll er im Gefängnis erhebliche Vorteile gehabt haben. Eigenes Zimmer, Schreibtisch, Papier und ein Bett, während die anderen Gefangenen auf dem Boden geschlafen haben.

Anania ist bereits 1948 in den Kirchendienst eingetreten. Von 1958 bis 1964 sass er im Gefängnis, angeklagt wegen "Legionärsaktivitäten". 1966 wurde er von der orthodoxen rumänischen Kirche in die Vereinigten Staaten entsandt, wo er verschiedene Aufgaben zu erfüllen hatte. 1976 kehrte er nach Rumänien zurück. Ab 1982 zog er sich in das Kloster Văratec zurück, wo er sich seinen schriftstellerischen Tätigkeiten widmete. 1993 wurde er zum Metropoliten von Cluj ernannt.

Anania lehnt die gegen ihn erhobenen Vorwürfe rundweg ab. Den Journalisten droht er mit Verleumdungsklagen. Er verweist darauf, dass man ihm keinen unterschriebenen Vertrag mit der Securitate nachweisen könne. Juristen des CNSAS weisen aber daraufhin, dass in den Akten der Securitate-Informanten handschriftlich gezeichnete Papiere die Ausnahme und nicht die Regel sind.

Ein Erzbischof, Teodosie von Konstanza (geboren 1955), ist durch seine unverfrorene Art aufgefallen, Ämter in der Kirche zu verkaufen. Eine Priesteramt als Diakon war bei ihm für 3.000 Euro zu haben. Er musste 2006 zugeben, dass er ein ehemaliger Informant der Securitate war. Dazu erklärte er: "Ich habe eine Mitarbeitererklärung mit der Securitate unterschrieben, es war eine Eid gegenüber dem Land, dass ich niemandem schade. Es ist ein Eid, niemanden zu verfolgen".

Wie seine Heiligkeit glauben immer noch viele Securitate-Leute, dass sie nichts Schlechtes getan haben. Die Kontroverse um Herta Müller im Umfeld der Nobelpreisverleihung haben es an den Tag gebracht, dass diese Art von Menschen in Rumänien bisher ungeschoren geblieben ist. Deshalb ist es höchste Zeit, dass auch Rumänien an seine jüngere Geschichte herangeht und auch endlich die Konsequenzen gezogen werden.

Informationsquellen: Evenimentul Zilei, Bartolomeu Anania, faţă cu reeducarea; Romania Libera, Cat costa Duhul Sfant in Romania?