Freitag, 11. Dezember 2009

Horia Roman Patapievici und der spanische Nebensatz

Horia Roman Patapievici ist ein umstrittener rumänischer Schriftsteller, Physiker und Philosoph. Er schreibt Essays über zeitgeschichtliche Themen. Geboren ist er 1957 in Bukarest. Zur Zeit ist er Leiter des rumänischen Kulturinstituts (Institut Cultural Român), das ähnliche Funktionen wie das Goethe-Institut in Deutschland hat. In den Posten ist er vom rumänischen Präsidenten, Traian Basescu, im Jahr 2005 eingesetzt worden. Ihm wird von vielen Rumänen vorgeworfen, dass er das eigene Land in seinen Publikationen mit Verachtung behandelt.

Er ist Stipendiat des DAAD-Austauschprogramms und war von 1994 bis 1996 Direktor der Abteilung für Deutsch-Studien an der Universität Bukarest. Von 2000 bis 2005 war er auch Mitglied des Nationalrats für das Studium der Securitate-Akten.

Patapievici hat der spanischen Zeitung "La Vanguardia" vor kurzem ein Interview über die rumänischen Präsidentschaftswahlen gegeben und in einem Nebensatz eine Behauptung geäussert, die zur Zeit in Rumänien hohe Wellen schlägt. "La Vanguardia" spricht ihn auf das Video an, das im rumänischen Wahlkampf aufgetaucht ist, auf dem angeblich Traian Basescu ein Kind schlägt. Patapievici antwortet darauf: "Das war eine Sauerei. Ich glaube nicht, dass Basescu den Jungen geschlagen hat, er hat ihn nur gestossen. Sein Fehler war, nicht sofort dementiert zu haben. Das war wie im Fall Bill Clinton mit dem Oralsex... Aber ich weiss auch aus einer guten Quelle, dass man Basescu ein Band angeboten hat, in dem sein Gegner Mircea Geoana beim Oralsex zu sehen ist. Er (Basescu) ist nicht darauf eingegangen und hat sich geweigert, das gegen ihn zu benutzen. Er ist ein ehrlicher Mann, glauben sie mir".

Das dürfte wohl noch einmal ein Schlag unter die Gürtellinie in der rumänischen Politik sein. Die rumänische Presse entsetzt sich und tut so, wie wenn diese Aussage der Wahrheit entsprechen würde. Eine solche Behauptung in die Welt zu setzen ist eigentlich eines Mitglieds der Kommission zum Studium der Securitate-Akten nicht würdig, denn damit kann man Menschen jeder Art von Diffamierung aussetzen. Das geht auch nicht, wenn man den derzeitigen Amtsinhaber über alles liebt!

Aufsehen erregte Patapievici bereits früher, als die rumäniendeutsche Schriftstellerin Herta Müller in einem Offenen Brief der Frankfurter Rundschau vom Juli 2008 an den Leiter des rumänischen Kulturinstituts, Horia Patapievici, der zur Berliner Sommerakademie auch zwei ehemalige Securitate-Mitarbeiter eingeladen hat, protestiert: "Wenn das ICR sich in Deutschland mit diesen Personen präsentiert, wird es sich selbst irreparabel beschädigen, und die deutschen Teilnehmer werden zum Aufpolieren der Denunzianten benutzt. Wie werden die Angestellten des ICR in Berlin den Gästen der Sommerakademie die rumänischen Gesprächspartner vorstellen: Corbea Hoisie - Professor und langjähriger Securitate-Agent, und Sorin Antohi - jahrelang mit gefälschtem Doktortitel und fiktiven Publikationen bei europäischen Universitäten zu Gast, aber wirklicher Denunziant seit seinem 19. Lebensjahr? Und was werden sie der deutschen Presse erzählen? Besser gesagt: Was werden sie alles nicht erzählen?"

Informationsquellen:
La Vanguardia, Patapievici: "Tenemos oligarcas y ejercen un papel desagradable"
Ziare.com, Horia Roman Patapievici
Romania Libera, Patapievici: Basescu are o caseta cu Geoana facandu-i-se sex oral
Perlentaucher / Frankfurter Rundschau