Mittwoch, 8. Juli 2009

Mord in einer Mustersiedlung

Wie ich gestern bereits im Blog "Kurz & Bündig" geschrieben haben, wurden gestern im Ort Brejo de Madre de Deus in Pernambuco, 5 Landarbeiter der brasilianischen Landlosenbewegung kaltblütig bei der Arbeit erschossen. Von den Tätern gibt es noch keine Spur. Die Landlosenbewegung (MST) ist im höchsten Masse empört, dass dem einzigen Überlebenden kein Polizeischutz gewährt wurde. Die Polizei ist der Ansicht, dass der Arbeiter kein wichtiger Zeuge sei und deshalb auch keinen Polizeischutz benötige. Die getöteten Arbeiter wurden heute beigesetzt.

Die Siedlung Chico Mendes (Assentamento Chico Mendes), in der die Bluttat geschah, wird in Pernambuco als eine Muster-Siedlung angesehen. Es gibt sie seit 3 Jahren. Sie liegt 219 Kilometer westlich von Recife in der Nähe des Freiluft-Theaters für Passionsspiele "Nova Jersualem". Für die Siedlung gibt es einen Besitztitel (título de posse) seit 1998, der von der Landlosenbewegung erstritten wurde. Auf einem Gebiet von 660 Hektar leben 30 Familien.

"Es ist ein Gebiet, in dem wir nie Streit um landwirtschaftliches Land hatten. Bis zu diesem Blutbad lebten die Leute in Frieden und Harmonie", erklärte der Koordinator der MST für Pernambuco, Jaime Amorim. Der Namen der Siedlung ist eine Homenage an den Gewerkschafter und Umweltschützer Francisco Alves Mendes Filho, der im Dezember 1988 ermordet wurde.

Der Zugang zur Siedlung ist sehr schwierig und führt 5 Kilometer über eine unasfaltierte Piste. Die Siedler leben von der Anpflanzung von Mais, Bohnen, Palmen und Viehzucht. In Zukunft will man den Schwerpunkt auf die Milchwirtschaft setzen. Zum Bau der Häuser hat ein Teil der Familien bereits Kredite bekommen. Obwohl das Schulgebäude noch nicht steht, findet bereits Schulunterricht für die Kinder der ersten vier Alfabetisierungsklassen statt.

Die Siedler wollen weitermachen, obwohl ihr Führer am Montag getötet wurde.

Informationsquellen:
Diario de Pernambuco, Assentamento considerado modelo
MST, MST denuncia negligência do Estado na proteção de sobrevivente de chacina