Dienstag, 7. Juli 2009

Britische Liebe zur Plastiktüte

Der britische Handel gerät unter Beschuss, weil er nichts gegen die Flut von Plastikbeuteln in den Geschäften tut. Der Verkauf von haltbaren Einkaufsbeuteln stagniert. Bisher hatte man mit der Aktion "bags for life" (Taschen für lebenslang) auf Freiwilligkeit gesetzt, mit geringem Erfolg. Die Hersteller von haltbaren Einkaufsbeuteln aus Jute oder Baumwolle (cotton and jute bags) beklagen, dass das Vereinigte Königreich der Entwicklung in Europa hinterher hinkt.

Vorgestern erhielt das Unternehmen "Supreme Creations" (the world's leading ethical manufacturar of reusable bags - der weltweit führende ethische Hersteller von wiederverwendbaren Einkaufsbeuteln) den Umweltpreis der Prince of Wales-Wohltätigkeitsorganisation "Business in the Community". Der Gründer der Organisation erklärte dabei, dass wichtige Umweltthemen für den britischen Handel keine Rolle spielen und er forderte diesen auf, sich endlich dem internationalen Wettbewerb im Bereich des Umweltschutzes zu stellen.

Im Gegensatz zu Irland, Indien, Südafrika, in vielen Teilen Europas und der USA wurden die Plastikbeutel im Vereinigten Königreich nicht verboten oder mit einer Gebühr belegt. Die Behörde für Umwelt, Lebensmittel und landwirtschaftliche Angelegenheiten (Department for Environment, Food and Rural Affairs) wird in Kürze bekanntgeben, welche Fortschritte gemacht worden sind, um das nationale Ziel der Reduzierung der Plastikbeutel um 50% zu erreichen. Die ersten Zahlen zeigen, dass zwar 45% der Käufer behaupten, einen "bag for life" gekauft zu haben, aber nur 12% ihn regelmässig benutzen.

Die britische Regierung unterstützt die Bemühungen zur Reduzierung mit der in diesem Frühjahr gestarteten Aktion "Get a bag habit" (entwickle eine Beutel-Kultur - frei übersetzt). Der Ort Modbury in Devon ist die erste britische Gemeinde, die die Plastikbeutel verboten hat. Das walisische Parlament steht kurz bevor, einen ähnlichen Beschluss für Wales zu fassen.

Bei Tesco, der grössten britischen Supermarktkette, setzt man weiterhin auf Freiwilligkeit. Der Kunde, der seine Plastikbeutel wiederverwendet bekommt "Belohnungspunkte" (reward points). Ein Firmensprecher: "Wir glauben, dass der Klimawechsel nur erfolgreich angegangen werden kann, wenn die Leute ermutigt werden ihr Verhalten freiwillig zu ändern".


Informationsquelle: The Guardian, UK retailers criticised over plastic bags