Samstag, 22. Oktober 2011

Mit Eisenbahnlinien gegen die Armut

Innerhalb von 8 Jahren konnten 28 Millionen Brasilianer ihre Einkommenssituation soweit verbessern, dass sie der extremen Armut entkommen konnten. “Extrem arm” ist in Brasilien der Bereich der Bevölkerung, der von weniger als 1 US-Dollar pro Tag leben muss. Obwohl hier eine Verbesserung festzustellen ist, leben immer noch 16,2 Millionen Brasilianer in extremer Armut. Das besondere daran ist, dass 60% oder 9 Millionen von ihnen im tropischen Nordosten leben und 17% im Südosten Brasiliens.

Es gibt also starke regionale Unterschiede in der Einkommensverteilung in Brasilien. Deshalb will die brasilianische Regierung mit großen Infrastruktur-Projekten diese Ungleichheit bekämpfen. Dafür will sie im Zeitraum von 2011 bis 2014 Finanzmittel in Höhe von 1 Billion R$ (ca. 406 Milliarden Euro) ausgeben. Ganz oben auf der Liste der Projekte stehen in dem eisenbahnarmen Nordosten 2 neue Eisenbahnlinien. Die eine Linie ist die “Transnordestina”, die die Bundesstaaten Piauí und Maranhao mit den beiden großen Seehäfen Suape in Pernambuco und Pecém in Ceará, verbinden wird. Die zweite Linie ist die Eisenbahn “Leste-Oeste” (Ost-West-Linie), die die landwirtschaftlichen Gebiete und Bergbauregionen im Bundesstaat Bahia mit einem noch neu zu errichtenden Seehafen in der Nähe von Ilheus verbinden soll. Dazu sollen im Nordosten nach Mitteilung des Ministers für Nationale Integration (Integração Nacional), Fernando Bezerra Coelho, vier weitere Seehäfen gebaut werden.

Die Regierung von Dilma Rousseff hat aber auch, um eine effizientere Förderung benachteiligter Regionen zu erreichen, eine Restrukturierung in der öffentlichen Verwaltung vorgenommen. Zwei neue öffentliche Körperschaften wurden gegründet. Das eine ist das Sekretariat für Regionalfonds (Secretaria de Fundos Regionais) und das andere das Sekretariat für finanzielle Anreize (Incentivos fiscais). Sie sollen mehr Autonomie bei der Vergabe aus Mitteln der Staatsfonds haben. 50% dieser Mittel sollen für Kleinst- und Kleinunternehmer ausgegeben werden. Derzeit werden diese Mittel mehrheitlich von Großunternehmen in Anspruch genommen. Damit soll die Produktion im Bereich Textil, Schuhherstellung, Lebensmittel und Bewässerung gefördert werden.

Hohe Priorität hat die Bewässerung von Landwirtschaftsgebieten im semiariden Nordosten. 200.000 Hektar sollen mit großem finanziellen Aufwand neu für die Landwirtschaft nutzbar gemacht werden. Profitieren soll davon der Zitrusfrüchte-Anbau, die Ethanol-Kraftstoff-Produktion und die Viehzucht.

Ein anspruchsvolles Programm, das man auf Grund der neuen Öl- und Gasvorkommen meint ohne Probleme finanzieren zu können. Die Öl- und Gasfunde liegen aber leider in Südbrasilien und die südlichen Bundesstaaten haben schon lauthals ihre Ansprüche auf die zu erwartenden Einnahmen angemeldet. Deswegen will die Regierung mit der Schaffung neuer Fonds dafür sorgen, dass Porduktions-Nischen und neue Produktformate in Nordost- und Nordbrasilien gefördert werden. Auch soll mit der Bewässerungspolitik Produktionsbereiche gefördert werden, die bisher nur im entwickelten Südosten zu finden waren.

Siehe auch:
Endet Brasiliens Ölrausch wie in Louisiana?
Der Fluch des Öls - Olympiade 2016 in Gefahr?
Lula dreht im Park der Wale den Ölhahn auf
Haiti in Recife

Informationsquelle:
Os desafios do desequilíbrio regional brasileiro – Brasilianas.org