Direkt zum Hauptbereich

Mit Eisenbahnlinien gegen die Armut

Innerhalb von 8 Jahren konnten 28 Millionen Brasilianer ihre Einkommenssituation soweit verbessern, dass sie der extremen Armut entkommen konnten. “Extrem arm” ist in Brasilien der Bereich der Bevölkerung, der von weniger als 1 US-Dollar pro Tag leben muss. Obwohl hier eine Verbesserung festzustellen ist, leben immer noch 16,2 Millionen Brasilianer in extremer Armut. Das besondere daran ist, dass 60% oder 9 Millionen von ihnen im tropischen Nordosten leben und 17% im Südosten Brasiliens.

Es gibt also starke regionale Unterschiede in der Einkommensverteilung in Brasilien. Deshalb will die brasilianische Regierung mit großen Infrastruktur-Projekten diese Ungleichheit bekämpfen. Dafür will sie im Zeitraum von 2011 bis 2014 Finanzmittel in Höhe von 1 Billion R$ (ca. 406 Milliarden Euro) ausgeben. Ganz oben auf der Liste der Projekte stehen in dem eisenbahnarmen Nordosten 2 neue Eisenbahnlinien. Die eine Linie ist die “Transnordestina”, die die Bundesstaaten Piauí und Maranhao mit den beiden großen Seehäfen Suape in Pernambuco und Pecém in Ceará, verbinden wird. Die zweite Linie ist die Eisenbahn “Leste-Oeste” (Ost-West-Linie), die die landwirtschaftlichen Gebiete und Bergbauregionen im Bundesstaat Bahia mit einem noch neu zu errichtenden Seehafen in der Nähe von Ilheus verbinden soll. Dazu sollen im Nordosten nach Mitteilung des Ministers für Nationale Integration (Integração Nacional), Fernando Bezerra Coelho, vier weitere Seehäfen gebaut werden.

Die Regierung von Dilma Rousseff hat aber auch, um eine effizientere Förderung benachteiligter Regionen zu erreichen, eine Restrukturierung in der öffentlichen Verwaltung vorgenommen. Zwei neue öffentliche Körperschaften wurden gegründet. Das eine ist das Sekretariat für Regionalfonds (Secretaria de Fundos Regionais) und das andere das Sekretariat für finanzielle Anreize (Incentivos fiscais). Sie sollen mehr Autonomie bei der Vergabe aus Mitteln der Staatsfonds haben. 50% dieser Mittel sollen für Kleinst- und Kleinunternehmer ausgegeben werden. Derzeit werden diese Mittel mehrheitlich von Großunternehmen in Anspruch genommen. Damit soll die Produktion im Bereich Textil, Schuhherstellung, Lebensmittel und Bewässerung gefördert werden.

Hohe Priorität hat die Bewässerung von Landwirtschaftsgebieten im semiariden Nordosten. 200.000 Hektar sollen mit großem finanziellen Aufwand neu für die Landwirtschaft nutzbar gemacht werden. Profitieren soll davon der Zitrusfrüchte-Anbau, die Ethanol-Kraftstoff-Produktion und die Viehzucht.

Ein anspruchsvolles Programm, das man auf Grund der neuen Öl- und Gasvorkommen meint ohne Probleme finanzieren zu können. Die Öl- und Gasfunde liegen aber leider in Südbrasilien und die südlichen Bundesstaaten haben schon lauthals ihre Ansprüche auf die zu erwartenden Einnahmen angemeldet. Deswegen will die Regierung mit der Schaffung neuer Fonds dafür sorgen, dass Porduktions-Nischen und neue Produktformate in Nordost- und Nordbrasilien gefördert werden. Auch soll mit der Bewässerungspolitik Produktionsbereiche gefördert werden, die bisher nur im entwickelten Südosten zu finden waren.

Siehe auch:
Endet Brasiliens Ölrausch wie in Louisiana?
Der Fluch des Öls - Olympiade 2016 in Gefahr?
Lula dreht im Park der Wale den Ölhahn auf
Haiti in Recife

Informationsquelle:
Os desafios do desequilíbrio regional brasileiro – Brasilianas.org

Beliebte Beiträge

"Die Faschisten von Soros wollten mich lynchen"

Gabriela Firea ist Oberbürgermeisterin von Bukarest. Sie ist 43 Jahre alt und von Beruf Journalistin. 2012 wechselte sie in die Politik und wurde für die Partidul Social Democrat (PSD) in den rumänischen Senat gewählt. Im Juni 2016 wurde sie zur Oberbürgermeisterin von Bukarest gewählt. Inzwischen hat sie einen sehr hohen Beliebtheitsgrad in Rumänien und nach einer neueren Umfrage würden sie bei Präsidentschaftswahlen meht Stimmen bekommen als der derzeitige Amtsinhaber Iohannis.

Etwas rätselhaft ist diese Intention der Bevölkerung, denn in Bukarest ist Frau Firea nicht unbedingt beliebt. Sie hat bei den Wahlen viel versprochen und bisher wenig gehalten. Ein empörter Bukarester Bürger beschreibt die bisherige Erfolgbilanz von Frau Firea so: "Sie hat bisher nichts getan. Sie soll zurücktreten. Es gibt keine Parkplätze, der öffentliche Nachverkehr ist genauso schlecht wie bisher. Sie hat nichts von dem gehalten, was sie versprochen hat wie zum Beispiel Klimaanlagen in den öffentlic…

Wer versteht diese Theresa May?

Theresa May, die britische Premierministerin, gibt ein seltsames Bild ab. Sie war einmal gegen den Brexit und ist nun feurige Durchsetzerin des knappen Bürgervotums für den Brexit, eines Votums, das laut britischer Gesetzgebung nur beratenden Charakter hatte. "Brexit meint Brexit" war nun ihr ständiges Mantra und dann sah sie auch noch die Chance angesichts der zerstrittenen Labour-Partei durch aus opportunistischen Gründen schnell vorgezogene Wahlen eine überwältigende Mehrheit im Parlament zu bekommen. Jetzt lautet das Mantra, nur mit mir wird es eine "starke und stabile" (strong and stable) Regierung geben. Drei brutale terroristische Anschläge in kürzester Zeit stellen diesen Wahl-Spruch inzwischen vor eine Prüfung. Und hier sieht die Lage dann nicht mehr so gut aus. Sie war schließlich vor der Übernahme des Premierministeramtes 6 Jahre Innenministerin.

Es ist unklar, was sie eigentlich antreibt. Der Verdacht, dass es ihr nur um ihre eigene Karriere geht, dräng…

Brasilianer haben die Nase voll von ihrer Regierung: Diretas já!

Am vergangenen Sonntag kam es am Strand der Copacabana zu einer Großdemonstration, an der ungefähr 150.000 Personen teilgenommen hatten. Organisiert wurde die Demonstratien von vielen Bürgerbewegungen und von bekannten Künstler wie den Sängern und Musikern Caetano Veloso und Milton Nascimento. Das Ziel des Protestes ist es, das brasilianische Parlament zu einem Beschluss über eine Verfassungsänderung, der direkte Wahlen für das brasilianische Präsidentenamt ermöglicht, zu drängen.
Die brasilianischen Politiker hatten es geschafft, die legitim gewählte Präsidentin Dilma Rousseff unter windigen Gründen per Impeachment aus dem Amt zu putschen. Rousseff wurden haushaltsrechtliche Verfehlungen vorgeworfen. Nachfolger wird in einem solchen Fall laut brasilianischer Verfassung der Vizepräsident und das war Michel Temer. Inzwischen stellt sich heraus, dass Temer in Korruptionsskandale verwickelt ist und seine Position als Präsident wackelt bedenklich. Sollte auch er aus seinem Amt entfernt w…

Polizei auf Bettler-Jagd in Timisoara

Der OB von Timisoara / Temesvar, der Hauptstadt des rummänischen Banats, hat der eigenen Lokalpolizei vorgeworfen, dass Bettlerproblem in der Stadt nicht ausreichend zu bekämpfen. Das Zentrum der Stadt sei inzwischen beliebtes Ziel von Bettlern. Tags darauf haben die Gescholtenen beschlossen in Zivil auf Bettler-Jagd zu gehen.

Die Webseite deBANAT.ro berichtet über die Arbeit der Lokalpolizei:

Die Polizisten haben sich nach der Schelte sofort an die Arbeit gemacht und eine Razzia im  öffentlichen Nahverkehr vorgenommen. "Die Aktion erfolgte auf der Strecke Badea Richtung Nordbahnhof. Es wurden auch Strafen für die Tatsache des Alkoholkonsums, Bettlerei, Müllverursachung und anderes erlassen. Bereits im vergangenen Monat haben die Aktionen auf diesen Linien zur Festnahme von 81 Bettlern geführt, gegenüber denen gesetzliche Massnahmen angewendet wurden, aber leider kommen diese Personen immer wieder auf die Straße zurück", erklärte der Verantwortliche der Lokalpolizei. Er erkl…

Das Besondere an der Korruption in Spanien

Von osteuropäischen Ländern sind wir eine offensichtliche Korruption gewöhnt. Hier besticht jeder jeden, der ihm/ihr etwas zu bieten hat. Der Verkehrspolizist lässt bei Geschwindigkeitsüberschreitungen oder Falschparken die Sünder laufen, wenn man ihm einen Schein in die Hand drückt.  Im Krankenhaus sind Pflegekräfte und Ärzte besonders motiviert, wenn sie mit Zugaben gefüttert werden. In Spanien ist das ein bisschen anders. Die Korruption ist hier versteckter. Beamte machen sich nicht die Hände schmutzig. Wenn man von ihnen was haben will, muss man auch für banale Dinge einen Vermittler, den "Gestor", einschalten. Der teilt sich dann sein Einkommen mit dem Beamten. Wer im öffentlichen Dienst nicht so viel zu bieten hat, ist eher nicht korrupt. Dagegen kennt die Korruption im Kreise der Mächtigen aus Wirtschaft und Politik keine Grenzen und wurde bisher als selbstverständlich angesehen und vom Volk so hingenommen.

Die derzeitige Regierungspartei Partido Popular hat da ein r…

Was kostet das Sterben in Spanien?

In Spanien sind 2011 knapp 400.000 Personen gestorben. Da gibt es für Bestattungsunternehmen zu tun. Der Generaldirektor der Bestattungsdienste “Mémora” hat gegenüber den Medien auf ein paar Zahlen im Zusammenhang mit der Beerdingungspraxis in Spanien verwiesen. Danach kostet die durchschnittliche Bestattung in Spanien 3.700 Euro. In Nordspanien sind die Bestattungen etwas teurer und im Süden etwas billiger. Er führt dies darauf zurück, dass man in Nordspanien auf eine bessere Qualität des Sarges achte und zudem die Überführungen über größere Distanzen erfolgen.

Die Billigversion einer Beerdigung wäre noch für 1.000 Euro zu haben. Aber auch die Spanier wollen es etwas gediegener, das heißt sie beauftragen ein Beerdigungsunternehmen und benutzen eine Aussegnungshalle. Bei internationalen Überführungen kommen in der Regel noch einmal 700 Euro dazu. Die Beerdigungsdienste von Mémora bieten auch eine Finanzierung der Beerdigung an. Dafür gibt es Kredite von bis zu 5.000 Euro, die man in…