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Atomkraftwerke in Brasilien? Ein Brasilianer redet sich den Ärger vom Leibe

Der Brasilianer Ardaga Widor nimmt sich im CMI, dem brasilianischen Zentrum für unabhängige Medien, der Atompolitik seines Landes an:

“Es gibt einen enormes Interesse, die brasilianischen Massen total ahnungslos bezüglich der Atomenergie zu lassen. Und gleichzeitig versucht man die kleine Minderheit, die sich eine Meinung zu diesem Thema machen möchte, zu manipulieren und zwar durch Auslassungen oder Falschinformationen. Die Präsidente Dilma redete vor den Vereinten Nationen gegen Atomwaffen und sie setzte sich auf dem Höhepunkt der atomaren Katastrophe in Japan und angesichts der Moratorien in den Ländern wie Österreich, Deutschland, Schweiz und Italien für den Bau von Atomkraftwerken ein.

Sie sagte dies alles nur aus strategischen Gründen. Denn mit dem Atomminister Edson Lobão an der Spitze will sie noch viel mehr Atomkraftwerke bauen. Und mit ihnen Atommüll produzieren, der noch auf tausende Jahre hinaus strahlen wird. Ohne dass man eine Ort und eine sichere Lösung für seine Endlagerung hat. Und das auch noch in Brasilien!

Wir wissen schon (allerdings nur teilweise, denn die ganze Wahrheit erfährt man ja nie in diesem traditionell antidemokratischen Land) dass unsere Regierenden Megaprojekte anbeten. Deshalb sind sie so scharf auf Atomkraftwerke, Fußball-Weltmeisterschaft, Tiefsee-Ölförderung… Denn bei solchen megalomanischen Projekten kann man am meisten für sich selbst abzweigen. Zu diesem Zweck gibt es eigennützige Subventionen. Und die großen nationalen Unternehmer und die Ausländer, sind natürlich ganz begeistert über dieses Fest der maßlosen Korruption und machen sofort mit.

Die Energiegewinnung über Atomkraftwerke ist nicht nur eine Technologie mit hohem Gefährdungsgrad, sondern sie ist auch sehr teuer. Am attraktivsten ist sie für die Korrupten. In Finnland zum Beispiel verdoppelte sich der Preis des im Bau befindlichen Atomkraftwerks Okiluoto von 3 auf 6 Milliarden Euro. Dort streitet sich jetzt die französische Firma Areva, weltweiter Führer in der Nuklearenergietechnik, vor der Justiz, wer die zusätzlichen Kosten bezahlen soll. Aber bezahlen wird das Volk. Entweder das finnische oder das französische. So wie es die Regel ist in unserer globalisierten Welt unter der Fuchtel des Neoliberalismus.

Aber Achtung: Wir sprechen von Finnland, einem Land, in dem ganz andere Zustände wie in Brasilien herrschen. Denn Finnland ist ein Land, das mit Nachdruck sein Erziehungswesen fördert und deshalb zu den Ländern mit dem effizientesten öffentlichen Bildungswesen gehört. Und gleichzeitig ist es ein Land mit dem niedrigsten Anteil an Korruption. In Finnland wird nicht getrickst weder von den Führern noch vom Volk. Wenn es also der internationalen Atomenergie-Mafia gelingt das Wirtschaftshandeln in Ländern wie Finnland und Japan zu korrumpieren, dann kann man sich ausdenken, was in Brasilien geschehen wird, wenn die Dilma-Lobão- Pläne konkret werden.

Deutschland ist ein anderes Land mit einem Erziehungssystem, das verglichen mit unserem noch sehr gut ist. So überrascht es nicht, dass sich nach der neuerlichen Katastrophe in einem Atomkraftwerk das deutsche Volk gegen seine neoliberale Regierung, die während vieler Jahre nur die Interessen der Nuklearindustrie und der großen Energieunternehmen bediente, rebellierte. Das Volk ergriff die Initiative, es ging auf die Straße und durch den Druck gelang es, dass die Regierung einen endgültigen Ausstieg aus der Atomenergie beschloss. Das deutsche Volk kennt die Gefahren und die ständigen Probleme, die von den Atomkraftwerken ausgehen. Das deutsche Volk verfügt auch über eine Zivilgesellschaft und verkauft nicht seine Wahlstimme, um regelmäßig Kriminelle zu wählen wie hier in Brasilien. Aber die deutsche Atom-Mafia bläst keine Trübsal. Sie wissen, dass sie hier in Brasilien mit ihren Todesgeschäften fortfahren können. Hier gibt es kein aufgeklärtes Volk und keine Zivilgesellschaft. Hier gibt es nichts, was man ein öffentliches Erziehungswesen nennen könnte. Deshalb gibt die deutsche Regierung dem Wirtschaftskonsortium Areva / Siemens eine Bürgschaft über 1,3 Milliarden Euro, damit sie Angra dos Reis 3 bauen können.

Um es klar zu sagen: Zuhause geben sie eine Technik wegen den Risiken, den Kosten und den Protesten auf, aber sie unterstützen Unternehmen, die ihre Zeitbomben nach Brasilien exportieren, wo die lokale Atom-Mafia sich grenzenlos bereichern kann. Es sind die vergleichbaren Unternehmer wie bei den Pestiziden, die seit Jahrzehnten in den Herstellerländern verboten sind, aber bei uns Anwendung finden im See der Korruption und der Volksignoranz Brasiliens. Die Gesundheit ist eine nicht existierende Besorgnis in den Köpfen derer, die uns regieren und nach und nach unser Land zerstören.

Ich habe ein Großteil meines Lebens sowohl qualitativ wie quantitativ hinter mir. Über meine Zukunft brauche ich mir keine Sorgen zu machen. Aber, abgesehen davon, dass ich Kinder habe, verstehe die die gesamte Menschheit und alle Formen des Lebens als genauso schützenswert wie meine Familie. Deshalb ergreift mich ein heiliger Zorn, wenn die brasilianische Politik  und die großen Medien, fast alle in den Händen von skrupellosen Greisen, Entscheidungen treffen zugunsten todbringender Projekte wie der Ausweitung der Herstellung von Atomenergie und die Konstruktion  des megalomanen Stauwerks von Belo Monte. Dabei brauchen wir diese Art der Energiegewinnung nicht. Unsere Energiegewinnung kann noch viel leichter aus erneuerbaren Energien erfolgen wie in Deutschland. Durch Kleinkraftwerke und dezentrale lokale Energienetze, die das Volk versorgen und nicht die Mafia der Korrupten und Megakapitalisten und ihre Aluminiumfabriken.

Und die zukünftigen Opfer? Sie halten sich Novelas und Fußballspiele auf. Das tägliche Opium. Verkaufen ihre Wahlstimme oder wählen den Clown Tiririca und amüsieren sich köstlich darüber. Leben im Schnapsdusel und vom Bier oder nehmen sich ihren Joint. Atomenergie? Eine japanische Angelegenheit, falls sie sich überhaupt noch daran erinnern. Sie sind genau so wie es sich die Atom-Mafia wünscht.
Ich rege mich über diese Mafia des Todes und ihre Komplizen in den Medien auf, weil ich es für meine ethische Pflicht halte, gegen diese Projekte des Todes im Namen eines falschen Fortschritts zu kämpfen.”

Informationsquelle:
cmi - (Mais) Usinas Nucleares para o Brasil?

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