Direkt zum Hauptbereich

Haiti in Recife

Erivaldo Braz dos Santos, 27, einer der vielen obdach- und mittellosen Menschen in Recife, lebt und schläft auf der Strasse. Der Kampf um das tägliche Essen beherrscht seinen Lebensrhytmus. Dabei steht er oft vor der Frage, ob bettelnd oder stehlend. Seine Strasse, in der er mit seiner Freundin lebt und schläft, liegt im Strandviertel von Recife. Wie er dieser Tage wieder einmal auf der Suche nach Essbaren war, erregte eine vom Militär errichtete Hütte am Strand sein Interesse. In der Hütte Säcke mit Lebensmittel und darüber eine grosse Überschrift, die er nicht lesen konnte. Den Betreibern der Hütte erklärte er, dass er Hunger habe und ob sie ihm nicht etwas zu essen geben könnten. Aber sie gaben ihm nichts. Auf dem Band über der Hütte stand "Spenden für Haiti". Einer der freiwilligen Helfer erklärte ihm das. "Es geht nicht um "unser" Haiti, sondern um das da Drüben", wurde er aufgeklärt. Und dass die Sammlung wirklich nur für Haiti wäre.

Im armen brasilianischen Nordosten gibt es viele Menschen, die einen ähnlichen Überlebenskampf führen wie die Haitianer, auch wenn in Haiti die Naturgewalten noch zusätzlich die Probleme verschlimmert haben. Vielen Menschen in der Grosstadt Recife ernähren sich aus dem Müll. João Valadares berichtet im Blog "PE Bodycount" darüber:

"Beim Lebensmittelgrossmarkt von Pernambuco ernähren sich viele Familien von dem, was sie aus dem Müll ziehen. Man sieht oft nur auf den Boden gerichtete Augen, die suchen, was man noch brauchen könnte. Ähnlich wie bei Tieren stecken die Köpfe der Menschen in Mülleimern, um noch etwas Essbares zu finden, um es nach Hause zu den Familien zu bringen. Aus dem Mülle kann man noch Tomaten, Papaya, Melonen, Gemüse und vieles anderes angeln. Alberto Borges wohnt in der Favela von Chié in Recife. Er braucht 2 Omnibusse, um zum Lebensmittelgrossmarkt zu kommen. Er sagt: "Ich schäme mich nicht. Ich muss kommen, um das weggeworfene Gemüse aus dem Müll zu holen. Es gibt noch schöne Sachen darin."

Um 9 Uhr beginnt die Sitzung der Erniedrigungen. Frauen, Kinder und Alte versammeln sich am Ort, wo der Müll des Verteilerzentrums genannt Cantu auf die Strasse gestellt wird. Blicke halten sich daran fest, ein kollektives Aufseufzen. Vom den übriggebliebenen verfaulten und zerquetschten Früchte sind sie durch ein Gitter getrennt. Die Angestellten des Marktes werfen alles mit grossem Tempo in den Müllwagen. Keine Chancen für die Wartenden vom Müll etwas für ihre Tagesmahlzeit zu ergattern. Die Geschicklichkeit besteht darin, trotz der Erschwernisse noch etwas ergattern zu können.

"Ich wohne in Ibura. Ich komme hierher, aber es gibt viel Streit um etwas Essbares. Ich habe schon Schläge auf den Kopf bekommen, als ich versuchte an ein paar verfaulte Äpfel zu kommen", erzählt Marluce Luiza da Silva, 62 Jahre alt. Tereza de Oliveira, 38, wartete und wartete und gab dann auf. "Ich gehe, heute passen sie auf, dass man ncihts bekommt", sagte sie. Romildo José da Silva steht um 5 Uhr morgens auf. Er sagt: "Ich habe 2 wartende Kinder zu Hause". Er hat Glück und greift sich eine Melone aus dem Mülleimer. Er wird erst nach Hause zurückkehren, wenn es ihm gelungen ist, alle Beutel zu füllen. "Ich habe nichts zu essen zu Hause. Ich lebe von dem was ich auf dem Boden oder im Müll finde. Ich ziehe Karren und verdiene damit gelegentlich R$ 3 (ca 1,20 Euro) pro Tag. So ist das Leben", ist seine depriminierende Erkenntnis."

Und was sagt die brasilianische Regierung zu den Unglücklichen in Haiti? Es hat die "Operação Haiti" ins Leben gerufen und beschreibt die Aktion wie folgt: "Die Bundesregierung gewährt dem Volk von Haiti, den Opfern des Erdbebens vom 12. Januar, seine totale und uneingeschränkte Unterstützung. Dem haitianischen Volk wurde bereits Finanzhilfe gewährt, mehrer Tonnen Wasser, Lebensmittel und Medikamente übersandt sowie technische Experten zur Verfügung gestellt. Hinzu kommen noch die Unterstützung durch die in Haiti stationierten brasilianischen Soldaten."

Bitter für die im Elend lebenden im eigenen Land, bei denen das Programm "Fome Zero" scheinbar noch nicht angekommen ist.


Informationsquelle: Blog PE Bodycount, Webseite der brasilianischen Regierung

Beliebte Beiträge

Elsässer stimmten lustlos über die Wiedervereinigung ab

Das Elsass existiert administrativ-rechtlich im französischen Staat nicht als Einheit. Elsass ist eine historische Bezeichnung für die Region zwischen Vogesen und Oberrhein. Administrativ ist die Region in zwei Departements aufgeteilt: Bas-Rhin (Niederrhein) und Haut-Rhin (Oberrhein). Die Elsässer fühlen sich aber zumindest folkloristisch einer Region Elsass zugehörig.

Dieser Zustand hätte sich jetzt ändern sollen. Die Elsässer stimmten am Sonntag darüber ab, ob die beiden Departements administrativ zu einer Region zusammengelegt werden sollen. Daraus sollte dann ein einheitlicher Regionalrat für das Elsass entstehen. Eigentlich eine wenig weltbewegende Angelegenheit, wenn nicht damit in die vor sich hin tümpelnde elsässische Identitätsfindung neuen Schwung gekommen wäre. Wie schon lange nicht mehr wird die Stellung des Elsass in Frankreichs diskutiert. Bisher überwog das Bedürfnis einer bedingungslosen Anpassung an die französische Sprache und Kultur, obwohl das Elsass historisch ge…

Die polnischen Hetzer, die Christen und Katholiken sein wollen

Es ist immer wieder erstaunlich wie Menschen, die sich gerne auf christliche Werte berufen, mit einer Selbstverständlichkeit Fanatismus und Hass befürworten. Sie sind in der Regel Nationalisten und haben die kleinkarierte Ansicht, dass ihr universaler Gott nur für ihr Völkchen zuständig ist. Ihr Gott scheint dumm genug zu sein, um sich für ihren kleinkarierten Egoismus einspannen zu lassen. Generell sind Völker dieser Erde der Meinung, dass Gott, an den sie vorgeben fest zu glauben, scheinbar mit einer deutschen, französischen, polnischen oder saudiarabischen Flagge in der Gegend rumrennt und für jedes Volk den Hooligan gegen das andere Volk spielt.

Im christlich-katholischen Bereich treiben Vertreter der katholischen Kirche in Polen es zur Zeit besonders toll . Einer von ihnen, der Priester Jacek Miedlar, ist ein besonders geübter Hetzer, der versucht seine Kirche auf sein nationalistisches Gedankengut zu reduzieren. Thomas Dudek berichtet in einem Beitrag auf der Webse…

7 Gründe warum man nicht nach Rumänien auswandern oder fliehen sollte

Journalistin Laura Stefanut von der Webseite “Romania Curata” hat 7 Gründe dafür gefunden, dass man nicht nach Rumänien auswandern oder fliehen sollte. Sie spricht zwar von Einwanderern, aber tatsächlich geht es um Flüchtlinge. Die Situation sieht für diese so aus:

Rumänien ist ein Land, aus dem Millionen Auswanderer nach Westeuropa und Nordamerika ausgewandert sind. Es ist aber kein Land, in das man auswandert. Gegenwärtig gibt es etwa 60.000 Einwanderer von außerhalb der EU im Land. Forscher der Sozialwissenschaften warnen, dass Rumänien auf eine schnelle demographischen Überalterung zusteuert, das viele Vorteile aus der Integration von Einwanderern ziehen könnte. Aber trotz aller Warnungen und Forschungen hat der Staat wenig sinnvolles in diese Richtung getan. Vor kurzem gab es Nachrichten über 2 Flüchtlinge, die aus Versehen in Rumänien gelandet waren und anfingen zu weinen als sie merkten, wo sie waren. Leider, das bestätigen die Forschungen, ist Rumänien kein gutes Z…

Tolhaus Madrid oder wie verhindere ich die Wahl eines demokratisch gewählten Politikers zum Präsidenten

Die katalanische Krise geht weiter. Nachdem die Wahlen zum katalanischen Parlament, die von der Zentralregierung in Madrid nach dem Unabhängigkeitsreferendum angeordnet worden waren, für dieselbe mit einem Schuss ins Knie endete und die Parteien, die für die Unabhängigkeit oder zumindest einer Änderung der spanischen Verfassung hinsichtlich der Organisation des Staates eintraten, die überwiegende Mehrheit erhalten hatten und die Partei Partido Popular des Ministerpräsidenten Rajoy nur noch mit einem unter der Fraktionsgrenze liegenden Grüppchen im katalanischen Parlament vertreten ist, hätte man denken können, dass diese Situation vielleicht zur Lösung des Konflikt über Gespräche der Konfliktparteien hätte führen können.

Puigdemont, der katalanische Präsident, der sich seiner Verhaftung entzogen und nach Brüssel abgesetzt hatte, hat auf jeden Fall seine Gesprächbereitschaft zu erkennen gegeben. Aber in Spanien sind die Kräfte des Zentralismus noch viel zu stark, um an eine andere Lösu…

In Treue fest zum Atom

Der spanische Industrieminister macht es sich leicht. Ein paar Tage vor dem Unglück von Fukushima erklärte er: "Sich vor der Nuklearenergie fürchten ist wie vor der Sonnenfinsternis Angst haben".

María Teresa Domínguez, Sprecherin der Forums der spanischen Atomernergie erzählt 2009 in einem Interview: "Spanien hat 8 Atomkraftwerke, die auf höchstem Weltniveau bezüglich Verfügbarkeit und Betriebsbedingungen operieren." Keine Rede davon, dass die AKW Vandellos und Ascó schon Störfälle auf höchstem Niveau hatten. Frau Domínguez bedauert, dass die Nuklearenergie nur zu 8% zur Energieversorgung Spaniens beiträgt. Deshalb will sie daraufhin arbeiten, dass der spanische Strommix für die Zukunft einen Anteil von 30% an der Landesversorgung bekommt. Keine Angst wegen den Risiken? "Nein, die Risiken sind kontrollierbar. Ich sage das, weil ich Technikerin bin und auf dem Gebiet der Sicherheit der Atomkraftwerke arbeite. Aber das sage nicht nur ich, sondern das ist auch …

Wer braucht in den USA einen Psychiater? Die Waffenlobby oder kriminelle Täter?

Die Medien berichten: Ein 19-Jähriger schießt am Valentinstag an einer High School in Florida um sich. 17 Menschen sterben. Schüler berichten von Momenten der Verzweiflung. Viele Schüler lieferten verzweifelte Berichte ab, schilderten wie sie an Leichen und Blutlachen vorbei die Schule verlassen mussten, wie sie sich in Abstellräumen und Spinden oder unter Schulbänken verbarrikadierten.

US-Präsident Trump betet wie immer, wenn solche "Schicksalsschläge" kommen, und sein Hauptproblem ist der Täter,  von dem er die Opfer tröstend twittert, dass der 19-jährige Schütze offensichtlich „mental gestört“ und aus disziplinarischen Gründen der Schule verwiesen worden sei – und wie wichtig es sei, solche Verhaltensauffälligkeiten den Behörden zu melden. Hallo Herr Präsident, gibt's da noch etwas anderes? Warum läuft ein 19-jähriger mit einem halbautomoatischen Gewehr rum? Könnte es sein, dass der von der Waffenlobby geschürte amerikanische Waffenwahn der Grund für die viele…