Montag, 1. Februar 2010

Haiti in Recife

Erivaldo Braz dos Santos, 27, einer der vielen obdach- und mittellosen Menschen in Recife, lebt und schläft auf der Strasse. Der Kampf um das tägliche Essen beherrscht seinen Lebensrhytmus. Dabei steht er oft vor der Frage, ob bettelnd oder stehlend. Seine Strasse, in der er mit seiner Freundin lebt und schläft, liegt im Strandviertel von Recife. Wie er dieser Tage wieder einmal auf der Suche nach Essbaren war, erregte eine vom Militär errichtete Hütte am Strand sein Interesse. In der Hütte Säcke mit Lebensmittel und darüber eine grosse Überschrift, die er nicht lesen konnte. Den Betreibern der Hütte erklärte er, dass er Hunger habe und ob sie ihm nicht etwas zu essen geben könnten. Aber sie gaben ihm nichts. Auf dem Band über der Hütte stand "Spenden für Haiti". Einer der freiwilligen Helfer erklärte ihm das. "Es geht nicht um "unser" Haiti, sondern um das da Drüben", wurde er aufgeklärt. Und dass die Sammlung wirklich nur für Haiti wäre.

Im armen brasilianischen Nordosten gibt es viele Menschen, die einen ähnlichen Überlebenskampf führen wie die Haitianer, auch wenn in Haiti die Naturgewalten noch zusätzlich die Probleme verschlimmert haben. Vielen Menschen in der Grosstadt Recife ernähren sich aus dem Müll. João Valadares berichtet im Blog "PE Bodycount" darüber:

"Beim Lebensmittelgrossmarkt von Pernambuco ernähren sich viele Familien von dem, was sie aus dem Müll ziehen. Man sieht oft nur auf den Boden gerichtete Augen, die suchen, was man noch brauchen könnte. Ähnlich wie bei Tieren stecken die Köpfe der Menschen in Mülleimern, um noch etwas Essbares zu finden, um es nach Hause zu den Familien zu bringen. Aus dem Mülle kann man noch Tomaten, Papaya, Melonen, Gemüse und vieles anderes angeln. Alberto Borges wohnt in der Favela von Chié in Recife. Er braucht 2 Omnibusse, um zum Lebensmittelgrossmarkt zu kommen. Er sagt: "Ich schäme mich nicht. Ich muss kommen, um das weggeworfene Gemüse aus dem Müll zu holen. Es gibt noch schöne Sachen darin."

Um 9 Uhr beginnt die Sitzung der Erniedrigungen. Frauen, Kinder und Alte versammeln sich am Ort, wo der Müll des Verteilerzentrums genannt Cantu auf die Strasse gestellt wird. Blicke halten sich daran fest, ein kollektives Aufseufzen. Vom den übriggebliebenen verfaulten und zerquetschten Früchte sind sie durch ein Gitter getrennt. Die Angestellten des Marktes werfen alles mit grossem Tempo in den Müllwagen. Keine Chancen für die Wartenden vom Müll etwas für ihre Tagesmahlzeit zu ergattern. Die Geschicklichkeit besteht darin, trotz der Erschwernisse noch etwas ergattern zu können.

"Ich wohne in Ibura. Ich komme hierher, aber es gibt viel Streit um etwas Essbares. Ich habe schon Schläge auf den Kopf bekommen, als ich versuchte an ein paar verfaulte Äpfel zu kommen", erzählt Marluce Luiza da Silva, 62 Jahre alt. Tereza de Oliveira, 38, wartete und wartete und gab dann auf. "Ich gehe, heute passen sie auf, dass man ncihts bekommt", sagte sie. Romildo José da Silva steht um 5 Uhr morgens auf. Er sagt: "Ich habe 2 wartende Kinder zu Hause". Er hat Glück und greift sich eine Melone aus dem Mülleimer. Er wird erst nach Hause zurückkehren, wenn es ihm gelungen ist, alle Beutel zu füllen. "Ich habe nichts zu essen zu Hause. Ich lebe von dem was ich auf dem Boden oder im Müll finde. Ich ziehe Karren und verdiene damit gelegentlich R$ 3 (ca 1,20 Euro) pro Tag. So ist das Leben", ist seine depriminierende Erkenntnis."

Und was sagt die brasilianische Regierung zu den Unglücklichen in Haiti? Es hat die "Operação Haiti" ins Leben gerufen und beschreibt die Aktion wie folgt: "Die Bundesregierung gewährt dem Volk von Haiti, den Opfern des Erdbebens vom 12. Januar, seine totale und uneingeschränkte Unterstützung. Dem haitianischen Volk wurde bereits Finanzhilfe gewährt, mehrer Tonnen Wasser, Lebensmittel und Medikamente übersandt sowie technische Experten zur Verfügung gestellt. Hinzu kommen noch die Unterstützung durch die in Haiti stationierten brasilianischen Soldaten."

Bitter für die im Elend lebenden im eigenen Land, bei denen das Programm "Fome Zero" scheinbar noch nicht angekommen ist.


Informationsquelle: Blog PE Bodycount, Webseite der brasilianischen Regierung