Samstag, 8. Oktober 2011

Einer der auszieht, um Bukarest zur Radfahrer-Stadt zu machen

Theodor Paleologu, geboren 1973 in Bukarest, ist Journalist, Diplomat und ein rumänischer Politiker. Als Diplomat war er Botschafter Rumäniens in Dänemark und Island von 2005 bis 2008. In der Legislaturperiode 2008 bis 2012 wurde er als Abgeordneter der Regierungspartei PDL ins Parlament gewählt und war von Dezember 2008 bis Dezember 2009 Kulturminister in der Regierung von Emil Boc. Seine Schulausbildung bekam er am deutschen Gymnasium in Bukarest. Studiert hat er Politik an der Sorbonne in Paris und in München.

Theodor Paleologu gehört also zur jungen Garde der rumänischen Politiker, die keine große Erinnerung mehr an die kommunistischen Partei Nicolae Ceausescu’s haben. Theodor Paleologu will jetzt Oberbürgermeister von Bukarest werden. Er will sich von seiner Partei als Kandidat nominieren lassen. Bukarest ist das Macht- und Wirtschaftszentrum Rumäniens und demzufolge hat der Oberbürgermeister der Stadt eine wichtige Stellung in der rumänischen Politik. So hat der derzeitige Staatspräsident, Traian Basescu, seine politische Karriere als Oberbürgermeister von Bukarest gestartet.

Vor Theodor Paleologu steht noch ein langer Weg. Er muss erst einmal seine eigene Partei überzeugen, dass er nominiert wird. Seine Prioritäten für Bukarest sind aber durchaus originell, deshalb sollte wir uns sie einmal ansehen:

Ein wichtige Punkt seines Programms ist der Verkehr in Bukarest ist der Bau von Parkplätzen für Autos. In einer Stadt, in der der Bau von Parkhäusern und Tiefgaragen bis vor einige Jahren völlig unbekannt war, durchaus eine Notwendigkeit. Aber dann will er auch Fahrradwege bauen. Die sollen oberste Priorität haben. Die Rumänen sollen animiert werden Fahrrad zu fahren. Gefragt, ob er auch Radfahrer sei, antwortet er: “Ja, sicher. Ich sehe nicht, dass es das Schicksal Bukarest’s sein soll, eine fußgänger- und radfahrerfeindliche Stadt zu sein. Nächste Priorität hat der öffentliche Nahverkehr. Wir müssen Mittel dafür sicherstellen, dass weite Kreise der Bevölkerung diesen kostenlos nutzen können. Die Kosten dafür sollten von allen Bürgern getragen werden. Bezüglich des Verkehrs ist meine Vision völlig verschieden zu der des derzeitigen Amtsinhabers. Für diese gibt es nur das Auto. Alle seine Projekt sind darauf abgestellt, den Verkehr flüssiger zu gestalteten. Wir müssen aber den Bukarestern eine Alternative zum Auto anbieten. Einen öffentlichen Nahverkehr von einer hohen Qualität. Zum Beispiel haben viele Busse und O-Busse keine Klimaanlage. Auf der anderen Seite ist die Straßenbahn, die eine sehr gute Investition bedeutet, die ökologisch ist und niedrige Kosten verursacht. Das ist sicher eine Investition, die man zu Beginn durchsetzen muss. Der Verkehr ist aber ein extrem wichtiges Thema für die Lebensqualität. Mir scheint es absurd, dass wir Geld für Unter- und Überführungen von Autobahnen aus dem Fenster rauswerfen, wenn wir genug Probleme anderswo haben: In erster Linie bei den Kindergärten und Krankenhäusern. Der derzeitige Oberbürgermeister, Sorin Oprescu, ist Arzt und tut in dieser Beziehung überhaupt nichts. Und hier kommt noch ein Aspekt dazu, je größer und kostenaufwendiger die Projekte sind, umso leichter kann man Geld für eigene Zwecke abzweigen. Dies ist eine Stadt in der sehr viel ausgegeben wird und viele machen ein Reibach für sich daraus. Eine Korruption, von der ich mir keine Illusion mache, dass ich sie sofort ausmerzen kann. Aber wenigstens sollten die Bukarester wissen, dass ihr Oberbürgermeister nichts mit diesem Missbrauch zu tun hat.”


Siehe auch:
Öffentlicher Nahverkehr in Bukarest soll in die Luft
Aggressiv und voller Vorurteile: Der rumänische Autofahrer
Bukarester Gene mutieren

Informationsquelle:
Ce ar face Paleologu dacă ar fi primarul Capitalei: ar umple oraşul de biciclete