Montag, 23. Mai 2011

Wähler in Madrid belohnen ihre korrupten Politiker

Die Wähler in Madrid scheinen wenig Probleme mit ihren korrupten Politikern zu haben. Anders ist der Wahlsieg der Partido Popular (PP) in den Kommunalwahlen vom Wochenende nicht zu verstehen. Auch scheinen die Proteste der Jugend in der vergangenen Woche, die sich vor allem gegen die weitverbreitete Korruption in der spanischen Politik richtete, nichts gefruchtet zu haben.

Die PP in Madrid ist tief in den Korruptionsskandal "Gürtel" verwickelt. In der Zeit, in der diese Partei an der Macht war, gab es kaum einen ihrer Kommunalpolitiker, der sich nicht von der damals boomenden Bauwirtschaft korrumpieren liess. Die meisten haben zwar ein Verfahren am Hals, liessen sich aber trotzdem wieder als Kandidaten für die Wahlen aufstellen. Geschadet hat es nicht. Die PP eroberte sogar den sogenannten "roten Gürtel" von Madrid (cinturón rojo), der aus den Orten Alcorcón, Aranjuez und Pinto besteht und der bisher eine Hausdomäne der Sozialisten war.

Während des Wahlkampfes hatte sich die PP zu keiner Zeit mit dem größten Korruptionsskandal der jüngeren spanischen Geschichte befasst. Es gelang ihr, die Wähler mit einer auf rein wirtschaftliche Themen konzentriertem Wahlkampf abzulenken. Und selbstverständlich mit einem Versprechen, dessen Einlösung ihr nicht leicht fallen wird: Mit ihr an der Macht gibt es neue Arbeitsplätze und einen Wirtschaftsaufschwung. Hoffentlich nicht wieder mit einem auf der Bauwirtschaft fußenden Boom wie zu Zeiten ihrer Regierungsherrschaft, der Spanien ein Großteil der heutigen Probleme einbrachte. Einige ihrer Politiker sind dabei reich geworden, das hat ihnen scheinbar der Wähler verziehen.

Ein Leserkommentar in der Zeitung El Pais: "Das ist eine Schande. Eine handvoll Gauner, Korrupte und Betrüger gewinnen die Wahlen erdrutschartig. Klar, mit diesem Gegner, den sie hatten, braucht man sich nicht zu wundern. Was mich wundert ist, dass die Spanier PP wählen, um nicht PSOE zu wählen. In diesem Fall wäre ein ungültiger Wahlzettel die intelligentere Lösung gewesen. Spät rennen wir erhobenen Hauptes ins Verderben".

Siehe auch:
Der Fall "Gürtel" - Spaniens Rechte zittert
Gürtel reisst die Maske ab
Preisträger José Antonio Hernández zum Gürtel-Skandal

Informationsquelle:
Gürtel no pasa factura al PP en las ciudades de Madrid afectadas | Política | EL PAÍS