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Die Welt der rumänischen Autodiebe

Da staunte Andrei Hrebenciuc, Sohn des Abgeordneten Viorel Hrebenciuc, nicht schlecht als ihm vor kurzem zum zweiten Mal ein Luxuslimousine des Typs BMW der Serie 6 geklaut wurde. Die Diebe hatten es sich einfach gemacht. In dem Fitness-Center, in dem sich Andrei gerade sportlich auf Linie brachte klauten sie die Schlüssel seines BMW und verschwanden samt Auto. Das Mitleid mit dem Politikersohn, der eigentlich bisher nur durch Klatschgeschichten auffiel, hält sich in Grenzen. Zumal das Auto später unversehrt wieder am Straßenrand gefunden wurde. Die Polizei vermutet, dass es von einer Bande aus der ehemaligen Sowjetunion abgeholt werden sollte.

Die Sache wirft aber wieder einmal ein Schlaglicht auf die immer noch gut funktionierende Welt der Autodiebe in Rumänien. Nach Erkenntnissen der rumänischen Polizei ist der typische Autodieb etwa 30 Jahre alt, ein unbelehrbarer Wiederholgungstäter, der seine Taten ohne sich zu schämen ausführt, hat eine mittlere Schulausbildung, ihm gefallen Schnulzen und er schmeisst mit Geld um sich. Also kurzum, es handelt sich um einen angeberischen Kriminellen, der aber eine Neigung zu Talent im technischen Bereich zeigt.

Dabei werden die Autos im Westen Europas schon lange nicht mehr mit brachialen Mitteln gestohlen. Die Führer der typischen rumänische Diebesbande bestehen aus 2 bis 3 Häuptlingen. Sie werben sogenannte "Knüppel" an. Das sind Männer mit bescheidenem Einkommen, die durch Europa ziehen und bei Mietwagenfirmen Autos anmieten. Die "Knüppel" erhalten zwischen 100 bis 200 Euro für jede angemietete Maschine. Das Auto wird dann nach Rumänien gebracht und die Führer der Bande kümmern sich um die Fälschung der Dokumente. Alle Fälschungen werden mit Hilfe des Computers durchgeführt. Die Daten holen sie sich aus dem Internet oder von Bankrott gegangenen Firmen. So gab es schon Fahrzeuge, die angeblich auf Firmen zugelassen waren, die noch nie ein Auto gekauft hatten. Die Diebe wissen, dass sie vom Zeitpunkt der Anmietung bis zum Verschwindenlassen des Fahrzeugs etwa 3 Wochen haben. Die Fahrzeuge werden dann etwa 20% unter dem Marktpreis verkauft. Da sie die Fahrgestellnummer in der Regel nicht ändern, kann es sein, dass dem Käufer die unangenehme Erfahrung droht, dass sein Fahrzeug von der Polizei beschlagnahmt wird. Die geschädigten Mietwagenfirmen gelingt es selten, an die Anführer der Bande heranzukommen, meistens sind es nur die mittellosen "Knüppel", die ab und zu von der Polizei dingfest gemacht werden.

Eine andere Masche sind entwendete Fahrzeuge, die geleast sind. Einige Firmen, die kurz vor dem Bankrott stehen, haben diese Methode eingeführt. Hier werden die Papier gefälscht und die Fahrzeuge - in der Regel LKW's - nach Westeuropa reexportiert, wo sie vor allem unter den in Italien und Spanien lebenden Rumänen verkauft werden. Der zuständige Polizeioffizier erklärt, wie die Diebe verfahren: "Wenn während 3 Monaten die Leasingraten nicht bezahlt werden, beginnt das Zwangsvollstreckungsverfahren. In diesem Zeitraum wird das Fahrzeug ausgeführt. Zur Zeit haben wir 10 LKW's wieder auffinden können, 3 davon haben wir an der Grenze mit Bulgarien beschlagnahmen können und die restlichen, bevor sie in die Türkei ausgeführt wurden. Wenn die Fahrzeuge im Land nicht mehr auffindbar sind, zeigen die Leasingfirmen die Fahrzeuge als gestohlen an, damit sie die Versicherung kassieren können."

Die größten Könner sind aber die Diebe von Luxusfahrzeugen. Die rumänischen Diebe haben bei polnischen und serbischen Spezialisten gelernt, wie man neueste Anti-Diebstahlstechnik aushebelt.  Die besten Diebe schaffen es hier innerhalb einer Minute den Luxuswagen zu knacken. Manche wie auch im Falle Hrebenciuc machen es sich aber leichter. Sie klauen zum Beispiel einer Frau die Schlüssel aus der Tasche, folgen dem Fahrzeug und wenn der Ehemann mal schnell aussteigt, um eine Zeitung am Kiosk zu kaufen, springen sie schnell ans Steuer und ab und davon.

Die Fahrzeuge werden hauptsächlich in Länder der früheren Sowjetunion verbracht. Die Zusammenarbeit zwischen ukrainischer und rumänischer Polizei ist nicht bisher nicht sehr gut entwickelt, so dass kaum ein Fahrzeug wieder aufgefunden werden kann, geschweige denn den Diebesbanden das Handwerk gelegt werden kann.

Noch ein wenig Statistik: Im ersten Vierteljahr 2010 wurden in Bukarest 410 Fahrzeuge gestohlen, im ersten Vierteljahr 2011 waren es nur noch 355 Fahrzeuge. Ein Zeichen der Besserung?

Siehe auch:
Autodiebe bringen Millionär ins Gefängnis

Informationsquelle:
Cum sunt organizate reţelele hoţilor de maşini. Unde ar fi urmat să ajungă BMW-ul lui Hrebenciuc Jr - Exclusiv EVZ > EVZ.ro

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