Mittwoch, 4. Mai 2011

Aufstieg und Fall des Herrn Sorin Ovidiu Vântu

Abgekürzt wird Herr Vântu, 56 Jahre alt, auch SOV genannt. Die Schreibweise seines Namens variiert, mal wird er "Vîntu" genannt, mal "Vântu". Das hängt mit einer Rechtschreibreform noch zu Nicolae Ceausescu's Zeiten zusammen, wo man das "î" durch das "â" ersetzt hat. Die Reform hat aber nur für Verwirrung gesorgt, denn jetzt halten sich alt und neu nebeneinander.

Besagter SOV ist ein ganz gewiefter rumänischer "bisnesmani" wie man das auf Neu-Rumänisch nennt. Also ein Geschäftsmann, der in der neunziger Jahren auf recht windige Weise zu einem Vermögen gekommen ist. Damals hatte er einen "Nationalfonds für Investitionen", abgekürzt FNI, ins Leben gerufen und den Rumänen den schnellen Reichtum versprochen, wenn sie ihr Geld bei ihm anlegen. Etwa 200.000 bis 300.000 Rumänen haben ihm geglaubt. Dabei beruhte sein "Fonds" auf dem Schneeballsystem, bei dem hauptsächlich SOV den großen Reibach machte. Kurz bevor der Fonds krachend in die Luft ging, zog er eine Menge Geld ab und verkaufte den Fonds vor dem großen Knall an die Verwalterin Ioana Maria Vlas, die dann für den Bankrott gerade stehen musste. Viele Rumänen verloren ihre gesamten Ersparnisse. SOV wurde zwar auch der Prozess gemacht, aber nach 5 Jahren Prozessführung wurde er nur zu 3 Jahren auf Bewährung verurteilt, weil die meisten ihm vorgeworfenen Delikte verjährt waren. Seine Verwalterin wurde 2005 erst einmal zu 20 Jahren Gefängnis verurteilt, 2008 wurde sie entlassen. 2009 wurde sie erneut zu 10 Jahren Gefängnis für den Bankrott verurteilt und 2010 erneut durch Gerichtsbeschluss entlassen.

Die Wege der rumänischen Justiz sind verzwickt und wer weiss, wer alles von SOV innerhalb dieser Kreise alimentiert wurde. Er hatte auf jeden Fall das Geld, das er seinen Fondsanlegern gestohlen hat, unbehelligt in Sicherheit bringen können. Damit kaufte er sich in Rumänien einen Medientrust, die Mediengruppe Realtitatea-Catavencu, zusammen. Zu dieser Mediengruppe gehört auch der Fernsehsender Realitatea TV. SOV wird zu den 3 reichsten Männer Rumäniens gezählt, sein Vermögen wird auf 800 Millionen Euro geschätzt. Ein großer Teil seines Vermögens wird "offshore" in Zypern vermutet. Er ist bekannt als leutseliger Arbeitgeber, der sich gerne großzügig zeigt, wenn man nicht gegen arbeitet. Bezüglich seiner Journalisten erklärte er, dass sie frei seien, frei zu gehen, wenn ihnen seine Methoden nicht passen.

Nachdem er nun einige Medienmacht zusammen hatte, glaubte er auch in der rumänischen Politik mitmischen zu können. In den postkommunistischen Staaten kann es nicht gut gehen, wenn man sich mit anderen Interessen anlegt. Und SOV meinte nun, sich auch mit dem rumänischen Staatspräsidenten Traian Basescu anlegen zu können. Inzwischen hat sich bei der rumänischen Justiz einiges geändert und das Schmieren der entscheidenden Stellen ist schwieriger geworden. Im Wahlkampf 2009 hatte er den unterlegenen Kandidaten für die Präsidentschaftswahl, Mircea Geonea, unterstützt.

2006 war seine rechte Hand beim FNI, Nicolae Popa, zusammen mit der vorgenannten Maria Vlas zu 15 Jahren Gefängnis verurteilt worden. Popa ist aber bereits 2000 geflüchtet und konnte 2009 in Indonesien über Interpol ausfindig gemacht werden. Der brauchte nun Geld und wandte sich an Vântu, der ihn vermutlich schon zuvor unterstützt hatte. Die Telefongespräche zwischen SOV und Popa wurden aber abgehört und es kam dabei heraus, dass SOV Popa jährlich 200.000 Euro zahlte. Ende April dieses Jahres wurde Popa von Indonesien an Rumänien ausgeliefert.

Damit fing wohl das Unheil auch für SOV an. Er wurde im Oktober 2010 wegen seine Verwicklung in den Fall Popa erstmals verhaftet und 27 Tage festgehalten. Danach wurde er auf freien Fuß gesetzt bis ihn die Strafverfolgungsbehörden am 20. April erneut festgenommen haben wegen Vorwurfs der Erpressung. Erpresst haben soll er den Geschäftsführer des Fernsehsenders Realitatea TV. Vorerst sitzt er für 29 Tage. Kurz vor seiner Festnahme hatten seine Kinder den 92% - Anteil an der Realitatea-Media-Gruppe an den Geschäftsmann Elan Swartzenberg verkauft. Eine neue Finte von Herrn Vântu?

Auf jeden Fall hat auch Swartzenberg, in Rumänien geboren, aber in Israel aufgewachsen, eine Menge Dreck am Stecken. Er hatte bereits Anfang 2000 Verfahren wegen Steuerhinterziehung, Fälschungen und Betrug am Hals. 2008 wurde er von seiner rumänischen Ehefrau geschieden, im Anschluss kam es zu heftigen Auseindandersetzungen der beiden in der Öffentlichkeit.

Mihaela, seine Ex, erklärte in einem Schreiben desillusioniert, wie die Geschäfte dieser Leute funktionieren: "Ich möchte etwas in allgemeiner Form über die Millionäre sagen, die Rumänien in ihr Spielfeld verwandelt haben. Vorzugsweise spielen sie Monopoly. Man muss immer nach ihrem Vermögen suchen, denn es ist gut versteckt. Bei Wahlen sind sie mal auf der einen, mal auf der anderen Seite. Sie sind unantastbar in den Steuerparadiesen. Der Millionär zahlt Geld an jeden, er mobilisiert alles, damit er in Rumänien Prozesse gewinnt, in denen er beschuldigt wird und er hat ausserordentliches Geschick darin, die rumänischen Gesetze zu umgehen."

Informationsquelle:
Mărirea şi decăderea mogulului media Vîntu - Evenimentul Zilei
Sorin Ovidiu Vântu - Wikipedia