Direkt zum Hauptbereich

Ein Trauerspiel der Regenwaldzerstörung

Im brasilianischen Bundesstaat Mato Grosso mehren sich die Zeichen, dass die Zerstörung des Regenwaldes in letzter Zeit erheblich zugenommen hat. Im Zeitraum von August 2010 bis März 2011 war eine Steigerung von 22% bei den Rodungen und von 225% bei der Beschädigung der Wälder festzustellen. Nach Ermittlungen der brasilianischen Umweltschutzbehörde IBAMA kam es zu sogenannten Mega-Entwaldungen (Rodungen über 1.000 Hektar), eine  Entwicklung, die in den letzten 3 Jahren nicht mehr zu beobachten war.

Der überwiegende Teil dieser großflächigen Rodungen war in der nördlichen Zentralregion von Mato Grosso zu beobachten. In dieser Region dominiert der großflächige Getreideanbau. Durch die Regenzeit kann der Umfang der Rodungen zur Zeit in manchen Regionen noch nicht festgestellt werden. Erst zum Ende der Regenzeit werden die Schäden im Norden und Nordosten erst in ihrem vollen Umfang erkannt werden können.

Warum die Eile? Nach Informationen aus Fachkreisen hat ein Rennen um Rodungen begonnen, weil im neuen Waldgesetz Brasiliens eine Amnestie für illegale Rodungen vorgesehen ist. Die Rodungen werden unter Umgehung der geltenden Gesetze vorgenommen, aber mit der Aussicht dafür eine Amnestie zu bekommen. Die Amnestie ist von der brasilianischen Agrarlobby durchgesetzt worden. Die Zerstörung wird jetzt schamlos vor den Augen der Öffentlichkeit betrieben und der Gesetzgeber vorgeführt. Die Umweltzerstörer kümmern sich ohnehin einen Dreck um den Staat und sein Drohpotential in Umweltangelegenheiten. Nach verschiedenen Analysen wurden von den Wald-Zerstörern nur ein Bruchteil der Strafen bezahlt, die gegen sie wegen Vergehen gegen das Gesetz verhängt wurden. Nichts begriffen hat auch der Gouverneur von Mato Grosso, Silval Barbosa. Im April erliess er ein Gesetz zur staatlichen Bodenordnung, in dem ein Möglichkeit vorgesehen wurde, dass bis zum Inkraftteten entwaldete Gebiete eine "Umwelt-Regulierung" bekommen können. Gleichzeitig wurde in dem Gesetz vorgesehen, Gebiete bis 400 Hektar von gesetzlichen Schutz auszunehmen, in klarem Gegensatz zur brasilianischen Bundesgesetzgebung.

Was sind die Folgen? Ich zitiere aus dem Bericht des parlamentarischen Beobachters sozialer und Umweltentwicklungen (Observatório Parlamentar Socioambiental): "Diese Situatien kann zu dramatischen Folgen nicht nur im Bereich der Umwelt führen, sondern auch zu politischen und vermutlich wirtschaftlichen Folgen für Mato Grosso und Brasilien. Mato Grosso ist verantwortlich für mehr als 60% der Urwaldzerstörung in Amazonien seit 2005 und damit ein vorrangiger Faktor bei der Erfüllung der Reduzierung von Treibhausgasen, die zum Klimawandel beitragen, so wie dies in der nationalen Politik zum Klimawandel vorgesehen ist. In diesem Zusammenhang ist die Wiederaufnahme der Rodungen ein nicht aktzeptierbarer Rückschritt und eine konkreter Beweis, das der Vorschlag zur Änderung des zur Zeit im Gesetzgebungsverfahren befindlichen Waldgesetzes (Código Forestal) genauso verhängnisvoll ist wie das Bodengesetz in Mato Grosso. Es ist unabdingbar, dass die Bundesregierung jetzt mit höchster Dringlichkeit handelt und die notwendigen Schritt einleitet, um die Situation umzukehren und um so grössere Schäden für die Natur und die basilianische Gesellschaft zu vermeiden."

Siehe auch:
Landvolk will Brasilia stürmen

Informationsquelle
Proposta de alteração do Código Florestal provoca corrida ao desmatamento em Mato Grosso - Observatório Parlamentar Socioambiental

Beliebte Beiträge

Es reicht!

Vor kurzem wurde in Sao Paulo Ricardo Silva Nascimento, ein Müllsammler, schwarzer Hautfarbe, kaltblütig durch die Militärpolizei erschossen, mit einem Schuss in den Körper und zwei in den Kopf, nur weil er es wagte in einem Restaurant in einem Stadtviertel der Mittelklasse nach Essen zu betteln. Diesselbe Polizei, die ihn tötete, manipulierte vor aller Öffentlichkeit die Beweise am Tatort, transportierte illegalerweise den Körper ab und löschte auf den Mobiltelefonen von denen, die die Tat filmten, den Beweis des Verbrechens.

Bewohner des Viertels sollen dabei der Militärpolizei zugejubelt haben.

In Brasilien erlebt man zur Zeit einen Rückfall in die alte Tradition der Sklavengesellschaft und der Unterdrückung einer Bevölkerung, die ausgebeutet wird und in tiefer Armut lebt. In der Zeit der Präsidentschaft von Lula da Silva gab es eine Politik für die Armen, ein Programm, das sich "Zero fome" (Kein Hunger) nannte und mit dem man den beschämenden Zustand eines reichen Lande…

Pulverfass Brasilien

Im Juni 2013 wurde Brasilien von heftigen und gewalttätigen Demonstrationen erschüttert. Ausgangspunkt waren Fahrpreiserhöhungen im öffentlichen Nahverkehr. Die Situation verschärfte sich derart, dass die damalige Präsidentin Dilma Rousseff ihr Kabinett zu einer Dringlichkeitssitzung einberufen musste. Der Gewaltausbruch war unerwartet und verbreitete sich in ganz Brasilien in kürzester Zeit. Es wurde versuch,t Amtsgebäude zu stürmen und es gab viele Akte des Vandalismus. Die Polizei wurde nur mühsam Herr der Lage.

 Der Philosoph Vladimir Safatle von der Universität hat jetzt in einem Beitrag zur Zeitung "Folha", dere auch im Blog "Combate Racismo Ambiental" veröffentlicht wurde, seine Befürchtung geäußert, dass diese Ereignisse sich bald in verstärkter Form wiederholen werden und hat die Gründe dafür benannt. Seine Ausführungen gebe ich nachstehend wieder:

Eine der offensichtlichen Züge des oligarchischen Gedankens ist die Form wie das Volk und die Mas…

Die Betontürme von Barcelona: Auch Betonschrott macht anhänglich

Wer von den höheren Positionen der Collserola auf Barcelona hinunterblickt, dessen Blick bleibt bald an 3 Türmen im Nordosten von Barcelona hängen. Diese drei Türme, die an der Mündung des Flusses Besós ins Meer liegen, gehörten zu einem konventionellen thermischen Kraftwerk, das in den 70er Jahren gebaut worden war. Seit 2011 ist dieses Kraftwerk stillgelegt. Es hatte zuvor kräftig zur Luftverschmutzung in Barcelona beigetragen. Es liegt nicht auf der Gemarkung der Stadt Barcelona, sondern der Vorortgemeinde Sant Adrià.

Drei Türme aus Beton dienten als Kamine über die die Abgase des Kraftwerks abgeleitet wurden. Beim Bau waren sie 90m hoch über den bereits 90m hohen Hochöfen gebaut worden, Es stellte sich heraus, dass in dieser Höhe die Abgase das Stadtklima beeinträchtigten und so wurden sie bis auf 200m erhöht. Sie übertrafen damit die Türme der Kathedrale Sagrada Familia, das Wahrzeichen von Barcelona. Man könnte sich vorstellen, dass ein solches hässliches Bauwerk als Verschande…

Die 70 gefährlichsten Straßenkilometer in Spanien lassen die Verantwortlichen kalt

Nach einem Bericht der Zeitung "El Pais" ist die Nationalstraße N-I auf einer Strecke von 70 km zwischen der Stadt Burgos und Miranda die gefährlichste Straße Spaniens. Täglich passieren 10.000 Fahrzeuge, die Hälfte davon Lastwagen, die Straße. Wie kam es dazu? El Pais schreibt:

1974 hat der Staat die Autobahn AP-1 eingeweiht, die von Burgos aus ins Baskenland führt und parallel zur N-I verläuft. Die Nutzung wurde privat geregelt, aber der Staat verpflichtete sich, die Autobahn in 5 Jahren freizugeben. Nach Ablauf dieses Zeitraum und aufgrund der Verzögerung bei den Einnahmen der Maut wurde die private Verwaltung bis 1999 verlängert. Nur 3 Jahre nach dieser Verlängerung wurde diese bis 2003 erweitert. Danach erfolgte eine weitere Verlängerung bis 2017 und jetzt soll sie erst 2018 mautfrei gemacht werden.

Der Autobahnbetreiber ist das Unternehmen Europistas, das eine Maut von 11,85 € für die Strecke von Burgos bis Ameyugo, einem Dorf 20 km vor Miranda del Ebro erhebt. Dies is…

7 Gründe warum man nicht nach Rumänien auswandern oder fliehen sollte

Journalistin Laura Stefanut von der Webseite “Romania Curata” hat 7 Gründe dafür gefunden, dass man nicht nach Rumänien auswandern oder fliehen sollte. Sie spricht zwar von Einwanderern, aber tatsächlich geht es um Flüchtlinge. Die Situation sieht für diese so aus:

Rumänien ist ein Land, aus dem Millionen Auswanderer nach Westeuropa und Nordamerika ausgewandert sind. Es ist aber kein Land, in das man auswandert. Gegenwärtig gibt es etwa 60.000 Einwanderer von außerhalb der EU im Land. Forscher der Sozialwissenschaften warnen, dass Rumänien auf eine schnelle demographischen Überalterung zusteuert, das viele Vorteile aus der Integration von Einwanderern ziehen könnte. Aber trotz aller Warnungen und Forschungen hat der Staat wenig sinnvolles in diese Richtung getan. Vor kurzem gab es Nachrichten über 2 Flüchtlinge, die aus Versehen in Rumänien gelandet waren und anfingen zu weinen als sie merkten, wo sie waren. Leider, das bestätigen die Forschungen, ist Rumänien kein gutes Z…

Die Brexit-Mauler wehren sich

Der Brexit, also der per Referendum angestossene Austritt des Vereinigten Königreichs aus der Europäischen Union, ist für einige Wortneuschöpfungen im Englischen gut. "Brexit" selbst ist so eine Wortneuschöpfung, die sich inzwischen eingebürgert hat. Ein anderes Wort ist "remoaner". Dieses setzt sich zusammen aus "remain" und "moan". Ersteres stellt darauf ab, dass die Anhänger der EU in der EU bleiben wollen - in Englisch "remain" - und "moan" bedeutet "jammern". Der "Remoaner" ist also ein für den Verbleib in der EU jammernder Brite. Wobei ich das Wort "jammernd" eher als "maulend" bezeichnen würde, denn die "Remoaners" jammern nicht passiv und demütig.  Grundsätzlich erwarten die überzeugten Brexit-Anhänger, dass die Gegner endlich das Maul halten und demütig die Regierung bei der Durchführung des Ausstiegs aus der EU unterstützen.

Das Etikett "Remoaner" haben di…