Freitag, 20. Mai 2011

Ein Trauerspiel der Regenwaldzerstörung

Im brasilianischen Bundesstaat Mato Grosso mehren sich die Zeichen, dass die Zerstörung des Regenwaldes in letzter Zeit erheblich zugenommen hat. Im Zeitraum von August 2010 bis März 2011 war eine Steigerung von 22% bei den Rodungen und von 225% bei der Beschädigung der Wälder festzustellen. Nach Ermittlungen der brasilianischen Umweltschutzbehörde IBAMA kam es zu sogenannten Mega-Entwaldungen (Rodungen über 1.000 Hektar), eine  Entwicklung, die in den letzten 3 Jahren nicht mehr zu beobachten war.

Der überwiegende Teil dieser großflächigen Rodungen war in der nördlichen Zentralregion von Mato Grosso zu beobachten. In dieser Region dominiert der großflächige Getreideanbau. Durch die Regenzeit kann der Umfang der Rodungen zur Zeit in manchen Regionen noch nicht festgestellt werden. Erst zum Ende der Regenzeit werden die Schäden im Norden und Nordosten erst in ihrem vollen Umfang erkannt werden können.

Warum die Eile? Nach Informationen aus Fachkreisen hat ein Rennen um Rodungen begonnen, weil im neuen Waldgesetz Brasiliens eine Amnestie für illegale Rodungen vorgesehen ist. Die Rodungen werden unter Umgehung der geltenden Gesetze vorgenommen, aber mit der Aussicht dafür eine Amnestie zu bekommen. Die Amnestie ist von der brasilianischen Agrarlobby durchgesetzt worden. Die Zerstörung wird jetzt schamlos vor den Augen der Öffentlichkeit betrieben und der Gesetzgeber vorgeführt. Die Umweltzerstörer kümmern sich ohnehin einen Dreck um den Staat und sein Drohpotential in Umweltangelegenheiten. Nach verschiedenen Analysen wurden von den Wald-Zerstörern nur ein Bruchteil der Strafen bezahlt, die gegen sie wegen Vergehen gegen das Gesetz verhängt wurden. Nichts begriffen hat auch der Gouverneur von Mato Grosso, Silval Barbosa. Im April erliess er ein Gesetz zur staatlichen Bodenordnung, in dem ein Möglichkeit vorgesehen wurde, dass bis zum Inkraftteten entwaldete Gebiete eine "Umwelt-Regulierung" bekommen können. Gleichzeitig wurde in dem Gesetz vorgesehen, Gebiete bis 400 Hektar von gesetzlichen Schutz auszunehmen, in klarem Gegensatz zur brasilianischen Bundesgesetzgebung.

Was sind die Folgen? Ich zitiere aus dem Bericht des parlamentarischen Beobachters sozialer und Umweltentwicklungen (Observatório Parlamentar Socioambiental): "Diese Situatien kann zu dramatischen Folgen nicht nur im Bereich der Umwelt führen, sondern auch zu politischen und vermutlich wirtschaftlichen Folgen für Mato Grosso und Brasilien. Mato Grosso ist verantwortlich für mehr als 60% der Urwaldzerstörung in Amazonien seit 2005 und damit ein vorrangiger Faktor bei der Erfüllung der Reduzierung von Treibhausgasen, die zum Klimawandel beitragen, so wie dies in der nationalen Politik zum Klimawandel vorgesehen ist. In diesem Zusammenhang ist die Wiederaufnahme der Rodungen ein nicht aktzeptierbarer Rückschritt und eine konkreter Beweis, das der Vorschlag zur Änderung des zur Zeit im Gesetzgebungsverfahren befindlichen Waldgesetzes (Código Forestal) genauso verhängnisvoll ist wie das Bodengesetz in Mato Grosso. Es ist unabdingbar, dass die Bundesregierung jetzt mit höchster Dringlichkeit handelt und die notwendigen Schritt einleitet, um die Situation umzukehren und um so grössere Schäden für die Natur und die basilianische Gesellschaft zu vermeiden."

Siehe auch:
Landvolk will Brasilia stürmen

Informationsquelle
Proposta de alteração do Código Florestal provoca corrida ao desmatamento em Mato Grosso - Observatório Parlamentar Socioambiental