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Chaos und Panik in Recife dank Flutwelle und Internet

Recife, die Hauptstadt der nordöstlichen brasilianischen Bundesstaates Pernambuco, hat noch den 21. Juli 1975 in guter Erinnerung. Die Stadt erlebte damals die größte Überschwemmung ihrer Geschichte, 80 % des Stadtgebietes stand unter Wasser. 107 Personen starben und 350.000 Menschen wurden obdachlos. Das Schlimmste war aber eine durch Gerüchte in Gang gekommene Panik. Niemand weiss mehr, wer das Gerücht in die Welt gesetzt hatte, dass die Talsperre von Tapacurá gebrochen sei. Auf jeden Fall verbreitete sich das Gerücht rasend schnell, dass die Stadt in Kürze durch eine Flutwelle zerstört werden würde. Es brach eine kollektive Hysterie in der Stadt aus. Die  Panik dauerte 2 Stunden. Die Leute rannten panikartig durch die Stadt, kletterten auf Bäume, stürmten Hochbauten, Autos rasten durch die Stadt ohne die Verkehrsregelung zu beachten, Händler verliessen ihre Geschäfte, Banken und Schulen schlossen und aus den Krankenhäusern versuchten die Kranken zu fliehen. Erst nach 2 Stunden konnte über Radio die Bevölkerung davon überzeugt werden, dass der Staudamm nicht gebrochen war. Die Polizei erklärte, dass man jeden verhaften werde, der weiterhin Gerüchte dieser Art in die Welt setze.

1975 gab es noch kein Internet. Gestern war es wieder einmal soweit, dass das Chaos in Recife ausbrach, aber diesmal dank Internet. Im brasilianischen Nordosten regnet es seit ein paar Tagen heftigst. Gestern Morgen griff das Meer an: Eine Flutwelle sorgte im noch größerem Umfang für Überschwemmungen. Daraufhin kündigten die Behörden für den Nachmittag eine weitere Flutwelle an. Dies provozierte Gerüchte - intensiviert über das Internet und die sozialen Netzwerke - über eine große Überschwemmung, die bevorstand. Das Chaos auf den Straßen brach aus, als die ersten Bücken überschwemmt wurden. Der Gouverneur des Bundesstaates versuchte über die Medien den Gerüchten entgegenzutreten und die Situation zu beruhigen. Zu der befürchteten großflächige Überschwemmung kam es dann auch nicht.

Inzwischen hat sich die Lage etwas beruhigt. Das Wetter hat nach Aussagen pernambucanischer Medien einen "Waffenstillstand" angeboten und den Regen vorläufig eingestellt. Trotzdem sind die Folgen der Regenmassen und der Flutwellen folgenreich. Es hat wieder einmal die fragile Lage Recife's den Bewohnern vor Augen geführt. Der größte Teil der Stadt liegt auf Meereshöhe und an 2 Flussmündungen. Die durch den Klimawandel bedingte Anhebung des Meeresspiegels wird vermutlich die Katastrophenanfälligkeit der Stadt in den nächsten Jahrzehnten noch erhöhen. Die Bundesregierung hat sich bereits dazu geäussert, dass man jetzt an einigen Stellen der Küste Pernambucos Deiche bauen oder erhöhen wolle. Die Mittel dazu sollen bald bereitgestellt werden.

Siehe auch:
Recife hat gute Chancen, im Meer zu versinken

Informationsquelle:
ESPECIAL NE10 - Tapacurá 2.0
Governo de Pernambuco - Governador desmente boatos para tranquilizar a população

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