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Alter Mann analysiert die rumänische Politik

Ion Diaconescu - am 25. August wurde er 92 Jahre alt - war Mitglied der rumänischen nationalen Bauernpartei (Partidului Naţional Ţărănesc) von 1936 bis 1947. Nach der Machtübernahme durch die Kommunisten sass er von 1947 bis 1964 als politischer Gefangener im Gefängnis. Nach der Revolution 1989 war er Mitglied der Führung der Bauernpartei und von 1990 bis 2000 Parlamentsabgeordneter. Von 1996 bis 2000 war er Präsident der rumänischen Abgeordnetenkammer.

Er hat heute der Zeitung Evenimentul Zilei ein Interview gegeben und dabei mit der Weisheit des Alters sein Urteil zum Zustand der rumänischen Politik abgegeben.

Von der Revolution von 1989 erwartete seiner Ansicht nach die öffentliche Meinung einen totalen Wechsel des Regimes und Eliminierung des Kommunismus im Land. Die Macht hätten aber Leute der kommunistischen Partei übernommen, die zwar die Ceauşescu's loshaben, aber sonst die Macht in der Hand behalten wollten. Ihr Chef war Iliescu. Er war Kommunist, es hat ihm nur nicht gepasst, dass Ceauşescu die ganze Macht hatte und sie mit niemandem teilen wollte. Iliescu wusste nicht so genau, was er wollte: Sein Herz tickte Richtung Kommunismus, die Situation in der Welt zwang ihn aber zu Veränderungen. Die Bauernpartei war die einzige Partei, die auf Grund ihres Programms, das Land hätte regieren können.

Durch die ständigen Streitereien zwischen den staatlichen Organen hätten die demokratischen Institutionen Rumäniens viel an Glaubwürdigkeit verloren. Aber das Hauptproblem sei der Streit zwischen den Parteien. Die politische Situation in Rumänien sei total verwickelt. In den Regierungsparteien PSD und PDL ginge es drunter und drüber. In der PSD würden sich Iliescu und Geoană in den Haaren liegen. Der Staatspräsident Băsescu sei in die Affäre mit seinem Bruder (ihm wird Waffenhandel vorgeworfen) und in die Untersuchung über die Tourismus-Ministerin Udrea verwickelt. In den bevorstehenden Präsidentschaftswahlen würde es wichtig sein, wer Bürgermeister sei. Die Bürgermeister würden vorgeben, wer gewählt werden solle.

Bezüglich des Staatspräsidenten meint er, dass Băsescu durchaus gute Absichten gehabt habe. Sein schwacher Punkt wären aber die Frauen (Udrea, Ridzi, die letzte die kürzlich zurückgetretene Ministerin für Jugend) und seine eigene Familie. Vor 5 Jahren habe er bei den Wahlen eine Alternative dargestellt, aber er habe wenig von dem durchgesetzt, was er versprochen habe.

Die Moral der rumänischen Gesellschaft wäre sehr gesunken. Typen wie Vanghelie und Becali könnten demokratisch gewählt in die Führung des Landes kommen. Aber die Hoffnung bleibe die junge Generation. Sie werde später die politische Reife haben und von einer richtigen Demokratie profitieren. Auch heute gäbe es noch keinen Politiker mit moralischen Werten, den man wählen könne, aber er sei optimistisch, dass die nächste Generation dies erreichen werde.


Die Kandidatur für das Präsidentenamt von Prinz Radu Duda, aus dem ehemaligen rumänischen Königshaus, hält er für einen Scherz.

Zur Präsidentenwahl werde er nicht gehen, weil er nicht wisse, wen er wählen soll. Die Tatsache, dass er jemandem die Stimme gebe, mache ihn auch zum Teilhaber der Fehler des Gewählten. Trotzdem sollen die Rumänen zur Wahl gehen. Es sei wichtig, dass man die Verbindung zur und Kontrolle der Staatsgewalt in der Hand behält, auch wenn es schwer falle.

In 20 Jahren, wenn die Generation aus dem kommunistischen Jahrhundert verschwunden sei, werde eine neue Generation da sein, die im europäischen Geist aufgewachsen sein werde. Die Rumänen dürften sich nicht entmutigen lassen. Die europäischen Strukturen würden sie zur Anpassung zwingen. Rumänien würde sich erkennbar bereits auf dem Weg in den Westen befinden. Es befinde sich zwar da noch am Ende der Tabelle, aber man wäre wenigstens in der Tabelle.

Informationsquelle: Evenimentul Zilei, Ion Diaconescu despre Băsescu: „Femeile sunt punctul lui slab” und Wikipedia rumänisch

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