Direkt zum Hauptbereich

Spanische Flugsicherheit: Abwarten und Tee trinken, das war einmal

Gestern gedachte Spanien der 154 Toten Fluges der Spanair JK5022, der vor einem Jahr auf dem Flughafengelände von Madrid abstürzte. Auf allen spanischen Flughäfen wurde eine Schweigeminute eingelegt.

Die Untersuchung des Absturzes hatte bedenkliche Mängel in der Arbeit der Behörden für Flugsicherheit offenbart, für die in Spanien die "Comisión de Investigación de Accidentes e Incidentes de Aviación Civil (CIAIAC)" (Komission für die Untersuchung von Unfällen und Zwischenfällen im zivilen Flugverkehr) zuständig ist. So wurde jetzt bekannt, das die Ursache für den Absturz - die Landeklappe auf der hinteren Seite der Tragflächen waren nicht ausgefahren und der Alarm, der die Piloten im Cockpit in einem solchen Fall warnen soll, hat nicht funktioniert - ein bekanntes Problem des Flugzeugtyps MD-82 war. Bereits 1987 war der Defekt bei einem Flugzeugabsturz in Detroit die Absturzursache.

Am 5. Juni 2007 passierte derselbe Fehler beim Start einer MD-83 der österreichischen Fluggesellschaft Mapjet von Madrid nach Lanzarote. Auch hier wurden die Piloten nicht über einen Alarm gewarnt, hatten aber auch zuvor nicht die Checkliste vorschriftsgemäss abgearbeitet. Sonst hätten sie merken müssen, dass der Alarm nicht funktionierte. Wie sich später herausstellte, fehlte eine wichtige Sicherung in der Bordarmatur. Beim Start zeigten 4 Kontrollinstrumente Unregelmässigkeiten an. Der Ko-Pilot versuchte, den Fehler ohne Erfolg zu beheben. Die Piloten starteten trotzdem und da die Motoren nicht automatisch beschleunigten, beschleunigten sie diese manuell. Damit konnten sie starten und in Lanzarote landen. Auf der Insel nahmen sie 140 Passagiere für den Flug nach Barcelona an Bord. Die Maschine war mit 74 Tonnen beladen und damit zu 89% ausgelastet. Die Piloten vergassen wieder die Landeklappen und stellten beim Start um 10:42 erneut die 4 Kontrollampen fest, die Unregelmässigkeiten anzeigten. Erneut versuchte der Ko-Pilot diese ohne Erfolg zu korrigieren. Der Ko-Pilot sass am Steuer als sie um 10:45 Uhr starteten. Kein Alarm ging an. Das Flugzeug schwankte um 63 Grad nach rechts und 60 nach links. Es stand kurz vor dem Absturz. 25 Sekunden nach dem Start gelang es, das Fahrgestell einzuziehen und zu steigen. Glück im Unglück: Auf Lanzarote herrschte zu diesem Zeitpunkt ein sehr starker Gegenwind im Gegensatz zum Unglück in Madrid im vergangenen Jahr. Zudem waren die Motoren leistungsstärker. Mit maximaler Kraft stieg die Maschine auf 1.524 Meter. Nachdem der Schock verdaut war, entschieden sich die Piloten, den Flug fortzusetzen wie wenn nichts passiert wäre. Nach der Landung erkundigten sich die Piloten beim Bodenpersonal in Madrid nach der Ursache und erfuhren, dass am Tag zuvor die für den Alarm wichtige Sicherung aus dem Flugzeug entfernt worden war. Es stellte sich heraus, dass das technische Personal täglich diese Sicherungen herauszieht, um zu prüfen, ob bestimmte Aussenlichter funktionieren.

CAIAC zeigte in seinem Untersuchungsbericht auf die Piloten, die das übliche Standardverfahren nicht beachtet hätten. Zudem wären die Piloten nicht ausreichend geschult gewesen. Ein Vorwurf, der an die österreichische Flugsicherheitsbehörde Austrocontrol gerichtet wurde, da diese ihre Überwachungspflichten nicht nachgekommen sei. Verwarnungen sollten Mapjet, die für eine bessere Ausildung der Piloten und Funktionieren der Flotte sorgen sollten, Austrocontrol, damit diese die Kontrolle über die Charterflotten verschärfen solle und die Europäische Agentur für Flugsicherheit, damit diese Austrocontrol besser überwache, erhalten. Das Tolle daran ist: Dieser Bericht existiert nur als Entwurf (borrador)! Er hat also nie das offizielle Licht der Welt erblickt und damit bezüglich der Sicherheitsproblematik kein geschärftes Gefahrenbewusstsein gebracht.

Kein Wort über den fehlenden Alarm, keine Empfehlung für ein System, das nicht abgestellt werden kann. Keine Warnung an Spanair wegen deren MD-Flugzeuge. Im Bericht über den Unfall Madrid wurde dieser schwerwiegende Zwischenfall in Lanzarote verschwiegen.

Kein Wunder, dass die spanische Öffentlichkeit ihr Augenmerk auf die CAIAC legt. Die Angehörigen der abgestürzten Spanair sind sich sicher: "Das Unglück hätte nie passieren dürfen". Sie geben der Schlamperei der CAIAC die Schuld. Als erste Massnahme hat die spanische Regierung beschlossen, dass die Mitglieder der Komission durch das Parlament gewählt werden sollen. Das bringe aber nicht viel, meinen die Medien, solange die Komission nicht die für die Untersuchungen nötigen Mittel bekomme und gezwungen werde, die internationalen Vorschriften anzuwenden. Zur Zeit würde von der CAIAC die internationale Empfehlung, Untersuchungsberichte innerhalb eines Jahres abzuschliessen oder zumindest einen internen Bericht über den Sachstand zu veröffentlichen, missachtet.

Infomationsquelle: El Pais, "Aprender de los errores" und "Despegó sin 'slats' y con los 'flaps' a 0 grados. La alarma estaba inactiva"
Reblog this post [with Zemanta]

Beliebte Beiträge

7 Gründe warum man nicht nach Rumänien auswandern oder fliehen sollte

Journalistin Laura Stefanut von der Webseite “Romania Curata” hat 7 Gründe dafür gefunden, dass man nicht nach Rumänien auswandern oder fliehen sollte. Sie spricht zwar von Einwanderern, aber tatsächlich geht es um Flüchtlinge. Die Situation sieht für diese so aus:

Rumänien ist ein Land, aus dem Millionen Auswanderer nach Westeuropa und Nordamerika ausgewandert sind. Es ist aber kein Land, in das man auswandert. Gegenwärtig gibt es etwa 60.000 Einwanderer von außerhalb der EU im Land. Forscher der Sozialwissenschaften warnen, dass Rumänien auf eine schnelle demographischen Überalterung zusteuert, das viele Vorteile aus der Integration von Einwanderern ziehen könnte. Aber trotz aller Warnungen und Forschungen hat der Staat wenig sinnvolles in diese Richtung getan. Vor kurzem gab es Nachrichten über 2 Flüchtlinge, die aus Versehen in Rumänien gelandet waren und anfingen zu weinen als sie merkten, wo sie waren. Leider, das bestätigen die Forschungen, ist Rumänien kein gutes Z…

In Treue fest zum Atom

Der spanische Industrieminister macht es sich leicht. Ein paar Tage vor dem Unglück von Fukushima erklärte er: "Sich vor der Nuklearenergie fürchten ist wie vor der Sonnenfinsternis Angst haben".

María Teresa Domínguez, Sprecherin der Forums der spanischen Atomernergie erzählt 2009 in einem Interview: "Spanien hat 8 Atomkraftwerke, die auf höchstem Weltniveau bezüglich Verfügbarkeit und Betriebsbedingungen operieren." Keine Rede davon, dass die AKW Vandellos und Ascó schon Störfälle auf höchstem Niveau hatten. Frau Domínguez bedauert, dass die Nuklearenergie nur zu 8% zur Energieversorgung Spaniens beiträgt. Deshalb will sie daraufhin arbeiten, dass der spanische Strommix für die Zukunft einen Anteil von 30% an der Landesversorgung bekommt. Keine Angst wegen den Risiken? "Nein, die Risiken sind kontrollierbar. Ich sage das, weil ich Technikerin bin und auf dem Gebiet der Sicherheit der Atomkraftwerke arbeite. Aber das sage nicht nur ich, sondern das ist auch …

Die Betontürme von Barcelona: Auch Betonschrott macht anhänglich

Wer von den höheren Positionen der Collserola auf Barcelona hinunterblickt, dessen Blick bleibt bald an 3 Türmen im Nordosten von Barcelona hängen. Diese drei Türme, die an der Mündung des Flusses Besós ins Meer liegen, gehörten zu einem konventionellen thermischen Kraftwerk, das in den 70er Jahren gebaut worden war. Seit 2011 ist dieses Kraftwerk stillgelegt. Es hatte zuvor kräftig zur Luftverschmutzung in Barcelona beigetragen. Es liegt nicht auf der Gemarkung der Stadt Barcelona, sondern der Vorortgemeinde Sant Adrià.

Drei Türme aus Beton dienten als Kamine über die die Abgase des Kraftwerks abgeleitet wurden. Beim Bau waren sie 90m hoch über den bereits 90m hohen Hochöfen gebaut worden, Es stellte sich heraus, dass in dieser Höhe die Abgase das Stadtklima beeinträchtigten und so wurden sie bis auf 200m erhöht. Sie übertrafen damit die Türme der Kathedrale Sagrada Familia, das Wahrzeichen von Barcelona. Man könnte sich vorstellen, dass ein solches hässliches Bauwerk als Verschande…

Frankreich erfindet den Zahnarzt–Aldi

Die Großzügigkeit der französischen Krankenkassen bei Erstattung von Zahnarztkosten hält sich in Grenzen. In der Regel können Versicherte mit etwa 70% erstatteter Kosten rechnen, d.h. 30% muss selbst getragen werden. Die Zahnärzte sind jedoch oft mit den Tarif-Honoraren nicht zufrieden. Sie verlangen Aufschläge, die ebenfalls an den Versicherten hängen bleiben. Gerade dieser Aufschlag scheint in letzter Zeit bei den Zahnärzten in Frankreich sehr beliebt geworden zu sein. In einer Zeit, in der die Arbeitslosigkeit steigt und auch viele Franzosen mit dem wirtschaftlichen Überleben kämpfen, verursacht der Gang zum Zahnarzt wegen Zahnschmerzen den Betroffenen zusätzlich noch Bauchschmerzen wegen der finanziellen Belastung.

Frankreich hat zwar den Lebensmittel-Discounter nicht erfunden, darin sind die Deutschen wohl Weltmeister, aber in anderen Bereichen haben die Franzosen durchaus den Ehrgeiz zur durchgreifenden Rationalisierung, um die Preise zu senken. Besonders offensichtlich ist das…

Frankreich ekelt sich vor seinen Schlachthöfen und empört sich über Tierquälerei

Massentierhaltung in Frankreich: 83% der Hühner werden in geschlossenen Ställen aufgezogen, 68% der Hennen und 99% der Kaninchen werden in Käfigen gehalten. 95% der Schweine fristen ihr kurzes Leben in geschlossenen Ställen auf Gitterrosten. Die Tiere werden nur als Handelsware gesehen, man verstümmelt sie (Kastration ohne Betäubung, Abschneiden der Schwänze oder der Schnäbel). Ihre Sterblichkeitsrate ist sehr groß, zum Beispiel sterben 20% der Schweine vor ihrer Schlachtung.

Industrielle Massentierhaltung wie in Deutschland auch. Das Tier wird nicht als Lebewesen gesehen, sondern nur als Handelsprodukt. Während in Deutschland die Konsumenten seit einiger Zeit ins Grübeln geraten sind und sich eine Bewegung gegen Massentierhaltung gebildet hat, hat man in Frankreich, das wir als Schlemmerland kennen, bisher beide Augen zugedrückt beziehungsweise die Verbraucher wollten nicht so genau wissen wie das Fleisch auf ihrem Teller gelandet ist. Zwar hat sich seit einiger Zeit ein…

Joana Havelange steht zu krimineller Vetternwirtschaft im brasilianischen WM-Fußball

Es hatte mal alles so schön angefangen. Brasilien bekam den Zuschlag für die Fußball-WM und die brasilianischen Fußballfunktionäre schwelgten sich im Glanze dieses Erfolges nicht ahnend, dass noch bittere Zeiten kommen werden. Wer geglaubt hatte, die Brasilianer schluckten aus Liebe zum Fußball jede Kröte, der muss inzwischen zugeben, dass er sich getäuscht hat. Es ist die Frechheit des Verbands-Establishment des brasilianischen Fußball, die inzwischen die Menschen zu Wutausbrüchen veranlasst und sie auf die Straße treibt. Sei es nun ein Ronaldo, der zu den größten finanziellen Profiteuren dieser WM gehört und der inzwischen beim Volk durch dumme Sprüche jeden Kredit vorloren hat oder sei es Joana Havelange, die zum lokalen Organisationskomitee in Rio für die WM-Spiele in dieser Stadt gehört. Sie hat jetzt reichlich patzig das Volk belehrt, dass es jetzt gefälligst das Maul halten solle, den das was für die WM ausgegeben oder geklaut worden sei, wäre Vergangenheit, wenn schon dann hä…