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Das Blutbad von Scanteia oder wenn Bus-Taxis aufs Gas drücken

Am 14. August rammte ein Zug auf einem ungesicherten Bahnübergang ein Bus-Taxi, in Rumänien auch Mikrobuz oder Maxi-Taxi genannt, das sich auf der Fahrt zwischen der Stadt Iaşi und dem Dorf Scânteia befand. 13 von den 16 Passagieren starben an diesem Freitag. Die 14. Person, der Fahrer, 26 Jahre alt, ist gestern, Montag, im Krankenhaus gestorben.

Schuldig soll der inzwischen verstorbene Fahrer sein, gegen den ein Strafverfahren eröffnet wurde. Er soll alle Verkehrsregeln beim Überqueren des Bahnübergangs missachtet haben. Überlebende erzählen, dass er zu diesem Zeitpunkt das eingenommene Geld gezählt habe. Alle anderen, die auch eine Verantwortung in der Sache tragen, waschen ihre Hände in Unschuld.

Aber dieser schwere Unfall rückt ein Gewerbe in Rumänien in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit, das schon länger von den Kunden misstrauisch begleitet wird: Das öffentliche, vor allem private Transportwesen in Rumänen. Typisch war, dass der Unglücksfahrer für seinen Arbeitgeber "Valcris Trans" seit fast 2 Jahren "schwarz" (la negru) arbeitet und von seinen Vorgesetzten hemmungslos teilweise 18 Stunden pro Tag eingesetzt wurde, obwohl gesetzlich nur 9 Stunden erlaubt waren. Zudem scheint er ein wilder Raser gewesen zu sein. Leute aus dem Dorf berichteten, dass er gewöhnlich über die Bahnübergänge raste, ohne auch nach rechts und links zu gucken. Passagiere der dem Unglück vorher gehenden Fahrt berichteten, dass der Fahrer einen sehr müden Eindruck machte und an Nasenbluten litt. "Wir wunderten uns, was mit ihm los war. Wir haben uns gefürchtet, weil er mit hohem Tempo fuhr", berichtete Lili Borangic, die Mutter eines der 13 Opfer.

Zuständig für die Kontrolle des Personentransportwesens ist die Rumänische Strassenbehörde (Autoritatea Rutieră Română (ARR)). Sie erteilt den Firmen eine Lizenz und kontrolliert deren Aktivitäten. Die Firma Valcris erscheint in den Akten der ARR als "sauber", obwohl sie illegale Transporte im Raum Scânteia durchführte. Tatsächlich gehörte das Fahrzeug nicht der Firma, sondern einem ihrer Aktionäre, der Wagen und Strecken zwischen seiner Firma und der Unglücksfirma tauschte. Die Lizenz lautete auf eine andere Firma. Obwohl dies bekannt war kam es zu keinem Strafverfahren gegen die Firma Valcris.

Auf der Todesstrasse (ruta morţii), wie die Strecke jetzt genannt wird, ist es üblich, dass die Kleinbusse überladen sind und von nicht qualifizierten Fahrern gefahren werden. An dem Zustand hat sich nach neuesten Beobachtungen nichts geändert. Die Fahrer dulden völlig überladene Fahrzeuge und während der anschliessenden Fahrt widmen sie sich ausgiebig ihrem Mobiltelefon und weniger der Strasse. Und das, obwohl die Strecke in miserablen Zustand und die Strasse voller Schlaglöcher ist.

Die Verkehrspolizei hat den Unglücksfahrer im vergangenen Jahr mehrfach angehalten und wegen Verstoss gegen die Verkehrsregeln bestraft. Keiner hat dabei geprüft, ob dieser überhaupt Personentransporte durchführen durfte. Sie will jetzt, nach der Katastrophe, auch diese Befähigung gründlicher prüfen.

Das Bürgermeisteramt (Primăria) von Scânteia war bekannt, dass es illegale Personentransporte gab. Trotzdem fühlt sich der verantwortliche Bürgermeister schuldlos. Er meint, man solle doch froh sein, dass der Fahrer der einzige Schuldige sei. "Warum sucht ihr jetzt noch weitere Schuldige an allen Ecken?", fragt er die Presse. Eine seltsame Einstellung, aber typisch dafür, Ämter bekleiden zu wollen, aber keine Verantwortung zu übernehmen.

Die Bewohner des Ortes Scânteia , aus dem die Mehrzahl der Toten stammt, sind aufgebracht. Auch die Medien sind empört, das Unglück beherrscht die Schlagzeilen. Es ist schade, dass es vieler unschuldiger Toter bedurfte, dass eines der grossen Probleme Rumäniens, die mangelnde Verkehrserziehung und konsequente Verfolgung von Verstössen gegen die Verkehrsregeln, ernsthaft diskutiert wird. Wie weit Politik und Gesellschaft wirklich eine Änderung wollen, das bleibt noch abzuwarten. Wenigstens sind heute auch Strafverfahren gegen die Eigentümer des Busbetriebes eröffnet worden.

Informationsquelle: Adevarul, Patronii şi-au trimis pasagerii la moarte, Evenimentul Zilei, Reportaj de pe „ruta morţii”
Bild: Montage

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