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Krieg der Geschlechter

Frau und Mann im Nordosten Brasiliens lieben sich kurz und heftig und gehen sich danach auf die Nerven und leben im Dauerstreit. Den Kürzeren zieht in der Regel die Frau, denn er vergnügt sich dann halt mit einer anderen. Der grosse brasilianische Soziologe Gilberto Freyre hatte bereits in seinem Hauptwerk "Casa Grande & Senzala" die grenzenlosen Freiheiten der Männer beschrieben, die sich alles nahmen, was sie konnten.

Geändert hat sich bis heute nicht viel an dieser Einstellung. "Den Männer ist fast alles erlaubt. Den Frauen bleiben die Pflichten der Ehe", erklärt die Forscherin der psychologischen Abteilung der Katholischen Universität von Pernambuco (Universidade Católica de Pernambuco (Unicap)), Zuleica Dantas. Sie hat in ihrem Forschungsprojekt vor allem die Situation bei Ehepaaren der höheren Gesellschaft und Mittelklasse von Recife untersucht und dazu viele vertrauliche Gespräche mit den Betroffenen geführt. Sie hat dabei herausgefunden, dass in Recife fast alle Männer ihre Frauen betrügen.

Die befragten Frauen gaben an, dass ein Ehebruch für sie nicht in Frage kam. "Das war etwas, was wir erwartet haben. Sogar unter dem Siegel der Verschwiegenheit wurden die Frauen der Zucker-Aristokratie erzogen, immer alles abzuleugnen", erkärte die Forscherin. "Trotzdem konnten wir durch unsere Befragungstechnik herausfinden, dass sie in diesem Fall nicht gelogen haben."

Die Forscherin konnte feststellen, dass bei Ehepaaren, die länger als 20 Jahre verheiratet waren, die Männer in Rente und sehr zufrieden waren. "Sie machten alles, was sie vom Leben verlangten. Nach der Verrentung fühlten sie sich zufrieden. Ihre Ehefrauen erzählten das Gegenteil. Sie mussten die Untreue ertragen, die Sauferei oder die übertriebene Verehrung des Fussballs", berichtet sie. In den moderneren Stadtviertel und den weniger begünstigten Gesellschaftsgruppen sieht die Lage etwas anders aus. "Die Beziehungen sind nicht so eng. Die Ehen hören auf zu existieren auf Grund Übereinkunft oder aus den praktizierten verschiedenen Interessen."

Und die Armen? Zuleica Dantas kann hier nur schätzen. "Hier gibt es von beiden Seiten keine Scheinheiligkeiten. Man wechselt viel schneller die Partner".

Informationsquelle: Diario de Pernambuco, Gilberto Freyre sempre teve razão
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