Freitag, 9. März 2012

Der Alles-Vernichter soll jetzt auch Maniok nicht verkrauten lassen

Glyphosat, Herbizid-Wirkstoff zur Unkrautkontrolle, wirkt gegen fast alle Pflanzenarten toxisch und wird daher seit etwa 25 Jahren weltweit als so genanntes Breitbandherbizid eingesetzt (z.B. zur Unkrautbekämpfung an Bahndämmen). Greenpeace schreibt zu diesem weltweit eingesetzten Unkrautvernichtungsmittel: “Dem Siegeszug des Wundermittels lag die Einschätzung zugrunde, Glyphosat sei in ökologischer und gesundheitlicher Hinsicht unbedenklich. Diese Sicht wird in letzter Zeit mehr und mehr in Zweifel gezogen. Neue Studien geben Hinweise auf erbgutschädigende Wirkungen von Glyphosat. In Versuchen sind Geburtsfehler und Missbildungen festgestellt worden. Glyphosat richtet darüber hinaus Schäden im Agrarökosystem an. Dem Verlust an totgespritzten Wildkräutern folgt eine reduzierte Artenvielfalt entlang der Nahrungskette - bis hin zu Säugetieren und Vögeln. Die biochemischen Eigenschaften von Glyphosat machen Pflanzen krankheitsanfälliger und reduzieren die Verfügbarkeit von Nährstoffen. In der Folge sind erhöhter Pestizideinsatz und Düngung erforderlich. Auch der Herbizideinsatz steigt auf mittlere Sicht: Immer mehr Unkräuter werden auf natürliche Weise resistent gegen Glyphosat und müssen mit anderen Spritzmitteln beseitigt werden - oder von Hand.”

Das brasilianische Landwirtschaftsministerium hat jetzt bekanntgegeben, dass das Unternehmen für Ackerbau-Forschung Empraba und die Vertreter des Manjok-Anbaus angezeigt haben, dass sie in Zukunft auf Glyphosat bei der Unkautbekämpfung in Manjok-Pflanzungen setzen wollen. Die Abteilung für Agrar-Pestizide im Ministerium fügte hinzu, dass die Genehmigung zum Einsatz mit der Begründung beantragt wurde, dass im Manjok-Anbau bereits zahlreiche Pestizide eingesetzt würden, nur fehle bisher Glyphosat.

Für den Landwirt Cleber Folgado, nationaler Koordinator der “Permanenten Kampagne gegen den Einsatz von Pestiziden und für das Leben”, ist dieser Antrag besorgniserregend. Er weist daraufhin, dass Glyphosat systemantische alle Pflanzen ausrotte bis auf gentechnisch veränderte Pflanzen. Hinzu kämen auch Gefahren für die Gesundheit. Empraba ist für ihn keine neutrale Forschungsinstitution, da das Unternehmen viel Geld von multinationalen Unternehmen bekomme. Viele der Studien würden Unternehmen wie Monsanto zugute kommen, das Embrapa in der Zeit von 2011 bis 2012 5,9 R$ (ca. 2,5 Millionen Euro) Mittel für Forschungsvorhaben gezahlt habe. Seiner Meinung nach ist Embrapa ein in der Zeit der Militärdiktatur 1970 gegründetes Unternehmen, das das Ziel habe, die Bedingungen für ein Vordringen des Kapitals in der Landwirtschaft zu bereiten. “Die Unternehmen produzieren und der Gesellschaft bleiben die Probleme im Bereich Gesundheit und Umwelt und vielfach auch im wirtschaftlichen Bereich”, beklagt Folgado.

Brasilien ist einer der größten Verbraucher von Pestiziden. Dagegen regt sich inzwischen Widerstand in der Bevölkerung. Die Gesundheitsgefährdung und Bedrohung der Natur durch den bedenkenlosen Einsatz von Giften ist inzwischen zu offensichtlich. Maniok ist eines der Grundnahrungsmittel, vor allem auch der armen Bevölkerung im Nordosten Brasilien. Hinter dem gewünschten Rundumschlag mit dem Glyphosat-Gift steht vermutlich auch nicht der Wunsch die Bevölkerung besser zu ernähren, sondern die Erkenntnis, dass dieses Gewächs sich auch sehr gut für die Ethanol-Produktion eignet. Dafür müsste man Maniok in großem Umfang anbauen und möglichst wenig Ernteausfälle haben.

Siehe auch
Brasilianischer Tabak macht arm und krank
Informationsquelle:
Ativista teme aprovação de uso de agrotóxico em mandiocas