Direkt zum Hauptbereich

Brasiliens unbewältigte neuere Vergangenheit

Am 1. April 1968 wurde der damalige Präsident Brasiliens, João Goulart, von den Generälen des Militärs mit tätiger Unterstützung eines Teils der brasilianischen Gesellschaft gestürzt. Danach beherrschten die Militärs viele Jahre das Land und erst Anfang der Jahre ab 1980 kam es zu einer vorsichtigen “Öffnung”, wobei die Militärs noch lange Zeit die Zivilisten unter Kontrolle hielten. Wie immer, wenn man einen Haufen Schandtaten begangen hat, erteilt man sich vor Übergabe der Macht per Amnestiegesetz die Freisprechung von allen Strafen. So auch das brasilianische Militär mit dem Amnestiegesetz von 1979.


Erst jetzt werden auch die Stimmen in Brasilien lauter, die eine Aufarbeitung des dunklen Kapitels der Militärherrscht verlangen. Zudem wirken sich die von den Militärs geschaffenen Fakten noch bis in die heutigen Tage in wichtige Bereiche der brasilianischen Gesetzgebung aus. So zum Beispiel im Bildungssystem. Die Militärs hatten die Universitäten mit Polizeiterror zu folgsamen Ausbildungsanstalten umgemodelt. Eine emeritierte Professorin der Universität von Sao Paulo (USP) beschreibt wie die Schullehrpläne und die Orientierung der Universitätskurse umgewandelt wurde in eine Schnellausbildung für “gehorsame” Arbeitskräfte. Zudem wurden Fächer wie “moralische und bürgerliches Erziehung” für alle Stufen des Unterrichts eingeführt, auch in den naturwissenschaftlichen Fächern. Nach ihrer Meinung ist die Universität, wie sie Brasilianer jetzt haben, ein Produkt der Diktatur”.


Der Bereich der Kultur wurde durch die Zensur disziplinert. Der Filmschaffende Silvio Tendler, der die Gängelei durch die Zensur am eigenen Leib erfahren hat, beschreibt die Methoden: “Zeitungen mussten neu geschrieben werden, Witze umgedeutet, weil Dummköpfe bestimmten, was die Leute zu sagen hatten und was nicht.” Tendler bedauert die derzeitigen Schwierigkeiten in Brasilien, diese Geschichte aufzuarbeiten mit den Worten: “Brasilien ist eines der wenigen Länder, wo es keine Wahrheitskommission gab und die Folterer und Kanaillen in Freiheit leben können. Sie haben Verbrechen begangen und dabei blieb es.”

Seit November letzten Jahre gibt es in Brasilien eine “Wahrheitskommission” und ein “Gesetz zum Zugang zu Informationen”, mit dem von der Diktatur Verfolgte Einblick in die Akten verlangen können. Teile des Militärs versuchen nun mit frecher Arroganz zu verhindern, dass dabei etwas herauskommt. Sie erdreisten sich zu Sprüchen, wie denen, dass sie sich von einer ehemaligen aktiven Kämpferin gegen die Diktatur wie die brasilianische Staatspräsidentin Dilma Rousseff nicht zur Verantwortung ziehen lassen. Schamlos ernennen sie den Gedenktag des Staatsstreichs zum “Tag der demokratischen Revolution vom 31. März 1968”. Einer ihrer Vertreter, General Rocha Paiva, erklärt: “Sie wollen jetzt diese Wahrheitskommission 30 Jahre nachdem das geschehen ist. Und das nur weil wir heute ehemalige Militante des bewaffneten Kampfes in wichtigen Stellungen der nationalen und internationalen Politik haben”. Kristallisationspunkt er Ewiggestrigen ist der Militärclub (Clube Militar) in Rio de Janeiro. Dort beabsichtigt man morgen zum Gedenktag des Umsturzes eine Gruppe Fallschirmspringer über dem Strand von Barra Tijuca abspringen zu lassen. Dabei soll das Flugzeug, dass die Springer in die Höhe bringt, eine riesige brasilianische Fahne hinter sich herziehen. Sollten sie glücklich am Boden ankommen, wird die Nationalhymne gesungen und zwei Fallschirmspringer haben die Aufgabe laut “Brasilien über alles” zu schreien.

Damit wird ein beliebter Trick aus der Diktatur aus der Kiste geholt: Übertriebener Nationalismus soll das Volk beeindrucken. Dabei war das Brasilien der Militärs immer nur das Brasilien der Reichen und Privilegierten.

Informationsquelle
Militares pró-64 intensificam ofensiva ideológica iniciada no governo Lula – BrasilAtual
Passados 48 anos do golpe contra João Goulart, resta algo de ditadura – BrasilAtual
Dilma sanciona Comissão da Verdade e Lei de Acesso à Informação – Estadao

Beliebte Beiträge

"Die Faschisten von Soros wollten mich lynchen"

Gabriela Firea ist Oberbürgermeisterin von Bukarest. Sie ist 43 Jahre alt und von Beruf Journalistin. 2012 wechselte sie in die Politik und wurde für die Partidul Social Democrat (PSD) in den rumänischen Senat gewählt. Im Juni 2016 wurde sie zur Oberbürgermeisterin von Bukarest gewählt. Inzwischen hat sie einen sehr hohen Beliebtheitsgrad in Rumänien und nach einer neueren Umfrage würden sie bei Präsidentschaftswahlen meht Stimmen bekommen als der derzeitige Amtsinhaber Iohannis.

Etwas rätselhaft ist diese Intention der Bevölkerung, denn in Bukarest ist Frau Firea nicht unbedingt beliebt. Sie hat bei den Wahlen viel versprochen und bisher wenig gehalten. Ein empörter Bukarester Bürger beschreibt die bisherige Erfolgbilanz von Frau Firea so: "Sie hat bisher nichts getan. Sie soll zurücktreten. Es gibt keine Parkplätze, der öffentliche Nachverkehr ist genauso schlecht wie bisher. Sie hat nichts von dem gehalten, was sie versprochen hat wie zum Beispiel Klimaanlagen in den öffentlic…

Wer versteht diese Theresa May?

Theresa May, die britische Premierministerin, gibt ein seltsames Bild ab. Sie war einmal gegen den Brexit und ist nun feurige Durchsetzerin des knappen Bürgervotums für den Brexit, eines Votums, das laut britischer Gesetzgebung nur beratenden Charakter hatte. "Brexit meint Brexit" war nun ihr ständiges Mantra und dann sah sie auch noch die Chance angesichts der zerstrittenen Labour-Partei durch aus opportunistischen Gründen schnell vorgezogene Wahlen eine überwältigende Mehrheit im Parlament zu bekommen. Jetzt lautet das Mantra, nur mit mir wird es eine "starke und stabile" (strong and stable) Regierung geben. Drei brutale terroristische Anschläge in kürzester Zeit stellen diesen Wahl-Spruch inzwischen vor eine Prüfung. Und hier sieht die Lage dann nicht mehr so gut aus. Sie war schließlich vor der Übernahme des Premierministeramtes 6 Jahre Innenministerin.

Es ist unklar, was sie eigentlich antreibt. Der Verdacht, dass es ihr nur um ihre eigene Karriere geht, dräng…

Brasilianer haben die Nase voll von ihrer Regierung: Diretas já!

Am vergangenen Sonntag kam es am Strand der Copacabana zu einer Großdemonstration, an der ungefähr 150.000 Personen teilgenommen hatten. Organisiert wurde die Demonstratien von vielen Bürgerbewegungen und von bekannten Künstler wie den Sängern und Musikern Caetano Veloso und Milton Nascimento. Das Ziel des Protestes ist es, das brasilianische Parlament zu einem Beschluss über eine Verfassungsänderung, der direkte Wahlen für das brasilianische Präsidentenamt ermöglicht, zu drängen.
Die brasilianischen Politiker hatten es geschafft, die legitim gewählte Präsidentin Dilma Rousseff unter windigen Gründen per Impeachment aus dem Amt zu putschen. Rousseff wurden haushaltsrechtliche Verfehlungen vorgeworfen. Nachfolger wird in einem solchen Fall laut brasilianischer Verfassung der Vizepräsident und das war Michel Temer. Inzwischen stellt sich heraus, dass Temer in Korruptionsskandale verwickelt ist und seine Position als Präsident wackelt bedenklich. Sollte auch er aus seinem Amt entfernt w…

Aufs falsche Pferd gesetzt: Eukalyptus in Galicien

Wer den Jakobsweg Richtung Santiago de Compostela wandert kommt an Wälder vorbei, die so gar nicht in diese Landschaft passen. Es sind Eukalyptus Plantagen,  die dieser doch wasserreichen und sehr grünen Landschaft in weiten Bereichen einen desolaten Aspekt geben. 
Vor etwa 50 Jahren hatte Diktator Francisco und sein Regime die Idee, den Eukalyptus großflächig in Galicien und in Nordspanien anpflanzen zu lassen mit dem Ziel weltweit die Zellulose-Industrie beliefern zu können. Ganze Gebiete wurden für die Monokultur freigegeben.  Die Zellulosefabrik ENCE in der Nähe der Stadt Pontevedra erhielt weitreichende Anbau-Konzessionen. Im letzten Jahr wurden die Konzessionen für das Unternehmen um 60 Jahre verlängert und gleichzeitig die Produktionserlaubnis für ein Biomasse Kraftwerk erweitert. 
Der Blogger "Mendigo" gibt dem Protest dagegen eine wütende Stimme:
Sind unsere Mülldeponien ein riesiges Problem? Einige Betroffene Hektar Land in Galicien? Das ist kompletter Unsinn! Auf …

Das Besondere an der Korruption in Spanien

Von osteuropäischen Ländern sind wir eine offensichtliche Korruption gewöhnt. Hier besticht jeder jeden, der ihm/ihr etwas zu bieten hat. Der Verkehrspolizist lässt bei Geschwindigkeitsüberschreitungen oder Falschparken die Sünder laufen, wenn man ihm einen Schein in die Hand drückt.  Im Krankenhaus sind Pflegekräfte und Ärzte besonders motiviert, wenn sie mit Zugaben gefüttert werden. In Spanien ist das ein bisschen anders. Die Korruption ist hier versteckter. Beamte machen sich nicht die Hände schmutzig. Wenn man von ihnen was haben will, muss man auch für banale Dinge einen Vermittler, den "Gestor", einschalten. Der teilt sich dann sein Einkommen mit dem Beamten. Wer im öffentlichen Dienst nicht so viel zu bieten hat, ist eher nicht korrupt. Dagegen kennt die Korruption im Kreise der Mächtigen aus Wirtschaft und Politik keine Grenzen und wurde bisher als selbstverständlich angesehen und vom Volk so hingenommen.

Die derzeitige Regierungspartei Partido Popular hat da ein r…

Polizei auf Bettler-Jagd in Timisoara

Der OB von Timisoara / Temesvar, der Hauptstadt des rummänischen Banats, hat der eigenen Lokalpolizei vorgeworfen, dass Bettlerproblem in der Stadt nicht ausreichend zu bekämpfen. Das Zentrum der Stadt sei inzwischen beliebtes Ziel von Bettlern. Tags darauf haben die Gescholtenen beschlossen in Zivil auf Bettler-Jagd zu gehen.

Die Webseite deBANAT.ro berichtet über die Arbeit der Lokalpolizei:

Die Polizisten haben sich nach der Schelte sofort an die Arbeit gemacht und eine Razzia im  öffentlichen Nahverkehr vorgenommen. "Die Aktion erfolgte auf der Strecke Badea Richtung Nordbahnhof. Es wurden auch Strafen für die Tatsache des Alkoholkonsums, Bettlerei, Müllverursachung und anderes erlassen. Bereits im vergangenen Monat haben die Aktionen auf diesen Linien zur Festnahme von 81 Bettlern geführt, gegenüber denen gesetzliche Massnahmen angewendet wurden, aber leider kommen diese Personen immer wieder auf die Straße zurück", erklärte der Verantwortliche der Lokalpolizei. Er erkl…