Mittwoch, 7. März 2012

Klimawandel bedroht britische Atomkraftwerke

Großbritannien ist eine Insel umgeben vom steigenden Meer. Der Wasserspiegel des Meeres steigt auf Grund des Klimawandels. Die Behörde für Umwelt, Nahrung und Landwirtschaft (Defra) hat deshalb bereits vor einiger Zeit eine Untersuchung zum Einfluss des Klimawandels und der damit eingehenden Küstenerosion im Hinblick auf die britischen zivilen Kernkraftwerke in Auftrag gegeben. Für die Defra ist klar: “Das Klima ändert sich. Das bedeutet, dass wir mit mehr Überschwemmungen und schnellerer Erosion der Küsten, mehr Hitzewellen, Dürre und extreme Wettersituationen rechnen müssen. Wir müssen uns jetzt für diesen Wechsel vorbereiten.

Der Bericht über die Kernkraftwerke hat ergeben, dass bei 12 von 19 britischen Atomkraftwerken die Gefahr einer Überflutung und Gefährdung durch die Küstenerosion besteht. Es gibt auch viele stillgelegte Alt-Atomkraftwerke aus den 1950er und 1960er Jahren, der Rückbau noch mehrere Jahrzehnte dauern wird. In Sieben von ihnen, die noch Atommüll beherbergen, besteht die Gefahr einer Überflutung bereits jetzt, weitere drei sind bis 2080 durch die Küstenerosion gefährdet.

Für zwei Atomkraftanlagen wurden ein hohes Überschwemmungsrisiko festgestellt. Es handelt sich um Sizewell in Suffolk und Hartlepool im County Durham. Die bereits stillgelegten, aber auch die aktiven Reaktoren in Dungeness in Kent wird ebenfalls ein hohes Risiko attestiert. Sogar für den neu geplanten Reaktor in Hinkley Point in Somerset, wo es bereits laufende und auch stillgelegte Reaktoren gibt, besteht zur Zeit ein “niedriges” Überschwemmungsrisiko, das sich aber bis 2080 zu einem hohen Risiko steigern wird.

Experten macht am meisten Sorge, dass eine Überschwemmung für Lecks beim Atommüll sorgen würde. “Der Meeresspiegel wird besonders im Südosten von England steigen, das bedeutet, dass alle diese Atomkraftwerke in 100 Jahren im Wasser stehen werden”, erklärt David Crichten, Überschwemmungssspezialist und Professor am Katastrophen-Forschungszentrum am University College in London.

Die Atomindustrie wiegelt, wie man das ja von ihnen kennt, ab. Für EDF Energy sind seine AKW’s alle adäquat geschützt. Das “Office for Nuclear Regulation” (ONR), das für die Sicherheit der britischen Atomkraftwerke zuständig ist, ist überzeugt, dass auch nach einer Überprüfung nach dem Fukushima-Desaster festgestellt werden kann, dass die britischen AKW’s sicher sind. Mike Weightman, der Chefinspektor der ONR hat das Gewissheit: “Ich bin zuversichtlich, dass es keine grundlegenden Schwächen bei der Regulierung der Nuklearindustrie des Vereinigten Königreichs oder bei der Industrie selbst gibt. Wir haben einen zuverlässige und gut begründete Überwachung im Vereinigten Königreich, auch bei extremen Katastrophensituationen. Wir haben fortschrittliche Reaktoren. Das Vereinigte Königreich ist weit entfernt von Erdbebengebieten und deshalb gibt es hier auch diesbezüglich keine Risiken und auch keine Tsunamis, die von ihnen verursacht werden. Aber es ist natürlich keine Zeit für Selbstgefälligkeit, deshalb habe ich der Nuklearindustrie 38 Empfehlungen ausgesprochen”.

Werden wir von solchen Sicherheitsexperten wieder einmal belogen? Warum werden eigentlich bei festgestellten Mängeln nur “Empfehlungen” ausgesprochen und keine Weisungen? Gleichzeitig ist dieser Tage nämlich aufgedeckt worden, dass die britische Regierung und die Nuklearindustrie zwei Tage nach Fukushima beschlossen haben, die Katastrophe in einer PR-Aktion herunter zu spielen. Diese Industrie, angeführt von EDF Energy, Areva, Westinghouse und  das Energie-Department haben haben alles getan, damit die Katastrophe keinen Einfluss auf ihre geplanten Neubauten von Atomkraftwerken in Großbritannien haben kann.

Informationsquelle
Revealed: British government's plan to play down Fukushima – The Guardian
UK nuclear sites at risk of flooding, report shows – The Guardian
Learning lessons from Fukushima: An article by Mike Weightman – ONR