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Ein Clown macht Spass mit Politik

Bei den brasilianischen Wahlen des vergangenen Sonntags kandidierte in São Paulo ein Mann, der über einen beachtlichen Bekanntheitsgrad in Brasilien verfügt. Er nennt sich "Tiririca" und ist von Beruf Clown. Er bekam in São Paulo 1 Million und 300.000 Stimmen. Für manch einen brasilianischen Intellektuellen ein Grund am Geisteszustand seiner Landsleute zu zweifeln.

Natürlich ist Tiririca nicht sein richtiger Name. Der lautet: Francisco Everardo Oliveira Silva. Tiririca erzählt uns von seinem Leben: "Ich wurde im Innern des Bundesstaates Ceará, in einer Stadt namens Itapipoca geboren. Den Übernamen habe ich von meiner Mutter bekommen, die maulig und schlecht gelaunt lebte. Ich habe sieben Geschwister. Mit 8 Jahren habe ich angefangen zu arbeiten, war Verkäufer von Zuckerwatte. Meine Karriere als Clown habe ich im Zirkus begonnen, zuerst als Seiltänzer, Jongleur und Zauberer. Als eines Tages der hauptamtliche Clown nicht im Zirkus erschien, zeigte der Chef auf mich und sagte, du Tiririca machst das jetzt. Das war der Beginn meiner erfolgreichen Clown-Laufbahn. Mit 16 bin ich von zu Hause weg und habe mit meinem eigenen Zirkus eine Tournee durch Ceara gemacht. Bis mir jemand den Zirkus angezündet hat. Das war sehr traurig. Ich musste Hunger leiden, aber ich habe nicht aufgehört zu kämpfen. Mit Hilfe von Freunden konnte ich eine Show aufziehen, mit der ich durch den ganzen Nordosten reiste. Ich trat in Restaurants, Pizzerias, bei Geburtstagen und Festen auf. In den neunziger Jahren hatte ich Glück mit einem Musikstück namens "Florentina". Wir haben eine CD aufgenommen, mit der ich die "goldene Scheibe" gewann. Dadurch wurde ich national und international bekannt. Heute habe ich meine Shows im Fernsehen. Das ist meine Geschichte, mein Leben. Wenn man den Glauben an Gott hat und ehrlich arbeitet, erreicht man seine Ziele. Ich glaube an Gott und deshalb bin ich hier."

Sein Wahlspruch lautet: "Wähle Tiririca, schlimmer als es ist, kann es nicht werden". Das hat wohl viele seiner Wähler überzeugt. Missgünstige hatten versucht ihn mit einem Trick aus dem Rennen zu werfen. Sie verklagten ihn vor dem Wahlgericht mit der Behauptung, dass er weder lesen noch schreiben könne. Scheinbar ist das in Brasilien Wahlbetrug, wenn man so etwas verschweigt. Der Wahlrichter entschied aber für Tiririca mit der Begründung, es gebe keinen Grund für ein Strafverfahren, da bei der Registrierung des Kandidaten festgestellt wurde, dass es keinen Grund für die Nichtwählbarkeit des Kandidaten gebe. Dies beziehe sich auch auf die Beschuldigung, dass er nur eine geringe Bildung hätte oder Analfabet sei.

Jemandem das Recht, gewählt zu werden, abzusprechen, weil er oder sie nicht lesen und schreiben können, das kommt uns unglaublich vor. Es ist aber so, die brasilianische Verfasssung spricht den Analfabeten das passive Wahlrecht ab. Ein Journalist aus Rio bringt es auf den Punkt: "Die Erfahrung zeigt, dass man, um das Parlament zu beschmutzen, sich nicht wie ein Clown anziehen muss. Jene Abgeordnete, die heimlich für abwesende Kollegen im Parlament wählten und dabei erwischt wurden, sahen nicht wie Clowns aus. Sie hatten Anzüge an, genauso wie die Esel vom Haushaltsausschuss, erinnern sie sich? Auch die Geheimakten und Sauereien im Senat wurden von niemandem unterschrieben, der eine rote Pappnase auf hatte."

Damit macht er klar: Lieber ein Hanswurscht als Abgeordneter, der nicht nicht lesen schreiben kann, als die vielen Schmarotzer im Parlament, die zwar lesen und schreiben können, aber sonst nichts taugen.

Siehe auch Blogbeitrag: Brasilianer streiten sich über Wahlplicht

Informationsquelle: Webseite Tiririca, Jornal do Brasil / Blog Rio Acima, Sua excelência, o Tiririca

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