Direkt zum Hauptbereich

Der Kampf des Dreigestirns um die Präsidentschaft

Noch 8 Tage, dann wählt Brasilien einen neuen Präsidenten oder Präsidentin. Der derzeitige Amtsinhaber, Luiz Inácio Lula da Silva, genannt "Lula", darf nach 2 Amtsperioden nicht mehr kandidieren, sonst wäre er vermutlich der sichere Sieger gewesen, denn seine Popularität kennt zur Zeit in Brasilien keine Grenzen. Seine segnende Hand breitet er über Dilma Rousseff aus, die für seine Partei, die Partido dos Trabalhadores (PT; Partei der Arbeiter), die Präsidentschaftskandidatur übernommen hat. Der aussichtsreichste Herausforderer ist José Serra, der für die Partido da Social Democracia Brasileira (PSDB; Partei der brasilianischen Sozialdemokraten), auch Tucanos genannt, kandidiert. Er ist zur Zeit Gouverneur - ein Amt vergleichbar dem Ministerpräsidenten eines deutschen Bundeslandes - des brasilianischen Bundesstaates São Paulo. Die Dritte ist Marina Silva, sie kandidiert für die Partido Verde (PV; grüne Partei). In der Zeit von 2003 bis 2008 war sie Umweltministerin in der Regierung des derzeitigen Amtsinhabers. 2008 trat sie zurück, da sie ihre Umweltziele nicht genügend innerhalb der Regierung durchsetzen konnte. Es gibt noch ein paar weitere Kandidaten wie Ivan Pinheiro von der PCB (kommunistische Partei), José Maria Eymael von der PSDC, Levy Fidelix von der PRTB, Plinio Arruda von der PSOL und Rui Costa Pimenta von der PCO. Chancen hat aber nur das Dreigestirn aus 2 Frauen und einem Mann. Dabei ist hohe Favoritin Dilma Rousseff, weil sie die Protektion von Lula genießt. Alle Kandidaten haben natürlich eine Internet-Wahlkampfseite, auf der sie sich wie folgt vorstellen:

Dilma Rousseff zieht alle Register, um von der Popularität Lula's zu profitieren. Ihr Lebenslauf beginnt mit dem Thema "Wie Lula Dilma entdeckte" und endet mit "Lula und Dilma". Dazwischen steht, dass sie aus Belo Horizonte stammt und 1947 geboren wurde als Tochter des bulgarischen Einwanderes Pedro Rousseff und der brasilianischen Lehrerin Dilma Jane da Silva. Ihr Jugendkapitel steht unter dem Slogan "Das Mädchen, das teilen konnte" und soll beweisen, dass sie schon von Kindsbeinen an eine soziale Ader hatte. Als die brasilianischen Militärs 1964 sich an die Macht putschten, studierte sie Wirtschaft an der Universität von Minas Gerais. Sie kämpfte in verschiedenen Organisationen gegen die Diktatur, wurde 1970 verhaftet und gefoltern und wegen subversivem Verhalten zu über 2 Jahren Gefängnis verurteilt. Als die Militärdiktatur ins Wanken geriet, kämpfte sie in der Kampagne für Amnestie und schloss sich der Partei PDT an. Sie wurde Finanzministerin des Bundesstaates Rio Grande do Sul (Porto Alegre). 1998 begann studierte sie nochmals und zwar das Studium der Sozialwissenschaften, konnte aber keinen Abschluss machen, weil die Politik sie wieder rief und sie erneut einen Ministerposten in Porto Alegre bekleiden musste. Sie brach mit ihrer bisherigen Partei und wechselte zur PT. Nach dem Gewinn der Präsidentschaftswahlen 2002 holte Lula sie in den engeren Kreis der brasilianischen Politik. Die Schlagworte ihrer Webseite: In "Brasilien hat sich geändert" beweihräuchert sie unter dem Begriff "Brasilianischer Stolz" ihr Land, das weltweit ohnehin kaum zu überbieten sei und jetzt auch noch die Fussball-WM 2014 und die Olympischen Spiele 2016 ausrichten werde. Dank ihr und Lula gab es eine erhebliche Reduzierung der Armut in Brasilien. Bei den Plänen für die Zukunft will sie die Politik von Lula fortsetzen, d.h. Armutsbekämpfung, beschleunigtes Wachstum, sauberer Treibstoff, eine von der Wirtschaft gestützte Enwicklung, mehr Energie, rassische Gleichheit, Innovationen, den Traum vom eigenen Haus realisieren können und der Gesunheit Priorität einräumen. Auch die öffentliche Sicherheit ist ihr ein wichtiges Anliegen. Die Pazifierungsprogrammen an den sozialen Brennpunkten sollen fortgesetzt werden, den Brasilianern sollen mehr Möglichkeiten gegeben werden sich durch kulturelle und sportliche Möglichkeiten abzureagieren statt durch Gewalt.

José Serra ist 1942 geboren und er erzählt, dass er mit seiner Familie bei seinem Großvater, einem Gemüsehändler in São Paulo, aufgewachsen sei. Er habe eine Kindheit ohne "Luxus" gehabt. Er bekam eine gute Schulausbildung, was er darauf zurückführt, dass er ein Einzelkind war und seine Eltern somit leichter die Schulkosten aufbringen konnten. Während des Studiums engagierte er sich im Studentenverband UNE. Er bestreitet aber, zu einen bewaffneten Kampf während der Militärdiktatur aufgerufen zu haben, da er geglaubt habe, dass dieser die Repressionen nur noch verschärft hätte. Nach seinem Bekunden wurde er aber als Funktionär der UNE "verfolgt und gejagt".  Er floh über Bolivien nach Frankreich, kehrte aber heimlich nach Brasilien zurück. Nachdem aber seine Freunde verhaftet wurden, floh er erneut, diesmal nach Chile. 13 Jahre lebte er im Exil. In Brasilien wurde er in Abwesenheit wegen subversiver Propaganda von den Militärs zu 3 Jahren Gefängnis verurteilt. Nach dem Sturz Allende's entkam er nur, weil er auf Grund seiner italienischen Herkunft über die italienische Botschaft in die USA flüchten konnte. 1978 kehrte er nach Brasilien zurück. 1982 begann sein Aufstieg in der Regierung des Bundesstaates São Paulo. Er wurde in das Abgeordnetenhaus in Brasilia gewählt. Er rühmt sich bei dieser Tätigkeit  durch eine gute Verandlungsgabe ausgezeichnet zu haben und dabei als wichtigste Errungenschaft, die Einführung der Arbeitslosenversicherung erreicht zu haben. Dann ging es aufwärts: Von 1995 - 1996 war er Planungsminister der brasilianischen Regierung und von 1998 - 2002 Gesundheitsminister. 2004 wurde er zum Bürgermeister von São Paulo gewählt und 2006 zum Gouverneur des Bundesstaates São Paulo. Auf seiner Webseite fragte er sich: "Wie machen wir Brasilien besser?" Diese Frage sollen ihm aber die Leser beantworten, die er dazu auffordert. Sein Motto heisst "Es ist die Stunde der Wende". Und natürlich liebt er Brasilien und startet deshalb auch die Kampagne "Ich liebe Brasilien". Ansonsten ist seine Webseite etwas verwirrend, wenn man etwas zu seinem Progamm wissen will, muss man sich zuerst registrieren.

Marina Silva veröffentlicht auf ihrer Webseite an erster Stelle die neuesten Prognosen. In diesen werden ihr 13% der Stimmen eingeräumt, Dilma 49% und Serra 27%. Sie hofft auf einen 2. Wahlgang, der notwendig wird, wenn Dilma unter 50% liegt. Marina ist die Jüngste im Dreigestirn, sie ist 1958 geboren und heisst mit vollem Namen Maria Osmarina Marina Silva Vaz de Lima. Geboren ist sie im Bundesstaat Acre und ihre Eltern stammen aus dem brasilianischen Nordosten. Gesundheitlich hatte sie eine schwierige Jugend, sie litt an Hepatitis, Malaria und Leishmaniose. Sie musste neben der Schule als Dienstmädchen arbeiten. Es gelang ihr aber auf diese Art und Weise Lesen und Schreiben zu lernen und sogar eine akademischen Abschluss in Erziehungswissenschaft zu erreichen. Sie lernte den Führer der Gewerkschaft der Kautschukarbeiter, Chico Mendes, kennen und engagierte sich über die Theologie der Befreiung und kirchliche Basisgmeinden. Sie war Mitbegründerin des zentralen Gewerkschaftsverbandes CUT. Ihre politische Karriere begann 1986, wo sie sich erstmals 1986 um ein Abgeordnetenmandat bemühte. Zwei Jahre später wurde sie mit grossem Erfolg in Rio Branco zur Stadtverordneten gewählt. 1994 kam sie als jüngste Senatorin nach Barasilien, wo sie auch 2002 wiedergewählt wurde. Im Senat setzte sie sich für eine aktive Umweltpolitik zur Vermeidung von Triebhausgasen ein. Als Umweltministerin trat sie für eine nachhaltige Entwicklung und tatkräftigen Umweltschutz ein. Im Mai 2008 trat sie zurück. In einem Brief an den Präsidenten erklärte sie: "Es ist eine schwierige Entscheidung, Herr Präsident und sie kommt deswegen, weil ich seit einiger Zeit mit erheblichen Widerständen in der Regierung bei der Durchführung der Umwelt-Agenda zu kämpfen habe. Im August verliess sie auch die Arbeiterpartei PT. Sie rühmt sich vieler Auszeichungen und Preise aus der ganzen Welt. Ihr Programm: "Alles in die Praxis umsetzen, was die Gesellschaft in den letzten Jahrzehnten gelernt hat, das Zusammenleben in der Diversität übern, die Anwendung neuer Methoden zur solidarischen Problemlösung, für Rechte der am Rande des Staates Lebenden kämpfen, vernetzt handeln, zusätzliche Kenntnisse über neue Formen des Handelns lernen, Reichtümer ohne Privilegien und ohne Zerstörung des unvergleichlichen brasilianischen Naturerbes produzieren.

Beliebte Beiträge

Elsässer stimmten lustlos über die Wiedervereinigung ab

Das Elsass existiert administrativ-rechtlich im französischen Staat nicht als Einheit. Elsass ist eine historische Bezeichnung für die Region zwischen Vogesen und Oberrhein. Administrativ ist die Region in zwei Departements aufgeteilt: Bas-Rhin (Niederrhein) und Haut-Rhin (Oberrhein). Die Elsässer fühlen sich aber zumindest folkloristisch einer Region Elsass zugehörig.

Dieser Zustand hätte sich jetzt ändern sollen. Die Elsässer stimmten am Sonntag darüber ab, ob die beiden Departements administrativ zu einer Region zusammengelegt werden sollen. Daraus sollte dann ein einheitlicher Regionalrat für das Elsass entstehen. Eigentlich eine wenig weltbewegende Angelegenheit, wenn nicht damit in die vor sich hin tümpelnde elsässische Identitätsfindung neuen Schwung gekommen wäre. Wie schon lange nicht mehr wird die Stellung des Elsass in Frankreichs diskutiert. Bisher überwog das Bedürfnis einer bedingungslosen Anpassung an die französische Sprache und Kultur, obwohl das Elsass historisch ge…

Die polnischen Hetzer, die Christen und Katholiken sein wollen

Es ist immer wieder erstaunlich wie Menschen, die sich gerne auf christliche Werte berufen, mit einer Selbstverständlichkeit Fanatismus und Hass befürworten. Sie sind in der Regel Nationalisten und haben die kleinkarierte Ansicht, dass ihr universaler Gott nur für ihr Völkchen zuständig ist. Ihr Gott scheint dumm genug zu sein, um sich für ihren kleinkarierten Egoismus einspannen zu lassen. Generell sind Völker dieser Erde der Meinung, dass Gott, an den sie vorgeben fest zu glauben, scheinbar mit einer deutschen, französischen, polnischen oder saudiarabischen Flagge in der Gegend rumrennt und für jedes Volk den Hooligan gegen das andere Volk spielt.

Im christlich-katholischen Bereich treiben Vertreter der katholischen Kirche in Polen es zur Zeit besonders toll . Einer von ihnen, der Priester Jacek Miedlar, ist ein besonders geübter Hetzer, der versucht seine Kirche auf sein nationalistisches Gedankengut zu reduzieren. Thomas Dudek berichtet in einem Beitrag auf der Webse…

7 Gründe warum man nicht nach Rumänien auswandern oder fliehen sollte

Journalistin Laura Stefanut von der Webseite “Romania Curata” hat 7 Gründe dafür gefunden, dass man nicht nach Rumänien auswandern oder fliehen sollte. Sie spricht zwar von Einwanderern, aber tatsächlich geht es um Flüchtlinge. Die Situation sieht für diese so aus:

Rumänien ist ein Land, aus dem Millionen Auswanderer nach Westeuropa und Nordamerika ausgewandert sind. Es ist aber kein Land, in das man auswandert. Gegenwärtig gibt es etwa 60.000 Einwanderer von außerhalb der EU im Land. Forscher der Sozialwissenschaften warnen, dass Rumänien auf eine schnelle demographischen Überalterung zusteuert, das viele Vorteile aus der Integration von Einwanderern ziehen könnte. Aber trotz aller Warnungen und Forschungen hat der Staat wenig sinnvolles in diese Richtung getan. Vor kurzem gab es Nachrichten über 2 Flüchtlinge, die aus Versehen in Rumänien gelandet waren und anfingen zu weinen als sie merkten, wo sie waren. Leider, das bestätigen die Forschungen, ist Rumänien kein gutes Z…

Der spanische König will nur seine eigene Haut retten

Nachdem sich König Felipe VI. in der Katalonienfrage voll auf die Seite des Zentralstaates gestellt hatte und nicht den mindesten Versuch unternommen hat, in diesem Konflikt zu vermitteln, war man doch recht gespannt, was Felipe in seiner Weihnachtsansprache dem Volk nach den katalanischen Wahlen, die wieder eine Mehrheit für die Unabhängigkeitsbefürworter brachte, zu sagen hatte.


Um es vorweg zu nehmen: Nichts von Bedeutung, außer dass die Spanier ganz stolz auf sich sein könnten. Wie man mit nichtssagenden Sprüchen versucht dem Problem aus dem Weg zu gehen, ergibt sich aus folgenden Ausführungen:


Und dieser große Wandel (Spaniens), dieser ganz große Sprung nach vorn wie es ihn bisher in unserer Geschichte nicht gegeben hat, war nur möglich dank eines offenen und solidarischen Spaniens, das sich selbst nicht eingeigelt hat; eine Spanien, das unsere Unterschiede anerkennt und respektiert, unsere Pluralität und unsere Verschiedenheit mit einem integrierenden Geist; ein Spanien, das von…

Die britische Pass-Burleske oder so dümmlich tickt der Populimus

Unglaublich, was Theresa May ihren Landsleuten als Weihnachtsgeschenk glaubte machen zu müssen: Die Briten werden statt des bisherigen roten einen blauen Pass bekommen, auf dem auch die ominöse "Europäische Union" nicht mehr erwähnt wird. Suggeriert wird damit - und von den Hurra-Patrioten krampfhaft behauptet -, dass man sich einer weiteren Zwangsmaßnahme der perfiden Europäischen Union gegen das seiner Souveränität beraubten Vereinigten Königreichs damit entledigt. Nur, niemand hat die Briten gezwungen, den roten Pass für seine Bürger anzuwenden, die Entscheidung traf damals allein die Thatcher-Regierung, es so zu machen, wie es seither gelaufen ist.

Die harten Brexit-Anhänger - inzwischen eher eine große Minderheit - laufen seither einen Jubel-Amok. Die Premierministerin May verkündet über Twitter: "Der UK-Pass ist ein Ausdruck von Unabhängigkeit und Souveränität, indem er uns als Bürger einer stolzen, großen Nation symbolisiert. Darum haben wir angekündigt, dass de…

Meinungsfreiheit in Spanien erheblich bedroht

Die spanische "Plattform zur Verteidigung der Informationsfreiheit (PDLI)" hat für 2017 ein deprimierendes Resumée über den Stand der Meinungsfreiheit in Spanien gezogen. In der Zusammenfassung stellt die Präsidentin der PDLI, Virginia Pérez Alonso, fest:

Es fällt schwer im zurückliegenden Zeitraum der demokratischen Entwicklung Spaniens einen Präzedenzfall zu finden für die Unterdrückung der Meinungsfreiheit, wie wir sie dieses Jahr erlebt haben. Es wurden Leute ins Gefängnis gesteckt nur wegen eines Liedes oder einer Twittermeldung. Wir dachten nicht mehr an eine solche Entwicklung und doch geschah es jetzt mitten in Europa im 21. Jahrhundert. Das ist so schwerwiegend, dass wir immer noch Probleme haben, deren Reichweite zur Kenntnis zu nehmen.


Es ist so, dass vor allem Jugendliche, die ihre Meinungen in den sozialen Netzwerken veröffentlichten, Ziel einer so seltsamen Strafvorschrift wie "Verherrlichung des Terrors" war. Dazu gaben Witze über Repräsentanten der …