Mittwoch, 7. Juli 2010

Wie das Donaudelta ruiniert wurde

Die Journalistin Alexandra Bogatu widmet in der "Romania Libera" ihren Kommentar dem Donaudelta. Sie bezieht sich auf den Forscher Marian Tudor vom Nationalinstitut für Forschung und Entwicklung des Donaudeltas, der festgestellt hat: "Es ist das einzige Delta der Welt, das zum Biospährenreservat erklärt wurde.... es steht an dritter Stelle in der Welt in der wissenschaftlichen Bedeutung, nach der grossen Great Barrier Riff in Australien und den Galapagos Inseln bei Ecuardor." Und nun stellt sie fest: "Warum haben die Menschen aus dem Delta Staub und Pulver gemacht? Zwischen den Jahren 1950 und 1990 wurde in einer konzertierten Aktion das Delta einer irrationalen Ausbeutung unterworfen, deren Auswirkungen heute noch zu sehen sind und die wir noch lange sehen werden.

Alexandru Bogatu erklärt uns dann, wie das Delta ruiniert wurde. Die Zerstörung lief in 3 Stufen ab. Es begann mit der Nutzung des Schilfs. Dieser Rohstoff wurde unerbittlich ausgebeutet. In Periprava wurde ein Lager für politische Gefangene als Erntearbeiter eingerichtet, wo viele auf Grund der harten Arbeit und unmenschlichen Lebensbedingungen ihr Leben verloren. In Chişcani bei Brăila wurde ein Papierkombinat gebaut, in der das Schilf verwertet wurde. Für die Ernte des Schilfs wurden Spezialgeräte gebaut. Dies waren Maschinen auf Raupen, die die Schilfwurzeln zerstörten mit Folgen für weitere Ernten. Damit wurden auch die Nistplätze der Vögel zerstört. Nachdem der Rohstoff nicht mehr vorhanden war geriet das Papierkombinat in eine Krise.

Die zweite Stufe begann mit der Einführung der Fischzucht. Um die Ernte zu vereinfachen, wurden künstliche Deiche gebaut. Bis es keine Fische mehr gab! Dadurch wurden die natürlichen Zuflüsse zerstört und gleich damit die Unterwasserkultur. Folge war, dass die Bevölkerung drastische Einkommensverluste hatte, da sie auf den Fischfang angewiesen war.

Die dritte Stufe begann als man das Delta für die Landwirtschaft nutzen wollte. Immense Feutgebiete wurden für eine intensive Landwirtschaft trockengelegt. Das Resultat war eine Katastrophe. Weitflächige Nistgebiete für Vögel wurden zerstört. Die Fischproduktion fiel endgültig gegen Null und die landwirtschaftliche Nutzung brachte nicht das, was man von ihr erwartet hatte. Das Delta war innerhalb kürzester Zeit nur noch ein Schatten früherer Zeiten.

Nach 1990 hat sich das geändert. Viele interessierte Menschen haben das Sterben des Deltas begriffen und sich zu Gegenmassnahmen zusammengetan. Es wurde internationale Hilfe erbeten und die neuen Projekte haben mit hohem Aufwand für Veränderung gesorgt. An den Orten Babina, Cernovca, Fortuna können die ersten Veränderungen gespürt werden. Viele Gebiete wurden unter besonderen Schutz gestellt und wo es eine wirtschaftliche Nutzung gibt, strenge Kontrollen vorgesehen. Es bleibt die Hoffnung, dass das Delta sich wieder zu dieser wunderbaren Welt entwickelt, das es einmal war.

Man möchte hinzufügen: Und dass die Menschheit lernt, dass die Zerstörung unserer Naturschätze auch die Zerstörung unserer Lebensgrundlagen bedeutet.

Siehe auch Blogbeitrag: Verdursten im Donaudelta

Informationsquelle: Romania Libera, Dunăre, Dunăre, drum fără pulbere