Direkt zum Hauptbereich

Wie das Donaudelta ruiniert wurde

Die Journalistin Alexandra Bogatu widmet in der "Romania Libera" ihren Kommentar dem Donaudelta. Sie bezieht sich auf den Forscher Marian Tudor vom Nationalinstitut für Forschung und Entwicklung des Donaudeltas, der festgestellt hat: "Es ist das einzige Delta der Welt, das zum Biospährenreservat erklärt wurde.... es steht an dritter Stelle in der Welt in der wissenschaftlichen Bedeutung, nach der grossen Great Barrier Riff in Australien und den Galapagos Inseln bei Ecuardor." Und nun stellt sie fest: "Warum haben die Menschen aus dem Delta Staub und Pulver gemacht? Zwischen den Jahren 1950 und 1990 wurde in einer konzertierten Aktion das Delta einer irrationalen Ausbeutung unterworfen, deren Auswirkungen heute noch zu sehen sind und die wir noch lange sehen werden.

Alexandru Bogatu erklärt uns dann, wie das Delta ruiniert wurde. Die Zerstörung lief in 3 Stufen ab. Es begann mit der Nutzung des Schilfs. Dieser Rohstoff wurde unerbittlich ausgebeutet. In Periprava wurde ein Lager für politische Gefangene als Erntearbeiter eingerichtet, wo viele auf Grund der harten Arbeit und unmenschlichen Lebensbedingungen ihr Leben verloren. In Chişcani bei Brăila wurde ein Papierkombinat gebaut, in der das Schilf verwertet wurde. Für die Ernte des Schilfs wurden Spezialgeräte gebaut. Dies waren Maschinen auf Raupen, die die Schilfwurzeln zerstörten mit Folgen für weitere Ernten. Damit wurden auch die Nistplätze der Vögel zerstört. Nachdem der Rohstoff nicht mehr vorhanden war geriet das Papierkombinat in eine Krise.

Die zweite Stufe begann mit der Einführung der Fischzucht. Um die Ernte zu vereinfachen, wurden künstliche Deiche gebaut. Bis es keine Fische mehr gab! Dadurch wurden die natürlichen Zuflüsse zerstört und gleich damit die Unterwasserkultur. Folge war, dass die Bevölkerung drastische Einkommensverluste hatte, da sie auf den Fischfang angewiesen war.

Die dritte Stufe begann als man das Delta für die Landwirtschaft nutzen wollte. Immense Feutgebiete wurden für eine intensive Landwirtschaft trockengelegt. Das Resultat war eine Katastrophe. Weitflächige Nistgebiete für Vögel wurden zerstört. Die Fischproduktion fiel endgültig gegen Null und die landwirtschaftliche Nutzung brachte nicht das, was man von ihr erwartet hatte. Das Delta war innerhalb kürzester Zeit nur noch ein Schatten früherer Zeiten.

Nach 1990 hat sich das geändert. Viele interessierte Menschen haben das Sterben des Deltas begriffen und sich zu Gegenmassnahmen zusammengetan. Es wurde internationale Hilfe erbeten und die neuen Projekte haben mit hohem Aufwand für Veränderung gesorgt. An den Orten Babina, Cernovca, Fortuna können die ersten Veränderungen gespürt werden. Viele Gebiete wurden unter besonderen Schutz gestellt und wo es eine wirtschaftliche Nutzung gibt, strenge Kontrollen vorgesehen. Es bleibt die Hoffnung, dass das Delta sich wieder zu dieser wunderbaren Welt entwickelt, das es einmal war.

Man möchte hinzufügen: Und dass die Menschheit lernt, dass die Zerstörung unserer Naturschätze auch die Zerstörung unserer Lebensgrundlagen bedeutet.

Siehe auch Blogbeitrag: Verdursten im Donaudelta

Informationsquelle: Romania Libera, Dunăre, Dunăre, drum fără pulbere

Beliebte Beiträge

Gibraltar, Ostereier und des britischen Patrioten kriegerischer Abgang aus Europa

Scheinbar hat die britische Regierung bei ihrem nun formell erklärten Abgang aus der EU Gibraltar vergessen, genauso wie sie sich bisher wenig Gedanken um Nordirland und Schottland gemacht hat. Gibraltar, der kleine Felsen in Südspanien, der stolz für die kümmerlichen Reste des britischen Reiches steht. Richard Murphy, anerkannter Finanzfachmann, schreibt auf seinem Blog “Tax Research UK”, was er von dieser seltsamen Kolonie hält:

“Gibralter ist ein Außenposten einer Zeit, die immer noch in Köpfen ähnlich denen von William Hague existiert. Es ist ein Überbleibsel aus der Zeit des Empire und des Kolonialismus, das keinen Platz in einem modernen Europa hat, in welchem das Vereinigte Königreich (UK) offensichtlich nicht Teil sein will. Es wurde geschaffen als Steueroase und ist ein Zentrum für Offshore-Wettbüros. Das Erste ist ein Versuch zur Unterminierung der globalen Wirtschaft und der legitimen Steuereinkommen demokratisch gewählter Regierungen. Das Zweite ist verbunden m…

Eine Autobahn durch die Karpaten, das wünschen sich viele

Rumänien hat eine neue Regierung und wieder einmal verspricht diese der Bevölkerung endlich die seit langem gewünschten Autobahnen zu bauen. Unter anderem steht die Karpatenquerung zwischen Kronstadt / Brasov über Comarnic nach Bukarest an oberster Stelle der Prioritätenliste. Comarnic ist eine Kleinstadt am Südrand der Karpaten, während Kronstadt in Siebenbürgen am nördlichen Karpatenrand liegt.

Wer gerne wissen möchte, wie zur Zeit die Situation auf einer der wichtigsten Verkehrsverbindungen zwischen Siebenbürgen und dem südlichen Rumänien aussieht, dem sei der nachstehende Artikel in der Allgemeinen Deutschen Zeitung für Rumänien empfohlen:

Das Programm der Sozialdemokratischen Partei (PSD), die in Allianz mit ALDE die neue Regierung stellt, nachdem sie vom Parlament und Staatspräsident Klaus Johannis eingesetzt wurde, sieht die Gründung eines eigenstaatlichen Fonds für Investitionen und Entwicklung (Fondul Suveran de Investiţii şi Dezvoltare) in Höhe von zehn Milliarden Euro für d…

Brasilianer erfahren, dass ihnen Gammelfleisch serviert wird

Gestern hat die brasilianische Bundespolizei unter dem  Decknamen “Operation schwaches Fleisch” (Operação Carne Fraca) eine Razzia in mehreren Bundesstaaten gestartet. Ziele waren die Fleischfabriken von JBS (Friboi), BRF (Sadia/Perdigão) und Seara. JBS gehört zu den weltweit größten Lebensmittelkonzernen, BRF wird zu den 50 wertvollsten Unternehmen Brasiliens gezählt und Seara war einer der offiziellen Sponsoren der Fußball-WM 2014.

Nach Mitteilung der Bundespolizei haben lokale Aufsichtsbehörden des Ministeriums für Fischerei und Landwirtschaft die Unternehmen bevorteilt zu Lasten des öffentlichen Interesses. Die beschuldigten Beamten und Politiker hätten ihre Ämter genutzt, um gegen Bestechung falsch deklarierte Lebensmittel mittels der Herausgabe von Unbedenklichkeitszertifikaten zu ermöglichen, ohne dass die Qualität der Produkte tatsächlich überprüft wurde. Mit diesen gefälschten Zertifikaten verkauften laut Bundespolizei die genannten Unternehmen Fleisch, dessen G…

Kälte und Angst lassen Frankreich zittern

Derzeit herrschen grausame Minus-Temperaturen in Frankreich, die Bevölkerung dreht die beliebten elektrischen Heizungen auf Hochtouren und verursacht damit auch noch die Angst, dass plötzlich das ganze Stromnetz kollabieren könnte. Diese Woche wird das Thermometer in Frankreich nicht über 0 Grad klettern. Das für die Stromnetze verantwortliche Unternehmen RTE gibt bekannt, dass man sich einem historischen Höchststand beim Elektrizitätsverbrauch nähere. Und das zu einer Zeit, in der 5 Atomkraftwerke wegen Sicherheitsmängel abgeschaltet sind. RTE bezeichnet die Situation als fragil, rechnet aber nicht mit Zusammenbrüchen im Stromnetz. Man werde Strom aus den Nachbarländern importieren, vorsorglich die Versorgung von 21 Industrieanlagen mit extrem hohen Stromverbrauch abschalten und die Spannung im Netz verringern.

Ein wichtiger Grund für den Notstand sind die vielen stromfressenden Elektroheizungen in Frankreich. In den glorreichen Zeiten der Atomenergie, in denen man in…

Rumänien und die Europäische Union

Rumänien ist jetzt seit 10 Jahren Mitglied der Europäischen Union. Der Journalist und Politikwissenschaftler Cristian Preda hat auf der Webseite der Zeitung "Adevarul" unter dem Titel "Rumänien in der EU: Ein Jahrzehnt, drei Herausforderungen" eine Zusammenfassung des bisher Erreichten geschrieben, die ich anliegend in Auszügen wiedergebe:

Wir sind jetzt schon 10 Jahre in der Europäischen Union. Die wirtschaftliche Bilanz ist positiv: Das Bruttosozialprodukt hat sich verdoppelt, der Durchschnittslohn ist um 66% gestiegen, wir haben etwa 25 Milliarden Euro an Hilfen erhalten. Politisch stehen wir nicht so gut da. 

Ich gehe hier auf 3 Punkte ein.

Der erste Punkt ist der "Mechanismus der  Zusammenarbeit und Verifizierung" (MCV). Er wurde als Kompromiss eingerichtet, damit wir am 1. Januar 2007 der EU beitreten konnten. Bei diesem Mechanismus MCV ging es um das Funktionieren der Justiz. Im Lauf der 10 Jahre haben nur wenige geglaubt, dass die Reform dieses Bere…

Rumäniens erfinderische Polit-Gauner

Rumäniens sozialdemokratische Partei (PSD), Wahlsiegerin bei den letzten Wahlen, testet einen neuen Holzweg. Da einige ihre Mitglieder keine saubere Westen haben und in Korruptionsverfahren stecken oder schon verurteilt sind, haben sie darüber nachgedacht wie man den lästigen Korruptionsparagraphen im Strafgesetzbuch die Schärfe nehmen könnte. Der neue Ministerpräsident hat deshalb in einer Notverordnung (!) festgelegt, dass eine Bestechung bis zur Höhe von 45.000 Euro nur noch als Ordnungswidrigkeit behandelt werden soll. Die Notverordnung muss noch im Gesetzblatt veröffentlicht werden.

Das war vielen Rumänen nun doch ein Stück zu dick. Die Straßenproteste, an denen sich Staatspräsident Johannis beteiligte, nehmen zu und es zeichnet sich ab, dass die Notverordnung nicht so einfach durchkommen wird. Inzwischen hat auch die EU aufgemerkt, denn Rumänien steht immer noch in einem Monitoring-Verfahren bezüglich des Kampfes gegen die Korruption. Die Demonstranten haben also …