Mittwoch, 28. Juli 2010

Katalonien's Stiere können aufatmen

Das katalanische Parlament hat heute morgen mit 68 zu 55 Stimmen ein Verbot von Stierkämpfen in Katalonien beschlossen. Die parlamentarische Abstimmung erfolgte auf Grund eines Volksbegehrens, das mit 180.000 Unterschriften das Verbot gefordert hatte. Die Initiatoren des Volksbegehrens feierten den Erfolg mit starkem Applaus.

Auf der Tribüne des Parlaments befand sich auch eine Gruppe um den Stierkämpfer Luis Corrales, die für die Weiterführung der Stierkämpfe gekämpft hatte und nun nach dem Beschluss in tiefe Depressionen verfiel. Der Beschluss fiel erheblich eindeutiger aus als angenommen. Die Befürworter des Stierkampfes wiesen unter anderem daraufhin, dass mit dem Verbot hohe finanzielle Verluste entstünden, die sie auf 400 Millionen Euro bezifferten. Ein Mitglied der konservativen Partido Popular verstieg sich sogar dazu, auf den Widerspruch zwischen der Verteidigung des Tierschutzes und der Abtreibungsbefürwortung einiger Parlamentarier hinzuweisen. Die sozialistische Partei, PSC, gab für seine Mandatsträger die Wahl frei. Auf den Punkt brachte es der Vertreter der Partei ICV (Iniciativa per Catalunya Verds), eine Vereinigung der Linken und Grünen, der erkärte, dass es hier nicht um den Kampf gegen die Stierkämpfer gehe, sondern um eine archaische Form eines Schauspiels zur Unterhaltung des Menschen.

Dass das Verbot so klar durchkam, wird auch auf den Ärger der Katalanen über das Urteil des spanischen Verfassungsgerichtshof zurückgeführt, der vor kurzem Teile der katalanischen Verfassung für verfassungswidrig erklärt hatte. Der Stierkampf ist eine heilige Kuh in Süd- und Zentralspanien, wo das Volk noch fanatisch zum Spektakel steht. Die Katalanen verhielten sich schon immer eher desinteressiert gegenüber dem Stierkampf, der vom Interesse der vielen aus Andalusien nach Barcelona zugereisten "Gastarbeiter" lebte. Somit gab es eine günstige Gelegenheit denen in Madrid eins auszuwischen!

Informationsquelle: El Periódico, VOTACIÓN HISTÓRICA El Parlament prohíbe las corridas de toros