Freitag, 9. Oktober 2009

Olympiastadt übt schon mal den Verkehrsnotstand

Bereits seit Monaten befindet sich Rio de Janeiro im Verkehrsnotstand. Es sind die Bahnen, die zur Zeit die grössten Probleme machen. Sie sind chronisch überfüllt. Die Passagiere werden von Sicherheitsleuten in die Wagen gepfercht, Kontrolleure, die eigentlich dem Kunden dienen sollten benehmen sich wie Sklavenhalter. Mit Tritten und Schlägen wird die Menge zusammengetrieben, um die Türen schliessen zu können.

Kein Wunder, dass dieser Tage die Herde der Bahnbenutzer den Aufstand wagt. Das Fass ist nicht voll, es ist am Überlaufen. Die Öffentlichkeit verlangt nach einer umgehenden Reform. Am Mittwoch hatte eine Panne im Elektro-System zu einer Revolte der Passagiere geführt. Diese zerstörten zwei Züge und zugleich noch die Bahnstationen Nilópolis und Mesquita, zündeten Wagons an und zettelten einen Tumult an, bei dem 12 Personen verletzt wurde. Dieser Vandalismus zeigt, dass die Nerven der Bahnbenutzer wegen der miserablen Transportbedingungen aufs Höchste angespannt sind.

Gestern hatte ein Zug im Bahnhof "Central do Brasil" technische Probleme, die das ganze Bahnnetz Rio's für 40 Minuten lahm legte. Die Passagiere, die bereits im Zug sassen, mussten diesen verlassen und erneut begann ein Tumult. Die Bereitschaftspolizei musste gerufen werden, um den Aufstand unter Kontrolle zu bringen. Tränengas und Gummikugeln wurden eingesetzt. Erneut gab es 5 Verletzte.

Das Bahnsystem von Rio benötigt eindeutig höhere Investitionen. Die Bahngesellschaft SuperVia, die den Betrieb der Stadtbahn 1998 übernommen hat, hat die Infrastruktur vernachlässigt. Es fehlen Züge und Wartungskapazitäten. Die Folge sind ständige Verspätungen, überfüllte Züge, was bisher von den Bürgern geduldig ertragen wurde. Was aber dazu kommt, ist eine völlig fehlende Service-Bereitschaft des Personals, die die Kunden wie Vieh behandeln. Kunden werden autoritär abgefertigt, es gibt keine ausgebildetes Personal für Notfälle und Einhaltung der Sicherheit. Die vernachlässigte Infrastruktur und unfähiges Personal machen die Situation derzeit zu einem Pulverfass.

Werden die Behörden diese Zeichen verstehen? Der zuständige Gouverneur von Rio, Sérgio Cabral, sieht sich nicht schuldig. Während seiner Regierungszeit habe man ausreichend in neue Züge investiert. Aber auf jeden Fall sollen bis zur Fussball-Weltmeisterschaft 2014 60 neue Züge gekauft werden, alle mit Klimaanlage. Die Öffentlichkeit verlangt aber auch, dass das Personal endlich für einen kundengerechten Service trainiert wird.

Informationsquelle: Jornal do Brasil,
Tensão nada passageira