Dienstag, 13. Oktober 2009

Schengen: Ist die Schweiz schon untergegangen?

Das von rechten Populisten gemalte Bild einer Schweiz in höchster Gefahr, falls man dem Schengen-Abkommen beitrete und damit einen Schritt auf die Europäische Union zumache, wo ist es geblieben?

Vor der Volksabstimmung zum Schengen-Abkommen machte die Schweizerische Volkspartei (SVP) mit folgenden Argumenten Stimmung: "Sicherheit ist nur noch an den Aussengrenzen der EU ein Thema, im Inner-EU-Raum sollen Schleierfahndungen das Defizit wett machen. Dies ist vergleichbar mit dem Suchen nach der Nadel im Heuhaufen und hätte für die Schweiz Folgen: Viel grösserer Personalbedarf mit viel weniger Aufgriffen. Wenn heute weit über 100'000 Personen pro Jahr an der Grenze angehalten und zurückgewiesen werden, so zeigt dies klar, was sich so alles im EU-Raum frei bewegt und in Zukunft ohne Kontrolle über unsere Grenzen reisen könnte."

4 Jahre später müsste die Schweiz nun eigentlich von den Kriminellen überrannt worden sein. Aber seltsamerweise kommen dazu auch nicht mehr Klagen wie vorher. Im Gegenteil, die Schweiz scheint mit dem Schengen-Raum zu gewinnen. Heute berichtet der Tagesanzeiger aus Zürich unter dem Titel "So möchte Zürich die Russen anlocken", dass die Zürcher Tourismus-Organisationen ein sehr grosses Interesse an einer Steigerung der Besucherzahlen aus Russland habe. "Die Gründe dafür ortet Zürich Tourismus unter anderem beim Schengen-Visum, das den Touristen aus Osteuropa die Einreise in die Schweiz vereinfacht habe", berichtet der Tagesanzeiger.

Das ist nun die Kehrseite einer grösseren Freizügigkeit in Europa. Die Schweiz ist auf Tourismus angewiesen. "Die Tourismusbranche ist eine wichtige Arbeitgeberin: gesamtschweizerisch arbeitet jede zwölfte Person im Bereich des Tourismus. In den Berggebieten ist es gar jede dritte Person, die zum grossen Teil von den Einnahmen aus dem Tourismus lebt", informiert die Webseite "swissworld.org".

Da mit Schengen Einreisehemmnisse gefallen sind, ist das natürlich auch für die Schweiz ein Vorteil. Denn gerade in Osteuropa gibt es ein vermögendes Kundenpotential, das man mit den SVP-Parolen nur abschrecken konnte, die aber jetzt aber unter erleichterten Umständen gerne bei einer Reise nach Paris die Shoppingtour in Zürich mitnehmen.

Informationsquelle: Tagesanzeiger, So möchte Zürich die Russen anlocken und Zürich hat es auf die Russen abgesehen
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